Wenn ich quasi mal als Fachfrau antworten darf: Es ist überholt zu sagen, dass man erst die Logik einer Sprache verstehen soll und darauf aufbauend dann weitere Sprachen leichter lernen kann. Fremdsprachen lernt man mittlerweile fast unabhängig von der Grammatik, man lernt mehr "Chunks" also feste Wendungen, die dann die nötige Grammatik automatisch enthalten. Ohne dass man sich bewusst macht, dass z.B. beim Passiv das Verb irgendwie transformiert wird, das Subjekt wegfällt bzw. als "by-Phrase" angehängt wird usw. Weil man nämlich festgestellt hat, dass kein Mensch so denkt, wenn er wirklich spricht. Von daher ist Latein eigentlich erst sinnvoll, wenn man schon 2-3 Sprachen kann, alt genug ist, um diese Zusammenhänge richtig zu verstehen und dann tiefer in die Strukturen einsteigen will, die man dann schon verinnerlicht hat. Es ist in etwa so, als müsste man erst einen Computer genauestens auseinandernehmen, bevor man sich traut, einfach mal ein Word-Dokument zu tippen.
Umgekehrt ist es aber so, dass es sensible Phasen geben soll (das ist noch nicht abschließend geklärt), wo Sprachen lernen leichter fällt. Die Aussprache lernt man definitiv leichter, je jünger man ist. Ansonsten kann man zwar Sprachen auch später noch lernen, aber nur, wenn genug Input da ist, wenn man also der Sprache dauernd ausgesetzt ist. DAs ist bei den meisten nicht der FAll, und wenn es nur durch Schulunterricht gelernt werden soll, ist es eben besser, wenn man jünger ist.
Wegen Beruf: In den meisten Berufen braucht man kein Latein mehr (Medizin, Jura z.B.). Und wenn doch (z.B. Religion, bestimmte Sprachen) kann man das an der Uni nachlernen - da gibt es dann abgespeckte Versionen.
Meist ist es so, dass mehr Kinder an Latein scheitern als an Französisch, das sollte also auch noch eine Rolle spielen.
Und: Ganz wichtig ist die grundsätzliche Lernhaltung Deines Sohnes. Für Latein braucht man sehr, sehr viel Disziplin. Hat er die nicht, wird es schwierig (und es ist eben NICHT unbedingt so, dass man Disziplin durch Latein lernt, viel öfter ist es so, dass die Undisziplinierten dann ganz scheitern, obwohl sie sonst recht pfiffig sind, nach meiner Erfahrung). Allerdings was für Französisch wichtig ist, dass er sich zu sprechen traut. Denn das muss er dort tun, er muss die Sprache aktiv anwenden, genau wie ja auch in Englisch. Fällt ihm das sehr schwer, wäre evtl. Latein doch die bessere Wahl. Bei den meisten ist das allerdings kein großes Problem
So, entscheiden musst jetzt dennoch Du. Hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen.
LG zuz