Autor Thema: Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?  (Gelesen 4777 mal)

BiDi

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 3174
    • Mail
Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« am: 18. Februar 2013, 21:26:46 »
und wenn ja, wie habt Ihr sie dazu gebracht?

Hi zusammen,

ich hatte heute eine schwere Auseinandersetzung mit Mattis. Er war eine Woche krank, sie schreiben morgen einen Sachkundetest und er hat mir hoch und heilig versprochen, seine Mappe heute mit nach Hause zu nehmen, zwecks Nacharbeitung. Vor dem letzten Sachkundetest war er auch krank, war ihm wurscht und der Test ging (für Mattis Verhältnisse) ziemlich in die Hose.
Ich frage Mattis also im Hort beim Abholen 'Hast Du die Mappe?', 'Ja, klar'. Wir kommen nach Hause: 'Los Matti, Sachkunde-Action', er darauf völlig cool 'Ich hab' meine Mappe doch vergessen.' Und da bin ich ziemlich ausgerastet. Nach einem lautstarkem Donnerwetter meinerseits und der Ansage 'Sieh' zu das Du DAS wieder hingebogen bekommst!!!', malt der mir doch weinend ein Entschuldigungsbild. Und da ist mir aufgegangen, das er vermutlich (noch) gar nicht begreift, um was es eigentlich geht. Nämlich um die Frage, auf welche Schule er in 1,5 Jahren gehen wird.
 
Hey, ich hätte keine Probleme damit, das er Steineklopper ohne Hauptschulabschluss wird, solange er dabei glücklich ist, aber er gehört nun mal zu denen, bei denen die Lehrer das Pensum anziehen, damit sie sich nicht langweilen. Mattis auf der Hauptschule würde vermutlich eingehen. Aber deswegen fliegt ihm trotzdem nicht eine Woche verpasster Unterricht mal eben im Schlaf zu.

Wie macht man einem fast 9jährigen klar, das Schule und die Leistungen ebenda eine durchaus ernste Angelegenheit sind und nicht nur erfunden wurden, damit die Kindergärten nicht aus allen Nähten platzen? Das Leistung durchaus auch mal was mit Üben zu tun hat (Beispiele aus dem Fussballtraining helfen nix - 'Fussball macht ja Spass, Mama!')?

Geht das überhaupt? Oder sind 3.Klässler definitiv zu klein um in unserem beknackten Schulsystem (sorry, aber ich finde es beknackt, wenn im Alter von 9 Jahren relativ entscheidende Weichen über den weiteren Lebensweg gestellt werden) eigenständig ihren Weg zu finden?

Wie macht Ihr das? Oder: Macht Ihr was?

Grüsse
BiDi
Mattis: * 3.2004
Moritz: * 4.2005

Eumel

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 4155
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #1 am: 18. Februar 2013, 22:35:11 »
Meiner ist noch Erstklässler, aber trotzdem bin ich bei deinem Post etwas ins Grübeln gekommen.

Wenn ich an meine eigene Grundschulzeit denke, hab ich nie irgendwas geübt. Man nimmt die Dinge ja in der Schule durch, dann hat man passende Hausaufgaben auf. Das war immer Übung genug. Ich hatte Gym-Empfehlung und hab auch Abi gemacht. Ich weiß grad gar nicht, ob es heute normal ist, schon in der Grundschule richtig für Tests und Arbeiten zu lernen. Oder ob ich einfach nur Glück hatte, dass ich nicht lernen musste (abgesehen von den normalen HA). Also bei mir hatte Leistung definitiv nichts mit üben  im Sinne von "hinsetzen und pauken" zu tun in der Grundschule.  :-\

Ein Sachkundetest entscheidet ja nicht über die weitere Schullaufbahn. Ich finde es schwierig, wenn den Kindern dann mit der Hauptschule "gedroht" wird. Wobei ich jetzt nicht weiß, ob du das wirklich getan hast, aber es kommt ein bisschen so rüber.

Nichtmal die Hauptschulempfehlung entscheidet über die weitere Schullaufbahn. Das Kind kann trotzdem Abi machen.

Gibt es bei euch Gesamtschulen? Da könntet ihr ja das Problem umgehen, dass sich die Kinder bereits mit 10 Jahren auf einen Schultyp festlegen.

Hm, hab ich jetzt völlig am Thema vorbei geschrieben? Wolltest du Tipps haben, wie man die Kinder zum üben bewegt? Die hab ich leider auch nicht. Ich bin mal gespannt, ob wir in höheren Klassen üben werden. Momentan tun wirs noch nicht.


BiDi

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 3174
    • Mail
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #2 am: 19. Februar 2013, 05:46:04 »
Danke für Deine Antwort.

Wir üben auch nicht - es geht um's Nachholen. Mattis hat(te) das Pech, das er krank wird (wurde), wenn Tests an- oder bevorstehen. Normalerweise reicht die normale Wiederholstunde im Unterricht völlig - aber die verpasste er somit ja.

Mir ist auch aufgefallen, das es für den einen Sachkundetest eine völlig übertriebene Reaktion ist, aber seit er in der dritten Klasse ist, schlurt er zunehmend. Bei Deutscharbeiten vergisst er zum Beispiel gerne den Punkt am Satzende. 'Ist doch nur ein blöder Punkt.' Jau - aber ein Fehler mehr.

Wir haben hier keine 'echte' Gesamtschule, nur eine kooperative. Aber wenn ich mit ihm beim abendlichen Vorlesen Einsteins Theorie der Raumkrümmung diskutiere (das passiert tatsächlich), dann wünsche ich mir für ihn eine Schule, wo er Kinder und Lehrer findet, die seine nerdigen Interessen teilen. (Er ist nicht hochbegabt, sondern nur ein wenig 'schräg' - meine Gene;)). Aber dafür wird er sich auch mit dem Verdauungstrakt des Menschen auseinandersetzen müssen - auch wenn es ihn weniger interessiert.

Und genau da stosse ich gerade an meine Grenzen: Ihn dazu zu bringen, auch Sachen die nicht unbedingt in seinem Interessenfocus liegen, ein Mindestmass an Engagement entgegenzubringen.
 
Grüsse
BiDi
Mattis: * 3.2004
Moritz: * 4.2005

Fairydust

  • Oma
  • ******
  • Beiträge: 5482
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #3 am: 19. Februar 2013, 09:35:00 »
Bekommt er denn nicht täglich die Aufgaben aus der Schule? Wenn Ronja krank ist, bringt unser Nachbarmädchen jeden Tag die Aufgaben mit, die Hausaufgaben und die Aufgaben aus der Schule. Diese müssen nicht unbedingt gemacht werden, aber wenn es Ronja nicht total schlecht geht, werden sie gemacht, so entsteht erst gar nicht ein großer Nachholbedarf.







deep_blue

  • Globaler Moderator
  • *****
  • Beiträge: 14402
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #4 am: 19. Februar 2013, 11:12:39 »
Also ja, schon, sie hat Schule bisher immer "ernst" genommen, dabei ihre persönlichen Interessen/Hobbies allerdings nicht vernachlässigt. Ich denke aber, und dies wird völlig normal sein, dass gerade bei den Jungen, dieses Verständnis unter Umständen später kommen kann und über einige Umwege hinweg. Du hast völlig richtig erkannt, dass Deine Reaktion vielleicht etwas heftig war und doch, ich kann Deine Gedanken verstehen. Sieh es so, Dein Sohn hat bis zum entscheidenden Zeugnis noch wirklich Zeit (fast ein ganzes Jahr, somit ein halbes Jahr von dem Zeitpunkt ab da die Noten wirklich sind), Du schreibst selbst, das grundsätzliche Potential ist da. Versuche ruhig zu bleiben. Gehe nicht direkt vom "Allerschlimmsten" aus.

Bei uns ist es übrigens gerade wirklich der Verdauungstrakt... allerdings der vom Fleischfresser und Pflanzenfresser im Vergleich. ;D Bio 5te Klasse. :)

Was ist denn der Unterschied ziwschn einer kooperativen und echten Gesamtschule. Ich denke wir hier im Ort haben nur eine "echte". :)
Sitting in the Dschungel
On Nürnberger Straße
A man lost in time
Near KaDeWe
Just walking the dead

Eumel

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 4155
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #5 am: 19. Februar 2013, 17:54:00 »
Ich denk mir immer, je mehr Druck man macht, um so größer wird die Abneigung der Kinder gegen das, was sie tun...  :-\

Das, was du schreibst, klingt schon sehr von der negativen Seite aus gesehen. Je mehr ich bei meinem Sohn die negative Schiene fahre, um so schlimmer wird es. Vielleicht kannst du es ja mal von der positiven Seite aus versuchen.

"Schön, bei dem Satz da hast du einen Punkt gemacht." statt "Bei dem anderen Satz hast du schon wieder den Punkt vergessen."

Oder einfach mal so tun, als ob du dich für das von ihm ungeliebte Thema interessierst und ihm ein paar ernstgemeinte Fragen dazu stellen. "Hör mal, ihr lernt doch gerade in Sachkunde xy. Kannst du mir da mal auf die Sprünge helfen..." Vielleicht entdeckt ihr im gemeinsamen Gespräch, dass das Thema doch nicht so uninteressant sein muss, wie es scheint.

Ich würd halt versuchen, von dem negativen "du machst nix", "du engagierst dich nicht genug" wegzukommen und das ganze Thema lernen wieder in ein positiveres Licht rücken. Schwierig, aber hilft meist besser als alles meckern und schimpfen.

Tsia

  • Schulkind
  • *****
  • Beiträge: 123
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #6 am: 04. März 2013, 21:45:03 »
Hi Bidi,

ich bezweifle ernsthaft, dass es einen Weg gibt, einem 9jährigen die Ernsthaftigkeit der Schule deutlich zu machen. Einige gehen gerne dahin und lernen, andere halt nicht. Deiner scheint ja ansonsten gut in der Schule zu sein, somit sehe ich das Problem jetzt nicht wirklich als besonders schlimm an. Die Lehrer wissen ja, dass er gefehlt hat. Zumindest bei uns an der Schule wird das durchaus berücksichtigt.

Aber ich verstehe gut, dass du wütend geworden bist. Diejenige der das noch nicht passiert ist, werfe den ersten Stein ;-)

Wenn mir das passiert, entschuldige ich mich bei meinem Sohn für die extreme Situation und erkläre ihm warum mir das passiert ist.

Allerdings hilft dir das nicht, ihm die Schule schmackhafter zu machen, aber mir hilft es, mich besser zu fühlen, als wenn ich mich nicht entschuldige. Nein, ich entschuldige mich nicht für meine Empörumg, oder Enttäuschung, dass ich angelogen wurde oder, oder, oder. Ich entschuldige mich lediglich für die Heftigkeit der Reaktion darauf.

Freu dich, dass dein Sohn "nicht" Hochbegabt ist, denn dadurch werden nur neue Hinkelsteine im Weg rumstehen. Leider habe ich noch keinen Weg gefunden meinem Sohn die Schule und vor allem Themen die ihn nicht interessieren schmackhaft zu machen. Wenn du also einen Weg findest der länger als ein Gespräch hält bin ich dafür mehr als offen ;-)

Marco lernt gerne (nur nicht Dinge die mit Schule zu tun haben), aber ich fürchte es ist einfach so:

Vater/Mutter: "Du liest doch gerne und du lernst doch gerne. Du weißt fast alles über (beliebiges beliebtes Thema des Kindes einfügen). Das macht dir doch Spaß. Ich verstehe nicht, warum das in der Schule anders ist."

Kind: "Ja weißt du, es liegt einfach daran, dass wir in der Schule nicht über (Thema einfügen) reden!"

Ich drücke dir die Daumen, dass es bei dir und auch bei uns bald soweit ist, dass den Kindern klarer wird worum es geht. Wenn ich mich richtig zurück erinnere, wurde mir das auch erst in der 4 Klasse so richtig deutlich. Vielleicht klappt das ja auch bei unseren Jungs.

Ich fürchte nur, dass wir den Weg zu unseren Jungs selbst finden müssen, da nunmal dummerweise jedes Kind anders Tickt. Bei meinem klappt es meistens, wenn wir ein Spiel aus dem Lernen machen. Doof nur, dass die Schule das nicht umsetzen kann.

Gruß Tsia

BiDi

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 3174
    • Mail
Antw:Nehmen Eure Drittklässler die Schule ernst?
« Antwort #7 am: 05. März 2013, 21:21:42 »
So, einige Zeit ist ins Land gegangen, ich habe mich beruhigt und Mattis scheint die Sache tatsächlich ernster zu nehmen.

Ausserdem hatte ich gestern ein interessantes Gespräch mit der Schuldirektorin (sie ist auch Mattis Mathelehrerin). Sie bat um ein Gespräch, weil sie Mattis und einer Klassenkameradin einen schwereren Mathetest als dem Rest der Klasse gegeben hatte. Als ich fragte, wie sich eine eventuelle 3 denn in die Zeugnisnote wiederspiegeln würde, wurde ich leicht erbost angefahren, das wir in der Grundschule seien und ich die Zeugnisnoten mal nicht so wichtig nehmen solle. Auf meinen Einwand, das das Kultusministerium sie ja immerhin als Grundlage für die Schulempfehlung sieht, fragte sie baff erstaunt, ob ich irgendwelche Zweifel an Mattis Gymnasialtauglichkeit hätte. 'Frau BiDi, natürlich geht der  auf's Gymnasium, der geht uns sonst ja ein!' Ööööh!

So und jetzt schreibe ich hundertmal in Schönschrift 'Ich werde zukünftig entspannt bleiben!'.

Grüsse
BiDi

Mattis: * 3.2004
Moritz: * 4.2005

 

NACH OBEN
Kontakt Impressum Datenschutzerklärung