Autor Thema: Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden  (Gelesen 2577 mal)

Muddi

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Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« am: 07. August 2014, 11:12:00 »
Hallo zusammen!

Meine Tochter scheint mit ihren 1,5 Jahren gerade mitten in der Trotzphase zu sein. Es gibt Tage da ist alles falsch und schlecht und ich ernte nur ein "Neiiiiiii".

Wirklich schlimm (für mich) sind aber ihre Wutanfälle, wenn nicht alles so klappt wie sie das möchte. Sie brüllt und schreit. Und in besonders schlechten Momenten schlägt sie dann absichtlich ihren Kopf auf den Boden. Da bleibt mir das Herz stehen und ich könnte durchdrehen ("Gehirnerschütterung? Schwellung? Mache ich was falsch in der Erziehung?").
Ich versuche das Kopfschlagen zu ignorieren, ihr dafür keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Aber das ist schon ziemlich schwer.

Kennt einer von euch dieses spezielle Problem? Und wie reagiert ihr allgemein auf Trotzanfälle?

Mieze2909

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #1 am: 07. August 2014, 12:50:40 »
hallo muddi

mein sohn ist gerade auch drin. schmeißt sich meist gegen die türe oder auf den boden. wenn er nur noch schreit und weint ignoriere ich das und gehe weg. das hat bis jetzt gut geholfen. aber ich muss sagen, mir zerreißt es fast das herz wenn ich das so mache. aber wenn es hilft....

wünsche dir gute nerven


Nachtvogel

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #2 am: 07. August 2014, 14:55:33 »
mein Jüngster hat das auch gemacht  s-:) :P

Dabei ist/war er jetzt nichtmal das große Trotzkind, im Gegenteil, aber wenn ihm dann mal was nicht passte *bäm* Kopf auf den Boden  s-:)

Naja ich glaub man härtet ja von Kind zu Kind mehr ab... wenn er meint er muss den Kopp auf den Boden hauen *schulterzuck* er lernt schon selber, dass das IHM weh tut :P ;D

ich hab das dann entweder ignoriert (wenn er dan weinend angelaufen kam hab ich ihn natürlich trotzdem getröstet, aber ich bin halt nicht aufgesprungen und entsetzt hingerannt wenn er angefangen hat ;)) oder ihm dann beim Trösten ruhig erklärt, dass er sich doch selber weh tut und das das keine so gute Idee ist.

Es hat aber nach ein paar Monaten von alleine wieder aufgehört...Heute wird die eigene Wut in Worten ausgedrückt

*halt den Mund!*
*Po*loch*
*schei*ße*
*laaass mich RUHEEEEE!*

 s-:) :P S:D

...naja große Geschwister und so halt, ne?! s-:) ;D ;D ;D
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zuz

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #3 am: 08. August 2014, 07:43:43 »
Oje! Doch, da würde ich auf jeden Fall reagieren, zumal in dem Alter. In dem Alter sind sie noch völlig emotionsgesteuert, können ihr Verhalten noch nicht planen - und oft noch nicht mal alleine beenden. Dafür braucht er - Dich. Du kannst ihm helfen, da wieder herauszufinden.
Zunächst würde ich unbedingt verhindern, dass er sich wehtun kann. Das geht nämlich durchaus. Meine hatte eine Vorliebe, in der Nähe von scharfen Kanten auszuticken. Natürlich können sie sich da verletzen, und ich sehe es als meine Aufgabe, das zu verhindern. Sprich, im Zweifel hab ich sie in eine ungefährliche Zone befördert, wo sie weitertoben konnte. Bei Euch vielleicht eine Matratze.
An und für sich ist das natürlich völlig normal, dennoch kann man einiges tun, um das im Rahmen zu halten. Weißt Du, in welchen Situationen das besonders passiert? Wenn er was nicht bekommt, was nicht funktioniert, was nicht darf? Zu bestimmten Zeiten? Z.B. wenn er hungrig, müde ist? Sowas kann schon mal helfen, vieles zu entschärfen. Z.B. vielleicht die Turmbauzeit nicht kurz vors Mittagessen legen, wenn er häufig bei Hunger und Frustration abdreht.
Dann: Möglichst frühzeitig erkennen, wenn ihm was zu viel wird. Oft gibt es schon vor dem Losschreien Anzeichen, dass es reicht. Dann hast Du die Möglichkeit (nicht immer natürlich) die Situation rechtzeitig zu beenden oder gegenzusteuern. Vielleicht hast Du mal ein paar Beispiele, dann kann ich Dir besser erklären, wie ich das meine.

Auf jeden Fall würde ich ihn nicht allein lassen. Bei ihm bleiben, ab und an fragen, ob Du ihm grad helfen kannst. Ihm anbieten, kuscheln zu kommen. Er wird nicht gleich reagieren, aber er spürt, dass Du da bist und ihm helfen willst. Er selbst kann es nämlich nicht.

Hubs

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #4 am: 08. August 2014, 11:43:52 »
Ich schließ mich zunächst mal zuz an, möchte aber noch was hinzufügen.
Beim Großen hat ablenken ganz gut funktioniert, also gern auch dann, wenn ich gemerkt habe, dass er mit der Situation überfordert ist. Bei ihm hat auch geholfen seine Gefühle / seine Lage in Worte zu fassen, dann hat er sich verstanden gefühlt und kam schnell wieder raus.
Beim Kleinen hat nix geholfen außer Ruhe und Geduld. Ich hab mich neben ihm gesetzt, versucht Verletzungen zu vermeiden und abgewartet. Ihm konnte ich nicht helfen irgendwie aus der Situation rauszukommen, ihm hat nur geholfen, dass ich da war und ihm signalisiert habe, er kann seinen Zorn austoben und ich nehm ich anschließend in die Arme, wenn er bereit dazu ist.
Hubs mit den beiden Buben *04/2009 *01/2012



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Mieze2909

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #5 am: 08. August 2014, 16:23:09 »
Verletzungen sollten auf jeden fall vermieden werde. so viel ist klar. aber mit der Situation selber umgehen muss glaube ich jeder für sich raus finden.

Jonas rennt oder krabbelt dann immer weg von uns und wenn wir hinter her gehen um mit ihm zu reden rennt er weiter weg. er will auch nicht angefasst werden. wir reden erst mit ihm und sagen z.B. wenn er eine banane haben will das er jetzt keine bekommt, weil es ja gleich abendbrot gibt. Da bekommt er dann eine. Doch er will sie SOFORT haben und fängt an zu Bocken.

Wenn alles nichts nützt mit lieben worten und so, dann gehen wir und machen was gerade gemacht werden muss. Jonas beruhigt sich dann iwann (dauert nicht so lange) und kommt dann an und will auf den arm genommen werden. Dann erklären wir das nochmal warum er nicht darf und dann ist gut. kurze zeit später isst er seine banane beim abendbrot.

Bei uns ist es ja so wenig geworden, das es eigentlich nur beim essen noch so ist. Wir kochen gerade aber Jonas will sich mit Keksen voll stopfen.

am anfang war es auch wenn ich mal nicht auf seinen wunsch aufgestanden bin, oder er ein spielzeug nicht bekommen hat usw.

WIe gesagt verletzungen müssen/sollten vermieden werden und der rest ergibt sich mit viel liebe und gedult :)

Sonina

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #6 am: 08. August 2014, 20:30:49 »
hatte Iven auch in dem Alter. Ging in etwa 3-4 Monate so.
Wenn es zu Hause passiert ist (was zu 98% der Fall war), hab ich ihm ein Kissen auf den Boden gelegt, wo er den Kopf hingeknallt hat, mich daneben gesetzt und gewartet bis er fertig war.  S:D

Man muss sich schon wundern, warum wir an unseren Erwartungen festhalten.
Das Erwartete ist das, was uns in der Balance hält... aufrecht... ruhig.
Was wir erwarten, ist nur der Anfang.
Das, was wir nicht erwarten ist das, was unser Leben verändert.

Muddi

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #7 am: 11. August 2014, 11:02:56 »
Danke für eure Antworten!
Klar, versuche ich Verletzungen zu vermeiden, ich will ihr eben nur nicht die Aufmerksamkeit schenken, die sie dadurch haben möchte. Und tatsächlich ist dieses Kind schon in der Lage mit ziemlichen Kalkül die Stärke des Aufschlagens halbwegs zu regulieren. Man merkt richtig wie sie nachdenkt, wenn ihr Kopf gen Boden geht  ???

Also ich finde diese Phase gerade wirklich anstregend. Sowohl was das Kind betrifft als auch die Eltern. Ich hätte NIE gedacht, dass Kinder in dem Alter so einen Dickkopf haben können. Böse Zungen behaupten den habe sie von mir. Und wenn sie dann trotzt, aus heiterem Himmel beißt oder weint, noch vor Sonnenaufgang aufsteht oder Grenzen bis aufs Letzte testet, dann fragt man sich, ob man alles richtig macht. Oder ist es eben doch falsch wie man in den einzelnen Situationen reagiert? Wie machen das andere? Man fängt an schlaue Bücher zu lesen und wird erst recht unsicher.
Ich glaube das ist ein großes Problem unserer Zeit. Diese Informationen von allen Seiten, die an die Eltern herangetragen werden oder die man sich selbst beschafft, schwirren so laut im Kopf, dass man sein Bauchgefühl gar nicht mehr hört... Wie heisst es so schön

HÖR AUF DEIN HERZ. DENN DAS HAT SCHON GESCHLAGEN BEVOR DU DENKEN KONNTEST!

Und deshalb habe ich am Wochenende alle schlauen Bücher und Zeitschriften weggeworfen. Im Geiste habe ich mich bei allen Müttern entschuldigt, bei denen ich im Supermarkt mit trotzenden Kindern dachte "Na, das Kind ist aber schlecht erzogen". Und versuche jetzt einfach sämtliche Phasen halbwegs zu überstehen immer mit dem Tantra im Kopf " Es ist nur eine Phase. Es ist nur eine Phase!". Und warte in den Phasen, dass mein wundervolles liebes Töchterchen wieder hinter dem Wutzwerg auftaucht.

Weitere Beiträge hier werde ich natürlich nicht ausschließen, denn es ist so schön zu wissen, dass es anderen genauso geht  ;)

zuz

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #8 am: 12. August 2014, 11:14:33 »
Hör auf Dein Herz - das ist schon mal gut!
Das mit dem "Sie will ja dadurch meine Aufmerksamkeit" - nein, so einfach ist es definitiv nicht. Sie KANN sich nämlich noch gar nicht in Dich hineinversetzen. Was sie will, erwartet und auch bekommen sollte, ist Deine Aufmerksamkeit ihrem Problem gegenüber. Sie erwartet, dass Du zaubern kannst. So wie Du auch zaubern konntest, als sei als Baby geweint hast. Da hast Du sie hochgenommen, gewiegt, gestillt, usw., und sie hat gemerkt, dass es ihr dann wieder besser geht. Genau das erwartet sie jetzt auch.

NAtürlich klappt das nicht immer. Wenn sie an die Steckdose will, kannst Du ihr das natürlich nicht erlauben. Es ist aber nicht so, dass sie Dich jetzt manipuliert, nur damit Du ihr das erlaubst. Nein, für sie bricht da jedesmal eine Welt zusammen. Sie MUSS an diese Steckdose, endlich kann sie das aus eigener Kraft und jetzt kommst ausgerechnet Du und verbietest ihr das. Das ist zum Kopf-auf-den-Boden-schlagen! Da wird man ja soo wütend - nur dass sie noch nicht mal weiß, dass sie eigentlich gerade wütend ist. Die ganzen Zusammenhänge erkennt sie noch nicht.

Deshalb kann es helfen, ihr die immer und immer wieder zu erläutern, möglichst schon bevor sie in einen Anfall reinkommt - dass sie jetzt unheimlich gern zur Steckdose will, das aber leider nicht geht. Und dass sie da jetzt enttäuscht und wütend ist. Bei uns hat es Wunder gewirkt, zu sagen: Du bist jetzt furchtbar enttäuscht, weil Du nicht an die Steckdose darfst. - Und dann kein "aber" nachschieben, sondern das erstmal sich setzen lassen. Dauert bei Kindern. Ihn traurig sein lassen, dem nachspüren, ihn dabei in den Arm nehmen. Und dann eine Alternative vorschlagen. Bei der Großen hat dann eher eine Erklärung geholfen, beim Kleinen nicht, das musst Du ausprobieren.

Und natürlich kannst Du sie versuchen abzulenken. Mit einem Spiel, indem Du sie einfach woanders hinbeförderst, wo sie die Steckdose gar nicht mehr sieht, egal. Einfach die Situation für sie beenden.

Und wenn das nicht geht, Trost bieten. Nein, damit verwöhnst Du sie nicht. Damit hilfst Du ihr, mit ihren noch unkontrollierbaren Emotionen umzugehen, die sie alleine noch nicht in den Griff bekommt. Wenn sie es zulässt, kannst Du mit ihr kuscheln.

Manches kann man auch entschärfen. Sie will was Süßes vor dem Essen? Geht nicht, aber vielleicht kann sie eine Möhre knabbern. Sie will nicht gewickelt werden? Okay, aber vielleicht ja im Stehen. Sie will beim Einkaufen ein Spielzeug? Geht nicht, aber vielleicht hast Du 5 Minuten, in denen sie sich das in Ruhe anschauen kann, und dann geht Ihr weiter. Sie will das 10. Stück Butter in den Wagen legen? Geht nicht, aber vielleicht ein Stück Käse. Sie bockt im Supermarkt und geht keinen Meter weiter? Gut, dann kauer Dich dazu, tröste sie, bis sie wieder weitergehen will. Gesteh ihr zu, dass sie eine Weile braucht, um wieder das zu tun, was Du von ihr willst (denn das ist nämlich meist ganz schön viel).

Hubs

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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #9 am: 12. August 2014, 12:08:21 »
Zuz, das hast Du einfach toll geschrieben!
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Antw:Trotzphase - Mit dem Kopf auf den Boden
« Antwort #10 am: 23. August 2014, 22:27:37 »
Wir haben aktuell auch so ein kleines "minimonster"  ;)

ist unser drittes und aktuell noch jüngstes kind, sie ist nun bisschen über 15 monate und bockt wie kein anderes unserer kinder.

ich sehe es auch so, dass verletzungen natürlich vorgebeugt werden muss aaaaaaber ich renne bestimmt nicht bei jedem furz und geb ihr was sie grade in dem moment möchte.  Ich geb hier offen zu, ich lass sie dann definitiv ausbocken, das sieht so aus, dass sie die Hände gegen den schrank patscht, oder wütend auf uns zurennt und "haut" und was leider grad ganz schlimm ist, sie beisst ihren bruder. Das kenn jch so gar nicht. Beim beissen nehm ich sie dann gleich weg von ihm und sage bestimmend nein, Natürlich geht das mktzen dann erst recht weiter. Ja wie gesagt, ich lasse sie bocken, das geht dann ca zehn minuten und dann hat sie sich beruhigt und alles ist gut.

das mögen nun viele sicher nicht für gut heißen aber joa, ich denke das entscheiden alle für sich.

bin jedenfalls "froh" dass ich nicht die einzige bin die ein kleines monsterchen zuhause hat, das aber auch gaaaaaaanz oft gaaaaanz lieb ist  :)

            
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