DIE E-MOBILITÄT

Als überzeugter "Umweltschoner" betrachte ich seit geraumer Zeit den Markt der elektrischen Zweitfahrzeuge.
Aus Überzeugung sind wir eine Ein-Auto-Familie und haben uns schon vor Jahren für einen Hybrid aus japanischen Gefilden entschieden.
Bei einem Durchschnittsverbrauch von 4.8 Litern Benzin für eine schöne Kombi-Familienkutsche (früher hießen diese Fahrzeuge bei uns immer Pampers-Bomber) fahren wir aktuell also mit halbwegs gutem Gewissen durch die Gegend.

Auch wenn wir zu 98% der Zeit mit einem Auto wunderbar auskommen, so gibt es doch hin und wieder den Moment, in dem ein kleines Zusatz-Fortbewegungsmittel sehr praktisch und hilfreich wäre. (Auch wenn wir schon ein E-Bike unser eigen nennen, schwebte mir ein Fahrzeug vor, mit dem ich auch ohne Schweißflecken bei Kunden zu Meetings auflaufen kann. Da es bei uns sehr hügelig ist, gerät selbst eine Fahrt mit E-Bike nicht immer zur entspannten Dienstreise.)

Zwar gibt es auch in unserer Klein-Stadt mittlerweile ein Teil-Auto Anbieter, jedoch ist das Angebot überschaubar und die Autos oft schon gebucht oder aber schlecht erreichbar.

DIE ENTWICKLUNG

VespaDaher halte ich schon seit Jahren Ausschau nach einem kleinen Zusatz-Gefährt für Notfälle oder schnelle Erledigungen, bei denen es keinen Kombi braucht.
Ein Roller erschien mir daher ursprünglich als die ideale Lösung. Da wir eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach haben, war die Wahl der Motorisierung von Beginn der Recherche an auf einen E-Roller ausgerichtet.

2014 war die Auswahl hier noch recht überschaubar. Es gab eigentlich ausschließlich chinesische Roller mit Blei-Akku. Diese Fahr-Geräte waren massiv schwer und hatten ebenfalls überschaubare Reichweiten à 30 bis 40 km. Preislich fing der Spaß bei 1500,- Euro in etwa an und ging hoch bis 4000,- Euro. Im Vergleich zu einem Benziner-Roller exorbitante Preise. Insofern habe ich damals von einem Kauf Abstand genommen.

In den folgenden Jahren passierte aber einiges im Bereich der elektrifizierten Fahrzeuge. Deutsche Hersteller sprangen ebenfalls auf das E-Konzept auf und entwickelten eigene E-Roller. Leider finanziell an meinen Vorstellungen komplett vorbei entwickelt, kamen Maxi-Scooter von BMW oder auch Yamaha auf den Markt die bei 13.000 Euro aufwärts liegen und letztlich aussehen wie ein kleines Motorrad. Zwar sehr schick und schnell und mit großen Reichweiten von bis zu 160 km (!), jedoch für unsere Zeitfahrzeug-Vorstellungen einfach "too much".
Uns schwebte etwas Einfacheres, Kleineres vor.

Als mich nun 2018 wieder mal das Interesse packte und ich recherchierte was der Markt mittlerweile so hergibt, wurde ich bei einer völlig anderen Geräte-Klasse fündig:

E-KLEINSTFAHRZEUGE


E-ScooterSprich E-Scooter oder E-Tretroller. Diese sehen prinzipiell aus wie die bekannten City-Roller aus den späten 90-ern mit besserer Bereifung und einem kleinen E-Motor und Akku ausgestattet.
Klar – auf den ersten Blick nicht für lange Strecken und große Last ausgelegt. Aber um ein paar Kilometer zu überbrücken, ein sehr praktikables Gefährt mit einer hohen Mobilität, da man es bei Nichtgebrauch zusammenklappen und tragen kann. Bei einem Gewicht von ca. 10 Kilo eigentlich kein Problem.

Reichweiten haben diese Geräte von bis zu 30 km und eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 bis 25 km/h. (also identisch mit der Motor-Unterstützung eines E-Bikes).
Für eine tägliche Fahrt ins Büro bei einer Distanz von bis zu 8 km. aus meiner Sicht eine ziemlich ideale Lösung. Auch für andere kurze Fahrten (schnell mal zum Bäcker etc.) sicherlich ein netter Begleiter.

Das besonders Tolle an diesen Kleinstgeräten ist jedoch der Preis. Brauchbare Varianten gibt es schon für knappe 500 Euro. Sogar deutlich günstigere E-Scooter für 200,- Euro gibt es auf dem Markt. Hier raten jedoch die meisten Tests von ab.
Aber auch E-Scooter für 500,- Euro sind ja im Vergleich zu den Preisen echter E-Roller ein richtiges Schnäppchen.
Und wenn dann noch der Strom dazu kostenlos von der Sonne geliefert wird – fährt man mit gutem Gewissen und viel Spaß dabei über deutsche Straßen…




Halt! Nein – Das wäre ja doch zu schön um wahr zu sein!
Es klingt nach einer Utopie – und in Deutschland ist es das leider auch.

Echt jetzt? Warum?

DIE GESETZLICHE SITUATION...

...Anfang Oktober 2018

Hier greifen diverse Gesetze und die deutsche StVo, die dieser Geräteklasse tatsächlich die Zulassung untersagen. Damit ist das Fahren auf einem kleinen e-scooter in Deutschland defacto strafbar und keine Versicherung kommt für Schäden bei Unfällen auf.

Danke also schon mal für nichts!

Leider ist das ein typisch deutscher „wir-sind-immer-so-super-korrekt-und-haben-für-alles-Gesetze-und-Vorschriften“-Spezial-Weg. In fast allen europäischen Ländern sind die kleinen Hilfsmittel für den umweltbewussten oder faulen mobilen Menschen nämlich erlaubt. In Paris und Wien sieht man sie an jeder Ecke. Auch Ost-Europäische Großstädte sind voll damit. In den USA wurden Großstädte von so vielen Anbietern kostenlos damit geflutet, dass hier schon wieder Verbote kommen, weil zu viele Roller einfach nur herumstehen und Fußwege blockieren.

Und bei uns?
…wird seit Jahren darüber diskutiert und Vorbehalte geäußert. Kleinst-Roller auf E-Basis, die schneller als 6 km/h fahren sind nach wie vor verboten - und das in Zeiten von Fahrverboten für Diesel-Autos, weil unsere Städte im Feinstaub versinken.

Hamburg darf - Rest-Deutschland schaut zuIn ganz Deutschland?
Nein – ein von unbeugsamen E-Scootern bevölkertes kleines norddeutsches Dorf hört nicht auf Widerstand zu leisten.
In diesem kleinen Dorf – nennen wir es Hamburg – werden E-Scooter und Co. offiziell geduldet. Sprich – wer hier auf einem City-Roller mit Motor-Unterstützung unterwegs ist, macht sich nicht strafbar!
Im Gegensatz zu Rest-Deutschland – wo ernsthaft Geldstrafen und ein Punkt in Flensburg drohen.

Wie lächerlich diese Situation tatsächlich ist, zeigt der spontane Blick auf unsere Straßen: 70-Jährige Senioren auf E-Bikes, die bis 25 km/h Motorisiert unterstützt unterwegs sind wohin das Auge reicht. (Überhaupt nichts gegen Senioren auf E-Bikes – ich suchte nur ein möglichst drastisches Vergleichs-Bild)…
Aber im Ernst – Verletzungen dürften aus der Höhe eines Fahrrads mit 25 km/h schwerwiegender ausfallen, als bei einem Roller, auf dem ich mich stehend auf Bodenhöhe befinde.

Interessanterweise wird dieses Thema mal wieder aktuell politisch diskutiert und noch im Oktober 2018 soll es hier eine Entscheidung des deutschen Bundestages geben, die (so die Hoffnung aller Nicht-Bedenkenträger) diese Fortbewegungsmittel legalisiert und damit dann auch von Versicherungen abdeckt.
Achten wir also auf die weißen Rauchzeichen aus Berlin, die vielleicht schon bald gesichtet werden können.
Hoffen wir, dass die E-Utopie bald Realität wird und neben großen Benzin-Schleudern auch kleine Stromer mit regenerativer Energie durch Großstädte ziehen.

Fortbewegung darf auf Spaß machen


Elektrisches, self-balancing EinradNeben dem klassischen E-Scooter gibt es hier nämlich auch weitere - fast noch spannendere - Fortbewegungsmittel. Sicherlich nicht für jeden Menschen und Einsatzzweck geeignet – jedoch noch viel spaßiger beim Fahren:
Eine Firma die wir aus den frühen 2000-ern noch in Erinnerung haben feiert in diesem Bereich seit 2 Jahren ihr Comeback: Segway. Naja – eigentlich ist es nicht mehr Segway – sondern Ninebot. Ein chinesisches Start-Up welches 2015 mit der gleichen Idee nochmals durchstartete und den viel größeren Riese aus den USA schluckte. Die Marke Segway blieb erhalten. Die neuen Produkte kommen aber alle aus China und heißen Ninebot by Segway.

Neben dem klassischen e-Scooter finden sich hier Mini-Segways für den täglichen Gebrauch oder – besonders spaßig – elektrische Einräder. Sogenanne Mono-Wheels oder Uni-Cycles die auf das Segway Prinzip aufbauen. Also „self-balancing“ – (selbstausgleichende) Räder mit E-Motor.
Sehr futuristisch in der Optik und viel Spaß bereitend beim Fahren (illegaler Weise! Erlaubt ist die Benutzung im September 2018 ja immer noch nur in der eigenen Garagen-Einfahrt) bieten auch die Einräder eine Geschwindigkeit von bis zu 24 km/h und Reichweiten von bis zu 25 km. Aktuell werden sogar Produkte angeteasert die 45 km/h schnell sind – hier wird man aber vergeblich auf eine Legalisierung in Deutschland warten dürfen.
Wenn/falls sich die Politik bei uns zu einem echten Schritt überwindet, wird es sicherlich bei einer maximalen Geschwindigkeit von 25 km/h oder weniger bleiben.

Den einzigen Nachteil bei den Einrädern kann man sich schon fast denken: Eine rudimentäre Sportlichkeit sowie ein wenige Geduld ist vonnöten um es zu lernen. Stellt man sich das erste mal auf einen E-Scooter und fährt wie selbstverständlich los, so ist beim Einrad etwas an Übung erforderlich, um das Gerät sicher im Griff zu haben. Das Üben wird letztlich aber mit einer der spaßigsten Arten der Fortbewegung belohnt.

Es sei auch erwähnt, dass es mittlerweile viele weitere Firmen gibt – auch aus heimischer Produktion (für den Export – da es bei uns ja nach wie vor verboten ist…) - die im Bereich e-scooter, e-boards oder one-wheels tolle Produkte anbieten.

Also – es sei allen umwelt-orientieren Lesern empfohlen hier mal selbst zu recherchieren und abzuwägen ob solche ein Gefährt für den Eigengebrauch eine sinnvolle Lösung oder Ergänzung sein könnte.

Sicherlich mache ich mich durch diesen Aufruf nun auch strafbar, da ich ja illegales Benutzen öffentlicher Wege damit befürworte… ich werde nie wieder ruhig schlafen können...!
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