Autor Thema: Stillen und Narkose  (Gelesen 38749 mal)

Sanne73

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Stillen und Narkose
« am: 09. August 2010, 14:01:26 »
Sophia77 (die ja bekanntlich Ärztin ist) hatte im alten Forum mal einen Text zu Stillen und Narkose verfasst. Leider war der Artikel verloren gegangen, da ich ihn mir damals aber vorher schon weggespeichert hatte, werde ich immer wieder mal um diesen Text gebeten. Nun kam die Anregung, den Text hier im Ernährungsbereich festzupinnen. Hier ist er also :)

Also, alles stammt aus der "Feder" von Sophia77 :)


Da das Thema ja immer mal wieder aufkommt bzw ich KNs deswegen bekomme und ja nun einfach im Thema drin bin dachte ich, ich tippe einige Hinweise dazu hier hin.

Prinzipiell ist weder eine Betäubung, noch eine Vollnarkose (Dauer egal) ein Grund abzustillen. Mit ein wenig gutem Willen von allen Seiten und den richtigen Vorbereitungen ist es in den allermeisten Fällen möglich nahtlos durchzustillen.

Generell gilt in der Stillzeit: wenn irgend möglich sollen EIngriffe n i c h t in Vollnarkose durchgeführt werden. Wirklich nötig ist dies ohnehin nur bei OPs im Bauchraum, am Kopf und z.B an der Schulter. Die allermeisten DInge (inklusive Ausschabung, Konisation) können theoretisch in örtlichen Betäubungsverfahren durchgeführt werden. Dies ist zum Schutz der Stillenden immer vorzuziehen - sofern die Patientin damit einverstanden ist. Es bringt auch für das Stillen nichts, wenn man bei einer örtlichen Betäubung den Heldentod stirbt, da hat man hinterher sicher nicht genügend Milch.

Bei örtlicher Betäubung und Vollnarkose zu beachten:

1. Es ist immer anzustreben, daß das Stillkind mit aufgenommen wird und mit der Mutter zumindest im gleichen Zimmer schläft. Wer zu Hause eng beieinander schläft sollte dies im Krankenhaus nicht unterbrechen. Die meisten Eingriffe können gerade bei gesunden, jungen Frauen heutzutage ohnhin ambulant (morgens kommen, abends gehen) durchgeführt werden.

2. wenn irgend möglich soll auf die sog. Prämedikation verzichtet werden. Man bittet den Narkosearzt, k e i n Beruhigungsmittel für den OP Morgen zu verordnen. Ist dies nicht zu vermitteln steht einem ja frei, was man mit der Pille tut. Möchte man hingegen gerne etwas zur beruhigung nehmen, soll ein Medikament gewählt werden, welches eine möglichst kurze Halbwertszeit = Verfalldauer im Körper hat

3. bei geplanten Eingriffen auf jeden Fall pumpen. Bewährt hat sich wohl  das Sammeln von mindestens 2 Stillmahlzeiten im Voraus. Diese werden der betreuenden Person ausgehändigt. Die Betreuung sollte von einer nahen Bezugsperson übernommen werden, da der Klinikaufenthalt, der Geruch etc ohnehin für das Stillkind verwirrend genug ist. Flaschenfütterung mit MuMi sollte vorher mal geübt worden sein.
Der letzte "pumpgang" sollte unmittelbar vor Abreise ind en OP erfolgen. Dieser Schritt benötigt ein wenig guten Willen der Schwestern und Ärzte, die Mutter muß nämlich frühzeitig informiert werden. Darauf muß man einfach immer wieder hinweisen bis alle so genervt sind, daß sie das sicher nicht mehr vergessen

3. WICHTIG!
ca 2 Nächte vor der OP zum Schlafen das gleiche T Shirt anziehen und es so richtig mit Mamaduft durchtränken. Dieses Hemd in eine kleine separate Tasche packen, diese zunächst n i c h t auspacken in der Klinik.
Man nimmt (egal welche Betäubung) einen sehr eigenen Geruch an in einem OP, der den Muttergeruch überlagert. Kommt man nun auf sein Zimmer und will das Kind anlegen kann dieser Fremdgeruch zu einem handfesten Stillstreik führen.
Sobald die Mutter mit dem bett wieder im Krankenzimmer angekommen ist, raus aus dem  Engelhemdchen und hinein in das T Shirt von zu Hause und dann Körperkontakt zum Kind soviel wie irgend geht. Nackte Haut für beide ist in dieser Phase eigentlich das beste Mittel, aber manchmal mag und kann man sich ja nicht nackt in ein Krankenhausbett legen. Deshalb das Hemd.

Besonderheiten bei einer Vollnarkose:

1. Bittet den Narkosearzt, die Narkose mit dem Medikament "Propofol" zu fahren. 90% aller Narkoseärzte sind der Meinung, daß das Medikament in die MuMi übergeht. Dies hat sich bis heute nicht bestätigt. Nach Auskunft von Embryotox im Januar 07 kann man nach der Gabe von Propofol sofort stillen sobald die Mutter vernünftig wach ist. Wenn dies Probleme geben sollte bittet den Narkosearzt bei Embryotox in Berlin anzurufen!
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, daß Propofol oral = getrunken keinen Effekt hat. Also wäre es sogar egal wenn das Kind Spuren davon zu sich nimmt. Ich habe im EIgenversuch 150ml getrunken, es ist nichts passiert. Zum Vergleich: würde man mir 50ml spritzen würde ich wohl bereits aufhören zu atmen!

2. Schmerztherapie:
Wenn möglich sollte diese mit Paracetamol (auch intravenös) und Ibuprofen bestritten werden. Kommt die Patientin damit einfach nicht hin können auch kurz wirksame Opiate gegeben werden. Je älter das Kind ist und je größer die Stillabstände, desto unkomplizierter ist dies.

andere Medikamente
Ich finde nichts Verwerfliches daran, den Stationsarzt vor Anordnung irgendwelcher Medikamente zu bitten, diese auf Stillfreundlichkeit hin zu prüfen. Ich muß dazu sagen, daß ich vor meiner SS Embryotox selbst nicht kannte. Es ist also sicher zu empfehlen, dich die Nummer vorher aufzuschreiben (www.embryotox.de) und mitzunehmen. Es gibt für fast alle Anwendungsgebiete immer stillfreundliche Alternativmedikamente.

Sollte hier etwas fehlen oder Fragen offen sein, vervollständige ich das gerne.

Sophia

 

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