Autor Thema: Grenzen setzen, Autorität bewahren  (Gelesen 3219 mal)

nagwar

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Grenzen setzen, Autorität bewahren
« am: 07. Mai 2017, 19:05:51 »
Hallo Forum.

Ich stehe gerade an einem Punkt, der quasi an purer Verzweiflung grenzt.
Doch kurz zu etwas zu uns:
Ich gegen auf die 30 zu, und "nur" Teilzeit-Papa, also regelmäßig an den Wochenenden.
Dazu eine 8 Jährige Tochte, ein 6 Jähriger Sohn und eine 4 Jährige Tochter.
Von der Mutter habe ich mich vor 3 Jahren getrennt, da wir doch zu unterschiedliche Ansichten des Lebens hatten.

Zu meinen Sohn habe ich ein sehr schwieriges Verhältnis. Ein ruiniertes Verhältnis, das ich nur wegen den beiden Mädels aufrecht erhalte. Dazu sei gesagt, er leidet (m.M.n.) an ADHS, mit Hyperaktivität (ich hab ADHS ohne HA), sowie einem Sprechfehler... Dafür ist aber die Logopädin zuständig. ADHS wird laut Aussage meiner erst ab der ersten Klasse diagnostiziert und behandelt, aber sie lehnt auch jegliche Medikamente dagegen ab (soll ja welche geben, die tatsächlich helfen, aber das ist auch ein Thema für sich).

Wenn Sohnemann irgendwas verbockt hat, geht das mitsamt Verbot auch an die Mutter weiter, die aber null Reaktion gezeigt als ich ihr die Fehler aufgezählt habe. Verbote wurden teils sogar wieder aufgehoben...

Dieses Wochenende war es wieder ähnlich:
Sohnemann hat vorhin das Stifte-Uboot von meiner großen zerlegt. Auf die Frage nach einem Warum kam ein "weiß ich nicht", dicht gefolgt von einem nicht-mehr-zuhören und totale-ignoranz, als ich ihm den Fehler aufzeigte. Und der Mutter war es "egal".

Er bemalt Sachen, "zerstört" Spielzeuge und gebasteltes, wirft Sachen zum, so ein richtiger Lausbub und Raufbold halt.

Heute hab ich zwei Dinge gemacht: Seine Lieblings Ninjago-Karte vor seinen Augen zerrissen, um ihm zu zeigen wie es ist wenn andere sein Spielzeug kaputt machen, und ihm eins auf den Hintern gegeben ("quasi" son Klaps wie beim Toben, nur in nem anderen Kontext. Ja "Prügel" gehören bei uns zum toben!), als er daraufhin das Kinderzimmer zerlegen wollte.

Wenn wir uns irgendwo verkrachen, kanns mal lauter werden, manchmal reicht es wenn ich ihm die Hand auf die Schulter lege, manchmal gibts nen Griff in den Nacken un er lenkt ein, manchmal hilft auch gutes zureden von den Schwestern.

Vor 1 1/2 Wochen wandte ich mich hilfesuchend ans Jugendamt, da ich Hilfe bei der Erziehung brauche. Ich habe auch explizit darauf hingewiesen, das ich an einem Punkt angekommen bin, wo Worte nicht mehr helfen. Ich erkundigte mich auch wegen der "Prügelstrafe", andere Erziehungsmaßnahmen, Hilfestellungen, aber so wirklich Gehör schenkte mir der ASD nicht. Ich wurde an die Caritas Internationale Erziehung weitergeleitet, die mir auch nicht wirklich weiterhelfen können, da denen die Handhabe fehlt.
Mit der Mutter an einem Tisch sitzen ist auch nicht wirklich möglich, da sie wie oben erwähnt andere Ansichten vom Leben hat.

Das Gewalt keine Lösung ist, ist mir vollkommen bewusst. Ich bin da auch kein Fan von. Ich will meine Kinder an den Wochenenden gewaltfrei erziehen können, ihnen andere Werte mitgeben, ihnen Selbständigkeit lehren. Aber Sohnemann... sieht das scheinbar anders.

Wenn das Ansagen von Fehlern, Aufzeigen von Konsequenzen und "Drohen" keine Wirkung mehr zeigt, was soll ich machen? Wenns nicht verboten wäre, hätt ich ihn schon dreimal übers Knie gelegt. Vor 25 Jahren hat das noch Wirkung gezeigt. Das war die Grenze, die nur seltenst überschritten wurde. Diese steht mir nicht zur Verfügung, also, was tun?
Mein Nervenkostüm ist mittlerweile "zerstört", meine Zündschnur super kurz, und das Verhältnis wird aufgrund von Auseinandersetzungen immer schlimmer...

Wie geht ihr mir solchen Situationen um, oder welche Wege würdet ihr versuchen zu gehen, um die Situationen zu entschärfen?

millivanilli

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #1 am: 07. Mai 2017, 19:44:42 »
Ja, das ist eine schwere Situation.
Ich bin keine Freundin von Gewalt und habe das auch nie angewendet, mir ist aber durchaus bewusst dass es auch Kinder gibt die auf Erklärungen und das gesprochene Wort einfach nicht reagieren, auch wenn das einige Pädagogen anders sehen.
Ich wurde in jungen Jahren so erzogen dass ich Angst vor Konsequenzen hatte wenn mein Verhalten untragbar war, diese Konsequenzen wären sowieso nie umgesetzt worden aber das wurde mir auch erst klar als ich älter wurde.
Die Idee mit der Spielkarte war kein schlechter Ansatz, jedoch war ihm diese Karte wohl nicht wichtig genug. Da solltest du vielleicht mal schauen was ihm wirklich wichtig ist und mit diesen Konsequenzen drohen. Im Gegenzug solltest du ihn aber auch für Sachen belohnen, die er richtig macht. Am Anfang können das auch Kleinigkeiten sein, so fühlt er sich auch von dir komplett angenommen.
Ich kann aber nur im Vorfeld sagen dass das alles keinen Sinn haben wird wenn die Erziehungsberechtigten nicht an einem Strang ziehen, das Kind wird versuchen euch durch diese Nahtstellen gegeneinander auszuspielen, das merkst du ja auch gerade.
« Letzte Änderung: 07. Mai 2017, 19:56:31 von millivanilli »
Liebe Grüße


Laura-Marie / 15.07.2006

Pedi

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #2 am: 07. Mai 2017, 19:52:15 »
Vielleicht informierst DU dich als Vater erst einmal wie man richtig mit Kindern umgeht die ADHS haben! Vielleicht würdest Du dann verstehen warum dein Sohn so etwas macht. Und die Schuld an dem Verhalten kann man ja nicht der Mutter geben, wenn das Kind eine Krankheit hat. Es gibt richtige Elterntrainings wo man vermittelt bekommt wie man mit ADS und ADHS Kindern besser umgehen kann. Das wäre doch ein guter Ansatz.

Informiere dich doch selbst wie Du deinem Sohn helfen kannst und lerne ihn zu verstehen.
 




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hallihallo

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #3 am: 07. Mai 2017, 20:40:42 »

Die Idee mit der Spielkarte war kein schlechter Ansatz, jedoch war ihm diese Karte wohl nicht wichtig genug. Da solltest du vielleicht mal schauen was ihm wirklich wichtig ist und mit diesen Konsequenzen drohen.
Hallo Forum.


Heute hab ich zwei Dinge gemacht: Seine Lieblings Ninjago-Karte vor seinen Augen zerrissen, um ihm zu zeigen wie es ist wenn andere sein Spielzeug kaputt machen, und ihm eins auf den Hintern gegeben ("quasi" son Klaps wie beim Toben, nur in nem anderen Kontext. Ja "Prügel" gehören bei uns zum toben!), als er daraufhin das Kinderzimmer zerlegen wollte.


Das ist hoffentlich ein schlechter Scherz?? Das machen vielleicht noch die Geschwister untereinander so, aber doch nicht die Eltern? Was hast du denn da für eine Vorbildfunktion?

Wenn du diagnostiziert ADHS hast, solltest gerade du doch mehr Verständnis aufbringen. Dein Sohn ist sechs.....DU bist vermutlich sein Held....sein Papa. Er sagt selber, er weiß nicht warum er sich so verhält. Er kann einfach nicht anders und ihr als Erwachsene müßt ihm Wege eintrainieren. Das ist mühselig, aber es wird sich lohnen. Bleib hartnäckig beim Jugendamt. Du hast einen Rechtsanspruch auf Beratung und ggf. Hilfe.

nagwar

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #4 am: 07. Mai 2017, 21:32:23 »
Vielleicht informierst DU dich als Vater erst einmal wie man richtig mit Kindern umgeht die ADHS haben! Vielleicht würdest Du dann verstehen warum dein Sohn so etwas macht. Und die Schuld an dem Verhalten kann man ja nicht der Mutter geben, wenn das Kind eine Krankheit hat. Es gibt richtige Elterntrainings wo man vermittelt bekommt wie man mit ADS und ADHS Kindern besser umgehen kann. Das wäre doch ein guter Ansatz.

Informiere dich doch selbst wie Du deinem Sohn helfen kannst und lerne ihn zu verstehen.


Wenn du diagnostiziert ADHS hast, solltest gerade du doch mehr Verständnis aufbringen. Dein Sohn ist sechs.....DU bist vermutlich sein Held....sein Papa. Er sagt selber, er weiß nicht warum er sich so verhält. Er kann einfach nicht anders und ihr als Erwachsene müßt ihm Wege eintrainieren. Das ist mühselig, aber es wird sich lohnen. Bleib hartnäckig beim Jugendamt. Du hast einen Rechtsanspruch auf Beratung und ggf. Hilfe.

Ich hab mir schon div. Infos dazu reingezogen, mit meinem Vater drüber gesprochen (der seinerzeit ja auch ein ADHS Kind hatte), und das Gespräch mit der behandelnden Ärztin gesucht.
Nur irgendwann sind alle "Allheimittel" ausgereizt.

Mit eins der großen Probleme ist das alleinige Sorgerecht bei der Mutter. Egal was ich machen möchte, ich muss quasi überall ihre Einwilligung haben, die ich nicht bekomme.
Und Elterntrainings, Vater-Kind-Therapie und und und habe ich schon alles vorgeschlagen, wurde immer wieder von der Mutter abgeschmettert, "sowas braucht das Kind nicht".

Beim Jugendamt werd ich morgen auch wieder antanzen, meinen Standpunkt deutlicher machen.

Davon mal ab, ich verstehe meinen Sohn großteils, ich kann mir auch denken wo das Problem liegt, nur kann ich keine klaren Grenzen aufzeigen da diese spätestens 48h später gekippt werden.

Um zu meinem eigentlichen Anliegen zurück zu kommen:
Wie geht ihr damit um, wenn die Regeln nicht beachtet werden, das Kind nicht hören will, drauf Einreden nicht mehr funktioniert (oder nur für 5 Minuten, wenn überhaupt) und die Nerven blank liegen? Ich bin ratlos, zu meiner Zeit wär ich wie erwähnt übers Knie gelegt worden...

hallihallo

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #5 am: 07. Mai 2017, 22:47:30 »
Regeln setzen, die man selber gut umsetzen kann. Die für das Kind verständlich und fair sind. Dem Kind auch Gelegenheit geben, sich selber Regeln zu setzen (an die man dann immer mal freundlich erinnern muss). Sich selber entschuldigen, wenn man Fehler gemacht hat (hast du dich bei ihm entschuldigt für dein Fehlverhalten? ).
Kindererziehung ist leider kein Zuckerschlecken und man sollte sich gerade in so anstrengenden Phasen immer wieder daran erinnern, dass ihr Verhalten (vermeintlich schlechtes) nicht persönlich gemünzt ist.
Kurz gesagt: Nimm es nicht persönlich, versuch einfach nur für ihn da zu sein und ihn nicht nur zu sanktionieren, wenn ihr gemeinsame Zeit habt. Druck erzeugt Gegendruck.
 
Wie ist denn das Verhältnis zu den Geschwistern?

nagwar

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #6 am: 08. Mai 2017, 13:43:06 »
Zu beiden Mädels habe ich ein weitaus besseres Verhältnis.
Die große kennt die Grenzen, und wenn wird kurz geschimpft und es ist wieder gut.
Bei der kleinen muss ich ein wenig mehr Schimpfen, weil die sich ein wenig was vom großen Bruder abschaut und schnell eingeschnappt ist.
Alles in allem viel entspannter, da komm ich teilweise ne ganze Woche ohne groß meckern aus.

~Netti~

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #7 am: 08. Mai 2017, 13:46:58 »
DU solltest mal dein Verhältnis zu deinem Kind überdenken. Nicht das Kind muss sich ändern, sondern zuerst einmal musst DU diese negative Haltung deinem Kind gegenüber ändern.
Sorry, aber ich finde es ganz, ganz schrecklich was du schreibst.

Mondlaus

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #8 am: 08. Mai 2017, 13:56:34 »
Gerade dieses mehrmalige Beschreiben der Fantasien von Gewalt gegen das Kind, die du gerne ausführen würdest, gibt mir ein sehr ungutes Gefühl. Einfach seltsam.
Kind 2011
Kind 2014
...

nagwar

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #9 am: 08. Mai 2017, 17:26:32 »
DU solltest mal dein Verhältnis zu deinem Kind überdenken. Nicht das Kind muss sich ändern, sondern zuerst einmal musst DU diese negative Haltung deinem Kind gegenüber ändern.
Sorry, aber ich finde es ganz, ganz schrecklich was du schreibst.
Ob ich da was überdenken muss oder nicht ist nicht von der Hand zu weisen, meine Einstellung ist größtenteils negativ, und ich habe teilweise auch keine Lust mehr meinen Sohn zu mir zu nehmen weil WIR die Wochenenden nicht mehr genießen können.
Weshalb ich hilfesuchend bin, aber an allen offiziellen Stellen abgetan werde (wie z.B. beim Jugendamt heute wieder, die sehen da NOCH keinen Handlundsbedarf, da es in Köln schlimmere Fälle gibt), und Beratungsstellen sind auch (fast) alle unterbesetzt/überlastet.

Gerade dieses mehrmalige Beschreiben der Fantasien von Gewalt gegen das Kind, die du gerne ausführen würdest, gibt mir ein sehr ungutes Gefühl. Einfach seltsam.
Vor 20 Jahren war sowas noch "normal", heute ists "seltsam"... Ich finds ja gut das es verboten worde, aber es ist nicht von der Hand zu weisen das es damals "gewirkt" hat. Zumindest wenn ich mich anderen Eltern über Erziehung unterhalte und das Thema zur Sprache kommt, ist das so der Tenor.
Davon mal ab, ich könnte viele andere Methoden aufzählen, "stiller Stuhl" und Konsorten, aber das geht ebenfalls in Richtung Erniedrigung und ist auch grenzwertig bis verboten. Man darf Kindern nur noch zureden, und wenn das nicht wirkt ist man eigentlich aufgeschmissen.


Um zu meinem eigentlichen Anliegen zurück zu kommen:
Wie geht ihr damit um, wenn die Regeln nicht beachtet werden, das Kind nicht hören will, drauf Einreden nicht mehr funktioniert (oder nur für 5 Minuten, wenn überhaupt) und die Nerven blank liegen?

Fliegenpilz

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #10 am: 08. Mai 2017, 17:43:10 »
Ich habe das Thema verfolgt - und ich versuche es mal ... neutral!

Mir erscheint an erster Stelle, dass du quasi die Absolution erwartest deinen Sohn zu schlagen und auf diese Art und Weise deine Vorstellung von Regeln und Benimm durch zu setzen. So lass dir an dieser Stelle gesagt sein: Die wirst du nicht bekommen.

Von Anfang an ...
Zitat
Zu meinen Sohn habe ich ein sehr schwieriges Verhältnis. Ein ruiniertes Verhältnis, das ich nur wegen den beiden Mädels aufrecht erhalte.
Das ist sehr schade.
Es ist dein Sohn, er sollte für sich alleine gesehen werden - als Individuum - und nicht als "lästiges Anhängsel an die Töchter". Absolut gar nicht.
Entweder du möchtest mit deinem Sohn Zeit verbringen und ihm ein (guter) Vater sein oder nicht. Aber so schiebst du die Verantwortung für das bestehende Verhältnis bzw. den Kontakt auf deine Töchter - das ist nicht fair!

Ohne Diagnose (die du ja nur vermutest) wird es auch keine Medikamente (es gibt viele andere Wege ...) geben. Und es ist auch kein "Allheilmittel", Medikamente im Falle einer Diagnose bedeuten nicht, dass alles rosarot wird und die Last von den Schultern fällt. Eine Diagnose wird noch viele weitere Baustellen aufreißen und zusätzliche Arbeit - für alle! - bedeuten.

Zitat
Wenn Sohnemann irgendwas verbockt hat, geht das mitsamt Verbot auch an die Mutter weiter, die aber null Reaktion gezeigt als ich ihr die Fehler aufgezählt habe. Verbote wurden teils sogar wieder aufgehoben...
Kannst du Beispiele bringen?
Stehen die Verbote in einem kausalen Zusammenhang zu dem was passiert ist?
Verbockt er etwas weil es wirklich Bockmist ist oder weil es nicht in deine Anschauung passt?

Das Verbote (teils oder ganz) wieder aufgehoben werden finde ich aus der Ferne jetzt erst einmal nicht drastisch. Ihr seid getrennt, er hat zwei Zuhause. Und wie auch bei den Großeltern: Überall herrschen andere Regeln. Das ist für die Kinder noch schwieriger als für dich, glaube es mir.
Zudem hat es vielleicht auch nichts mit einem "Freifahrtschein" für ihn zu tun sondern deine Ex-Frau hat einfach eine andere Sicht auf die Dinge, verbringt ja auch in der Regel mehr Zeit mit euren Kindern. Das heißt nicht, dass deine Ex-Frau alles richtig macht. Das heißt aber auch nicht, dass es per se falsch ist was sie macht.

Aber: Das ist eure Ebene. Da haben eure Kinder - alle drei!!! - nichts zu suchen. Das müsst ihr unter euch klären, wie ihr GEMEINSAM eure Kinder erzieht trotz Trennung!
Und da darf auch kein Kind, egal wie es sich verhält, für verantwortlich gemacht werden oder den Frust ausbaden müssen.

Ich lese in deinen Beiträgen sehr oft das Wort "Fehler". Er macht Fehler, ich habe ihm die Fehler aufgezählt, ich habe ihm gesagt, dass das ein Fehler ist ... - sagst du ihm im Umkehrschluss auch fortlaufend was alles gut war, worauf du stolz bist, was du an ihm schätzt, was du an ihm magst, wie toll er dieses oder jenes gemacht hat?
In deinen Postings erscheint mir persönlich eine Reduktion seiner auf sein Fehlverhalten. Eine große Last für einen 6jährigen, oder?

Zitat
Heute hab ich zwei Dinge gemacht: Seine Lieblings Ninjago-Karte vor seinen Augen zerrissen, um ihm zu zeigen wie es ist wenn andere sein Spielzeug kaputt machen, und ihm eins auf den Hintern gegeben ("quasi" son Klaps wie beim Toben, nur in nem anderen Kontext. Ja "Prügel" gehören bei uns zum toben!), als er daraufhin das Kinderzimmer zerlegen wollte.
Kurz und knapp: GEHT GAR NICHT!
Du bist keine 5 Jahre alt. Wertgegenstände jeglicher Art von anderen zu zerstören geht nicht, egal was im Vorfeld passiert ist. Ebenso wenig das Schlagen.
Damit hast du dich auf ein ganz tiefes Niveau begeben - nicht aus Böswilligkeit, nein - das unterstelle ich dir gar nicht. Es drückt deine Hilflosigkeit aus, dein Erstarren. Und genau das hast du auch deinem Sohn gezeigt, das du nicht weiß was du machen sollst, wie du es machen sollst, ... und du hast einen Fehler gemacht!
An dieser Stelle wäre es schön, wenn du das deinem Sohn auch kommunizierst. "ICH habe einen Fehler gemacht. Es war nicht richtig von MIR, dass ich ..." - und alles ohne Anschuldigung an ihn, sondern sogar noch mit Entschuldigung.
So lebst du vor, so zeigst du was du erwartest und dir erhoffst.

Zitat
Mein Nervenkostüm ist mittlerweile "zerstört", meine Zündschnur super kurz, und das Verhältnis wird aufgrund von Auseinandersetzungen immer schlimmer...
Dann ... gönne euch eine Pause!
Sprich offen darüber und sag, dass du Zeit zum Durchatmen brauchst um ihn wieder so annehmen zu können wie er ist und neue Energie hast für andere Wege mit Geduld & Liebe.

Zitat
Und Elterntrainings, Vater-Kind-Therapie und und und habe ich schon alles vorgeschlagen, wurde immer wieder von der Mutter abgeschmettert, "sowas braucht das Kind nicht".
Wie argumentierst du es ihr denn ggü?
Vielleicht hat sie ja Recht und euer Sohn braucht es wirklich nicht - aber DU brauchst es. Mit deinem Sohn!

Zitat
Vor 20 Jahren war sowas noch "normal", heute ists "seltsam"... Ich finds ja gut das es verboten worde, aber es ist nicht von der Hand zu weisen das es damals "gewirkt" hat. Zumindest wenn ich mich anderen Eltern über Erziehung unterhalte und das Thema zur Sprache kommt, ist das so der Tenor.
Nein, es hat nicht gewirkt - es war reine Angst, es war reine Demut.
Was haben "wir" denn daraus gelernt? Außer das ein großer Teil sämtlichen Respekt ggü seinen Eltern verloren hat?



Zitat
Ich bin keine Freundin von Gewalt und habe das auch nie angewendet, mir ist aber durchaus bewusst dass es auch Kinder gibt die auf Erklärungen und das gesprochene Wort einfach nicht reagieren, auch wenn das einige Pädagogen anders sehen.
Ich wurde in jungen Jahren so erzogen dass ich Angst vor Konsequenzen hatte wenn mein Verhalten untragbar war, diese Konsequenzen wären sowieso nie umgesetzt worden aber das wurde mir auch erst klar als ich älter wurde.
Es tut mir leid, dass du deine Kindheit mit Angst verbringen musstest die so einfach zu vermeiden gewesen wäre. Uff!


Brombeere

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #11 am: 12. Mai 2017, 12:11:37 »
Vor 20 Jahren war sowas noch "normal", heute ists "seltsam"... Ich finds ja gut das es verboten worde, aber es ist nicht von der Hand zu weisen das es damals "gewirkt" hat. Zumindest wenn ich mich anderen Eltern über Erziehung unterhalte und das Thema zur Sprache kommt, ist das so der Tenor.
Da muss ich widersprechen: Vor 20 Jahren war es auch nicht "normal", Kinder zu schlagen. Die Zeiten, wo das weit verbreitet war, liegen doch deutlich länger zurück. Wenn es für dich als Kind normal war, tut mir das sehr leid.
 
Um zu meinem eigentlichen Anliegen zurück zu kommen:
Wie geht ihr damit um, wenn die Regeln nicht beachtet werden, das Kind nicht hören will, drauf Einreden nicht mehr funktioniert (oder nur für 5 Minuten, wenn überhaupt) und die Nerven blank liegen?

Abstand, Nerven beruhigen. Erklären, warum die Regel für mich wichtig ist. Nachfragen, wieso es nicht klappt. Versuchen, mich in das Kind hineinzuversetzen, nachfragen, auch, wie sich das Kind fühlt. Wenn es absolut nicht klappt und die Sitution unerträglich ist, Situation beenden (ich gehe, Kind geht, Tätigkeit wird beendet...)

Wenn die Situation oder ähnliche immer wieder kommen, dem KInd extra Aufmerksamkeit schenken, auf das Kind achten, was es tut, nachfragen, wie es ihm geht, wie es sich fühlt. Interessanterweise hat bei uns allein das schon manchen Dauerstress abgestellt, wenn auch nicht kurzfristig. Oder es sind Kleinigkeiten, die helfen, zB gab es bei uns mal Dauerhampelei beim Essen, ganz furchtbar - bis ich die Kinderstühle wieder auf die richtige Körpergröße angepasst habe.

Ich bin überzeugt davon, dass ein Kind grundsätzlich gefallen und kooperieren will. Und Regeln einhalten will. Klappt das nicht, geht es ihm irgendwo schlecht, und es ist mein Job, das Problem herauszufinden. Dem Kind zu sagen, dass man sein Problem erkennt, dass es damit nicht allein ist, und soweit möglich dem abzuhelfen.

Und am Rande: Soweit du keine Absprache mit der Mutter hast, Verbote auszusprechen, die auch bei ihr gelten sollen, gelten die halt nicht bei ihr, Punkt. Den Sinn oder Unsinn von Verboten mal außer acht gelassen.
10/2010
07/2012

Fliegenpilz

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #12 am: 12. Mai 2017, 13:02:21 »
Zusätzlich bin ich der Meinung, dass wir zu unseren Kindern am Besten Zugang finden, wenn wir mit "Ich"-Botschaften arbeiten und nicht immer das schon fast abfällige und immer wiederkehrende "Du, Du, Du".

Du hast, ... Du machst, ... Du hast nicht, ... Du machst nicht, ... Du willst ..., Du willst nicht ...!
Und zeitgleich stecken aber hinter den Botschaften auch die eigenen Erwartungen.
Beispiel?
"Du hast nicht den Tisch abgeräumt!", dazu noch einen leicht pampiggenervten Ton und schon ist es wieder eine Maßregelung.

Wieso nicht: "Ich möchte, dass du bitte jetzt den Tisch abräumst!".
Das ist doch eh das was wir von den Kindern wollen, wieso nicht also auch die Ich-Botschaft senden?

Und wenn es nicht klappt "Ich habe dich gerade gebeten, dass du bitte jetzt den Tisch abräumst."
Gesprächsführung ist meistens das A und O.


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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #13 am: 12. Mai 2017, 15:32:12 »
Hallo Nagwar, ich habe die anderen Antworten überflogen und finde da schon einige gute Denkanstöße.

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich es gut finde, dass du dir so vehement Hilfe suchst. Beim Jungendamt, was ja wirklich schon eine Menge Selbstreflexion und Kraft/ Mut erfordert, hier im Forum und im Umfeld. Du machst dir viele Gedanken über euer Miteinander und auch über dein Verhalten. Du erkennst, dass was falsch läuft und möchtest, dass es besser läuft. Das ist schon einmal ein wichtiger Schritt in eine richtige Richtung.

Gewalt, sei sie nun körperlich, seelisch oder wie auch immer geartet , sind für mich kein Diskussionspunkt. Da gibt es kein Verniedlichen und Schönreden. Da bin ich komplett raus und sage, dass wir uns als Erwachsene so weit im Griff haben müssen!, dass es niemals vorkommt. Gewalt/ Schläge waren schon in meiner Kindheit -ich bin 36- sicher kein akzeptiertes Mittel der Erziehung. Sie kamen vor , wie sie auch heute vorkommen, aber nein, ich glaube nicht, dass es vor 20 Jahren noch normal war und als richtig galt. Ich denke dies liegt eher 50 Jahre zurück. Und jeder einzelne Mensch, den ich kenne, der jemals von seinen Eltern geschlagen wurde, hat da sicher keine guten Erinnerungen dran. Niemals möchte ich , dass meine Kinder sich auch nur eine Sekunde so fühlen und mich so erleben..... Ich wurde genau einmal geschlagen, da war ich 7 und weiß es bis heute noch ganz genau (den Grund weiß ich nicht mehr...kann mich an die Machtlosigkeit und Hilflosigkeit erinnern, die Wut, die Angst, fühlte mich unverstanden etc. An körperliche Schmerzen erinnere ich mich nicht, aber die Emotionen reichen mir um heute noch eine riesige Wut auf meinen Vater zu bekommen, der mich wie gesagt sonst niemals geschlagen hat. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie es Menschen geht, die dieser Bestrafung regelmäßig ausgesetzt sind oder waren.

Bei deinem Sohn kommt ja  eine Besonderheit dazu. Er ist krank. zumindest scheint ja die Vermutung im Raum zu stehen. D.h. es ist noch viel mehr notwendig, an Unterstützung, die du für deine Töchter aufbringen musst. Wobei ADHS bisher ja nur im Raum steht, wenn ich es richtig verstehe?
Und offensichtlich seid ihr zwei, du und dein Junge, euch doch sehr ähnlich... und ja, oft es ist es genau die Ähnlichkeit in unseren Kindern, die uns besonders kirre macht.... Also, wenn ein Kind genau die negativen Dinge widerspiegelt, die man so von sich selber kennt und vielleicht bei ihm gerne vermeiden will und ihm vielleicht auch Schwierigkeiten ersparen möchte.

Ich denke, dass du als Betroffener und als Vater dich einmal intensiv mit ADHS auseinandersetzen solltest. Und auch deine Ex-Frau.... Weder ist es klug in Medikamenten die Rettung zu sehen, noch diese direkt abzulehnen. Das Thema ist zwischenzeitig ja so weit verbreitet, dass es sicher Anlaufstellen gibt. Es gibt viele Hilfsangebote und Therapiemöglichkeiten und Medikamente sind da sicher nur ein kleiner Teil.

Was mir beim Lesen weh tut, ist über deine Gefühle deinem Sohn gegenüber zu lesen bzw. wie du über ihn schreibst. Er ist der Klotz am Bein, das notwendige Übel. Das Kind, zu dem du ein runiertes Verhältnis hast und nur deshalb akzeptierst, weil er eben irgendwie zu den Mädchen dazu gehört ...Wenn ich das lese, weiß ich gar nicht, was ich raten soll. Ich kann mir aber vorstellen, wie sich dein Sohn fühlt, wenn er dies vermittelt bekommt. Und ich kann mir auch vorstellen, dass ein Kind dann anfängt noch mehr zu rebellieren.

Es gibt für mich zwei Wege. Der eine ist, dass du wirklich erst Mal auf Abstand zu deinem Sohn gehst und ihn vielleicht eher in Form eines begleiteten Umgang annimmst. Aber da wird er sich, zu recht, zurückgesetzt und vernachlässigt fühlen. Statt Distanz könntest du auch bewusst Nähe suchen. Ich würde schauen, ob du nicht mal eine Vater-Kind Kur mit ihm antreten kannst. Die sind konzeptionell ja darauf ausgelegt das Eltern-Kind verhältnis/ Bindung zu stärken. Und sicher gibt es auch Kliniken, die genau auf ADHS/ADS (Bei Vater und Kind in euerm Fall! ausgelegt sind.).... Ich denke mit der richtigen Unterstützung bei der Antragsstellung sind euren Chancen sehr gut.

Ich glaube einen Einblick in meinen Alltag mit meinen Kindern zu geben oder dir zu erklären wie ich im Einzelfall reagieren würde, hilft dir wenig. Meine Kinder sind anders (vermutlich einfacherer! Ein Kind mit ADHS in eine Bahn zu bringen und anzunehmen wie es ist , ist eine Herausforderung. Das weiß ich selber aus dem familiären Umfeld) , unser Verhältnis ist anders und vermutlich wäre ich dir zu inkonsequent ;).

gibt es denn die Möglichkeit über das Jugendamt evtl. eine Begleitung zu bekommen? Was haben die denn geraten bzw. wie unterstützen sie dich? Ein Gespräch mit Jugendamt , der Mama und dir ist meiner Meinung nach notwendig. Gerade weil ihr offensichtlich so unterschiedliche Vorstellungen habt. Gerade dann ist es besonders wichtig miteinander zu reden, am besten neutral moderiert beim Jugendamt. Wer immer einer Meinung ist, braucht ja nichts ausdiskutieren  ;) Ich kann mir vorstellen, dass es gerade für ein Kind, wie deinen Sohn sehr wichtig ist, dass du und deine Ex-Frau euch auf Kompromisse einigt und ihm zuliebe klare Linien fahrt. Ich denke, er braucht auch ganz klare Strukturen, die am Papa-Wochenende eben nicht zu sehr von der Woche abweichen..... Ich kann mir vorstellen, dass ihm die Wechsel und unterschiedlichen verhaltensweisen von Papa und Mama nicht gut tun. Ihr müsst stabil sein. Ihr müsst euch auf Regeln einigen. Ihr seid die Erwachsenen..... wenn ich deine "Berichte" über dein Verhalten und das deines Sohnes lese, klingt es leider teils eher, als würden sich zwei 6jährige streiten, nicht, als würde ein Erwachsener mit einem Kind umgehen.
und es liest sich ebenso, als ob du selber ein ganz schönes Päckchen aus deiner Kindheit mit dir schleppst, das es gilt aufzuarbeiten... einerseits hat man beim Lesen den ehrlichen Eindruck, du willst alles gut und richtig machen, andererseits aber auch, dass du nicht gelernt hast, wie es funktioniert.

Vielleicht doch noch ein kleiner Rat für konkrete Situationen: Durchatmen. Bevor du anfängst selber Spielzueg zu zerstören und zu schlagen: Deinem Sohn sagen, dass du grad eine Auszeit brauchst  und dann rausgehen, durchatmen, was trinken (Also nen Tee oder so  ;))...vielleicht auch einmal um den Block gehen oder in den Garten/ Balkon, ein Stück SChokolade essen, in ein Kissen boxen oder schreien, Musik anmachen...also einfach komplett rauskommen/ runterkommen. Und dann überlegen, was dich gerade so sehr ärgert.... und dann mit klarem Kopf wieder in die Situation und reden. Dem Kind erklären, warum Spielsachen zerstören schlecht ist oder was du gerade genau von ihm erwartest (Ich Botschaften), Dinge mit ihm gemeinsam in Angriff nehmen (Mit ihm überlegen, wie er Dinge wieder "gut machen kann" oder was er tun kann.).

Wichtig ist, dass ihr zueinander findet. Einige sind sicher schon genervt von mir, aber mein pädagogisches Lieblingszitat ist :Keine Erziehung ohne Beziehung. Also ohne Bindung und eine gute Beziehung zu deinem Sohn, wirst du (meiner Meinung nach) gar nichts erreichen. Daher ist die erste "Arbeit" die du zu leisten hast Beziehungsarbeit...
und ganz viel Verständnis für die Situation deiner Kinder. Eine Trennung der Eltern ist nicht einfach, Papa-Wochenenden sind nicht einfach, in der Woche unter lauter Frauen sein ist nicht einfach, Vorschulkind sein oder eingeschult werden ist sau-schwierig und da sind die meisten Kinder noch mal anstrengend, ADHS haben ist nicht einfach..... Du bist sein Papa und damit , gemeinsam mit der Mama, der wichtigste Mensch in seinem Leben. Er braucht ganz dringend deine Hilfe, Unterstützung, Liebe und Zuneigung um ein toller, starker Erwachsener zu werden.


Tata

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #14 am: 13. Mai 2017, 23:49:24 »
Hallo,
Du hast ja schon viele gute Tipps bekommen, aber etwas ist mir auch noch eingefallen:
Vielleicht kannst du deinen Sohn auch (mal) getrennt von deinen Töchtern zu dir nehemen.
Er merkt ja bestimmt auch, dass dein Verhältnis zu ihnen ganz anders ist, dadurch würde dem vielleicht etwas die Schärfe genommen. Du kannst dich dann ganz auf ihn einstellen und vielleicht etwas mit ihm unternehmen, das weniger Konfliktpotenttial mit sich bringt.Und er hat vielleicht sogar mehr das Gefühl etwas besonderes zu bekommen. Bei einem Waldspaziergang kann man als Sechsjähriger zb nicht viel kaputt machen und sich austoben. Oder ihr spielt mal zusammen Fußball oder geht zu einem Spiel. Was euch halt beiden Spaß macht und wenig Konflikte bring. Vielleicht gibt es sowas auch im Rahmen einer Betreuung, dann wärst du nicht allein mit evtl. Problemen. So könnt ihr vielleicht wieder positive Momente schaffen.
(Die Mädchen würden sich natürlich bestimmt auch mal über einen Tag nur für sich freuen, wo etwas gemacht wird, das halt nur ihre Interessen trifft ;)

Ansonsten würde ich auch sagen, bleib dran beim Jugendamt!

Grüße Ulli

AnnHoly

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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #15 am: 21. Juni 2017, 23:29:39 »
Auch wenn der Beitrag schon ein wenig älter ist und der Ersteller es vermutlich nicht einmal mehr lesen wird, mag ich auch etwas zum Thema schreiben:

Zunächst einmal: Gewalt war nie und ist auch heute und künftig keine Lösung. Auch nicht der berühmte „kleine Klaps“. Es mag früher funktioniert haben, aber zu welchem Preis? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, der Preis ist für das KIND sehr hoch, zu hoch. Ich bin selbst im Erwachsenenalter noch zusammengezuckt, wenn jemand eine fahrige Bewegung in meine Richtung gemacht hat, von der Hilflosigkeit, Zerstörung des Selbstwertgefühls etc. mal ganz zu schweigen. Erst später habe ich verstanden, dass die eigentlich Schwachen meine Eltern waren. Heute sage ich: Wenn der Verstand aussetzt, spricht die Hand. … Und ich kenne durchaus Situationen, in denen einen die eigenen Kinder an den Rand der Verzweiflung bringen können. Dennoch würde ich nie die Hand gegen sie erheben. Eher ziehe ich mich kurz zurück, beruhige mich und löse dann mit Ruhe und Bedacht den Konflikt auf (Nicht selten genügt schon dieser Rückzug, da er auch den Kindern die Möglichkeit gibt, wieder runterzukommen.).

Dem Threadersteller würde ich raten, Zeit mit seinem Sohn allein zu verbringen. Ich möchte gar nicht wissen, wie sich der Junge fühlt, wenn er ständig mit seinen Schwestern verglichen wird. Auch bin ich mir sicher, dass diese „Abneigung“ auch bei ihm ankommt und DAS muss sehr wehtun. Und NATÜRLICH macht das etwas mit ihm und er reagiert entsprechend. Ihm wird (durch Nichtbeachtung/Benachteiligung) wehgetan (wenn auch sicher nicht gewollt), also verletzt er seine (bevorzugten) Schwestern, indem er Dinge von ihnen zerstört. Die hilflose Reaktion eines Kindes, meine ich. Und genau aus dem Grund und auch, um endlich ein gesundes Verhältnis aufzubauen, würde ich einige Wochenenden allein mit dem Jungen verbringen. Männerwochenenden sozusagen mit Schwimmen, Spielplatz, gemeinsamen Spielstunden zu Hause etc. Der Junge braucht keine „feste Hand“ und keinen „Klaps“ und ebenso wenig Medikamente, sondern Aufmerksamkeit und aufrichtige Zuneigung. Dann erledigen sich seine „Unarten“ von allein. Und wenn er dann irgendwann auch im Beisein seiner Schwestern ebenso wichtig genommen wird wie diese, verbessert sich auch da das Verhältnis/Benehmen.


:) AnnHoly



Honigbluete

  • Dino
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Antw:Grenzen setzen, Autorität bewahren
« Antwort #16 am: 17. Juli 2017, 11:07:03 »
Es gab schon viele tolle Antwoten, ich möchte dir noc eine Erziehungsberatungstelle ans Herz legen. Da bekommst du genau die Hilfe, die du brauchst: Tipps, wie du mit verändertem Verhlten deinerseits positiv auf das Verhaten deines Kindes einwirken kannst und die Beziehung zu ihm verbesserst!




 

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