Autor Thema: Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten  (Gelesen 1084 mal)

Puffel

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Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« am: 07. September 2017, 10:17:50 »
Hallo,

unser Sohn (10) hat eine "leichte" geistige Behinderung. Er ist vom IQ leicht unter dem Normalwert, hat eine exzessive Sprachstörung (seit Geburt) und neuerdings auch eine Angststörung.

Das äußerst sich in erster Linie darin, dass er nicht ohne uns bzw. anderen Familienmitgliedern kann. Schon wenn er nur den Mülleimer runterbringen muss, bricht Panik aus. Er hat aufgrund mangelnder Bewegung und sicherlich auch falscher Ernährung unsererseits zugenommen. Unser Hausärztin sieht das noch nicht als großes Problem, sie sagt er ist für sein Alter auch überdurchschnittlich groß und verwächst sich spätestens mit der Puppertät wieder. Trotzdessen wäre es schön wenn er sich sportlich etwas engagiert, auch mit dem Hintergrund soziale Kontake mit anderen zu knüpfen. Nun das Problem: Unser Sohn geht auf eine sogenannte Ganztagsschule mit Schwerpunkt geistige Entwicklung. Das heißt, bis 15 Uhr ist regulär Unterricht und bis 16 Uhr Hort. Danach kommt er mit dem Fahrdienst nach Hause, dass ist meist zwischen 16.30 - 17.00 Uhr. Jetzt stehen auch bald wieder Therapien an (Musiktherapie) die auch nach der Schule stattfinden werden. Er ist also ausgelastet meiner Meinung.

Meine Frau vertritt nun die Meinung der Junge muss sportlich etwas "mehr" machen als nur Schulsport um auch sozial eingebunden zu werden (ich vertrete das auch) der Unterschied liegt nur im "Wie".

Sie hat jetzt bei einem Rugby Verein angefragt und er dürfte und darf zum Probetraining kommen, Preis stimmt, zeitlich passt es, und ist faktisch gleich um die Ecke. Nun ist es aber so, dass unser Sohn darauf natürlich keine große Lust hat. Hinzu kommt das er den Sport nicht kennt und keinerlei Interesse zeigt ihn kennen zu lernen. Das wusste ich schon vorher das das passieren wird. Er selber will lieber Badminton oder Tennis spielen, wenn überhaupt. Ich vertrete die Meinung, das der Sport natürlich Spaß machen sollte, weil es ansonsten nichts bringt. Gerade Kinder müssen erst viel ausprobieren um zu wissen was das richtige ist. Meine Frau sieht das etwas anders. Sie meinte, wenn man nicht etwas nachhilft und ihn etwas anschubst, war es das. heisst also sie wirft mir vor eine "lasche" Erziehung an den tag zu legen. Andere Eltern vor Ort sagten genau das gleiche. Ihre Kinder hatten auch keine Lust und wurden "gezwungen" und nun habe sie den größten Spaß.

Ich kann das natürlich auf eine Art nachvollziehen aber ich will mein Kind keinen Sport zumuten worauf er keinerlei Lust hat. Zu dem bin ich auch der Meinung, dass er mit dem Alltag schon genug zu tun hat. Er ist den ganzen Tag in der Schule und will danach nur noch seine Ruhe haben und entspannen. Hinzu kommen denn noch noch Termine außerhalb der Schule wo er gefordert ist.

Wie seht ihr das?
« Letzte Änderung: 07. September 2017, 10:25:39 von Puffel »

sunny

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Antw:Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« Antwort #1 am: 07. September 2017, 10:40:12 »
Lasst ihn doch mal das Probetraining machen, das ist doch noch nix Verbindiches. Wenn er dann wirklich gar keine Lust dazu hat, würde ich ihn auch nicht zwingen - aber probieren kann man doch einfach mal - und vielleicht macht es ihm ja auch wirklich Spaß...!? 


jewa

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Antw:Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« Antwort #2 am: 07. September 2017, 10:41:21 »
Hallo und herzlich willkommen hier!

Als Mutter eines Autisten in Ganztagsschule gibt es bei uns gewisse Parallelen, so dass ich eure Gedankengänge nachvollziehen kann. Wir haben damals aufgrund der (unfreiwilligen) Umstellung auf Ganztagsschule einiges an Therapien streichen müssen, einfach weil keine Zeit mehr war und die Schulen zwar die Auflagen haben, hier "aufzufangen", es aber nicht unbedingt tun...  :-X Ergo und Krankengymnastik haben wir daher über den Fußballverein "aufgefangen". Er mag aber auch Fußball und kickt dort leidenschaftlich gerne mit seinem 4 Jahre jüngeren Bruder zusammen. Auch in seiner Freizeit tut er das gerne, alleine, mit Bruder oder (seltener) auch mit den Kindern aus der Nachbarschaft (das eher, wenn ihn sein Bruder mitnimmt).
Einen Sport finde ich auch sinnvoll aber nicht auf biegen und brechen. Letztendlich mögt ihr ihn zum Sport (seinem Glück!?) "zwingen" können, aber halt nicht zum mitmachen.  :-\ Wegen des engen Zeitplans würde ich wirklich mit der Schule sprechen, wie es da mit Aktivitäten aussieht (Nachmittags AG im sportlichen Bereich) bzw. zu Hause etwas was in der Nähe ist (meist ja Fußball, Tischtennis, etc.) oder eben mit euch/Geschwistern in Form von Radfahren, Schwimmen, Inliner, Skaten, etc..
Sollte sich doch irgendeine Trendsportart finden lassen.

Alles Gute wünsche ich euch!



Das Leben wäre viel einfacher, wenn ich dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben.

Meph

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Antw:Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« Antwort #3 am: 07. September 2017, 10:47:39 »
ich fall jetzt mit der tür ins haus... man möge  mir verzeihen

wie kommt man auf die idee ein kind mit sozialen und emotionalen problemen gepaart mit angststörung einen vollkörperkontaktsport mit einer hohen grundagressivität machen zu lassen?
Ich bin da gerade sehr perplex!
Tischtennis, tennis etc sehe ich da schon sinnvoller- oder durchaus auch judo o.ä.- mit einem guten trainer lernen sie da nämlich viel über sich selbst und der kampf steht erstmal nicht im vordergrund


Für Dezentralität und Eigenverantwortung! https://www.youtube.com/watch?v=8zeg_R-PMAw
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Puffel

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Antw:Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« Antwort #4 am: 07. September 2017, 10:58:01 »
Hallo ihr beiden,

Danke erstmal für schnelle Antwort. Also zuerst muss ich sagen das er natürlich das erste Probetraining mit gemacht hat. Danach hat er mir gesagt, dass er gerne bereit ist noch ein, zwei mal hin zugehen aber denn nicht mehr :-)

Ich habe ihm gesagt, dass es nicht darum geht irgendetwas "abzuleisten" sondern er soll daran Spaß finden. Er weiß also jetzt schon, dass er da keine Lust drauf haben wird. Mama sagt natürlich, dass sie da weiter hin gehen werden ob er das nun will oder nicht, sonst wird er das immer so machen!

Ich habe auch heute morgen schon mit ihm geredet, dass er es wenigstens noch 1-2 mal sich anschauen soll bevor er eine Entscheidung trifft. Antwort: Es soll heute regnen da wird er heute eh nicht hin gehen. :-(

Meine Frau sagte mit daraufhin von der Arbeit aus, dass es egal ist ob es regnet oder nicht, heute ist Training und Feierabend.

@jewa: Genau wie bei euch, hatte unser Kind auch Therapien in den Schulalltag verlegt. Er bekommt ja nun seit der Geburt Logopädie. In der Schule haben sie eine eigene Logopädin so dass das integriert wurde. Das ist für uns eine sehr gute Hilfe weil wir uns die Termine für eine externe Einrichtung sparen. Leider wurde uns jetzt ans Herz gelegt wieder eine externe Logopädie aufzusuchen, da einfach zu viele Termine in Schule ausfallen. Aus welchen Gründen auch immer.

Ein Verein egal in welcher Form zu finden, wo die Zeiten und der Weg passen ist eine echte Herausforderung. Wo andere Kinder schon ab 13 Uhr zuhause sind, hat Lucas noch gute 3 Stunden vor sich. Hinzu kommt der Heimweg, der Tag ist gelaufen wenn er kommt. Viele Sportvereine fangen gegen 15/16 Uhr an. Das schaffen wir nicht mal wenn es direkt um die Ecke wäre. Er hat 6 Monate lang Streetdancing gemacht jeden Freitag. Die haben auch um 16 Uhr begonnen da hatte er gerade mal Schluss. Wir mussten einen extra Antrag stellen bei der Schulbehörde und der Direktorin das er ne Stunde eher gehen kann. Und das alles mit Begründung und ärztlichen Attest das es Notwendig ist. Also so einfach wie man sich das vorstellt ist das alles gar nicht.

Danke und liebe Grüße
Daniel

Pedi

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Antw:Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« Antwort #5 am: 07. September 2017, 13:27:30 »
ich fall jetzt mit der tür ins haus... man möge  mir verzeihen

wie kommt man auf die idee ein kind mit sozialen und emotionalen problemen gepaart mit angststörung einen vollkörperkontaktsport mit einer hohen grundagressivität machen zu lassen?
Ich bin da gerade sehr perplex!
Tischtennis, tennis etc sehe ich da schon sinnvoller- oder durchaus auch judo o.ä.- mit einem guten trainer lernen sie da nämlich viel über sich selbst und der kampf steht erstmal nicht im vordergrund

Das ist ein sehr guter Punkt!

Dem möchte ich noch etwas anfügen: Gerade Kinder die Probleme haben wissen oft am ehesten welcher Sport für sie geeignet (und gut) ist. Und wenn er gerne Badminton machen möchte, warum nicht? Soll er es probieren :)
 




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lotte81

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Antw:Uneinigkeit der Eltern über Aktivitäten
« Antwort #6 am: 07. September 2017, 13:53:26 »
Rugby als Idee für ein Kind mit sozialen Schwierigkeiten und Ängsten fand auch auch eher ungewöhnlich, um es mal vorsichtig auszudrücken.
Ich glaube , dass euer Sohn, da ganz gut auf sich selber hören kann. ...Ohne ihn zu kennen, aber rein vom Gefühl her, erscheint mir Tennis , Tischtennis oder Badminton durchaus logischer. Es ist ruhiger, man sieht sein GEgenüber, aber es rückt einem nicht so auf die Pelle und man kann langsam starten, weil es kein Gruppensport ist. Der "Nachteil" beim Gruppensport ist ja, dass man einfach Leistung für die Gruppe bringen muss.
Was die Intention zum Sport generell betrifft (also Gewicht und soziale Kontakte): Ich finde es toll, wenn Kinder Spaß an Bewegung haben oder sich Hobbys auswählen ... Noch toller, wenn diese zu sozialen Kontakten führen, die dem Kind Spaß machen. Nicht so günstig finde ich es als Zwang. Da gibt es dann sicher viel schönere und sinnvollere Alternativen. Also statt Sporthobby unter "Zwang" lieber abends noch Mal mit Papa Radfahren oder Inliner oder einen Spaziergang durch den Wald.... Bewegung hat er da acuh. Was das Gewicht betrifft würde ich eher an der Ernährung ansetzen und eben auf ganz normale Bewegung im Alltag setzen.
und soziale Kontakte: Er ist den ganzen Tag in der Schule und unterwegs.... Da wäre ja selbst ich als ERwachsene froh , wenn ich abends mal keine sozialen Kontakte hätte....die hat man in der Schule ja doch reichlich. Gibt es nicht vielleicht Ideen, wie er in seiner schon bestehenden Gruppe (Schule/ Nachbarschaft) besser sozial eingebunden werden kann? (Insofern das überhaupt Wunsch des Kindes ist. Vielleicht reicht ihm ja sein soziales Umfeld)...oder irgendwas ganz anderes....dafür braucht es ja keinen Sport... ein Chor, ein Kunstkurs, ein Instrument, Spielen mit den Nachbarskindern oder am Wochenende Schulfreunde treffen.

Was generell den Zwang zu Hobbys betrifft bzw. den Vorwurf deiner Frau, deine Erziehung sei zu lasch: Würden meine Kinder nun nur daheim rumgammeln und am Handy daddeln, würde ich durchaus auch versuchen mit ihnen gemeinsam sinnvollere Beschäftigungen zu finden. Sicher könnte das dann auch mal die Idee zu einem Hobby sein, was das Kind erst Mal nicht so auf dem Plan hat. Nun ist euer Sohn in der Woche doch eh bis 16.30 Uhr/17.00 unterwegs und hat noch Therapien. Das wäre in meinen Augen genug Beschäftigung und ich würde die Abende eher zum Erholen lassen und für echte Freizeit. Also Dinge, die ER machen will..... Wenn das Tennis ist, ist das super...wenn das Lego bauen, malen oder CD hören ist, fände ICH das genauso gut.

ein wenig lese ich auch, dass ihr beide gerne mehr soziale Einbindung für ihn hättet. Rugby ist aber nun nicht grad ein kommunikativer Sport, würde ich vermuten. Vielleicht könnt ihr da ja auch woanders ansetzen? Hat er denn Freunde?



 

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