Autor Thema: Kein Vertrauen mehr (Mein Sohn beklaute seinen Freund)  (Gelesen 948 mal)

Sursumcordia

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Kein Vertrauen mehr (Mein Sohn beklaute seinen Freund)
« am: 21. Februar 2019, 12:12:41 »
Hallo zusammen,

ich bin irgendwie völlig fertig und brauche mal Rate von neutralen Personen, die vielleicht auch schon ähnliches erlebt haben.

Mein Sohn ist seit knapp einem Monat 10 Jahre alt und kam vorgestern mit einer grauen FC-Köln-Jacke nach Hause. Freudestrahlend erzählte er mir, dass sein Freund R. seine Jacke in der Fundgrube der Schule gesucht hätte und dabei hat er seine eigene Jacke wieder gefunden. Ich kannte die Jacke nicht, die er mir stolz präsentierte, und habe ihm das entsprechend mitgeteilt. Er bestand jedoch darauf, dass es seine Jacke sei, denn schließlich steht auch sein Name auf dem Nackenschild. Wir schreiben nie seinen Namen in die Kleidungsstücke und das ganze kam mir ziemlich spanisch vor. Allerdings muss man dazu sagen, dass der Vater und ich seit etwa 5 - 6 Jahren getrennt sind und die Jacke grundsätzlich auch von seinem Vater gekauft sein könnte oder gar von den Großeltern väterlicherseits. Daher kamen leichte Zweifel auf und ich beließ es zunächst dabei.

Die Eltern aus der Klasse sind in einer WhatsApp-Gruppe und hier fragte plötzlich die Mutter seines Freundes, ob zufällig jemand eine graue FC-Jacke gefunden hätte. Ihr Sohn würde seine vermissen. Am Ärmel sei die Naht kaputt. Natürlich war mein erster Weg, mir die Jacke am Ärmel mal genauer anzuschauen und tadaaaa ... es war die Jacke seine Freundes R.. Ich konfrontierte meinen Sohn, der sofort fragte, warum denn dann sein Name auf dem Schild stehen würde. Ein Anruf bei der Mutter klärte, dass ihr Sohn bereits von Anfang an meinen Sohn im Verdacht hatte, da dieser die Jacke auf dem Schulhof bewundert hat und im Anschluss war die Jacke verschwunden. Sie hatte jedoch die ganze Zeit gehofft, dass mein Sohn nicht dahinter steckt. Am Abend hätte mein Sohn seinem Freund sogar per WhatsApp geschrieben, dass er nun auch so eine Jacke besitzen würde, aber trotzdem noch mit R. spielen würde.

Natürlich stellte ich meinen Sohn sofort zur Rede. Er versuchte sich dann damit herauszureden, dass er die Jacke unbedingt haben wollte und außerdem wollte er nur einen Spaß machen (ja, der Widerspruch war mir auch aufgefallen...). Ich schickte ihn auf sein Zimmer, da ich furchtbar wütend war und auch für nichts hätte garantieren können. Als ich ihm schließlich Stubenarrest mit allen Konsequenzen aufgebrummt habe (kein Judo, kein Basketball, keine Karnevalsfeier, ...) hat er seine arrogante Fassade fallen lassen und geweint. Dennoch habe ich das Gefühl, dass er die Tragweite überhaupt nicht rafft und glaubt, dass bald alles wieder gut ist...

Ich bin wahnsinnig enttäuscht und wütend. Zudem frage ich mich die ganze Zeit, was ich falsch gemacht habe, dass mein Sohn zu einem AK (Arschlochkind) mutiert ist. Dieser Diebstahl war nämlich nicht das einzige Vergehen. Er hat überhaupt keinen Grund, irgendwen zu beklauen. Ich verstehe einfach nicht, warum er das gemacht hat. Mit einer Erziehungsberatungsstelle habe ich nun auch Kontakt aufgenommen, weil ich so verzweifelt bin.

Hattet ihr auch mal so etwas? Was sind eure Erfahrungen diesbezüglich?

Sorry für den langen Text
« Letzte Änderung: 21. Februar 2019, 12:27:24 von Sursumcordia »

jewa

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Antw:Kein Vertrauen mehr (Mein Sohn beklaute seinen Freund)
« Antwort #1 am: 22. Februar 2019, 08:07:46 »
Hallo

und herzlich willkommen bei uns im Forum!

Wow, da habt ihr ja eine heftige Begegnung gehabt ich kann gut verstehen, dass du ratlos, enttäuscht und "durch den Wind" bist.  s-druecken

Ich denke allerdings, dass das mehr oder weniger zur normalen Entwicklung eines Kindes gehört. Nur aus Fehlern lernt man, eben auch was richtig und falsch ist und welche Konsequenzen dies oder jenes (Fehl-)Verhalten hat. Und wir haben wohl alle in unserer Kindheit etwas angestellt, was wir heute nicht mehr verstehen und sicherlich ähnlich schrecklich für unsere Eltern war und haben wir nicht auch letztendlich daraus gelernt?

Als neutrale Außenperson finde ich es gut, dass du dir Hilfe/Rat bei der Erziehungsberatung und bei uns suchst. Zuerst würde ich dir empfehlen "tief durchatmen" und zur "alten Ruhe" zurückzukommen. Du reagierst gerade emotional und das ist einfach kein guter Berater. Was dein Kind getan hat war nicht gut, letzendlich aber auch kein Beinbruch. Schließlich kam "es" heraus und er muss nun mit den Folgen (Freund und du sauer, etc.) leben.
Ich würde in einer ruhigen Minute mit ihm reden. In etwa wie er sich fühlen würde, wenn ihm jemand etwas einfach so wegnimmt woran sein Herz so richtig hängt. Dass das nicht richtig ist, eh rauskommt und er jetzt die Folgen (Vertrauensbruch, misstrauen) "ertragen" muss, dass es dauert und ein Heilungsprozess ist, bis das wieder "gut" wird.
Kindlich entsprechend verpackt, dass er es versteht. Und wie er sich vorstellt, das eben wieder "gut" zu machen (z.B. Entschuldigung bei seinem Freund). Üblicherweise kommen da doch gute Ideen von dem Kind selbst. Da hilf und unterstütze ihn (vielleicht gibt es ja auch eine ähnliche Geschichte von dir oder dem Vater, damit er merkt, dass er nicht alleine mit dem Problem ist).

Und eine große Bitte an dich. Nicht mal an so Sachen wie AK denken oder gar aussprechenen. Vergiss nicht den Spruch:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten. Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

Eurer Problem ist aktuell sicherlich heftig, aber es ist nicht ungewöhnlich und es ist lösbar.  :)

LG und alles Gute für euch,
Jewa



Das Leben wäre viel einfacher, wenn ich dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben.


 

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