Autor Thema: mein söhnchen :*  (Gelesen 5791 mal)

min(e)

  • Oma
  • ******
  • Beiträge: 5303
  • *09/15
mein söhnchen :*
« am: 05. Juni 2014, 16:10:52 »
Diesen Bericht habe ich auf meinem tablet geschrieben. Es kann also sein, dass manche Worte seltsam erscheinen, trotz korrektur-lesen... Bei der groß und Kleinschreibung war ich am Ende dann doch bequemer ;)
-------------------


Eigentlich sollte es, wie bei den 3 letzten Kindern, eine Hausgeburt werden.
Aber mein Bauchgefühl war dagegen. Die größeren Gründe waren meine miserablen Eisenwerte und die "verklemmte" letzte Geburt.

Nachdem dann die Entscheidung fiel, wurde meine Laune schlagartig besser, ich fühlte mich wirklich erleichtert und freute mich total auf meine letzte Geburt.
Meine Hebammen, die mich begleiteten, waren zwar mit mir traurig, aber sie befürworteten meine Entscheidung.

Irgendwann kam wieder ein Tief und am Nachmittag des 28.05. resignierte ich. Dann wird es eben kein Mai-Baby mehr, so wie ich es schon von Anfang an gesagt hatte. Der geschätzte Termin war ja auch erst Anfang Juni.
So liess ich mein Handyakku auf ~70%, kann es ja am nächsten Abend ans Kabel hängen, das nutzlose Ding...

Ich ging dann wie üblich mit den Kindern ins Bett, plante in Gedanken den morgigen Tag. Ein bisschen aufräumen, nachdem die Kinder versorgt sind, dann eventuell mal doch was nähen, hab ja eh noch Zeit...

Um 3uhr wurde ich wach, es zog schmerzhaft im Unterleib. Mit den Atemübungen aus dem hypnobuch war es sehr gut zu ertragen und ich wartete darauf, dass ich wieder einschlafen konnte.

Mein Zeitgefühl hat mich schon da verlassen, ich dachte nämlich, ich wäre nach einer std aufgestanden, damit das ziehen aufhört. Aber es waren etwas mehr wie 30min.
Und während ich Aufstand spürte ich Feuchtigkeit entgleiten.

Ich nahm das am Bett liegende Handtuch (Vorbereitung ist alles *g*) und klemmte es mir zwischen die Beine, watschelte zur Tür (richtete das angefeuchtete Handtuch erneuert) und weckte meinen dort schlafenden Freund, erwähnte dass die Fruchtblase  hin ist. Er war nicht begeistert, am Wochenende wäre es ihm lieber gewesen :p

Das ziehen blieb sogar während dem stehen, war aber immer noch sehr gut zu ertragen. Und das verwirrte mich total, da ich bisher anderes gewohnt war.

Laut Handy rief ich meine Hebamme viertel vor 4 an (die gerade ins Bett gehen wollte?), sagte ihr auch, dass ich verwirrt bin und nicht wirklich weiß, was ich jetzt machen soll. Wir machten es dann so aus, dass ich wie abgemacht zu ihr in die Klinik fahre. Sie rief noch meine Haupthebamme an, die mich dann als quasi als Freundin begleitete.

Mein Schwiegervater war ungefähr eine halbe std später da und fuhr mich die kurze Strecke zur Klinik.

Im sitzen war das ziehen viel angenehmer, wie im stehen, so dass ich am Eingang der Klinik doch in ein Rollstuhl gesetzt worden bin :p

Oben empfing uns meine Hebamme :) und mein Schwiegervater ging dann wieder, uns alles gute wünschen :)

Wir gingen dann hinten, ins kleinere Entbindungszimmer. Zuerst machte ich mir sorgen, ich sah nämlich keine Badewanne :/ Ah, da hinten ist ja noch eine Tür, da drin wird sie sein.

Wir unterhielten uns ein wenig, hauptsächlich eben, wie es mir geht, wie ich mich fühle, was die wehen machen. Derweil zog ich meine Schuhe und Socken aus und begab mich zu einem komischen Bett.

Sie fragte mich dann, ob sie nach dem Muttermund schauen dürfte und ich entschied mich spontan dafür (rock ausgezogen). Gute 5cm war er schon offen.
Dann fragte sie mich, ob sie mich ans ctg anschließen dürfte und wieder stimmte ich spontan zu... Ich wusste sonst nicht, was wir machen sollten, da die wehen immer noch sehr gut zu ertragen waren und noch große Abstände hatten.

Ich lief also mit den Kabeln am Bauch dann ein wenig um das Bett herum, schaut mir dies und jenes an. Hing mich versuchsweise ans Tuch.
Bei jedem ziehen überlegte ich, ob ich mich aufs Bett setzten sollte, aber ich wollte ja nicht, dass das irgendwie die Geburt auf seltsame Art und weise aufhalten würde.

Während dessen bereitet die Hebamme alles vor. Ich bekam eine Nadel in den arm, die Wanne wurde halb voll gemacht, meine CD in den player gelegt, und was weiß ich, was sie noch alles machte :)

Irgendwann befreite sie mich von den Kabeln (alles in Ordnung) und begleitete mich zur tollen Wanne.
In der decke war ein sternförmiger Sternenhimmel eingelassen, das Licht dimmte sie auf eine sehr angenehme Helligkeit (oder dämmrigkeit).
Die Wanne war angenehm groß, hatte eine dunkel-rot-braune Farbe und schöne Kurven.
 Der cd-player machte allerdings sein eigenes ding und wollte mein Lied einfach nicht wiederholen (ich wählte von opeth das Lied "pattern in the ivy" aus). Zum Glück hatten wir den Kreißsaal für uns, den nach diesem sehr entspannendem Lied Stück ging das geschnettere wieder los :p.

Ich stieg also entkleidet in die Wanne, sie schloss die Einstiegstür und lies das Wasser weiterlaufen (ein bisschen kühler, mir war es  zu warm). Dann versuchte sie den player noch zu überreden xD
Und währenddessen kam meine haupthebamme zu mir an die Wanne :D

Während die Wanne also noch ein wenig weiter voll lief, unterhielten wir uns wieder ein bisschen, lachten, warteten.
Nachdem meine andere Hebamme dann das erledigt harte, was zu erledigen war, setzte sie sich zu uns und stieg in die ruhige Unterhaltung mit ein.

Zwischendurch vertamete ich ruhig das ziehen, geniesse das Wasser um mich herum.
Im Gegensatz zur ersten Geburt, saß ich nicht in der Wanne, wie man "eigentlich" drin sitzen sollte.
Meine Hebamme antwortete mir auch auf meine Frage, ob ich da oder da sitzen kann, dass ich das so machen soll, wie ich es möchte :)

Also Sitze ich in Frosch-Stellung darin, die Unterarme am Fussende abgestützt...
Manchmal wackelte ich ein wenig, damit das Wasser sich wogte. Die dadurch entstehende Bewegung des Wassers tut meinem rücken ganz gut.

Zwischendurch schaue ich auf die Uhr, Frage mich kurz, ob das nicht schon wieder zu lange geht, weil zwischen dem ziehen immer noch viiiiiel Zeit vergeht (meiner Meinung und Erfahrung nach)
Aber die meiste... Bin ich damit beschäftigt, diese doofen sockenfussel aus dem Wasser zu fischen, sehr zur Belustigung der Hebammen :p (im Vorzimmer habe ich auch schon einige fussel hinterlassen *schäm*).
Hach, am liebsten hätte ich ja da gerne ein Kissen mit drin gehabt, dann hätte ich wirklich locker darin schlafen können (und meine Musik im auto-repeat hat ihre beruhigende Wirkung nicht verfehlt)

Trotz dass ich ganz ruhig bin, bemerken sie es, wenn eine wehe gerade da ist (vielleicht weil ich da noch ruhiger bin?).

Um kurz die Herztöne abhorchen lassen zu können, richte ich mich aus dem Wasser auf, bekomme aber sofort einngarstiges ziehen, was mich dann wieder ins Wasser sinken lässt. Als dieser nachlässt, versuche ich es wieder, aber kurz danach zieht es doch wieder sehr (verdammte Schwerkraft).
Wieder im Wasser fühle ich so was wie einen Muskelkater im Unterleib *uff*

Meine Finger sind bereits schon aufgeweicht und das Wasser kühler (aber ich will kein warmes Wasser nachgefüllt haben, es ist angenehm so)

min(e)

  • Oma
  • ******
  • Beiträge: 5303
  • *09/15
Antw:mein söhnchen :*
« Antwort #1 am: 05. Juni 2014, 16:11:03 »
Die ältere Hebamme ist irgendwann wieder kurz raus gegangen, als ich merke, dass sich bei mir etwas ändert.
Ich bitte noch die andere Hebamme, mich alleine zu lassen und als sie draussen ist, versuche ich mich auf die Atmung zu konzentrieren.
Das ziehen bleibt mittlerweile da und wird stärker und ich spüre einen Druck, aber auch, dass es noch zu früh ist, damit zu arbeiten.

Ich dickkopf will aber auch eine ruhige Geburt haben, nicht die panische, durch schmerzen hervorgerufene.
Und so kämpfe ich richtig damit, die Oberhand zu behalten, Rede in Gedanken mit meinem Körper (mein mantra eigentlich, bei jedem ziehen: wir sind keine Feinde, lass uns zusammen arbeiten).

Ich muss schon heftiger veratmen, als ich merke, wie meine andere Hebamme neben mir steht. Auch sie bitte ich, mich alleine zu lassen und sie geht.

Ich fange an, doch Panik zu bekommen und wimmere noch leise vor mich hin, weil es schmerzt... So sehr...
Irgendwann halte ich es in der frosch-stellung nicht mehr aus und lege/schwimmen mich auf den rücken.

Ich taste auch mehrmals nach und für mich fühlte es sich so an, als wäre der Kopf noch viel zu weit oben... Und *schock*, ich fühle mich zu fest an, kein Wunder, dass es so weh tut.

Ich kämpfe wieder mit der Panik, gewinne die Oberhand und Atme wie geübt. Die schmerzen werden wirklich eine Spur erträglicher, aber der Druck wurde auch stärker... Und mit ihm wiederrum der Schmerz.

Mir schießen so viele Gedanken durch den Kopf, allen vorran, dass ich nicht mehr will und so drücke ich mit, nicht leise. Einmal, zweimal... Ich mache die Augen auf und sehe meine Hebamme besorgt, wachend neben mir stehen. Mir gerade egal. Nochmal drücken und nochmal, lasse die schmerzen laut raus! Und schon rutsch der Kopf meiner Hand entgegen und obwohl gerade keine wehe zu spüren ist, spüre ich einen ring von schmerzen in mir.

Meine hebamme munter mich auf, es ist gleich geschafft. Ich schaue in der wehenpause hinter mir und sehe meine andere Hebamme mitleidig hinter dem Türrahmen hervorschauen (und das sah so süß aus, wirklich <3).

Endlich kommt eine weitere Wehe und schiebe so gut ich kann mit, lasse meinen Schmerz wieder laut raus.

Es ist eine pure Erleichterung, als er endlich ganz draußen ist, ein noch herrlicheres Bild, ihn , auf den ich doch so neugierig war, dort unter Wasser schwimmen zu sehen.

Ich entwickele ihn schnell aus der Nabelschnur und hebe ihn langsam hoch, zu mir.
Und er lässt sich nicht lange bitten und zeigt uns mit aller kraft, dass es ihm gut geht.

Ich halte ihn im Arm, eine Hebamme passt mit auf, das der Kopf nicht wieder unter Wasser rutscht... Und er kommt mir soooo winzig vor (kurzer prüfen der Blick, japp, eindeutig er)
Aber sein Gesicht, zum verlieben mopsig, seine Wangen werden sicherlich noch sehr sehr häufig von mir angeknabbert werden xD

Er hatte noch massig Käseschmiere am Rücken und widersprüchlich über reife Händchen.
Und wie sein Bruder lies er sich nicht gleich beruhigen *seufz*
Er tut mir zwar Leid, aber ich bin so glücklich, ihn endlich im Arm halten zu können und so Rede ich die meiste Zeit beruhigend auf ihn ein, streichle seinen rücken, sein Köpfchen, küsse das stirnchen.

Wir bekommen noch ein Handtuch für ihn, da das Wasser doch sehr kühl ist und nach einigen schönen Kuschelminuten wird das Wasser abgelassen.

Wahnsinn, ich kam mir vor, als würde mir jemand nach und nach Tonnen von gewichten anhängen und plötzlich fange ich an zu zittern - vor kälte oder Anstrengung der Geburt, ich konnte es nicht sagen. So bekam ich also auch ein Handtuch um die schultern und nachdem die Nabelschnur aus pulsiert hatte, schnitt ich sie durch.

Ich gab den kleinen in die guten Hände meiner haupthebamme, während meine andere sich um mich kümmerte.

Wir warteten noch ein wenig länger - ich ja immer noch in der Wanne sitzend - ob die Plazenta noch nachkommt. Das wäre mir so lieber gewesen, ich kenne es ja nicht anders.
Aber ich entschloss mich dann doch dazu, aus der Wanne zu steigen und mich ins Bett zu begeben.

Meine Hebamme half mir dorthin und ich bekam meinen kleinen wieder in den arm :)

Irgendwann antwortete ich verspätet auf eine Frage, dass ich jetzt eine Blutung spüre und meine Hebamme bat um eine wehe, mit schieben, um die Plazenta zur Welt zu bringen, was dann auch gleich geschah (eine Sorge weniger, das letzte mal dauerte es länger und mit viel Mühe).

Und wieder hatte ich nichts gegen eine kurze Untersuchung: nur eine minimale schürfung.

Ich musste dann nochmal auf die Toilette und so wanderte Quentin wieder kurz zur Hebamme.
Dort bekam ich dann auch die Einlagen mit schicker netzhose und danach legte ich mich wieder ins Bett, bekam mein söhnchen wieder und eine Decke.

Er hatte sich mittlerweile schon beruhigt und trank auch gleich an der Brust.

Um es abzukürzen ;)
Vor dem anziehen wurde er nochmal gewogen und gemessen:
Quentin Samuel, geboren um 5:57, war 51cm lang, hatte einen KU von 35cm und wog 3940g (beim ersten wiegen hatte er so gezappelt, das Ergebnis vom zweiten wiegen habe ich erst zuhause mitbekommen xD)

Und auch wenn meine Sorgen sich nicht bestätigt haben (oder nur teilweise), bin ich mit meiner Entscheidung doch glücklich.
Leider kann ich die Emotionen, die ich während der Geburtszeit empfand, nicht wirklich wiedergeben. Mein Bericht liest sich für mich so... Wie ein Bericht.
Aber für mich war diese Geburt mitunter einer der schönsten, die ich erleben durfte. Ich hatte noch nie so einen chilligen Geburtsbeginn, so angenehme Wehen (abgesehen die von der eigentlichen Geburt) und einer meiner Wünsche hatte sich auch erfüllt. Mich begleiteten zwei wundervolle Frauen während dieser Zeit. Sonst war ich ja immer alleine, abgesehen von meinem Mann.
Selbst die Dauer der Geburt war wie gewünscht, denn diese halbstündigen, auch wenn die erste davon OK war, waren für mich doch zu schnell.

Es war mich ein wundervoller Abschluss, an den ich sehr gerne zurück denken werde :)
(Ooooh, herrlich, ich schaue gerade meinen schlafenden Mopsito an und er fängt an zu lächeln :D)


Honigbluete

  • Dino
  • *******
  • Beiträge: 11771
Antw:mein söhnchen :*
« Antwort #2 am: 05. Juni 2014, 18:15:42 »
Oh wie schön! *herzchenindenaugenhab*



some&leni&ben

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 2250
Antw:mein söhnchen :*
« Antwort #3 am: 05. Juni 2014, 18:17:51 »
Gänsehaut, Kloß im Hals und Tränchen in den Augen.

Wow!

Herzlichen Glückwunsch!
LG
some




Mondlaus

  • Oma
  • ******
  • Beiträge: 6653
Antw:mein söhnchen :*
« Antwort #4 am: 05. Juni 2014, 22:04:18 »
Wunderschöner bericht mine.
Man spürt deine Gelassenheit schon beim lesen. Letztlich kam er ja aber genau wie yenna auf die welt, ganz ohne hilfe. Auch wenn es nicht zu hause war, trotzdem so, wie du es dir gewünscht hast
Kind 2011
Kind 2014
...

Kitiara

  • Kindergartenkind
  • ****
  • Beiträge: 77
  • erziehung-online
Antw:mein söhnchen :*
« Antwort #5 am: 06. Juni 2014, 10:06:36 »
Klingt nach einer wunderschönen Geburt! Sockenfussel - ich musste so lachen, das könnte auch ich sein  ;D

 

NACH OBEN
Kontakt Impressum Datenschutzerklärung