Autor Thema: Sohn (4) kann außerhalb der Kita plötzlich nicht mehr mit anderen Kindern  (Gelesen 685 mal)

Monja

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Hallo liebe Eltern,

mein Sohn wird in wenigen Monaten 5 Jahre alt und seit ca. einem halben Jahr hat er Schwierigkeiten mit anderen Kindern. Dieses Behnehmen bezieht sich jedoch nicht auf den Kindergarten. Seltsamerweise und zu meinem großen Erstaunen, sind die Erzieherinnen immer voll des Lobes, er sei lieb, mitfühlend, nie in irgendeiner Form gewalttätig, er ist gehorsam, versteht sich bestens mit allen Kindern (bis auf eins), spielt sowohl allein als auch in der Gruppe und es gibt nur die üblichen Rangeleien ala "du kannst das jetzt nicht haben, ich spiel jetzt damit" und "du bist jetzt nicht mehr mein Freund, ach jetzt bist du wieder mein Freund". Es gibt ein problematisches Kind in seiner Gruppe, das gewaltätig gegen alle Kinder wurde, er wurde hin und wieder angegriffen, laut Erzieherin hat er sich aber gut verteidigt ohne selbst Gewalt anzuwenden und schien gestärkt aus der Situation zu gehen. Wir haben das oft thematisiert, es ist wohl seit dem neuen Schuljahr (seit einer Woche)etwas besser, aber es gibt noch Vorkommnisse, die mein Sohn aber gleich der Erzieherin meldet.

Seit er ca. 2 Jahre alt ist, treffe ich mich regelmäßig mit einer Freundin und ihrem ein Jahr jüngeren Sohn. Die zwei haben immer schön zusammen gespielt, auch hier gab es mal Knatsch, aber in der Regel waren sie friedlich und hatten Spaß. Das änderte sich jedoch dieses Jahr, je wärmer es wurde desto anstrengender wurde es mit den beiden. Immer mehr Gezanke, Geheule und kein gemeinsames Spiel mehr möglich. Auch im Garten oder auf dem Spielplatz war nur Ärger angesagt oder sie gingen getrennte Wege. Zuerst dachte ich, die zwei bräuchten eine Auszeit, da sie sich auch im Kindergarten ständig sehen und es läge an der Konstellation. Ich bin dann dazu übergegangen mich mit anderen Müttern mit Kind zu treffen, mal zu Hause, mal auf dem Spielplatz, doch auch hier merkte man schnell, das ein gemeinsames Spiel nicht möglich war.

Früher oder später hörte ich meinen Sohn weinen, meckern oder sich distanzieren. Er sitzt dann einfach auf einer Bank oder hängt an einem Spielgerät und wartet...auf was genau, kann er auch nicht sagen. Wenn man weiter nachhakt, kommt meist etwas wie "ich wollte dies, aber der andere wollte das" und andere nicht gerade aussagekräftige Gründe. Das gilt sowohl für Mädchen als auch für Jungs, für Ältere wie für Jüngere, es klappt momentan mit niemandem. Irgendwann ist er so sauer, das er nach Hause will oder dem Kind die Tür weist, wenn es bei uns ist. (das war mitunter schon mal peinlich).

Ich bin mittlerweile völlig verunsichert, vorallem weil es im Kindergarten so gut zu klappen scheint. Es ist fast so, als benehme er sich so daneben, wenn ich dabei bin, denn auch wenn er mit Tante und Onkel unterwegs ist, hört man immer nur Lob zu seinem Benehmen und wie schön er mit anderen Kindern spielt. Ist er mit mir unterwegs, so ist er sehr sensibel, fast schon weinerlich, aber auch frech und weil mir jetzt kein besserer Ausdruck einfällt, eine Zicke! Jedoch nur wenn andere Kinder dabei sind. Allein mit mir ist er ein Sonnenschein, gehorsam und sehr verschmust, kommen jedoch Kinder hinzu ist er wie ausgewechselt, horcht überhaupt nicht mehr und benimmt sich auch irgendwie anders, weniger freundlich würde ich sagen.

Zu den allgemeinen Lebensumständen kann man nur sagen, er lebt in einem liebevollen Zuhause. Er hat zu seinem Vater eine sehr gute Beziehung, zu mir ist sie jedoch etwas enger, da wir einfach mehr Zeit miteinander verbringen und ich (jedenfalls bisher) einfach den besonderen Draht zu ihm hatte. Ich bin eindeutig die Strengere, was er beim Papa natürlich gnadenlos ausnutzt. Wir unternehmen sehr viel zusammen, wann immer sich Zeit findet, ob Schwimmen, Wandern, Radfahren, Spielplätze erkunden, Ausflüge in alle Richtungen, meist alle zusammen, manchmal zeitbedingt nur mit mir. Er ist eigentlich ein sehr ausgeglichenes Kind, es gibt keine großen Trotzanfälle oder Streit bei uns, keine Dramen und keine großen Probleme in der Familie. Wir kriegen uns ab und an nur in die Wolle, wenn es ums Aufräumen geht (das Konzept scheint ihm völlig unklar) , ums Einkaufen (das kann er nicht ausstehen und will lieber alleine zuhause bleiben) oder wenn er wieder trödelt (bei allem und das meisterhaft) ansonsten haben wir viel Spaß zusammen, aber eben nur wenn wir alleine sind. Er ist ein wenig verwöhnt, was materielle Dinge angeht, meines Erachtens könnte es da etwas weniger sein, aber ob das ein Grund für ein solches Benehmen ist? Achja seit einiger Zeit ist er ziemlich ängstlich, Geräusche die er nicht einordnen kann, treiben ihn sofort zu mir, dunkle Zimmer will er nicht betreten und allgemein wenn es draußen dunkel wird, will er auch in der hell erleuchteten Wohnung nicht ohne uns sein.

Man könnte jetzt anbringen, er sei im Kindergarten genug mit anderen Kindern zusammen und möchte den Rest des Tages lieber mit seinen Eltern verbringen, er MÖCHTE jedoch andere Kinder treffen. Er fragt mich sogar explizit nach bestimmten Kindern und wann sie wieder kommen oder wann man wieder mal gemeinsam auf den Spielplatz geht. Ist es dann jedoch so weit, geht oben genanntes Theater von vorne los. Auch der Hinweis, man könnte sich nicht mehr treffen, wenn sich das Benehmen nicht bessert, bringt rein gar nichts oder nur für einige Minuten Besserung. Es scheint die Situation noch zu verschärfen, da er irgendwie gestresst ist und durch dieses Konsequenz noch mehr unter Druck gesetzt wird. Er kann mir sein Behnehmen in keiner Weise erklären und scheint selbst ratlos, was kann es nur sein?

Mit den Erzieherinnen oder dem Kinderarzt habe ich das Thema noch nicht angesprochen, da ich erstmal abwarten wollte, ob es sich von selbst löst, wie in den meisten Fällen, aber es geht jetzt schon fast das ganze Jahr...Kennt ihr auch solche Situationen oder habt ihr einen Rat, was genau los ist? Vielen Dank schon mal!  s-hilfe


schwalbe

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Hallo monja  :)
Ich denke, das ist normal.
Die meisten Kinder kommen doch besser miteinander klar, wenn keine Eltern dabei sind.
Mit 4 lernen die kleinen ja gerade erst, miteinander klar zu kommen miteinander zu spielen und nicht nur nebeneinander.
Und ich fürchte, auch wenn das Mutterherz blutet sollte man sie ihre eigenen Erfahrungen machen lassen.
zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen, Wurzeln und Flügel (Goethe)

Fliegenpilz

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  • Von damals bis zur Unendlichkeit!
Ich finde es auch gar nicht so drastisch wie du es ggf. in deiner Position empfindest.
Mich stört eher das Wort "gehorsam", das fällt mir persönlich zu oft im Zusammenhang mit eurem Sohn.

Gab es ggf. Veränderungen in eurer Familie oder stehen diese an?
Tod eines Großelternteils, Onkel, Tante, Geburt eines Geschwisterchens?

Ansonsten finde ich sein Verhalten auch gar nicht anmaßend.
Er ist vier Jahre, er entdeckt die Welt gerade jeden Tag ein Stück mehr, es kommen neue Ängste in dem Moment in welchem er sich zeitgleich neue Freiräume versucht zu schaffen oder erhält. Er hat die letzten vier Jahre mit Kind X gespielt, aber jetzt gibt es einfach keine Ebene mehr (und gerade vierjährige sind nicht gleich vierjährige - da können ganze Welten an Unterschieden entstehen, die für uns Eltern ggf. auf den ersten Blick gar nicht so wirklich zu erfassen sind). Auch wenn du mit der Mutter des Kindes gut befreundet bist, so müssen eure Kinder sich nicht zwangsläufig auch verstehen.

Das er Kinder einfordert und dann doch wieder keine Lust hat, ist auch etwas das zum Groß werden dazu gehört. Das es klappt, wenn andere Kinder nicht dabei sind und sich dies dann wandelt bei Anwesenheit von Kindern, kann auch einfach damit zusammen hängen, dass er irgendwie Sorge trägt dich nicht für sich alleine zu haben, er hat ggf. das Gefühl nun teilen zu müssen und möchte dies einfach nicht.



Honigbluete

  • Dino
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Ich denke auch, dass es erstmal normal ist, dass sich Freundschaften wandeln und er auch lernen muss, in freien Situationen (Zuhause, Spielplatz) mit anderen Kindern umzugehen. Das fällt im Kindergarten durch den eng gesteckten Rahmen ja leichter. Ich hatte auch die Idee, dass er es nicht findet, dich mit anderen Kindern zu teilen. Wie ist es, wenn du alleine mit ihm bist, spielst du dann mit ihm? Und wenn andere Kinder mit dabei sind? Was machst du dann?

Was mir aber auch aufgefallen ist, ist eine Reihe von Beschreibungen, die ich von meinem großen Sohn her kenne. Das würde ich weiter beobachten und auch mal gezielt die Erzieherinnen und den Kinderarzt
drauf ansprechen. Es waren folgende Aussagen von dir:
-will bestimmen, was gespielt wird, sonst zieht er sich raus
-versteht Konzept Aufräumen nicht (Strukturen/Routine)
-Geräuschempfindlich
-geht nicht gerne einkaufen (Reizüberflutung?)
-trödeln
-weist Kindern die Tür (wenig Taktgefühl/Fingerspitzengefühl)

Das alles kenne ich von meinem Sohn, der diese Verhaltensweisen (und noch ein paar andere) allerdings auch in Kindergarten und Schule gezeigt hat. Das ist bei euch ja offensichtlich nicht der Fall, so dass es letztlich eine andere Dimension hat. Bei meinem Großen wurde vor ein paar Monaten ADS diagnostiziert und der Verdacht auf Asperger Autismus geäußert... 

Beobachte selbst noch eine Weile genauer, wann er wie reagiert und sprich, wie gesagt, Erzieherinnen und Kinderarzt auf deine Sorgen an...



 

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