Autor Thema: Sensibeles Kind - Schulwechsel  (Gelesen 764 mal)

Jupiter

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Sensibeles Kind - Schulwechsel
« am: 24. August 2019, 11:37:17 »
Hallo.

Ich war schon lange nicht mehr da, brauche aber jetzt Tipps und Ratschläge.
Mein Sohn (10) wechselte vor 2 Wochen von der Grundschule auf's Gymnasium. Kognitiv war die Schulwahl keine Frage, er ist ein sehr guter Schüler und sehr strebsam. Lernen musste er bisher kaum und ihm fällt neuer Lernstoff sehr leicht. Dank unserem bescheuerten Schulsystem im Saarland gab es nur G8 Gymnasium oder Gemeinschaftsschule. Die hiesige hat einen sehr schlechten Ruf.

Er hat sich die Schule selbst ausgesucht, muss nun mit dem Bus fahren und wechselte alleine auf diese Schule. Probleme Kontakte zu knüpfen, hat er nicht. Er fand bisher immer recht schnell Anschluss und wurde von Erziehern und Lehrern aufgrund seiner ruhigen und hilfsbereiten Art als beliebt bezeichnet. Der Wechsel auf eine neue Schule ohne bekannte Gesichter machte uns somit keine Gedanken.

Probleme macht (oder könnte machen) sein allgemeines Wesen. Er ist:
- Sehr ruhig
- oft verschlossen
- Ängstlich bei allem Neuen
- Setzt sich selbst einem unwahrscheinlichen Leistungsdruck aus. D.h. in der Grundschule war schon eine 2 ein Grund für schlechte Laune. Schlechtere Noten gab es nicht. Er hat immer Angst, etwas nicht direkt zu verstehen, zu vergessen, falsch zu machen, ... er will immer perfekt sein und bricht sehr schnell in Tränen aus,  sobald er glaubt, an etwas zu scheitern.
Das war schon immer so. Er ist einfach so und bisher zeigte keine Strategie unsererseits Erfolg,  ihn selbstsicherer zu machen. Von uns kommt kein Druck! Im Gegenteil: wir beschwören ihn regelrecht,  dass jeder mal was vergessen kann, dass schlechtere Noten kein Weltuntergang wären (auch wir haben die ein oder andere 5 in unserer Schulkarriere einkassiert und trotzdem wurde etwas aus uns), dass nachfragen keine Schande ist und dass jeder mal etwas nicht auf Anhieb versteht.

Trotzdem wurde all das seit dem Schulwechsel noch viel schlimmer. Beispiele:
Dienstag Abend,  er war schon lange im Bett: kommt weinend runter, er habe eine Mathehausaufgabe vergessen.
1. Die vermeintliche Aufgabe war gar nicht auf.
2. Er hatte am nächsten Tag gar kein Mathe und hätte somit noch genügend Zeit gehabt, die vermeintlich vergessene Aufgabe noch nachzuarbeiten.
Trotzdem ließ er sich nur sehr schwer wieder beruhigen.

Oder: sie sollten in Deutsch etwas mit Füller schreiben, er hat das nicht gehört und erledigte die Hausaufgabe mit so einem radierbaren Kuli. Die Lehrerin teilte ihm nur mit, dass er das nächste Mal bitte den Füller verwenden soll. Das reichte aus, um vor der Klasse in Tränen auszubrechen.

Oder:
Er will plötzlich mit seinem geliebten Fußball aufhören. Er sagt selbst,  es sei ihm gerade alles zu viel und er sei überfordert (vor dieser Selbstreflexion ziehe ich schon mal den Hut). Von mir aus muss er nicht Fusball spielen. Aber ich weiß,  dass er das liebt, er den Ausgleich braucht und die 100%ige Konzentration auf Schule ihm im Moment erst recht nicht gut tun würde. Das zeigt aber wieder, wie sehr er sich in seinem selbst auferlegten Leistungsdruck verrennt.

Ich könnte jetzt noch 20 Beispiele nennen, aber ich denke, unser Problem ist klar geworden: mein Kind macht sich selbst fertig und ich habe Angst, er zerbricht daran.

Hinzu kommen private Sorgen. Vor 8 Monaten wurde bei meinem Mann eine schwere Krankheit festgestellt, nicht heilbar, vieles steht seither Kopf. Natürlich kriegen die Kinder das auch mit. Man versucht, es fern zu halten, aber das geht nicht immer. T. fand den Papa z.B. bewusstlos in einem Krampfanfall und musste handeln. Er rief den Rettungsdienst, beruhigte den kleinen Bruder und rief mich aus dem Büro (im gleichen Haus). Er handelte extrem besonnen, brach danach aber regelrecht zusammen und hat seitdem ständig Angst um seinen Papa. T. war schon immer wie oben beschrieben. Aber seitdem wirkt er noch verunsicherter und ängstlicher im ganzen Alltag. Nun kam der Schulwechsel und alles scheint noch komplizierter zu werden.

Wie kann ich ihm helfen?
Wie war der Schulwechsel bei euch?
Wie lange brauchten die Kids, bis sie sich eingewöhnt hatten?

Ich zweifele im Moment, ob die Schulwahl die richtige war. Ich hab keinerlei Zweifel, dass er den Schulstoff schafft. Aber emotional erscheint mir mein Kind völlig überfordert und jegliche Bestärkung, dass er mal an sich glauben soll, kommen bei ihm nicht an.

Habt ihr Ratschläge für uns? Oder könnt ihr uns einfach beruhigen, dass es anderen Neulingen auch so geht?

Ich hab auch schon an professionelle Hilfe gedacht. Wüsste aber im Moment nicht, an wen ich mich wenden könnte. Oder ob das nicht völlig übertrieben wäre und das alles vielleicht völlig normal bei einem Schulwechsel ist.

Schon mal Danke wer es bis hierher geschafft hat.

Lg
Jupiter
« Letzte Änderung: 24. August 2019, 11:55:09 von Jupiter »

Honigbluete

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Antw:Sensibeles Kind - Schulwechsel
« Antwort #1 am: 24. August 2019, 12:36:45 »
Gibt es an der neuen Schule einen Schulsozialarbeiter oder Schulpsychologen? Das wäre mein erster Ansprechpartner. Ansonsten Kinderarzt, Erziehungsberatungsstelle (da arbeiten Psychologen und ihr könnt euch beraten lassen, wie ihr euren Sohn bestärken könnt)...


peter

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Antw:Sensibeles Kind - Schulwechsel
« Antwort #2 am: 24. August 2019, 13:42:50 »
1. schon alleine wegen der krankheit vom papa würde ich mich um psychologische hilfe bemühen
2. den druck würde er sich auf jeder schulform machen- was vergessen, das mit dem falschen stift etc hat ja nichts mit dem gymnasium zu tun.
3. meine tochter ( sie hat keine der genannten probleme, dafür andere baustellen) brauchte locker 6 monate wenn nicht mehr um „ anzukommen“
4. hol die lehrer ins boot, enge zusammenarbeit finde ich da immer wichtig
5. spiel seine ängste zu versagen nicht runter, nimm ihn ernst ,für ihn IST eine 2 halt schlimm...

Emma2006

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Antw:Sensibeles Kind - Schulwechsel
« Antwort #3 am: 24. August 2019, 18:36:25 »
Also erstmal so wie Du das ganze beschreibst, denke ich nicht, dass es an der Schulform liegt. Sondern Er hat einfach versagens Ängste gepaart mit den Ängsten um seinen Vater.
Ich würde mir an Deiner Stelle für Ihn Hilfe suchen, nimm die Lehrer mit ins Boot, such Psychologische Hilfe.





rosefusion

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Antw:Sensibeles Kind - Schulwechsel
« Antwort #4 am: 29. August 2019, 11:38:36 »
hallo,
Zu erst mal gute Besserung an den Papa.
Der @peter hat tolle Tipps und dem kann ich mich nur anschließen.
Die Lehrer würde ich auch mit ins Boot holen und den Sport darf er nicht vernachlässigen.
Ist es möglich, dass er im Fußball nicht mehr so gut ist und er deshalb Ausreden sucht? Vielleicht hat er da auch Angst zu versagen?
Für mich klingt das ja so, als hätte dein Kleiner ganz ganz viel Last auf den Schultern mit denen er einfach nicht zurecht kommt. Zum Arzt würde ich schon mal mit ihm, aber nicht weil er verrückt ist! Es ist völlig normal, dass er sich so fühlt, aber er braucht nun Mal jemand profes., der ihm zeigt, wie man das Alles von einem anderen Blickwinkel betrachtet.  :)
Lg

 

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