Ein offener Brief an Alle (die sich gerade überlegen aus der Kirche auszutreten):

Bitte, tretet doch einfach aus der katholischen Kirche aus!

Kölner Dom bei Nacht

24.03.2021 – 10 Tage vor Ostern.

Es ist eigentlich vollkommen lächerlich ausgerechnet JETZT diesen Text zu schreiben, aber nach Jahrzehnten erschreckender Verhaltensmuster reichte dieser kleine Moment, um das Fass endgültig zum Überlaufen zu bringen.

Ich bin als Kind jeden Sonntag in der Kirche gewesen und war über die Geschenke, die es dann zu Kommunion gab, sehr glücklich. Die Stunden Sonntag morgens vor Ort habe ich nur als inhaltslose Langeweile in Erinnerung. (70 jährige Pfarrer hatten in den 80-ern noch nicht gelernt eine Sprache zu sprechen, der auch kleine Kinder folgen konnten.)
Dank eines progressiven Religionslehrers und mehreren Denk-Anstößen von anderen Lehrkräften in der Jugend wuchs meine Irritation gegenüber der Institution schon in frühen Jahren, so dass ich mich schon zu Zeiten der Firmung gegen eine Teilnahme entschied.
Meine Eltern machten mir diese Entscheidung leicht, da sie klar machten, dass es dieses Mal keine Geschenke geben würde, da ich mich aus Überzeugung dafür entscheiden sollte, und nicht wegen der Bezahlung. Eine sehr löbliche - für die Institution „katholische Kirche“ - sehr ungewöhnliche Ansicht, wenn man sich die Kosten von 31 Millionen Euro für die Renovierung der Privat-Residenz des ehemaligen kath. Bischofs Tebartz-van Elst (Limburg, 2014) vor Augen führt.

In diesen Zeiten war Aids das Thema Nr. 1


Aids in den späten 80-ern und früher 90ern – heutzutage am ehesten vielleicht mit der Medien-Wirksamkeit von Corona zu vergleichen.
Auch wenn das Internet zu diesen Zeiten eher theoretischer Natur war, war man immerhin so weit informiert, dass man wusste, das viele 100.000-e, gar Millionen Menschen in Afrika und Südamerika daran starben. Durch die dauerpräsente und kongeniale Werbung im Fernsehen „Erika – was kosten die Kondome?“ wusste man auch was dagegen schützt. Kondome und die katholische Kirche

Das sich in dieser Zeit vor allem die katholische Kirche weiterhin vehement gegen die Nutzung von Kondomen aussprach und damit den Tod von unzähligen Menschen in tief gläubigen Regionen der südlichen Hemisphäre in Kauf nahm, konnte ich sowohl damals als auch heute nicht nachvollziehen! Wir werden aber sehen, dass sich dieses Konzept bis heute in der Kirche durchsetzt. Hier wurden also Millionen Menschenleben riskiert und geopfert. Seit Beginn der Epidemie starben weltweit bis heute knapp 33 Millionen – die meisten davon in Afrika und Südamerika, also Regionen, in denen die katholische Kirche auch heute noch großen Einfluss hat.

Und wofür das? Weil die katholische Kirche der Ansicht ist, man solle nur Sex haben um Nachwuchs zu zeugen…???!!! Echt jetzt? In den 80-ern und 90-ern noch? - Mittelalterliche Moralvorstellungen standen also über dem Schutz des Leben der Menschen in den südlichen Regionen der Welt.

Als Jugendlicher, der eher davon träumte Sex zu haben, als es tatsächlich schon praktizierte waren meine hormon-gesteuerten Überlegungen selbst aus heutiger Sicht, sicherlich christlicher, mehr voll Nächstenliebe und auch menschlicher, als die Aussagen des Vatikans zu dieser Zeit.

Auch das Thema Homosexualität hatten wir damals schon ganz Kirchenkritisch auf dem Schirm.


Gleichgeschlechtliche Paare

Man proklamierte zwar auf dem Schulhof noch lautstark, daß dies und jenes ja total schwul wäre, hatte aber andererseits wenig bis keine Vorbehalte gegen die Lebensart an sich. Man kannte damals kaum jemand der öffentlich schwul oder lesbisch lebte, letztlich fand man es komisch - aber irgendwie ja auch ok.

Klingt heute ganz schön furchtbar – war damals aber relativ progressiv, wenn man die Aussagen der katholischen Kirche daneben stellt: Unzucht, Sittenverfall, unheilbar krank, psychische Störung spiegeln die Meinung der kath. Kirche wider. Damals und selbst heute (bei den komplett Unverbesserlichen) noch: Bei vielen katholischen „Würden“-Trägern die offizielle Sprachregelung.

Das im katholisch geprägten Christentum eben nicht alle Menschen gleich sind und Nächstenliebe nur denen zuteil wird, die es aus Sicht des Vatikans auch verdienen ist auch heute noch Fakt.

Apropos „Menschen, die es nicht verdienen“ – kommen wir zu den Frauen in der katholischen Kirche:


Maria 2.0 - Sie können nicht loslassen...

Das Frauenbild der katholischen Kirche hat sich seit dem Mittelalter eigentlich nicht grundlegend verändert. Bringen wir uns die These des Geschlechtsverkehrs aus dem einzigen Grunde der Vermehrung in Erinnerung und machen einen Punkt dran. Das war’s. Punkt.

Als Vater einer mittlerweile 21-jährigen Tochter, die dank katholisch geprägter Mutter im Schoße der katholischen Kirche aufwuchs, war es mir Anfang des neuen Jahrtausends ein Graus meine Tochter in einer Institution zu sehen, die es ihr schlicht und einfach auf Grund Ihres Geschlechts zur Geburt untersagte gleiche Ränge zu bekleiden oder gleiche Rechte zu besitzen wie die männlichen Mitstreiter ihrer Glaubensgemeinschaft. Diese Absurdität ist im 21 Jahrhundert zum Glück aus jeder gesellschaftlichen Ebene verschwunden – nur die katholische Kirche kann sich es erlauben die Gleichheit der Menschen zu leugnen.
Im Ernst: Wieviel Prozent der Psychotherapeuten und Coaches sind Frauen? Wem würde man mehr Einfühlungsvermögen bei persönlichen, gefühlsbetonten Fragen und Problemen zutrauen? Und wieviel Prozent der Pfarrer sind weiblich? Null. Wir blicken also auf einen Verein, der die wohl besseren Arbeitskräfte bewusst ausschließt, wahrscheinlich aus Angst sich so der eigenen Unzulänglichkeit klar zu werden.

Das wird sich so leider auch nicht ändern – solange junge 70-Jährige und noch viel ältere junge Männer bestimmen, wie die katholische Kirche zu funktionieren und agieren hat. [Wenn Atomkraftbetreiber die Energiepolitik in Deutschland zu 100% bestimmen könnten, gäbe es sicherlich auch keine Photovoltaik auf unseren Dächern…] ist ja eigentlich logisch. Es geht um Macht-Verlust.

Und da, liebe Maria 2.0, verstehe ich euch nicht. Ihr macht 50% der kath. Kirch in Deutschland aus. Ihr seid - weil ihr seid was ihr seid - von den wichtigsten Ämtern ausgeschlossen und könnt maximal als einfache Hilfskraft dienlich sein. Und ihr zahlt dafür auch noch Geld.
Warum tut ihr euch das an?
Der Austritt ist soviel einfacher, schneller, und glücklich machender als euer Ziel – das ihr innerhalb der katholischen Kirche in diesem Jahrzehnt nicht mehr erreichen werdet.

Welche Frau würde in einen Sport- oder Musikverein eintreten, in dem Frauen nicht die gesetzlich verankerten (!!!) gleichen Rechte besitzen wie Männer? Ganz davon abgesehen, dass solche Vereine schwer zu finden wären, weil rechtlich, finanziell kaum tragbar. 2019 wurden Vereine, die das jeweils andere Geschlecht ausschließen als „NICHT GEMEINNÜTZIG“ eingestuft. Damit entfallen steuerliche Vorteile für all diese Gruppierungen.
Selbst der Männerchor im Dorf bei uns um die Ecke wird seit ein paar Jahren von einer Frau dirigiert.
Und mal ehrlich – Männerchöre sind jetzt nicht weitläufig als die progressivsten Vereine Deutschlands bekannt. Im Vergleich zur katholischen Kirche sind sie es anscheinend aber schon.

Kleines Gedankenspiel: Wenn alle Maria 2.0-er*innen WIRKLICH für Ihre angeborenen Rechte einstehen möchten, tretet aus und gründet eine eigene Religion oder geht zu den evangelischen Glaubensbrüdern - äh... -schwestern, die dann aber gleich bedeutsam sind wie ihre Brüder : -) Ja, richtig – wir haben ja noch eine halbwegs progressive christliche Kirche zur freien Wahlmöglichkeit!


Nach meinem persönlichen Frauen-Aufreger Anfang der 2000-er gab es den weltweiten Aufreger der uns bis HEUTE begleitet:

Sexueller (struktureller?) Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche


Katholische Pfarrer weltweit, denen Sex von Haus aus verboten wird, haben also eine gesellschaftlich betrachtet überpropotionale pädophile Neigung (vorwiegend zu kleinen Jungen) – leben diese ungestraft aus – und verurteilen nebenher öffentlich sexuell anders Denkende als "psychisch krank".
Also die gesunde, EINVERNEHMLICHE Beziehung zweier Erwachsener des gleichen Geschlechts wird verteufelt, der sexuelle Mißbrauch von alten weißen Männern an kleinen Jungen aber unter den Altar gekehrt... schöne moralische Welt die uns da beschert wird.
Das alles ist so unglaublich und ungeheuerlich und voller falscher Moral, das es bisher keinen Bericht gibt, der das auch nur ansatzweise ins richtige Licht rückt. (Anschauungsmaterial über den Beginn der Aufklärung bietet zumindest der Film „Spotlight“ aus dem Jahr 2015).

Sturktureller Kindesmissbrauch an der katholischen Kirche

Wir reden hier über Sexual-Verbrechen an Kindern.

Der spontane wie unsinnige Reflex in (a)sozialen Medien wie Facebook und Co lautet bei solchen Schlagzeilen dann immer schnell „So einem Schwein sollte man den [...] abschneiden“. Wahrscheinlich gehen jedoch die gleichen Menschen, die sich laut aufregen nächsten Sonntag - oder zumindest nächste Weihnachten - wieder unreflektiert in die Kirche.

Die Reaktion auf solche Fälle in Sportvereinen (2. Problemfeld NACH der kath. Kirche) ist meist schnell und eindeutig. Täter kommt ins Gefängnis oder die „Geschlossene“ und eine gesellschaftlich Ächtung ist lebenslang garantiert.

Die gleichen Fälle in der Kirche sorgten dagegen Jahrelang dafür, dass der entsprechende Pfarrer „strafversetzt“ wurde und sein Treiben mit anderen, „frischen“ Kindern an anderer Stelle weiter ausüben konnte.

Wir haben in unserer aufgeklärten Gesellschaft also auch heute noch eine zweite (katholische) Rechtsprechung, die unabhängig von unserer Justiz agiert.

Nur noch mal zur Einordnung: Jeder Verein, jede Gruppierung, der man strukturelle Missbrauchsvorwürfe gegenüber Kindern machen kann, wäre am nächsten Tag verboten und einfach nicht mehr existent.
Wenn in einer Kleingärtner-Anlage eine Handvoll Menschen Kinder missbrauchen ist das unglaublich schlimm und wird bestraft – und die Medien schreiben darüber monatelange Aufreißer. Was vollkommen richtig ist!

Wenn in Deutschland nachgewiesener Weise 1670 Kleriker der kath. Kirche Missbrauchsvorwürfen gegenüberstehen (und man wohl von einer deutlich höheren Dunkelziffer ausgehen kann), dann taugt das weniger als Aufmacher und Dauerthema, weil es in seiner Monstrosität sehr schwer zu vermitteln ist.

Die Abartigkeit wird noch tragischer, wenn man sich die vor sich hergetragene, moralische Anmaßung der katholischen Kirche vor Augen führt. Eine Institution, die sich als moralische Instanz präsentiert und so handelt gehört nicht einfach bestraft – sie gehört abgeschafft.


Neben diesem Thema wirken finanzielle Medien-Desaster der Kirche aus neuerer Zeit fast schon albern. Es hieß immer Donald Trump würde Katastrophen und Rechtsbrüche einfach mit noch schlimmeren Katastrophen und Rechtsbrüchen vergessen machen. Wenn wir auf die katholische Kirche schauen waren es wohl weder die Schweizer, noch Donald Trump sondern eine Kirche die das Prinzip über 2 Jahrtausende entwickelt und perfektioniert hat.

"Lustige" Tatsachen zur christlichen katholischen Kirche und Finanzen:


Die kath. Kirche schwimmt im Geld – Diözesen besitzen teils hohe Millionen-Summen in Immobilien, Grundstücken und Fonds.

Katholische Kirch: Es geht um Macht und Geld...

Als die Corona-Krise in der ersten Welle durchschwappte war sich Deutschland einig, den Pflegerinnen und Pflegern eine ordentliche Extra-Zahlung zu teil werden zu lassen. Das wurde so beschlossen und umgesetzt. In ganz Deutschland? Naja – zumindest in den Kliniken die nicht von der katholischen Kirche geleitet werden. Also der Staat bezahlte seinen Pfleger*innen das Geld – die Kirche tat dies nicht oder später nur halbherzig unter aufkommenden medialem Druck.
Im Jahr 2021 war sich der Bund (wieder der Staat) und die privaten Pflegeeinrichtungen (Krankenhäuser, Altenheime, etc.) einig, einen allgemein gültigen Tarif-Vertrag zu unterzeichnen. Damit hätten alle Pfleger*innen einen Mindestlohn erhalten, der deutlich über der aktuellen Bezahlung liegt.
Warum es nicht zustande kam? Weil die Kirchen in Deutschland (selbst Träger vieler Kliniken) dagegen waren.

Die christliche katholische Kirche ist also nicht bereit Ihren Pflegekräften einen fairen Lohn zu bezahlen.
Spätestens beim Geld hört dann die Nächstenliebe in der katholischen Kirch auf. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass die meisten Pfleger*innen weiblich sind. Das würde aus katholischer Sicht ja durchaus Sinn ergeben. (Im Zweifel hier nochmal die Rolle der Frau in der kath. Kirche verinnerlichen).

Der letzte Punkt der heute am 24.03.2021 den Kreis wieder schließt:


Die dritte Welle Corona schwappt gerade über uns. Ich selbst lebe in einem Landkreis mit einer 300+ Inzidenz. Wir wissen, B.1.1.7 ist ansteckender, länger übertragbar und tödlicher als sein wilder Kollege. Der Bund rief gestern alle Kirchen dazu auf, alle Präsenzgottesdienste an Ostern ausfallen zu lassen. (Macht sicherlich Sinn, denn auch ohne den Briten waren viele Ausbrüche während der ersten Welle auf Kirchenbesuche zurückzuführen).

Wie reagieren hier beide deutschen Kirchen? Das Osterfest ist uns so wichtig (klar, es IST der wichtigste Feiertag der Christen), dass wir einfach trotzdem alles aufmachen und lustig Ostern in der Kirche feiern.
Mit dem Wissen, dass sich trotz Sicherheitsmaßnamen, viele Leute in den Kirchen anstecken können und werden, planen hier die Verantwortlichen schöne Feiern im Namen Gottes.

Naja – jetzt trifft es wenigstens nicht mehr Afrika und Südamerika wie in den 80-ern und 90-ern, dieses mal trifft es uns selbst. Und vielleicht ist der oder die ein oder andere ja doch aufgeklärter, als es sich die katholische Kirche wünscht, die hier wieder die eigene Position über den Schutz der Menschen hebt.


Oh Gott, ich weiß nicht, ob es Dich gibt. Aber falls doch:
Du hättest Dir Dein Personal hier unten echt genauer anschauen sollen!


Also mein persönlicher Gott vertritt nach wie vor die Themen der Nächstenliebe und der Menschlichkeit.
Daher rät er allen verbleibenden Katholiken: Stürzt euch auf die noch möglichen Austrittstermine und seid froh, dass ihr einen wirklich dunklen Verein nicht mehr unnötig unterstützt!

Ach so – die Gegen-These die jetzt kommen muss

„Aber die machen doch soviel Gutes in den Krankenhäusern und Kindergärten“ …

Ja – aber das tun sie zu 90% mit unseren Steuergeldern. Also auch wenn ihr austretet und keine Kirchensteuern mehr bezahlt, zahlt ihr der kath. Kirche noch mit euren ganz normalen Steuern die finanziellen Mittel, für genau diese Institutionen.
Sprich: Das könnte also genauso gut – nein besser (weil fairer, siehe oben) – auch der Staat machen.

Übrigens: Das Gehalt für den pädophilen Pfarrer, der sich in diesem Moment einem kleinen Kind nähert, bezahlen wir auch von unseren ganz normalen Steuern, egal ob Atheist, Moslem, überzeugter Protestant oder Satanist.

Der katholische Pfarrer wird also (auf Basis eines uralten Gesetztes-Textes) auch heute noch zu 100% von unseren Steuern bezahlt - für das, was er auch immer tut. Man kann eigentlich nur noch schreien...

...

[TS]

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