Autor Thema: Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?  (Gelesen 4970 mal)

BiDi

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Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« am: 26. April 2014, 09:39:14 »
Moin zusammen,

Gestern stiess ich auf einen Artikel über ein Kind mit Down-Syndrom, das auf ein Gymnasium gehen soll:
http://www.spiegel.de/schulspiegel/inklusion-kind-mit-down-syndrom-soll-aufs-gymnasium-a-965875.html

Zusammengefasst geht es darum, das die Eltern des 11jährigen Henrys ihn auf einem Gymnasium angemeldet haben, das Gymnasium ihn aber nicht aufnehmen möchte, weil er keine Chance hat, die Lernziele zu erreichen. Das er das nicht schafft, wissen auch seine Eltern, allerdings argumentieren diese, das Henry mit seinen Freunden und seinem Sonderpädagogen (der ebenfalls mit zwei körperbehinderten Klassenkameraden auf das Gymnasium wechselt) zusammenbleiben solle.

Zunächst dachte ich: Die Eltern haben einen Knall, aber nach einigem Nachdenken kommen mir da Zweifel:

- Einerseits: Wenn Henry z.B. auch keine Chance hätte, die Lernziele einer Hauptschule zu erreichen, wo sollte er dann hin? Nach 4 Jahren Grundschul-Inklusion doch in eine Förderschule? Das würde den Inklusion-Gedanken tatsächlich ad apsurdum führen. Und wenn er eh keine Chance hat, irgendeinen 'normalen' Schulabschluss zu erreichen, wieso sollte er dann nicht tatsächlich bei seinen Freunden bleiben können, dann ist es ja eh wurscht, welchen Schulabschluss er nicht erreicht. Und wieso sollten sich nur die Gymnasien dem Anspruch auch geistig behinderte Kinder zu inkludieren, entziehen dürfen.

- Andererseits: Würde das nicht dazu führen, das das dreigliedrige Schulsystem gleich ganz abgeschafft werden kann, wenn als Zugangsvoraussetzung nicht mehr die Befähigung steht, das Schulziel zu erreichen? Tut man irgendjemand einen Gefallen damit, ihn quasi als täglichen 'Beisitzer' am Unterricht teilnehmen zu lassen, wenn er keine Chance hat dem Unterricht auch nur ansatzweise zu folgen?

Bei uns im Landkreis würde Henry vermutlich auf eine integrierte Gesamtschule gehen können. Einige (ok, wenige) haben zu der internen 3er-Differenzierung eine 4. Differenzierungsstufe entwickelt, um der Anforderung der Inklusion Rechnung zu tragen. Allerdings scheinen IGSen in Baden-Württemberg Seltenheitswert zu haben...

Mich würde wirklich mal Eure Meinung dazu interessieren.

Grüsse
BiDi
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Flower Eight Revival

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #1 am: 26. April 2014, 09:43:36 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:02:37 von blume8 »


~Netti~

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #2 am: 26. April 2014, 09:47:51 »
Zitat
Inklusion bedeutet nicht, dass die Kinder das Klassenziel erreichen müssen (Kinder mit einer solchen Behinderung werden ohnehin Zieldifferenziert unterrichtet), sondern das Miteinander gesunder und kranker Kinder, unabhängig von ihre Behinderung.  :-\

Und wenn es das bedeutet, dann kann er doch auch weiterhin mit seinen Freunden zur Schule gehen, Gym oder nicht.

Flower Eight Revival

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #3 am: 26. April 2014, 09:52:33 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:02:48 von blume8 »

dragoness

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #4 am: 26. April 2014, 12:00:52 »
Hmm wenn die bisherigen Freunde des Kindes dort sind finde ich das durchaus ok. Aus dem Bekanntenkreis kenne ich jedoch ein Kind, das auch auf einer Regelschule unterrichtet wird, was auch soweit klappt (das Kind bekommt eh einen ganz anderen Lehrplan als die anderen), allerdings hat das Kind dort kaum noch Kontakte, seit andere I-Kinder mit denen es zu tun hatte nicht mehr auf der Schule sind und das finde ich schade. Natürlich kümmern sich auch die anderen Schüler mal, aber das ist doch eher selten. In einer speziellen Einrichtung sind die Klassen kleiner und es kann sich eben individuell gekümmert werden, es gibt dort einen Klassenverband und die Kinder sind, obwohl verschiedene Einschränkungen vorliegen doch mehr auf einer Ebene. Andererseits finde ich es auch wichtig das Kinder ohne Einschränkung lernen mit Kindern die Einschränkungen haben umzugehen, das baut in meinen Augen schon einige Barrieren im Kopf ab.

Ich glaube das muss man jeweils individuell betrachten und es läßt sich kaum eine allgemeingültige Regelung daraus ziehen.

Nipa

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #5 am: 26. April 2014, 12:07:53 »
Man muss aber auch mal die andere Seite der Medaille sehen.
Gymnasiallehrer - mit 0 Ausbildung in diesem Bereich - sollen dieses Kind dann mitbeschulen. Obwohl es nicht den Stoff schaffen kann.
Sie sind aber nur darauf vorbereitet....
Kein Wunder dass die Schule da nicht jubelt!

Inklusion ist eine nette Idee und ich verstehe den Grundgedanken.
Aber man kann es nicht einfach in unserem aktuellen Schulsystem "dazupacken".
Das bedarf eines durchdachte Konzeptes mit entsprechend ausgebildeten Lehrkraeften.
Dann gewinnen alle. So aber nicht!



lotte81

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #6 am: 26. April 2014, 12:08:28 »
Ich denke Grundvoraussetzung bei der Inklusion ist, dass es für alle funktioniert..... Dass also nicht ein Kind permanent überfordert ist (durch Gruppengröße und/oder absolut unzumutbaren Unterricht/ Unterrichtssituation) und andere nicht permanent gehemmt werden (wenn ein Kind z.b. so viel Aufmerksamkeit braucht wie alle 25 anderen zusammen , aber nur ein Lehrer vorhanden ist)..... Aus Sicht des Jungen mit Down Syndrom macht der Wechsel aufs Gymnasium für mich nur teilweise Sinn. ein anderes SChulsystem, wie z.b. eine integrierte GEsamtschule, wäre sicher sinnvoll.

Die Folgeschule muss einfach auf die spezielle Situation dieses Kindes eingestellt sein und BEREIT sein und die Lehrer pädagogisch dazu ausgebildet (Was am Gymnasium vermutlich absolut nicht der Falls ist!)...ansonsten, geschieht es unter Zwang und bietet keinerleit Chance .... .. und am Ende kann man auch klagen so viel man will - ist die SChule nicht drauf vorbereitet und die Lehrer nicht bereit dazu wird es langfristig für keinen gut sein.....Am wenigsten für das Kind, das reingeklagt wurde  :-\
Und zu den Freunden: Da wir ein dreigliedriges SChulsystem haben (wobei -hier ja nicht mehr in RLP) würde cih diese Überlegung generell überdenken...ich schicke ja auch nicht meinen Sohn später zur Hauptschule (nur als Beispiel) obwohl er aufs Gymnasium könnte, wegen seiner Freunde...oder meine Tochter aufs Gymnasium, obwohl eindeutig Realschüler....
Das dreigliedrige Schulsystem kann man aber sicher generell diskutieren -zumindest das frühe einführen der Dreigliedrigkeit..... Auch unser derzeit zweigliedriges ist MIST und sehr verbesserungswürdig..... Ich kann mir durchaus System vorstellen in denen ein konsequentes zusammen unterrichten aller Kinder denkbar ist....Halte es aber in unserem System schwierig Kinder einfach in die "unpassende" Schulart zu stecken bzw. auch noch reinzuklagen (ab dem 5. Schuljahr!!! Nicht grundschule)....
Ich denke,würde cih nun hier schreiben, dass ich mein Kind mit 4 und 5 in allen Hauptfächern wegen seiner Freunde aufs Gymnasium geben werde, wäre der Verwunderung auch groß.....
Ich glaube einfach unser ganzes Schulsystem ist verbesserungswürdig. So dass eben alle so lange es geht in so vielen Fächern wie möglich zusammenbleiben und keiner ausgesondert wird. WENN für das individuelle Kind machbar....Es gibt sicher Kinder, die aufgrund spezieller Probleme immer extra Unterricht oder Förderklassen brauchen werden. Ich bin absolut pro Inklusion. 100%... Aber nicht dafür jeden nun ins schon bestehende System zu pressen.... Das System hakt da aber!!! Nicht die Kinder
« Letzte Änderung: 26. April 2014, 12:11:10 von lotte81 »


Honigbluete

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #7 am: 26. April 2014, 14:30:45 »
Das Argument der Eltern bezüglich der anderen beiden Integration skin der und dem Sonderpädagogen kann ich sehr gut nachvollziehen. Was für mich dagegen sprechen würde, ist die mangelnde soziale Lernzeit an den Gymnasien... Da gilt meist friss oder stirb, soziales Miteinander erlebt man eher wenig. Selbst für die Klärung normaler Konflikte fehlt den Lehrern oft Zeit, Wissen und Wille. Wie soll man da drei Integrationskinder wirklich einbinden?
Ich denke auch, dass man nicht allen Kindern einen Gefallen tut, wenn sie in Regelschulen gehen.



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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #8 am: 26. April 2014, 15:42:36 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:02:58 von blume8 »

Nipa

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #9 am: 26. April 2014, 21:18:32 »
@blume: eine gute Bekannte von mir ist Grundschullehrerin und hat in ihrer Klasse ein Aspergerkind mit schulbegleitung.
Sie hat defakto keine Zusatzsusbildung (gab es in ihrem Studium nicht und hätte sie auch nicht gewollt, weil es einfach nicht Ihr Ding ist) und sie arbeitet nicht im Team sondern komplett alleine. Sie hat nachgefragt wegen Fortbildung, Unterstuetzung - nein.

Behinderte Kinder sind sicher keine Monster.
Aber sie sind eben auch nicht unbedingt nach Schema f beschulbar!
Wenn es bei Euch Zusatzpersonal und Qualifikationen gibt super!!!!
Hier ist dem leider nicht so. Und da verstehe ich dass die Lehrer sich ueberfordert fuehlen!

Hier bedarf es eben in meinen Augen Konzepten.
Eine Mama aus bawue, die ich in der Kur kennenlernte hat mir da von dem an der Schule ihrer Tochter erzaehlt (down Syndrom).
Dort werden mehrere inklusionskinder je klasse aufgenommen.
Diese werden im an den Klassenraum angegliederten Gruppenraum eigens von einer speziellen Lehrerin in den Kernfächern unterrichtet.
Der Rest findet gemeinsam statt. Das fand ich durchdacht, so wird man der Situation gerecht.



~Netti~

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #10 am: 26. April 2014, 21:22:52 »
Hier ist es leider auch so, dass die Lehrer absolut keine Erfahrung mit Inklusionskindern haben.
Antheus, Jareds Freund hat Asperger und einen I-Helfer. Er ist das allererste Inklusionskind an unserer Schule.

Ich bin pro Inklusion, aber ich finde halt auch, dass viel mehr Unterstützung da sein müsste. Auch Fortbildungen, Weiterbildungen usw für die Lehrer. Man kann nicht irgendwas umstellen und das System so lassen, wie es vorher war.
« Letzte Änderung: 26. April 2014, 21:25:02 von ~Netti~ »

Flower Eight Revival

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #11 am: 26. April 2014, 21:23:23 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:03:09 von blume8 »

Nipa

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #12 am: 26. April 2014, 21:31:11 »
Ich geb Dir schon Recht.
Und wenn die Rahmenbedingungen stimmen kann es auch gut sein.
Tun sie es aber nicht leiden schnell alle darunter.

Und auch wenn ich jetzt eins auf die Mütze Kriege:
Ich verstehe auch Lehrer die es nicht wollen.
Sie haben sich den Beruf ja in der Regel bewusst ausgesucht.
Und wenn sie sich eben nicht zum Sonderpädagogen berufen fuehlen, dann muss man das in meinen Augen auch akzeptieren.



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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #13 am: 26. April 2014, 21:38:21 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:03:16 von blume8 »

Nachtvogel

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #14 am: 26. April 2014, 21:44:54 »
man darf aber auch wirklich nicht vergessen, dass es einfach ein absolut immenser Mehraufwand ist. Sowohl in der Klasse als auch in der Vorbereitungszeit.

Und ohne entsprechende Aus- und Weiterbildungen ist es verdammt schwer, dass richtig und gut zu machen so dass es auch wirklich für alle Parteien ein Gewinn ist.


Ich mach ja nun grad beides: ich arbeite als reguläre Grundschul- und Gymnasiallehrerin und auch als Sonderpädagogin an einer Förderschule.

Es gibt zwischen diesen Schulen eine Zusammenarbeit stundenweise, keine vollkommene Inklusion. Und selbst da gibt es große Probleme und nicht alle miene Kollegen sind da glücklich mit (aus für mich vollkommen verständlichen Gründen)




Ich sehe das Thema sehr zwiegespalten. Es gibt bestimm Kinder wo eine Inklusion (WENN dann auch das entsprechende Personal und die Stundenkapazitäten vorhanden sind !!!) sinnvoll und gut ist, aber in den meisten Fällen halte ich persönlich da nicht viel von und zwar aus beiden Blickwinkeln und für Beide: Inklusionskind und die Regelschüler

Und doch, ich finde das absolut legitim, wenn ein Lehrer das nicht möchte, bzw sich in die Richtung nicht weiterbilden möchte denn es ist absolut nicht das selbe Lehrer, oder Sonderschullehrer (wie nennt man das bei euch?) zu sein. Wem da sEine gefällt, de rmuss mit dem Anderen nicht automatisch auch klarkommen!
« Letzte Änderung: 26. April 2014, 21:47:39 von Nachtvogel »
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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #15 am: 26. April 2014, 21:47:24 »
Ja, aber nicht jeder ist der Aufgabe gewachsen.
Wenn die von Die genannte Unterstützung durch Sozialpaedagogen da ist, ja ok.
Aber wenn nicht - ich finde es schon fuer die Lehrer eine schwere Aufgabe.

Und ich bin mehr als dankbar fuer meine 2 gesunden Kinder.
Die beide ihre eigenen - mehr oder weniger ausgeprägten Päckchen zu tragen haben.
Und die sind sicher nicht wertvoller als Dein Sohn oder ein anderes Kind.



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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #16 am: 26. April 2014, 22:31:15 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:03:24 von blume8 »

Nachtvogel

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« Antwort #17 am: 27. April 2014, 07:48:16 »
ich glaube eher das Inlusion selber der große Hype der Zeit ist: Wir sind alle anders und doch gleich, sozial-sein um jeden Preis...

Da wird auch schonmal Inklusion auf Biegen und Brechen durchgedrückt weil man es unbedingt auf irgend eine Fahne schreiben will ohne es dann aber richtig zu machen (und zu können!)

Inklusion ist nichts, was du einem normalen Lehrer einfach so aufdrücken kannst! Das klingt so easy wenn ihr schreibt *ach macht man dem Kind einfach ein paar spezielle Angebote und schon ist alles tutti, wieso sollte das ein Problem sein? Wieso macht das den bitte nicht jeder? Wie ignorant nicht sofort laut begeistert JAAAA zu schreien!*

Aber so einfach ist das einfach bei WEITEM nicht, das kann man drehen und wenden wie man möchte.

Ich erlebe täglich, was es heißt, Schüler mit individuelem Förderbedarf zu betreuen und zu unterrichten, täglich sehe ich was es heißt diese Schüler dann in Regelklassen einzugliedern und sei es auch nur für wenige Stunden.
Ich sehe die Infrastruktur, die Organisation, die Fördermethoden...

Meine Kollegen die das (richtig toll) machen, habe eine 3jährige(!!!) Zusatzausbildung und die IST einfach nötig! Und selbst da gibt es noch täglich Probleme und Unklarheiten.
Meine nicht zusätzlich ausgebildeten Kollegen der Regelschule sind mit der Aufgabe überfordert-verständlicherweise.



Am Freitag habe ich noch ein Gespräch eingier Eltern mitbekommen. Eine Partnerschule geht nämlich ab September in die volle Inklusion und es ist ein riesen Chaos (und wird meiner Meinung nach nicht funktionieren btw).
Und die Eltern meinten halt so wie es derzeit läuft (Inklusion nur stundenweise) wäre das ja durchaus ok, aber sollte eine vollkommene Inklusion angestrebt werden, nehmen sie die Kinder von der Schule weil sie denken dass es dann auf deren Kosten gehen wird.

Und sie haben recht, das würde es.
Denn das Problem ist...man will hat auf den Inklusions-Zug aufspringen, gleichzeitig wird aber nicht das nötige Personal genehmigt (geschweige denn der Infrastruktur) und dann stehen Defakto Lehrer und Direktion mit dem Problem alleine da und sollen gefälligst mal machen. Die können aber nunmal auch nicht zaubern und das endet dann tatsächlich darin, dass alle, Inklusionskinder und Regelschüler dabei verlieren.


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« Antwort #18 am: 27. April 2014, 08:04:11 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:03:29 von blume8 »

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« Antwort #19 am: 27. April 2014, 08:14:36 »
ja, auf jeden Fall. Zumindest bei den Leuten, die die Entscheidungen so treffen.

Das schlechte Licht wird dann dummerweise nicht auf eben diese geworfen sondern Direktion und Lehrer sind dann die Dummen, die das nicht vernünftig machen und die die nicht wollen und unfähig und.....sind.
Das man die aber einfach ohne finanzielle Mittel und ohne geschultes und vor allem genügend(!) Personal vor vollendete Tatsachen stellt, das sehen die Eltern ja nicht :-\
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« Antwort #20 am: 27. April 2014, 08:20:51 »
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« Antwort #21 am: 27. April 2014, 08:27:08 »
Ich kann es hier aus NRW aus verschiedenen Perspektiven gut beurteilen. Letztendlich geht es hier doch eigentlich darum, Geld zu sparen... Sonderpädagogen sind deutlich besser ausgebildet, daher auch deutlich besser bezahlt. In Förderschulen wird im Team unterrichtet, es braucht andere/zusätzliche Räumlichkeiten, zusätzliches Personal, deutlich kleinere Klassen, anderes Material. In GU-Klassen (gemeinsamer Unterricht) ist all das in der Regel nicht vorhanden. In meiner Schule ist es so extrem, dass wir in einer Klasse 10 von 15 Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf haben, aber keinen Sonderpädagogen. Unterricht ist nur so eingeschränkt möglich, dass der Stundenplan für diese Klasse so geändert wurde, dass immer 2 Lehrer gleichzeitig in der Klasse sind, so dass einer unterrichten kann, während der andere versucht, die auffälligen Kinder zu unterstützen. Oder jeder nur die halbe Gruppe unterrichtet. Das ist echt ehrenwert, aber nicht wirklich gut.... Den Kindern wurde es in einer Förderschule zum Teil deutlich besser gehen! Und die Klassenlehrerin, die sich ein Bein ausreisst für ihre Klasse, ist kurz vorm Zusammenbruch.
Das ist jetzt wirklich ein extremes Beispiel, aber auch hier liegt der Grund in der Schulpolitik. Unsere Schule läuft aus, wenn man nicht so viele Förderkinder in die Regelklasse aufgenommen hätte, wäre die Schule bereits ein Jahr früher durch.... An das Wohl der Kinder denkt dabei keiner ernsthaft!

Ich finde es skandalös, dass Förderschulen geschlossen werden sollen! Es gibt sicher Kinder, für die eine gut durchdachte und gut umgesetzte Inklusion absolut das richtige ist, aber ebenso gibt es Kinder, für die es eine Tortur ist, sich in einer Regelklasse zu befinden.



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« Antwort #22 am: 27. April 2014, 08:34:25 »
aber, ich will ja nicht alle in einem Topf werfen. Ich habe durchaus sehr hohe Ansprüche an den Menschen, die sich Fachleute schimpfen. Wenn sie versagen, sollen die gehen. Knallhart.

die Sache ist die...ein einfacher Lehrer ist KEINE Fachkraft in Bezug auf ein Inklusionskind bzw einen Förderschüler ;)
Wird der-warum auch immer dazu *verdonnert* so eine Aufgabe zu erfüllen dann kann man von ihm ansich nicht erwarten, dass er das gut macht (was für die Eltern natürlich so oder so besch*ssen ist...aber es ist nicht unbedingt die *Schuld* des Lehrers, der sucht sich das so auch nicht immer aus ;))
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Nipa

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Antw:Inklusion: Kind mit Down-Syndrom auf's Gymnasium?
« Antwort #23 am: 27. April 2014, 11:00:31 »
Ich sehe das wie Nachtvogel.

Ich habe die Tage auch eine gute Reportage über das Thema Förderschule/Kind mit Behinderung gesehen. Es geht nämlich wie immer und überall um das Thema GELD.
"Problem" in Deutschland ist, dass jedes Kind schulpflichtig ist. Deshalb gibt es ja die Förderschulen. Und selbst dort sind viele Kinder nur mit einer Einzelbetreuung überhaupt "unterrichtbar". Und diese Einzelbetreuung wurde gekürzt. Die Förderschulen sollen verkleinert (und evtl. dann aufgelöst) werden.

Wie soll das Funktionieren.
Ein Kind, wie Dein Sohn Blume, der kann mit etwas Zusatzförderung im normalen Schulalltag bestehen. Er hat ja - so wie ich Dich immer verstanden habe - auch die Chance, dass "der Knoten irgendwann platzt" und er seine Sprachentwicklung nachholt.
Aber es gibt da eben auch Kinder, die sind einfach nicht inkludierbar.
Gezeigt wurde ein Mädchen, das aufgrund eines Gendefektes ohne Augen und mit starken Hirnschäden geboren wurde. Sie gestaltet ihren Tag dadurch, dass sie Gegenstände in den Mund steckt. Mehr kann sie nicht. Sie ist auf permanente Hilfe angewiesen.
Der Besuch der Förderschule entlastet die Mutter für einige Stunden - aber Lernen wird dieses Kind nie können. Was bringt es also dieses Mädchen zu inkludieren?

Deshalb halte ich Inklusion für ein sehr sehr zweischneidiges Schwert!
In Fällen leichter Behinderung, wo einfach auch eine Aussicht auf Erfolg gegeben ist mag es sehr sehr sinnig sein. Aber jedes Kind unabhängig vom Behinderungsgrad in eine Regelklasse zu inkludieren halte ich für unsinnig.

Ich hatte die Unterhaltung auch kürzlich mit einer anderen Mama. Die kennt ein inkludiertes Kind mit Down-Syndrom. In der Klassengemeinschaft ist das alles kein Problem, das klappt gut. Auch wenn er differnzierte Leistungsanforderungen hat.
Aber ausserhalb? Zu einem Kindergeburtstag wurde er noch nie eingeladen.
Zu Spieldates auch nicht. Hat er denn nun wirklich etwas gewonnen?

Die grosse Gefahr lauert für mich darin, dass irgendwann keiner was davon hat.
- Die Regelschüler werden überfordert, weil den Lehrern die Zeit für den normalen Unterricht fehlt.
- Die Lehrer werden überfordert, weil sie was leisten sollen, was sie nicht können
- Die Förderschüler werden unterfordert, weil sie vielleicht mehr leisten könnten, aber die Zeit fehlt das mit ihnen zu erarbeiten.

Und: Wo landen bei einer Schliessung der Förderschulen die Kinder, die einfach nicht integriert werden können????

@Blume: ich würde für mein Kind genauso kämpfen wie Du für Deins. Und aus Deiner persönlichen Sicht kann ich Dich total verstehen. Aber Du musst einfach auch Bedenken dass nicht jedes Kind wie Deins ist!



Flower Eight Revival

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« Antwort #24 am: 27. April 2014, 11:09:32 »
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« Letzte Änderung: 26. Oktober 2014, 16:03:44 von blume8 »

 

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