Autor Thema: Jeder Tag ein Kampf  (Gelesen 6849 mal)

Mone

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Jeder Tag ein Kampf
« am: 22. November 2012, 09:08:48 »
Hallo! Mein Sohn ist 7 Jahre alt, wird im Februar 8. Momentan haben wir echt eine schwere Zeit zusammen. Er trotzt und bockt wo er nur kann und träumt auch noch den ganzen Tag vor sich hin. Es fängt morgens schon an. Er macht langsam, motzt schon beim Frühstück. Zähneputzen mach ich nicht sagt er. Kappe anziehen sowieso nicht. So kommts dass wir die SChule gerade noch immer auf den letzten Drücker schaffen. Eine Zeitlang durfte er ziemlich viel Computer, was wir aber schon seit ein paar Wochen runtergeschraubt haben auf eine halbe STunde täglich. Beim Hausaufgaben machen geht es dann wieder weiter das Theater. Er motzt mich nur an und ist frech. Als wäre ich eines seiner Schulfreunde. Und immer wenn ich ihm sage Mach dies oder jenes: NEIN, das mache ich nicht! Er hat noch einen 4jährigen Bruder, mit dem er sich sehr oft streitet und ihm dann auch immer sehr häßliche Worte an den Kopf wirft und ihn auch schlagt. Ich kann das einfach nicht mehr dulden. Ich nehme mir immer vor ruhig zu bleiben, aber irgendwann ist dann der Punkt erreicht wo ich zu schreien anfange. Komischerweise dann macht er das was ich sage. Aber das will ich so nicht erreichen. Denn natürlich fühle ich mich hundeelend wenn ich schreien muss. Irgendwann weint er dann und meint die ganze Welt sei gegen ihn. Er weiß dann genau dass ich so wieder weich werde, ihn in den Arm nehme und alles gut ist. In der nächsten Stunde geht es wieder von vorne los. Oft kommen Schulfreunde zu uns nach Hause spielen. Er motzt mich dann echt vor den freunden an, was mich sehr betroffen macht. Er vergisst oft seine hausaufgaben in der schule. Gerade gestern habe ich ihm gesagt er soll zurück in die SChule laufen das Buch holen. NEIN, mach ich nicht hat er gesagt. Ja was soll ich dann tun??? Ich habe ihn auch schon mal mit den gesamten klamotten genommen und unter die Dusche gestellt - eiskalt! Da war dann eine Zeitlang Ruhe, aber das kann es ja auch nicht sein. Mein Mann ist sehr viel strenger als ich, drum versuche ich auch immer es alleine mit den Kindern zu schaffen. Mir kommt vor genau das nützt mein Sohn aus. Nun bin ich aber am Ende und habe meinem mann gesagt ich weiß  mit diesem Kind nicht mehr weiter. Was Tun? Hausarrest? Computerverbot? Freundeverbot? Ich weiß es einfach nicht .... Er war schon von klein auf ein schwieriges, verbocktes Kind. Aber trotzdem hat er immer meine volle Liebe bekommen. Darum verstehe ich das ganze auch nicht. Ich bin nicht die Über-Mama wo den ganzen Tag mit den Kindern spielt, aber ich gehe oft mit ihnen auf Spielplätze, oder sonstige Freizeit-Aktivitäten, Mache Kekse mit ihnen usw. Er wirft mir dann vor ich würde nie mit ihm Lego spielen. Ich habe ihm auch schon erklärt dass mir das Lego spielen nicht liegt, dass kann er doch mit seinen Freunden spielen. Ich spiele dafür mit ihm gerne Gesellschaftspiele, lese Bücher, puzzle mit ihm. Aber das zählt für ihn nicht. Er gibt mir immer, egal wieviel ich für ihn tue, das Gefühl, ich sei keine gute Mutter. Er will auch immer mehr matereielle Sachen haben. Kaum hat er was, interessiert es ihn gar nicht mehr. Er kann sich auch überhaupt nicht alleine beschäftigen. Habt Ihr einen Rat für mich? Vielen Dank .... eine verzweifelte Mutter :'(

Honigbluete

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Antw:Jeder Tag ein Kampf
« Antwort #1 am: 22. November 2012, 09:29:21 »
Wir habenhier ab und u ähnliche Momente, das laugt einn schon ganz schön aus, fühl dich mal gedrückt!
Was ich absolut empfehlen kann, ist eine Erziehunsberatung. Ich habe bereits 2 Mal dort angerufen, war einmal zum Gespräch dort, das hat mich sehr weit gebracht und gestärkt. Alleine in einem Telefonat hat der Berater Dinge losgetreten, die hier ganz doll ins Positive gewirkt haben.

Gute Nerven und viel Geduld, lass dir helfen, das ist ein supergutes Gefühl!!!




scarlet_rose

  • Dino
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Antw:Jeder Tag ein Kampf
« Antwort #2 am: 22. November 2012, 09:44:12 »
Hallo!

Du klingst ja echt verzweifelt und eure Situation sehr festgefahren  :-\

Du sagst, der papa sei sehr viel strenger als du, deswegen versuchst du alles alleine zu machen und dein Sohn nütze genau das aus. Was genau bedeutet dieses "der Vater ist strenger"? Und wieso versuchst du gerade deshalb alles alleine zu machen?  ???
UND klappt es denn mit der Strenge des Vaters? Läuft es da besser?

Dann muss ich sagen, aber ich denke das weißt du selbst: mitsamt der Kleidung unter die eiskalte Dusche stellen geht gar nicht  :-[ Das ist nicht ok und auf keinen Fall ein ordentlicher Weg um ein Kind zu erziehen...

Hast du ihn denn schon mal gefragt, warum er so handelt?
Hast du mal versucht ihn in die Planung des Morgens/Tages einzubeziehen?

Ich würde zuerst einmal versuchen den Tag zu strukturieren. d.h. er geht nicht kurz vor knapp los zur Schule, sondern dann, wenn es Zeit ist.
Und so würde ich ihm für den morgendlichen Ablauf eine ganz klare Strukturierung vorlegen. Das heißt: Aufstehen und er hat dann 10 Minuten Zeit, sich anzuziehen. Danach 10 Minuten fürs Frühstück, 10 Minuten zum Zähneputzen und wenn er das geschafft hat, darf er noch 10 Minuten spielen (z.B.).
Diese Einteilung muss ihm bekannt und verständlich sein und dann auch konsequent eingehalten werden. Macht er das nicht, muss er eben halb angezogen zur Schule oder ohne Frühstück (ein 7jähriges Kind verhungert ja nicht,wenn es ein paar mal aus Trotz nichts Frühstückt)  ;)

Ebenso mit den Hausaufgaben: Er bekommt 45 Minuten Zeit (oder besser: 2 mal 20 Minuten) um seine Hausaufgaben zu erledigen. Was er in der zeit nicht macht, muss er eben am nächsten Tag unerledigt wieder mit in die Schule nehmen.

Erst, wenn er die Hausaufgaben erledigt hat, darf er an den Computer. Dann ganz wichtig: entweder 30 Minuten PC ODER 30 Minuten Fernsehen. Kann er dann aussuchen, wenn er die Hausaufgaben erledigt hat.

Und dann würde ich ihn mal überraschen, indem du nicht schreist. Du sagst ihm etwas, was er machen soll. Antwortet er darauf mit einem Nein, dann kannst du ihm erklären, warum du möchtest,dass er es macht, ihn noch einmal bitten. Erledigt er es wieder nicht, dreh dich um mit einem "das ist sehr schade" und verlass den raum.
Er wird erstaunt sein darüber, dass er mit seinem "Nein" nichts bewirkt  ;)
Beim Beispiel Mütze: "Zieh die Mütze an" - "Nein" - "Ich möchte, dass du die Mütze anziehst, da es sehr kalt draußen ist und ich nicht will,dass du krank wirst, also bitte, zieh sie an" -"Nein" - "das ist sehr schade, dann musst du frieren und wirst vielleicht krank" und umdrehen und das Kinderzimmer/den Raum verlassen.

Kein rumstreiten, kein schreien. Einfach nicht auf den Streit eingehen.
Es bringt nichts, zu streiten und zu schreien. Euch beiden nicht  :-*

Einfach mal versuchen, den Kreislauf zu durchbrechen.  ;)

Mone

  • Gast
Antw:Jeder Tag ein Kampf
« Antwort #3 am: 22. November 2012, 11:24:55 »
Vielen Dank für die raschen Antworten, geht mir gleich viel besser.
Erziehungsberatung? daran habe ich noch nicht gedacht. Im März wollte ich mich von meinen Mann trennen. Die Kinder wollten zu ihrem papa zurück mit mir und auch ich merkte schnell dass ich einen großen Fehler gemacht habe. So bin ich 5 Wochen später wieder zurück. Ich bin dann mit meinem großen zum Kinderpsychologen um zu schauen wie sich das ganze auf ihn ausgewirkt hat. Sie meinte schon nach der ersten Sitzung dass ihm überhaupt nichts fehlt, er ein sehr lebhaftes und temperamentvolles Kind ist, was aber nichts schlimmes sei. Er würde im Moment einfach nur wieder die komplette Familie geniessen. Ich war sehr froh und habe es dann auch so belassen. Kann es sein, dass es jetzt nach über einem halben Jahr doch noch ausbricht? liebe grüsse

Honigbluete

  • Dino
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Antw:Jeder Tag ein Kampf
« Antwort #4 am: 22. November 2012, 11:30:27 »
Auf jeden Fall haben solche Dramen Auswirkungen auf ein Kind... Aber ganz wichtig finde ich, dass du dir Hilfe holst, und genau die bekommst du bei der Erziehungsberatung. Es wird in die Richtung gehen, die Scarlet schon angeregt hat, aber auch noch viel tiefer... Den Teufelskreis durchbrechen, neue Handlungsmuster entwickeln und stabilisieren. Und ich fände es auch wichtig, dass du mit deinem Mann eine Erziehungseinheit bildest, sonst seid ihr beide gegeneinader ausspielbar....



Silke_und_Marlene

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Antw:Jeder Tag ein Kampf
« Antwort #5 am: 09. Dezember 2012, 21:25:40 »
Hallo Mone,

also ich kann dir nur sagen, dass ich dich vollkommen verstehe. Unser Tag läuft fast so ab wie deiner. Nur dass Marlene nicht "nein,das tu ich nicht sagt". Aber sie trödelt halt dann beim Aufgabe machen, sie will mich ständig um sich herum (beim Aufgabe machen zB). Ich kann dann auch nicht anders und fang auch zum Schreien an. Was mir natürlich hinterher auch leid tut, aber irgendwie fordern sie uns raus.
Sie will Barbie spielen, ich will etwas anderes spielen. Ich sag ihr dann auch, dass sie Barbie mit ihren Freundinnen spielen kann und ich nicht Barbie spielen mag. Dann sagt sie über andere, dass deren Mütter viel mehr spielen als ich mit ihr.
Noch dazu kommt, dass meine Kleine Zwangsstörungen und -gedanken hat. Sie sagt zu mir zB, dass ihr Herz sagt, sie soll zu mir "Arschloch" sagen und solche Sachen. Sie hat heute gesagt, dass ihr Herz sagt, sie soll dem Hund mit einem Schläger eine drüberziehen - aber das will ich ja gar nicht, sagt sie dann.
Ob sie das mit dem Herz von Filmen hat oder sie wirklich so empfindet, weiß ich nicht.
Ich bin inzwischen bei einer Beratungsstelle, was mir schon hilft, da man sich Tipps holen kann und man weiß, man ist nicht alleine.

Es ist so schwer, ein Kind zu erziehen, meiner Meinung nach.

LG silke

 

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