Autor Thema: Angst Oma zu verlieren  (Gelesen 4265 mal)

sternchen2301

  • Gast
Angst Oma zu verlieren
« am: 26. Januar 2012, 23:40:27 »
Hallo ihr Lieben, ich muss das jetzt mal hier rein schreiben, weil ich das einfach mal los werden muss ...

Ich habe noch zwei Oma's & einen Opa ... letztes Jahr lag mein Opa viel im KH weil er was am Herzen hatte, dann die Galle ... hat sich aber wieder gut erholt.
Die Oma, die zu meinem Opa gehört, ist mein Ein & Alles, die beiden haben mich groß gezogen, ich war lieber bei Ihnen als bei meinen Eltern (bei uns gab es viel Gewalt), sie haben mit mir all die Sachen gemacht, die sonst Eltern mit ihren Kindern machen. Allerdings würde ich trotz allem meine Tochter nicht alleine bei den beiden lassen, aus einem Grund den ich nicht bennen kann. Ich habe dann einfach kein sehr gutes Gefühl. Mein Opa trinkt viel Alkohol und irgendwie ist mir als Kind etwas passiert was ich nicht mehr genau weiß. Ich habe aufgrund meiner Vergangenheit eine Gesprächstherapie gemacht, aber irgendwann abgebrochen.
Es ist so, das meine Oma aus Berlin kommt & mein Opa aus Templin ... sie sind regelmäßig noch nach Berlin gefahren, um die Familie (Schwestern) meiner Oma zu besuchen und haben do Urlaub gemacht. Immer, wenn sie sagten sie fahren hin sagte meine Oma "Wir fahren nach Hause."
Am 23. Januar hatte ich Geburtstag und wir waren auch wieder bei meiner Oma, sie erzählte uns das Sie sich eine neue Couch kaufen wolle, die dann bis zum Ende bleibt & das ihre Schwester gerne noch einmal dieses Jahr nach Gelsenkirchen kommen möchte, bevor es nicht mehr geht ( das letzte Mal quasi ). Ich kam mit dieser Aussage überhaupt nicht klar, meine Oma sollte sich dann also für immer von ihrer Schwester verabschieden und dann ganz allein hier sein?! Mein Erzeuger meldet sich kaum noch bei Ihr (es ist seine Mutter!) und ich kann ihr ja nicht alles ersetzen. Ich denk immer, meine Oma hat damals immer Geld etc zu ihrer Schwester geschickt und nun sollen Sie getrennt werden und sich für immer verabschieden.
Meine Oma hat immer alles vor mir "versteckt" weil Sie weiß das ich damit nicht klar komme, wenn Sie darüber spricht das Sie irgendwann sterben werden (auch wenn es eben normal ist). Letztens fand ich einen Zettel wo draufstand, das Sie nicht mal an Maschinen angeschlossen werden möchte und kurzv darauf sagte Sie mir, ich solle ihr doch sagen was ich mal haben möchte, wenn die beiden sterben (die neue Frau meines Vates ist sehr falsch und auf Geld aus). Ich kam damit nicht klar und habe nur geweint  :'(

Meine andere Oma, ich habe kein sehr inniges Verhältniss zu Ihr, liegt seit gestern auf der Intensivstation, sie hatte einen Herzinfarkt. Sie hat stark Krebs, letztes Jahr bekam Sie die halbe Lunge raus, dann waren die Lymphen befallen, nun die Herzkammer ... und wieder Schatten auf der Lunge & brennen in der Brust. Die Ärzte haben Sie vor Weihnachten nach Haus geschickt weil der Tumor im Herzen zu groß wurde ... Jetzt wollten Sie wieder mit der Chemo anfangen und meine Oma bekommt einen Herzinfarkt, also geht es wieder nicht.
Ich weiß nicht ob Sie nochmal aus dem KH kommen wird ... tut mir sehr leid für Sie, denn rumquälen soll sich niemand.
Bei uns in der Familie war es immer schon so "ein Baby kommt, ein anderer macht Platz" und in diesem Fall war ich diejenige die das Baby bekam ... Ich mach mir schon Gedanken, obwohl ich weiß das es Schwachsinnig ist.  :-[

Ich weiß das der Tod zum Leben dazu gehört und das es normal ist das Menschen sterben, aber ich kann damit einfach nicht umgehen. Würde meiner Oma (erste Abschnitt) oder meinem Opa etwas passieren würde es mir das Herz zerreissen. Ich sage ja, sobald Sie nur darüber reden, fang ich an zu weinen.
Ich würde auch meine Oma gern fragen ob Sie "Zuhause" beerdigt werden möchte, also in Berlin, aber ich traue mich nicht ... meine Oma ist auch sehr emotional und ich möchte nicht das Sie denkt ich denke über ihren Tod nach, weil ich mich eh sehr zurück gezogen habe seit der Gebut meiner Tochter.
Ich find es einfach nur sehr anstrengend zu merken wie sie immer mehr abbauen (vergesslich werden zB) und Lea total betüddeln (aber ich glaub das macht jede Tic Tac Oma).

Ich bin 24 Jahre alt ... eigentlich kann ich über all meine Probleme reden, gerade mit meinen Großeltern, aber dieses mal weiß ich nicht weiter.
Sorry, das der Text so lang geworden ist, aber ich musste mir das mal von der Seele schreiben.
Ich habe einfach Angst !!

LG  :-*

Bea1974

  • Gast
Antw:Angst Oma zu verlieren
« Antwort #1 am: 27. Januar 2012, 06:24:23 »
Ich drück dich mal, mehr kann ich auch nicht tun. Hab leider keinen Rat für dich, meine Großeltern starben schon früh, ich hatte nicht besonders viel von Ihnen.



scarlet_rose

  • Dino
  • *******
  • Beiträge: 16421
  • Endlich zu viert!
Antw:Angst Oma zu verlieren
« Antwort #2 am: 27. Januar 2012, 09:23:12 »
Ich drück dich erst mal ganz fest....Ist sicher kein angenehmes Gefühl  :-\

Aber darüber hinaus würde ich sagen, durchleben deine Großeltern einen ganz normalen (und wichtigen!) Abeschnitt im Alter, die Vorbereitung auf den Tod. Der Tod gehört zum Leben und Leute, die bereit sind zu sterben sterben in Frieden.
Das bedeutet nicht,dass sie sofort sterben müssen oder schon ans Ende denken, und "bevor es nicht mehr geht" heißt ja auch nicht,dass einer von beiden stirbt, das Alter macht auch das Reisen oft unmöglich.
Sie gehen sehr vernünftig mit ihrem Alter um und das ist wichtig.
Der Tod ist immer traurig und wirft Einen aus der Bahn, aber wenn man weiß,dass der Mensch darauf vorbereitet war, sich wohl fühlt und mit dem Gedanken klar kommt, sollte es auch für die Hinterbliebenen ein Trost sein zu wissen, dass derjenige im Reinen ist mit sich und seiner Situation.

Der Großonkel meines Freundes ist 86 und hat seid fast 10 Jahren Hautkrebs. Vor 6 Jahren starb seine über alles geliebte Frau, für ihn ein ganz ganz schlimmer Schlag und seidher hat er sich so friedlich auf den Tod vorbereitet und ist innerlich so entspannt, dass ich meinen Hut davor ziehe und einfach erkenne, dass es ok ist für ihn, also dürfen wir es nicht als Last sehen.

Ich verstehe es sehr gut, dass du diese Angst hast, aber du solltest von solchen Ängsten los lassen, denn nun heißt es erst mal das Leben zu genießen und die Zeit, die ihr habt, sterben werden sie irgendwann und je mehr du dich davor damit belastest, desto weniger kannst du das genießen, was ihr habt.

Noch sind sie da und wenn sie sich vorbereiten, sieh es als wichtigen und gesunden Schritt an, um ihnen einen friedlichen und beruhigten Abschied zu gönnen.

Giraffe

  • Oma
  • ******
  • Beiträge: 6101
Antw:Angst Oma zu verlieren
« Antwort #3 am: 27. Januar 2012, 11:05:25 »
ich kann dich sehr gut verstehen, zumal ich ebenso wie du zum teil bei meinen großeltern aufgewachsen bin und sie wie eltern für mich waren. daher ist unsere situation ähnlich.

ich kann dir nur raten, genieße jeden tag mit ihnen. so doof es sich anhört: sicherheit gibts niemals, wir können alle nur in der gegenwart leben, denn man weiß nie, was kommt. und es ist ja nicht gesagt, dass du deine großeltern sofort verlierst. deshalb die zeit nutzen. niemand denkt gerne an tod und abschied - aber solange sie da sind, sollte das auch nicht im vordergrund stehen für dich.

mein trost war immer, dass meine großeltern ihr leben gelebt haben und irgendwann bewusst losgelassen hatten (sie hatte zum schluß beide krebs). sie sind friedlich eingeschlafen. und deine großeltern haben ja sogar noch die chance, ihren urenkel kennenzulernen, ich glaube, das ist sehr, sehr schön, wenn man das erleben darf.

obwohl es für mich natürlich traurig war war, denke ich immer wieder an sie, sie sind immer bei mir und begleiten mich und jetzt - 10 jahre später - bin ich ihnen einfach dankbar für die zeit, die sie mir geschenkt haben und die werde ich nie vergessen.
sohn * 25. september 2007 spontan bei 25+4 SSW- 900g, 35 cm

Tinkerbelli

  • Teenie
  • ***
  • Beiträge: 255
Antw:Angst Oma zu verlieren
« Antwort #4 am: 28. Januar 2012, 17:29:54 »
Liebe sternchen,

Ich wuerde dir gern ganz viel dazu schreiben, weil ich genau das, wovor du angst hast vor gerade mal zwei wochen durchmachen musstest. Dabei fliessen abee sicherlich ganz viele traenen und da wir gleich besuch bekommen, kann ich sie jetzt nicht vergiessen... Aber ich werde dirin den naechsten tagen schreiben...


*Eine Kerze für mein Sternchen und das meiner Freundin*

Schnauferl1974

  • Gast
Antw:Angst Oma zu verlieren
« Antwort #5 am: 28. Januar 2012, 18:03:19 »
Hallo,
lass Dich mal drücken  s-druecken

Kann Dich sehr gut verstehen, und mir geht es ähnlich.
Meine Oma (Mutter meiner Mum) ist mein ein und alles, ich war eigentlich immer bei Ihr und meine Kinder sind auch sehr oft bei ihr.
Ich merke in letzter Zeit, dass sie massiv abbaut und ich bekomme Angst.
sowohl körperlich wie auch geistig.

Von meinr Oma kommen nun auch immer öfter so Sprüche wie, "ob ich das noch erlebe?", "nimm Dir, dann was Du willst!"
Mich macht das auch immer sehr sehr traurig.

Aber wie einige schon geschrieben haben, der Tod gehört zum Leben und jeder geht anders damit um. Ich selbst hab große Angst vorm Tod, darum nimmt es mich auch sehr mit, nur darüber nachzudenken.
ich habe mene Oma mal gefragt, wie es ihr so geht, schließlich ist sie nun fast 80 und ihr Leben beschränkt. Sei antwortete mir "Ich habe mein Leben gelebt, ich hoffe ich habe noch das ein oder andere Jahr, aber wenn es soweit ist, dann ist es eben so!" Ich glaube in dem Alter geht man gelassener damit um (hab ich nun schon öfter bemerkt).

Einen Rat kann ich Dir auch nicht geben, jeder muss auf seine Weise lernen damit umzugehen.
Ich wünsche dir alles Liebe!!!

LG
Jasmin

liadan

  • Mama
  • *****
  • Beiträge: 2401
  • erziehung-online
Antw:Angst Oma zu verlieren
« Antwort #6 am: 28. Januar 2012, 20:24:38 »
Lass Dich auch von mir mal drücken  s-druecken

Sich mit dem Gedanken auseinandersetzen zu müssen oder zu wollen einen geliebten Menschen zu verlieren ist hart und die meisten möchten das nicht. Ist ja auch zu verstehen. Aber vielleicht siehst Du es einfach als Chance, vielleicht gelingt es Dir auch einfach mit Ihnen darüber zu sprechen. Vielleicht entwickelt sich da ein wirklich gutes Gespräch auf das Du  wenn es dann irgendwann, in hoffentlich ferner ganz ferner Zukunft, zurückgreifen kannst und weißt Du hast noch alles ausgesprochen was Du sagen wolltest und hast nachher nicht das Gefühl wichtige Dinge nicht besprochen zu haben.

Ich rede seit einiger Zeit auch oft mit meinem Sohn darüber weil wir im engen Freundeskreis ein kleines Kind zu Grabe tragen mussten und mein Sohn das natürlich mitbekommen hat und wir hier auch geweint haben.

Mein Sohn macht sich darüber Gedanken wie es ist wenn jemand stirbt und er spricht ganz unbefangen darüber.  :-[

Es fallen Sätze wie "Wenn ich ein Flugzeug hätte würde ich in die Wolken fliegen und X aus dem Himmel holen damit ihre Eltern nicht mehr so unglücklich sind."

Oder er fragt nach seinen Grosseltern und Urgrosseltern, will genau wissen wie sie gestorben sind und ob sie jetzt bei X auf einer Wolke sitzen und uns von oben zuschauen.

Vor drei Tagen hat er gesagt wenn er tot wäre könne er fliegen und über die Wolken hüpfen. Ich mag da eigentlich gar nicht drüber sprechen oder nachdenken aber was soll ich machen. Es beschäftigt ihn sehr. Diese Fragen kommen von jetzt auf gleich.
Vor allem kann es auch jeden treffen von jetzt auf gleich ohne Vorwarnung, das haben LEIDER LEIDER bei den besten Freunden meines Mannes gesehen, von jetzt auf gleich man  hatte gar nicht die Möglichkeit sich irgendwie zu verabschieden es kam wie ein Hammerschlag.

Es fallen auch Sätze wie, wenn jemand Krebs hat dann  muss er immer sterben. Wir versuchen ihm dann möglichst kindgerecht zu erklären das dies nicht der Fall sein muss oder wenn er nach meiner Mutter fragt dann sag ich ihm wie es war und bei meiner Oma sage ich ihm sie war alt und ins in Ruhe eingeschlafen etc. pp.!

Es ist schwer verdammt schwer aber genieß die Zeit die ihr noch habt und es ist auf keinen Fall verkehrt im Vorfeld einige Dinge zu klären damit man sich im Ernstfall nicht noch mit der Verwandschaft um das Erbe streiten muss.

Mein Onkel ist kurz vor Weihnachten gestorben und es gibt jetzt noch Zoff wegen dem Erbe was keiner haben will (wegen Überschuldung) das ist sowas von unnötig und hindert einen daran das ganze irgendwie zu verstehen und oder ein Stück weit damit zu beginnen es zu verarbeiten.

Das ist nach wie vor ein absolutes Tabu Thema aber ich denke wenn man versucht darüber zu sprechen kann man auch im Ernstfall vielleicht auch einfach oder besser damit umgehen, wobei das ohnehin sehr schlimm ist wenn man jemanden zu Grabe tragen muss aber man hat sich vielleicht ausgesprochen und weiß das der andere in Ruhe gehen konnte.

 :-[ :-* s-druecken
« Letzte Änderung: 28. Januar 2012, 20:26:44 von liadan »
 

Heutzutage ist es so verdammt schwer dumm zu sein,  weil die Konkurrenz so gigantisch ist!

 

NACH OBEN
Kontakt Impressum Datenschutzerklärung