Autor Thema: Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN  (Gelesen 2363 mal)

Karlanda

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Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« am: 27. Oktober 2016, 10:25:21 »
Ich bin im Moment ziemlich genervt von meinem Großen, der gerade wieder ein riesiges Drama veranstaltet, weil ich ihn ans Flöte üben erinnert habe. Mein (Verständnis-)Problem dabei: ER wollte und will Flöte lernen. Er geht auch gerne zum Unterricht und hat eine Lehrerin, die sich sehr bemüht, auf ihn einzugehen und das Programm seinen Vorlieben anzupassen: Wenn er z.B. etwas selbst Komponiertes mitbringt, hilft sie ihm, das Ganze in Form zu bringen; mag er ein Stück gar nicht, wird es schnell abgehakt und etwas anderes gesucht etc. Er spielt auch gerne vor: Den Großeltern, Freunden und besonders Weihnachten. Und wenn wir irgendwo eingeladen sind, packt er oft seine Flöte ein, um ein Geburtstagsständchen zu bringen. Trotzdem ist das häusliche Üben immer wieder ein K(r)ampf.
Ich könnte das ja verstehen, wenn er - wie ich als Kind - eigentlich kein Interesse an seinem Instrument hätte. Ich hatte Klavierunterricht, weil meine älteren Geschwister ihn hatten und der Klavierlehrer eben 1x in der Woche ins Haus kam. Aber es hat mich nie begeistert und ich habe es keinen Moment bedauert, als ich aufhören durfte. - Bei ihm ist das ja aber nicht so. Im Gegenteil: Wenn ich sage, dass ich keine Lust habe, Zeit und Geld in den Musikunterricht zu investieren, wenn er selbst so wenig dafür tut, dann übt er am ehesten. Ich verstehe es einfach wirklich nicht. Warum ist es für ihn so ein Drama, einfach mal 10-15 Minuten einigermaßen konzentriert zu üben/zu spielen? Er mag doch sein Instrument und die Musik!



Alchemilla

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #1 am: 27. Oktober 2016, 14:17:45 »
Ist bei uns genau so. Jonathan liebt seine Geige, den Unterricht, will beim Orchester mitmachen....aber üben.....
Wir haben jetzt eine Geigenuhr am Kühlschrank. Darauf ist eine Uhr abgebildet, und man kann den Zeiger vorstellen. Er muss pro Woche mindestens eine Stunde üben. Wenn die Geigenuhr regelmäßig nicht "voll" wird, melde ich ihn beim Unterricht ab.
Seitdem klappt es viel besser. Er hat das vor der Nase, wie viel er schon hat und wieviel er noch muss und abgemeldet werden, will er auf keinen Fall. Meistens übt er jetzt drei bis vier Mal die Woche 20 Minuten - plus den Unterricht, da kommt er schon gut weiter.


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Fliegenpilz

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #2 am: 27. Oktober 2016, 15:06:36 »
Also - hier gibt es keine Diskussionen bzgl. des Übens Zuhause.

Wieso?
Weil ich diese gar nicht starte.

Ein Kind, welches unter Zwang übt, wird nicht mehr lernen als ein Kind, welches unregelmäßig sein Musikinstrument auspackt und nach Lust & Laune spielt.

Zwei Kinder, beide beim zweiten Instrument, klappt!
(Hier wurde von beiden zuerst Blockflöte gelernt zusammen mit den Noten, danach wechselte das eine Kind zur Querflöte und das andere Kind zur Gitarre ... und beide nehmen heute noch gerne die Blockflöten zur Hand)

lotte81

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #3 am: 27. Oktober 2016, 15:12:09 »
Ist hier wie bei Christiane. Und auch in der Musikschule so empfohlen und vorgesehen. Beide Kinder sind in ihren Instrumenten erstaunlich gut ... Klar, keine Supertalente, aber die Kleine spielt nach einem guten Jahr Klavierunterricht schon besser, als ich damals nach der doppelten oder dreifach Zeit....
Der Große klimpert immer mal wieder auf den Gitarren rum, die hier überall in der Wohnung verteilt stehen  ;D Die Kleine spielt zwischendrin tatsächlich auch mal tagelang gar nicht oder in den Ferien auch noch länger... um dann mal wieder über Wochen sehr ausdauernd zu spielen und üben.
Kommen wir aus dem Klavierunterricht raus, ist sie jedes Mal fröhlich und sagt: Ich liebe Klavierspielen.
Das reicht mir eigentlich als Rechtfertigung es ihr weiter zu ermöglichen und zu zahlen



Solar. E

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #4 am: 27. Oktober 2016, 15:36:10 »
Hier ist es so: Alle Kinder hatten zum Einstieg erst musikalische Früherziehung und stiegen dann auf die Blockflöte um.

Kind 1 spielt nun Querflöte seit mehreren Jahren, dies nun sowohl in der Schule im Orchester als auch im örtlichen Musikverein. Sie übt nach Lust und Bedarf - wenn ein Konzert ansteht halt mehr. Und sie würde gerne Schlagzeug lernen. Geht aber aktuell aus Zeitgründen (noch) nicht.

Kind 2 hat Gitarrenunterricht.  Und das heißt, er geht zum Unterricht. Ganz selten mal nimmt er sie sonst in die Hand.

Kind 3 hatte nach einem Jahr Blockflöte die Nase voll und interessiert sich ebenfalls fürs Schlagzeug. Er lernt in der Schule derzeit Gitarre, im übrigen bei der gleichen Lehrerin wie der Bruder. Da es in der Schule Noten gibt und ich die geübte Zeit abzeichnen muss, muss er seine Zeit üben, ob er nun will oder nicht (ich kann ihm schlecht ne Unterschrift für was geben, was er nicht gemacht hat  :P).

Und ich stelle fest, Kind 2 macht dennoch seine Fortschritte. Zwar vielleicht nicht so schnell, wie er könnte, wenn er mehr üben würde. Aber er geht sehr gerne hin und es ist für ihn ein Ausgleich zum Schulalltag und dazu reines Freizeitvergnügen, also warum sollte ich ihn dann zwingen? Er geht derzeit in eine Vierergruppe, die gut zu ihm passt - wenn die nicht mehr zusammenpassen, werden die Gruppen eben neu zusammengesetzt, es sind auch Dreier-, Zweiergruppen oder Einzelunterricht möglich. Wie es eben gerade von der Schülerzahl und deren Können hinkommt.

Beim Jüngsten ist das ein bisschen anders, da eben doch Pflichtprogramm. Und sie lernen als Klasse, d.h. wenn einer so richtig schludert, hält er die komplette Klasse auf. Das möchte weder er noch ich und wie gesagt, ich unterschreibe ihm auch nichts was nicht gemacht wurde. Aber ich habe nicht den Eindruck, dass er besser oder schlechter lernt als sein Bruder, nur dass ich ihn regelmäßig erinnern muss (und einem Kind beim Üben zuzuhören, welches aktuell offensichtlich keine Lust hat, ist absolut kein Spaß  :P).

Solange es reines Freizeitvergnügen ist und die Kosten halbwegs überschaubar, sprich in einem Rahmen, den ein anderes Hobby auch kosten würde, würde ich es ohne Druck einfach laufen lassen. Es käme ja auch keiner auf die Idee, zu Hause eine Sportart zu üben, weil das Kind ins Training geht.




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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #5 am: 27. Oktober 2016, 17:54:20 »
Wir erwähnen das Üben zu Hause nie.
Manchmal spielt er tagelang am Stück, manchmal wird das Instrument wochenlang nur zum Unterricht ausgepackt.
Aber wenn, dann immer mit absolut größter Begeisterung.
Ich habe manchmal große Lust auf ein bestimmtes Lied und das wir das zusammen musizieren und frage, ob er (alle) möchte(n). Aber ansonsten, erwähnen wir es nicht.
Er liebt die Unterrichtsstunden, er liebt die Auftritte. Und hin und wieder packt ihn die Lust selbst zu komponieren. Wie wild. Ich liebe das. <3
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mareka

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #6 am: 28. Oktober 2016, 07:41:42 »
Hm, also ich möchte schon, dass die Kinder üben. Der Unterricht ist sehr teuer, v.a. für den Großen. Er spielt Gitarre und hat wöchentlich 30 Min. Einzelunterricht. Wir bezahlen 73 Euro im Monat. Irgendwie möchte ich bei dem Preis schon, dass er auch übt und nicht nur 30 Min. im Monat ein bisschen Spaß hat. Ich überlege gerade warum das so ist, wenn ich so manch andere Antworten hier lese, die das Üben so gelassen sehen...

Er war letztes Jahr zusätzlich zum Einzelunterricht noch in so einer Art Gitarren-AG in der Schule, die war spottbillig (20 Euro für das Halbjahr). Als er mal wieder ein Übungstief hatte, haben wir ihm angeboten, dass er nur noch in die AG geht. Dann bleibt er ein bisschen am Ball was das Gitarre spielen angeht und da das Niveau in der Gruppe eher niedrig war, hätte er auch nicht üben müssen um mitzukommen. Das wäre dann wirklich so ein reines Spaßding für einmal die Woche gewesen. Er wollte aber unbedingt weiter zu seinem Gitarrenlehrer gehen und hat dieses Jahr die AG auch nicht mehr wieder gewählt.

Bei uns hat  es sich so eingependelt, dass die Kinder abends nach dem Abendessen üben, ca. 10-20 Minuten, mal jeder in seinem Zimmer, mal gemeinsam im Wohnzimmer immer abwechselnd ein Lied, mal versuchen sie was zusammen, mal spiele ich mit, mal höre ich zu... wie es gerade passt. Und mit dieser Routine klappt es super und alle haben Spaß und Diskussionen gibt es keine.

Die Kleine spielt Flöte und sie nimmt tatsächlich auch so immer mal wieder die Flöte zur Hand, auch außerhalb der Abendroutine. Beim Großen ist das eher selten der Fall, er denkt da meist nicht dran, auch wenn die Gitarren in seinem ZImmer gut sichtbar stehen.
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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #7 am: 28. Oktober 2016, 08:15:27 »
OK, wir zahlen für den Gitarrenunterricht wesentlich weniger, es sind 28€/Monat. Die Vierergruppe hat 60 Minuten Unterricht, die Dreiergruppe hätte entsprechend 45 Minuten, Zweiergruppe 30 Minuten. Wäre es so viel wie bei euch, würde ich mich da zugegebenermaßen auch schwerer tun.
Allerdings hatte ich als Kind auch Klavierunterricht mit Lehrer im Haus, der nicht gerade günstig war und ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass ich viel Spaß am Instrument hatte, dagegen aber das "Üben auf Knopfdruck" und die Ansage "Du musst heute noch üben, der Spaß ist so teuer, wir zahlen das nicht mehr wenn du nicht üben willst" ziemlich beschissen fand auf Deutsch gesagt.  :P

Na ja und was die Kinder angeht: Ich möchte schon, dass sie für ihre Sachen selbst die Verantwortung tragen. Ihr Unterricht, ihre Übungszeit - wenn der Lehrer merkt, dass nicht geübt wurde, sollen sie das selbst mit ihm ausmachen. Es reicht mir gerade, dass es in der Schule so ist, dass die Lehrer für alles und jedes die Eltern heranziehen anstatt die Schüler in die Verantwortung zu nehmen, dass z.B. ihre Sachen vollständig sind etc.pp.  :P

lotte81

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #8 am: 28. Oktober 2016, 17:32:38 »
Wir haben schon deutlich weniger bezahlt und zahlen jetzt das gleiche und ich sehe es nicht anders. Die Frage ist, warum und unter welchem Ziel, man das  Musikspielen sieht.

hier war es z.b. so, dass er mit 5 anfing Gitarre zu spielen. Die Lehrerin hat ihn nur unter der Bedingung genommen, dass er jeden Tag spielt bzw. Fingerübungen macht, weil sie sagte,dass es sonst in dem Alter keinen Zweck hat wegen Motorik bzw. weil die Finger sich an die Saiten gewöhnen müssen. Das hat er absolut eingesehen und freiwillig umgesetzt über 2 Jahre. Nicht immer mit Spaß, weil Fingerübungen keinen Spaß machen, aber er wußte den Sinn dahinter. Hätte er es nicht gemacht, hätten wir das Gitarre lernen noch Mal verschieben müssen um ein paar Jährchen, bis das Verständnis da ist. Ich hätte ihn aber nicht zum Üben gezwungen.

Jetzt spielen die Kinder, wenn sie der Ehrgeiz packt und sie Spaß dran haben...die Kleine spielt z.b derzeit was auf dem Klavier, das sie unbedingt spielen will... da übt sie schwierige Passagen auch teils sehr ausdauernd freiwillig.... Bis sie es geknackt hat.

Die Frage ist, was willst du mit dem Unterricht "bezwecken". Einfach Spaß an der Musik und ggf. später mal ein nettes Hobby mit Band oder zum entspannen (dann üben sie eh freiwillig, weil die Gruppe darauf achtet) oder soll er zu gewissen Zeitpunkten ein gewisses Niveau / Level erreicht haben?

Wobei....Wenn ein "Ziel" oder Sinn dahinter steht, üben die Kinder doch auch eh freiwillig (insofern sie hinter diesem Ziel stehen und es sich ausgesucht haben!!!)...sei es nun Auftritte mit einem Orchester/ Band, ein bestimmtes Lied endlich perfektionieren etc.

Wenn deine Kinder freiwillig, ohne Druck jeden TAg üben/ spielen, ist es doch absolut OK ...DAS ist ja genau das Tolle und das, was Sinn macht... Dran erinnern finde ich auch absolut nicht schlimm. Das mache ich durchaus auch mal bei meiner Tochter. Spielt sie dann, ist es OK, spielt sie nicht, ist es auch OK.... Ich kenne aber durchaus Kinder, die müssen mit "Gewalt" zum üben gezwungen /erpresst werden oder werden überredet/ bestochen.... und das finde ich dann doch merkwürdig, weil ich mich frage, was der Sinn bei einem freiwilligen Hobby ist.....
Wie gesagt, bei jedem anderen Hobby kommt man ja auch nicht auf die Idee sein Kind noch zum Üben zu animieren bzw. zu zwingen.....


Karlanda

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #9 am: 29. Oktober 2016, 12:31:52 »
Danke für Eure Antworten. Ich musste ein bisschen darüber nachdenken, daher antworte ich erst jetzt.

Ich finde es beeindruckend, dass das Erlernen eines Instrumentes bei so vielen Eurer Kinder scheinbar ein regelrechter Selbstläufer ist oder - wenn nicht - dass ihr das mit dem Üben so wahnsinnig entspannt seht.
In meinem Umfeld kenne ich eigentlich nur Familien, in denen das regelmäßige Üben regelmäßig zum Problem wird. (Ich weiß: Ihr würdet sagen: zum Problem GEMACHT wird...)

Natürlich habe ich mich auch gefragt, warum ich da nicht so gelassen sein kann, wie viele von Euch das anscheinend sind.
Ich versuche wirklich, ihm möglichst keinen Druck zu machen, weil mir klar ist, dass das eher kontraproduktiv ist. Ich erinnere ihn gelegentlich daran, dass er länger nicht gespielt hat oder dass er am nächsten oder übernächsten Tag wieder Unterricht hat, aber damit habe ich selten Erfolg. Ich fange nicht jedes Mal eine Diskussion an, aber an manchen Tagen nervt es mich doch sehr, und dann kann es auch vorkommen, dass ich ihn sage, dass nicht ICH wollte, dass er Flöte spielt, sondern dass ER das wollte, und dass ich keinen Sinn darin sehe, ihn weiter zum Unterricht zu schicken, wenn er nichts dafür tut. Ich erwarte ja nicht, dass er stundenlang übt, nicht einmal, dass er unbedingt jeden Tag übt, aber ab und zu mal ein paar Minuten konzentriert das zu spielen, was die Lehrerin ihm aufgegeben hat, finde ich durchaus zumutbar.

Klar soll ihm das Musizieren in erster Linie Freude machen. Trotzdem denke ich, dass ich auch etwas mehr Einsatz von ihm erwarten kann. Es ist ja nicht nur das Geld und die Zeit, die wir investieren, sondern auch die Musiklehrerin, die versucht, ihm etwas zu vermitteln und beizubringen und die sich dabei wirklich sehr große Mühe gibt, auf ihn und seine Interessen einzugehen. Ich empfinde es schon als eine gewisse Missachtung, diese Arbeit auf die pure Belustigung und Beschäftigung des Kindes zu reduzieren, nach dem Motto: Hauptsache das Kind hat Spaß, der Rest ist doch wurscht.
Wie gesagt: Es war SEIN Wunsch, nicht meiner. Und hier tragen alle dazu bei, ihm das zu ermöglichen - inklusive des kleinen Bruders, der immer beim Bringen und Abholen dabei sein und oft lange auf ihn warten muss. Alles was ich von ihm erwarte ist, dass er auch etwas beiträgt, indem er ein wenig öfter und selbstverständlicher übt. 

Zu dem Vergleich mit anderen Hobbys, wie z.B. Sport: Wenn es dort, wie im Musikunterricht, regelrechte Hausaufgaben gäbe, würde ich mir auch wünschen, dass er diese erledigt. Nur ist das eben bei den wenigsten - rein hobbymäßig betriebenen - Sportarten der Fall.
Und noch ein Gedanke dazu: Vor kurzem äußerte er den Wunsch, Fussball im Verein zu spielen. Der Papa war sehr dafür und hätte es sicherlich auf sich genommen, am Wochenende zu Spielen und Turnieren zu fahren. Als aber N. bewusst wurde, dass viele Wochenenden dann mit Fussball-Terminen belegt sein würden, entschied er sich dafür, es doch lieber beim gelegentlichen Kicken mit den Jungs aus der Nachbarschaft zu belassen. Auch beim Sport muss man sich also überlegen, ob man ihn mit allen Konsequenzen betreiben möchte oder nicht. Selbst wenn man keine Profikarriere anstrebt, kann man - insbesondere einen Mannschaftsport - eben auch nicht ausschließlich nach Lust und Laune betreiben.
Und zum Erlernen eines Instrumentes gehört eben meiner Meinung nach als Konsequenz das regelmäßige Üben - das wusste er auch, als er sich dafür entschieden hat. Wenn er sich damit aber weiterhin so schwer tut und so wenig Eigenantrieb zeigt, dann braucht es eben auch keinen professionellen Unterricht. Ähnlich wie beim Kicken mit den Freunden könnte er sich stattdessen nach freiem Belieben mit einem Übungsbuch, Papa, YouTube oder wem oder was auch immer hinsetzen und in Eigenregie lernen. ABER ER WILL ja den Unterricht Warum zeigt er dann so wenig Bereitschaft, etwas dafür zu tun? DAS verstehe ich einfach nicht.

@Alchemilla: Die Idee mit der Uhr finde ich sehr gut. Danke für diesen Tipp.

@mareka: Das mit der Abendroutine haben wir versucht, aber das hat nicht so gut geklappt - es wurde eben einfach nie zu einer wirklichen Routine, sondern blieb eher eine "Richtlinie" mit sehr, sehr vielen "Ausnahmefällen".

... die Ansage "Du musst heute noch üben, der Spaß ist so teuer, wir zahlen das nicht mehr wenn du nicht üben willst" ziemlich beschissen fand auf Deutsch gesagt.  :P
Ja, das kann ich gut nachvollziehen, und ich werde wirklich versuchen, mir solche Sätze in Zukunft eher zu verkneifen - mir ist schon bewusst, dass man damit eher das Gegenteil von Motivation erreicht... :-\

Na ja und was die Kinder angeht: Ich möchte schon, dass sie für ihre Sachen selbst die Verantwortung tragen.
Genau das ist ja auch mein Wunsch, nur weiß ich eben momentan nicht, wie war dahin kommen...

RunningMum

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #10 am: 29. Oktober 2016, 13:52:51 »
Hallo Karlanda!

Ich bin genauso hin- und hergerissen.
Bei uns geht es allerdings ums Ballett.
 
Nach der vorletzten Stunde sah ich den Ausdruck im Gesicht der Lehrerin waehrend eines ernsten Gespraechs mit meiner Tochter. Ich fragte nach und bekam zu hoeren, das sie halt nur
das mitmacht was sie moechte oder kann.
Ich sagte zuerst mal nichts, aber merkte wie irgendwie alles in mir hochkochte. Bis wir dann zu Hause waren, war ich im Stande das im ruhigen Ton anzusprechen.
==
Es ist bei uns so, das dieses Training waehrend meiner Arbeit ist. Ich also jede Woche entweder vor- oder nacharbeiten um die Zeit reinzuholen. Dennoch muss ich mir jede Woche
seitens meines Managers das okay dafuer holen.
Dann kostet es natuerlich auch Geld und es ist ein Fahrweg ueber recht viele Kilometer, und ich hab dann eben 90min Wartezeit. Also ist mein Beitrag recht hoch.
==
Da wuerde ich eben, neben dem Spass, auch erwarten, das sie sich wenigstens beteiligt.

Ich hab ihr dann gesagt, wenn ich seitens der Lehrerin weiterhin diese Rueckmeldung bekomme, melde ich sie ab.
Diese Woche machte sie dann besser mit, und die Lehrerin bestaetigte mir, das sie sich bemuehe, und jetzt kommt das ABER, sie koenne eigentlich mit dem Ballett aufhoeren,
da sie zwar sehr talentiert ist, aber keinerlei Disziplin hat.
Boing.

Ich habe jetzt mit meiner Tochter ausgemacht, das wir in den Ferien an ein paar Sachen arbeiten, und werde ihr auch klar kommunizieren, das ich mir das noch bis zum Ende des
Jahres ansehe und dann entscheide, wie es weitergeht.
Bei ihr kommt man mit 'sie doch mal, bla bla bla' und viel Lob nur bedingt weiter.
Ja zum Lob, aber sie hat
z.b. auch keinerlei Verstaendniss das die Lehrerin eben den Luxus Unterricht von 3 Maedchen per Gruppe anbietet um etwas aus den Kindern zu machen.
Auch hier war es so, das sie Ballett lernen wollte. Es passt zu ihr, es ist kontrolliert und ruhig und sie mag die Musik. Auch wuenscht sie sich zum Geburtstag immer eine Karte fuers
Ballett usw..
Das steht im krassen Gegenzug zu dem was sie bereit ist dafuer zu tun.

Es wird Dir nicht wirklich helfen, ich brauch aber einfach eine Deadline um solche Dinge
zu entscheiden. Meine ist jetzt Jahresende.

Sandra

Ps. Der Papa ist uebrigens genauso, wollte gerne Gittarren Gott sein, aber nach zwei Stunden Griff Uebungen wars das auch schon. Seine Eltern haben ihm dann halt einen Tennisschlaeger gekauft. Danach einen Karate-Anzug. Dann kam Aikido. Dann ..... Du verstehst...?


lotte81

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #11 am: 29. Oktober 2016, 14:18:42 »
@Karlanda: Ich denke, es kommt auch auf die Unterrichtsart an. Unser Unterricht/ Musikschule ist so aufgebaut: Das regelmäßige Spielen im Unterricht IST das Üben .... Es wird also nicht erwartet und davon ausgegangen, dass die Kinder üben (müssen). Es wird sehr wohl davon ausgegangen, dass die Kinder durch die freie Liedwahl und Spaß am Instrument sehr oft freiwillig auch daheim musizieren.... vielleicht aber dann doch lieber andere Lieder.
Geht eine Lehrerin davon aus, dass Kinder üben und es handelt sich womöglich noch um Gruppenunterricht oder ein Orchester, sieht die Sache anders aus. Das geht dann nur, wenn man bereit ist, dieses System daheim mitzutragen. Es kann natürlich nicht sein, dass ein Kind im Orchester spielt und 25 andere Personen aufhält, nur weil es sich nicht an die Regeln hält. DANN ist das Kind in dem Orchester einfach falsch aufgehoben,.
Das gleiche mit Musikunterricht: Ich kenne Kinder, die sind bei Musiklehrern die alle paar Monate gewisse standardisierte Tests voraussetzen ..... diese funktionieren nur mit irrsinniger Disziplin und täglichem zusätzlichen Üben und das an vorgegebenen Musikstücken. Auch dieses muss ich als Eltern dann akzeptieren und mittragen, WENN ich Unterricht bei dieser Lehrerin für mein Kind möchte.

Als mein Sohn eine zeitlang bei der alten Musiklehrerin Unterricht in einer 3er Gruppe hatte ging es natürlcih auch nich, dass 2 üben und einer nicht.... Witziger WEise ist mein Sohn genau aus dem Unterricht raus, weil ER derjenige war, der daheim freiwillig geübt hat und die anderen beiden haben nur Unfug gemacht im Unterricht und nicht geübt..... War also andersrum  ;) Aber es hat dennoch einfach nicht gepasst, weil die Ansprüche der Kinder/ Eltern unterschiedlich waren.

Vielleicht hab ich auch leicht reden, weil die Kinder gerne gehen und freiwillig ja auch durchaus üben und im Unterricht konzentriert und mit Spaß mitarbeiten in der Musikschule....

Am Gymnasium nimmt mein Sohn z.b. an der Bläserklasse teil. Das ist eine Orchesterklasse. Natürlich wird da schon erwartet, dass die Kinder Fortschritte am Instrument machen, was dann eben auch regelmäßiges Üben, gerade vor Auftritten, voraussetzt. Das macht er. Würde er das nicht machen, wäre er in dem Unterricht fehl am Platze .... Es ist in dem Fall keine freiwillige Spaßveranstaltung, sondern es gibt Ziele in der Gruppe .... die Regeln sind schulisch und ganz anders, als in der Musikschule. Das wussten wir/ er vorher und haben es bewusst trotzdem gemacht. Müsste ich ihn zum lernen drängen, zwingen oder überreden, müsste ich ihm klarmachen, dass das in dem Fall nun mal dazu gehört und eine ganze Gruppe auch von ihm abhängt.

Das ist ja beim Handball z.b. auch so.... es geht nicht, dass er nur zu den Spielen geht..... da die Mannschaft von ihm (zumal er Tormann ist) abhängt, wird regelmäßiges Training erwartet.... das selbe bei der Tanzgarde der Kleinen.... beim Tischtennis sehe ich es entspannter, ob er geht oder nicht. Da hängt keiner von ihm ab.
Wenn man sich für ein Gruppenhobby entscheidet, geht man nun mal gewisse Verpflichtungen ein. Hab ich da keine Lust drauf, muss ich mir ein Einzelhobby suchen bei dem das so geht.

Du siehst also, es ist für mich alles vom Konzept und Lehrer abhängig. Entscheide ich mich für ein gewisses Konzept, setzt dies eben auch gewisse Regeln voraus und da kann ja jeder frei wählen, was ihm liegt und gut passt.


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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #12 am: 29. Oktober 2016, 15:09:31 »
Ich weigere mich aus einer Freizeitbeschäftigung meiner Kinder ein Problem zu machen, so lange es weder für meine Kinder ein Problem ist noch für denjenigen, der das Training/den Unterricht leitet.

In dem Moment, wo ich das Okay zu einem Hobby gebe, trägt mein Kind die Verantwortung dafür, was es in Zusammenarbeit mit dem Unterrichtenden daraus macht und woraus es bei der ganzen Sache seine Erfüllung zieht. Da möchte ich einfach wirklich nicht hinterherlaufen und den Antreiber spielen.

Von mir investiertes Geld oder Zeit stelle ich nicht in Rechnung. Das finde ich unfair, denn irgendwie hätte ich das Gefühl, dass das bedeutet, dass ich beides nur gerne gebe, wenn die Kinder den Grad an Erfolg erzielen, den ICH mir so vorstelle. Vielleicht reicht meinem Kind jedoch viel weniger um sein Hobby zu lieben?


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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #13 am: 29. Oktober 2016, 15:38:43 »
Die Lehrerin meiner Kinder moechte dass sie 4x/Woche 10 Minuten üben.
Dafür haben wir ähnlich wie Alchemilla einen Plan am Kühlschrank und wir schauen da immer wieder gemeinsam drauf was noch ansteht.

Das klappt gut und ich finde es auch Schoen sie daheim spielen zu hören.



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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #14 am: 29. Oktober 2016, 15:47:00 »
@RunningMum
Die Frage ist an dieser Stelle ganz klar: Welche Ziele verfolgt deine Tochter und hast du sie ggf. einfach in der falschen Gruppen angemeldet?
Eine 3er Gruppe mit Intention "aus den Tänzerinnen etwas zu machen" hat ja weniger mit Spaß sondern doch durchaus mit Leistung zu tun ... und vielleicht mag deine Tochter halt Ballett, sieht aber sich nicht auf der großen Bühne.
Die Deadline Ballett demnach komplett aufzuhören finde ich dem Kind ggü unfair, da sie ja gewiss nicht eigenständig diese Gruppe gewählt hat sondern - so denke ich, ich weiß es natürlich nicht - lediglich kommunizierte, dass sie gerne zum Ballett möchte.

Da ich Bewegung, Gruppenaktivitäten und Co für sehr wichtig empfinde und deine Tochter es ja scheinbar auch möchte würde ich eher nach einer anderen Gruppe (die auch ggf besser zu deinen Arbeitszeiten passt und im näheren Umkreis ist) schauen als das Thema "Ballett" komplett an den Nagel zu hängen.


@Karlanda
Zitat
Zu dem Vergleich mit anderen Hobbys, wie z.B. Sport: Wenn es dort, wie im Musikunterricht, regelrechte Hausaufgaben gäbe, würde ich mir auch wünschen, dass er diese erledigt. Nur ist das eben bei den wenigsten - rein hobbymäßig betriebenen - Sportarten der Fall.

Unsere Töchter machen beide Leistungssport - also nicht mehr rein aus Hobby sondern wirklich auf Leistung orientiert und mit Trainingszeiten im Leistungszentrum.
Beide bekommen auch Hausaufgaben auf von den Trainern. Unsere Große darf ihre Beinmuskulatur mit Zusatzübungen stärken, das macht sie auch (ohne das ich etwas sage, weil ich finde bei 4 - 5x Training pro Woche können wir die Kirche auch mal im Dorf lassen). Unsere Kleine hat ebenfalls einen Trainingsplan für Zuhause, - vermutlich weiß sie noch genau wo das Blatt ist, wird es mir aber nicht zeigen weil sie schlicht & ergreifend keinen Sinn für sich darin sieht Zuhause zu trainieren. Sie argumentiert das auch und das so stichfest, dass ich nur nicken kann und das Thema beende.
(Argumentationslage: Wir sind nicht richtig aufgewärmt, wir haben keine professionelle Begleitung, passiert mir was dann kriege ich Ärger vom Trainer, ich weiß ja gar nicht ob ich das richtig ausführe wenn keiner schaut, ...)


@Hrefna
Der Abschnitt mit dem Gegenrechnen und dem Erfolg finde ich toll - vielen Dank!

sunny

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #15 am: 29. Oktober 2016, 20:02:55 »
Hallo

Mein Kind spielt zwei Instrumente und ja, ich finde es wichtig, das er auch übt. Manchmal klappt es super und er hat richtig Lust - manchmal muss ich ihn dran erinnern. Es gibt auch Tage, woher mault und sich dann trotzdem dran setzt - und beim Spielen wieder Lust bekommt. Das ist ein echtes Erfolgserlebnis für,ihn!

Mittlerweile ist er richtig gut - und sein Lehrer hat ihn für kaufend musiziert im nächsten Jahr vorgeschlagen, ich war erst skeptisch, eben weil es mit dem üben nicht immer so klappt - aber er will es unbedingt und ist sooo stolz. Der Lehrer hat allerdings gesagt, dass es ohne üben nix bringt - also, wenn er mitmacht, dann muss er regelmäßig übern!
Mal schauen, ob d was wird...

Ich hab auch keine Lust, über dieses Thema Diskussionen zu führen - aber andererseits, es nützt ja nix. Wenn man weiter kommen will, muss man üben, das ist ja nicht nur bei der  Musik so. Die Kinder lernen ja auch daraus. Man kann das janauch auf lernen für arbeiten in der Schule übertragen z.b....

Also, ich würd schon versuchen,dass er regelmäßig übt. Find die Idee mit der Uhr echt klasse, das werden wir hier auch einführen.

Lg
Sunn


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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #16 am: 30. Oktober 2016, 06:21:17 »
Ich sehe es nicht so eng mit dem üben  8) . Mein Kind ist 5 und lernt Gitarre und Schlagzeug. Er hat sehr viel Spaß am musizieren und macht sein Ding. Klar haben wir auch Unterricht , der nicht gerade billig ist , aber der Musiklehrer hat von mir freie Entscheidungsgewalt wie er den Unterricht gestaltet....manchmal singen sie zwischendurch, dann wird Gitarre geübt, dann finden Klatschübungen statt . Der Vater meines Kindes ist Musiker und er hat anscheinend das Interesse ( von Talent möchte ich noch nicht sprechen) geerbt...Ich spiele ein wenig Gitarre und so "üben" wir Zuhause zusammen mit viel Spaß. Manchmal übt er auch alleine, aber das entscheidet er auch alleine. Ich möchte keinen Zwang für ihn daraus machen, einfach weil er auch noch so jung ist. Oft ist es aber auch so, dass ich nebenbei erwähne, dass er ja mal wieder was auf der Gitarre spielen könnte und dann fällt es ihm ein und er vertieft sich dann auch oft darin...

 


und *** ganz tief in unserem Herzen

Mondlaus

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #17 am: 30. Oktober 2016, 14:17:20 »
Ich hab 10 Jahre lang Klavierunterricht gehabt und den großteil der Zeit keine Lust auf Üben. Meine Eltern haben das nicht kontrolliert, die Klavierlehrerin hat es so hingenommen. Wenn mir ein Stück zu schwer wurde, hab ich die entsprechenden Stellen einfach nicht gespielt, was zur Folge hatte, dass ich nie das ganze Stück konnte.

Heute habe ich deshalb Probleme, gewisse Techniken anzuwenden und es fällt mir immer noch schwer, ganze Stücke zu spielen. Ich spiele auch teilweise Stücke und Lieder nach Gehör und mache meine eigenen Kompositionen, auch da ist mir aufgefallen, dass ich immer auf die gewohnten Techniken zurückgreife und andere, die ich nie geübt habe, dann auslasse.

Ich habe jetzt wieder Klavierunterricht und hole das alles nach. Hätte mir aber letztlich gewünscht, dass man damals das Üben kontrolliert, oder wenigstens motiviert hätte.
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perdita

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #18 am: 31. Oktober 2016, 18:32:24 »
Meine Große hat sich (weiß der Himmel warum) für die Harfe entschieden. Und üben ist hier so ne Sache. Sie spielt gerne, üben ehr nicht. Sie möchte halt gerne Harfe spielen können, nicht Harfe spielen lernen s-:) . Wenn sie ein zwei mal geübt hat und das Stück einigermaßen kann, wird sie sich nicht nochmal dransetzen. Jetzt übt sie für den ersten Auftritt... da sie zu dritt sind hoffe ich da etwas auf die Gruppen-Dynamik... ich hab nämlich noch keinen Plan wie ich damit umgehen will.

Ist ja auch erst ein Halben Jahr, und darin auch noch die Sommerferien....Aber manchmal wenn ich sie erinnere und sie mich ansieht als hätte ich sie gerade zum Kloputzen gezwungen.... Dann überleg ich schon, ob ich wirklich das Geld darein investieren will, dass ich mir noch ein Konfliktthema  ins Hause hole. Ich gönn ihr das, weil es ja auch von ihr kam, aber es ist schon schmerzlich viel (Unterricht und Miete fürs Instrument), und wenn ich dann das Gefühl habt es ist ihr lästig.... dann tut mir die Ausgabe weh.
Große Schwester 09.2008*
Sternenschwester 04.2012 *+ 34 ssw
Kleine Schwester 04.2013*

Wie schön muß es erst im Himmel sein,
wenn er von außen schon so schön aussieht!
Astrid Lindgren (aus Pippi Langstrumpf)?

Karlanda

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #19 am: 08. November 2016, 10:58:08 »
Ich habe diesen Thread ein wenig aus den Augen verloren, da ich in der letzten Zeit mehr mit meinem eigenen Hobby beschäftigt war, als mit dem meines Sohnes  ;)

Auch wenn ich jetzt nicht auf jeden einzeln eingehe, danke Euch noch einmal für Eure weiteren Beiträge, eure Erfahrungen und Denkanstöße  :)
Sehr interessant finde ich vor allem, was Mondlaus sozusagen aus der Rückschau beschreibt.

Von mir investiertes Geld oder Zeit stelle ich nicht in Rechnung. Das finde ich unfair, denn irgendwie hätte ich das Gefühl, dass das bedeutet, dass ich beides nur gerne gebe, wenn die Kinder den Grad an Erfolg erzielen, den ICH mir so vorstelle. Vielleicht reicht meinem Kind jedoch viel weniger um sein Hobby zu lieben?
Ja, das klingt sehr schön und ich stimme dem auch zu einem gewissen Grad zu. Allerdings finde ich schon, dass man - je nach Alter(!) - von einem Kind erwarten kann, dass es versteht und anerkennt, dass sein Hobby mitunter einiges an "Ressourcen verschlingt" - Geld (wie perdita es so schön und nachvollziehbar beschreibt), Zeit, Organisation (wie insbesonders bei RunningMum)...
Und doch, ich denke, man kann dann schon eine Art Rechnung aufstellen: Wenn das Kind sein Hobby nämlich tatsächlich so liebt, warum wehrt es sich dann so dagegen, sich mehr als nur die wöchentliche Unterrichtsstunde damit zu beschäftigen? Und wenn es das betreffende Hobby vielleicht doch nicht soooo sehr liebt, sollte man diese Ressourcen (also ja auch die Zeit des Kindes selbst) nicht lieber ein anderes Hobby investieren?

Ich kann verstehen, dass das so rüberkommen, aber es geht weder ums Geld, noch erwarte ich einen bestimmten "Grad an Erfolg". Vielleicht empfindet Ihr das als Wortklauberei, aber Ich würde es mit "Wertschätzung" umschreiben.

Zur Verdeutlichung vielleicht noch ein paar Beispiele aus einem anderen Bereich:
Ich möchte von meinen Kindern, dass sie sorgfältig mit ihren Sachen umgehen. Klar gehen Spielsachen, Klamotten etc. auch kaputt oder verloren. Aber wenn das aus Nichtachtung und Gleichgültigkeit passiert, weil z.B. Dinge ewig nicht aufgeräumt werden, dass am Ende Einzelteile fehlen oder jemand draufgetreten und etwas kaputt ist, dann finde ich das nicht in Ordnung, ...auch wenn ich persönlich gut auf Playmobil, Spielzeugautos und Kuscheltiere verzichten kann...
Ebenso hätte ich ein "Problem" damit, ständig die Federtaschen neu bestücken zu müssen - und damit meine ich nicht, dass nicht mal der Radiergummi verschwinden, das Lineal zerbrechen oder der Bleistift verliehen und vergessen werden darf! Aber wenn regelmäßig am Ende der Woche die Hälfte fehlen würde, dann wäre mir das zu viel.
Auch in diesen Beispielen geht es nicht in erster Linie ums Geld und auch nicht um irgendeinen "Fortschritt" oder "Erfolg" den ich sehen möchte, wie es mir ja bei der Musiksache ein wenig unterstellt wird. Es geht vielmehr um Verantwortung und Wertschätzung. 
Und ich denke, dass kann man auch auf dem Musikunterricht übertragen, wie ich es bereits oben geschildert habe: Er will zum Unterricht, wir ermöglichen es ihm, seine Lehrerin bemüht sich um ihn - sein Beitrag dazu sollte regelmäßigeres, freiwilliges, selbständiges Üben sein.
Soviel zur Theorie.
In der Praxis weiß ich noch immer nicht, wie wir dahin kommen, dass er tatsächlich selbst die Verantwortung für sein Hobby und seine Übungszeiten übernimmt. Vielleicht bringt uns die "Flöten-Uhr" weiter, die wir jetzt gebastelt haben. Ich hoffe, dass sie ihm dabei helfen wird, selbst mehr Überblick über sein "Übungsverhalten" zu bekommen. Zumindest Debatten wie: "Ich habe diese Woche schon ganz viel geübt!" sollten damit unnötig werden...


lotte81

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #20 am: 08. November 2016, 14:17:26 »
Ich glaube wir sprechen da von unterschiedlichen Dingen. Würde mein Kind sich komplett verweigern das Instrument auch nur anzuschauen, würde ich auch zweifeln, ob es wirklich so einen Spaß am Unterricht hat oder diesen vielleicht nur als Gefälligkeit mir zu Liebe besucht oder weil sie meinen, es muss so sein. Ich war so als Kind  ;)

Mir geht es um "Übungszwang" nach Stundenplan. Und den gibt es hier definitiv nicht. Ich baue darauf, dass die Kinder, sofern sie Spaß an der Musik und dem Instrument haben freiwillig spielen in der Woche OHNE direkten Übungscharakter. Und das funktioniert. Klar, es kann auch mal eine Woche ohne spielen geben oder mal 3 Tage.... es kann aber auch mal eine Woche geben, in der sehr intensiv gespielt wird. Das kommt immer darauf an, was sonst so zu tun ist, was für ein Lied es ist etc.
Wenn es darum geht mit irgendwem gemeinsam zu spielen, in der Schule vorzuspielen, jemandem daheim was vorzuspielen, sind beide immer direkt dabei..... Genauso wie sie sich zwischendrin einfach mal so ans Instrument setzen und spielen oder fragen, ob ich was helfen kann, weil sie an einer Stelle nicht gut weiter kommen.

ABER wie schon gesagt, geht das nur mit dem entsprechenden Lehrer und Unterrichtskonzept, die eben auch diese Einstellung mitbringen.

Bei unserer alten Lehrerin war das auch anders, da wurden Lieder vorgegeben und da es sich um Gruppenunterricht handelte musste auch ein gleichmäßiger Fortschritt mit der gesamten Gruppe sein, also musste genau dieses Stück geübt werden und nicht ein anderes, was sie vielleicht grad toller fanden.
Vermutlich war das grad bei Gitarre am Anfang auch gut, um die entsprechen Motorik zu schulen. Wie gesagt, da er recht jung begonnen hat, war das tägliche "Fingerübungen" machen für die Lehrerin sogar die Voraussetzung ihn zu nehmen.
Allerdings hatten wir auch zu der Zeit nie Diskussionen muss ich gestehen, weil er einfach das Instrument (also GItarre) wirklich liebt und spielen will und WOLLTE>
Bei meiner Tochter war das anders.... da gab es schon öfter Tadel der Lehrerin, weil sie nicht geübt hatte und damit dann die Gruppe aufhielt. ABER sie wollte auch nie Flöte lernen, sondern einfach nur Musik machen, ohne genau zu wissen was und das am liebsten mit ihren Freunden ...und das war bei Flöte gegeben.... Jetzt bei Klavier ist sie auch von sich aus "ernsthafter" und ehrgeiziger bei der Sache und man merkt, dass ihr das Instrument mehr liegt...WEnn ich auch noch nicht erkenne, dass es wie bei ihrem Bruder ist. Sie ist nicht so "eins" mit dem Instrument...es ist halt ein netter Zeitvertreib.


Hrefna

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #21 am: 08. November 2016, 17:30:49 »
Allerdings finde ich schon, dass man - je nach Alter(!) - von einem Kind erwarten kann, dass es versteht und anerkennt, dass sein Hobby mitunter einiges an "Ressourcen verschlingt" - Geld (wie perdita es so schön und nachvollziehbar beschreibt), Zeit, Organisation (wie insbesonders bei RunningMum)...
Und doch, ich denke, man kann dann schon eine Art Rechnung aufstellen: Wenn das Kind sein Hobby nämlich tatsächlich so liebt, warum wehrt es sich dann so dagegen, sich mehr als nur die wöchentliche Unterrichtsstunde damit zu beschäftigen? Und wenn es das betreffende Hobby vielleicht doch nicht soooo sehr liebt, sollte man diese Ressourcen (also ja auch die Zeit des Kindes selbst) nicht lieber ein anderes Hobby investieren?

Mmh, auch wenn ich Deine Argumentation nachvollziehen kann, sehe ich es anders.
Ich überlasse es dem Kind, zu entscheiden, was es selbst in sein Hobby investieren will, um den von ihm erwünschten Grad an Spaß/Erfüllung zu erreichen.
Ich traue ihm wirklich zu, selbst zu erkennen, dass es bei manchen Hobbys ohne Übung irgendwann kein Weiterkommen mehr gibt. Vielleicht übt es dann mehr, vielleicht hört es dann auf. Vielleicht hat es aber auch einen Heidenspaß, selbst wenn es leistungsmäßig auf der Stelle tritt, Mittelmaß ist, vielleicht sogar unterdurchschnittlich ist.... Ist für mich okay.
 

Nipa

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #22 am: 08. November 2016, 23:42:54 »
Wir haben eine wirklich sehr liebe Lehrerin und mein Grosser hat ja damals mit 5 Jahren begonnen. Da haben wir das auch sehr spielerisch gemacht am Anfang und keine strengen Übungszeiten gehabt. Nur irgendwann meinte die Lehrerin, dass so einfach kein Fortschritt kommt und er jetzt einfach 4x die Woche 10 Minuten üben muss.
Und das machen wir und es klappt.
Es ist ja nicht so, dass er keinen Spass dran hat. Nur man könnte auch gerade dieses und jenes und ganz was anderes machen.
Deshalb sehe ich es nicht als Zwang, sondern ich helfe ihm sich zu strukturieren.
Wann er die 4x 10 Minuten macht ist sein Ding. Er hat auch schon mal 30 Minuten am Stück geübt, das ist mir dann auch recht.

Ehrlich gesagt finde ich es auch irgendwie respektlos dem Lehrer gegenüber wenn der jede Woche den selben Mist machen muss, weil das Kind durch 0 Üben einfach kein bisschen weiterkommt. Finde mich da also mehr bei Karlanda wieder...



Hrefna

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #23 am: 09. November 2016, 00:18:14 »
Aber Nipa, denkst Du nicht, dass Dein Kind genügend Antennen dafür hat, zu merken, wie der Lehrer eventuell auf seine Übfaulheit reagiert? Die etwaig vorhandenen negativen zwischenmenschlichen Schwingungen zu spüren und daraus selbstständig früher oder später Konsequenzen zu ziehen? Aufzuhören oder doch mal zuhause zu üben?


Solar. E

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Antw:Kinder und Instrumente: Das leidige Thema ÜBEN
« Antwort #24 am: 09. November 2016, 08:13:31 »
Also wie gesagt, hier sind zwei Kinder bei der gleichen Lehrerin. Der Große lernt mittlerweile seit vier Jahren privat bei ihr, der Kleine lernt bei ihr seit einem Jahr in der Schule im Rahmen des Musikunterrichts.
Der Große übt so gut wie nie zu Hause und ich habe trotz regelmäßigem Kontakt noch nie Beschwerden gehört. Die machen auch definitiv nicht jede Woche den gleichen Mist. Was sie machen und welche Fortschritte es gibt kriege ich regelmäßig mit, weil es alle paar Monate einen Workshop und Konzerte für die Eltern gibt. Aber selbst wenn ich das nicht sehen würde - er hat Spaß, die Lehrerin offensichtlich auch, von daher sehe ich keinen Grund, ihn das nicht so machen zu lassen oder mit ihm übers Üben zu diskutieren. Klar, wenn die Lehrerin den Sinn anzweifeln würde, würde ich die Reißleine ziehen, einfach weil dann ja die Grundlage fehlt für sinnvollen Unterricht.

Der Kleine hat sich ebenfalls aus freien Stücken in der Schule beim Gitarrenunterricht angemeldet. Aber wenn angemeldet, ist das eben Pflichtprogramm, ich muss seine Übungszeit unterschreiben und es gibt Noten, so dass der einfach ran muss. So und nun dürft ihr raten, wie das läuft wenn er keine Lust hat! Zum Glück macht er es meistens einfach ohne große Diskussion, weil es zu den HA gehört und gut. Aber man hört deutlich raus, wenn er es macht obwohl er gerade keine Lust hat. Wenn er mit Freude rangeht, ist das einfach was anderes.

Im Fortschritt kann ich bei den beiden keinen Unterschied erkennen. Nur dass der Große mit wesentlich mehr Freude zu seinem Unterricht geht als der Kleine. Und mir wäre es durchaus lieber, es wäre bei beiden einfach "nur" Hobby.
« Letzte Änderung: 09. November 2016, 08:15:05 von Solar. E »

 

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