Autor Thema: "Leicht überfordert"  (Gelesen 4406 mal)

Mela

  • Gast
"Leicht überfordert"
« am: 04. August 2012, 20:07:40 »
Hallo Liebe Community,
ich habe mich hier gerade neu registriert und hoffe auf Rat :(
Es geht um meinen 14 Jährigen Neffen, der seit 2 Jahren bei mir lebt.                                                 
Seine Eltern haben keine Zeit, sind den ganzen Tag am Arbeiten und leider auch vom Alter her nicht die jüngsten sodass sie "keine Geduld haben". Naja ... finde ich auch nicht in Ordnung von ihnen.
Irgendwann haben wir entschieden dass er zu mir ziehen könne.                                                               

Ich habe viel getan um es ihm möglichst schön zu machen.
Endlich richtiges Essen (Mama hat immer nur Essen aus der Dose gemacht :-( ), Aktivitäten die ihm Spaß machten, Kuscheleinheiten die er sehr genoss und so weiter.
Sechs Monate haben wir uns prima verstanden, er fühlte sich sehr wohl bei mir.                               

Dann fingen die Probleme an:
Offenbar ist so manches in seiner Erziehung schief gelaufen.
Er lügt nämlich krankhaft! Es vergeht kein Tag, an dem er mal nicht lügen tut.                                                   
Es sind wirklich banale Dinge. Er hat glaube ich, Angst vor Konsequenzen.
Ich habe ihm sehr oft liebevoll gesagt, dass nicht die Taten an sich mich verletzen, sondern die Lügen hinterher. Es wäre mir lieber, wenn er mir die Wahrheit sagen würde, und wir darüber reden könnten. Aber das reden bezweckt nur eins: Ablehnung!!! Er ignoriert mich und das kann er sehr gut. Er wechselt das Thema, fängt an sich hier und da zu kratzen, die Augen zu verdrehen, Dinge "ausversehen" fallen zu lassen oder sagt beleidigt mich. Sagt ich sei eine schlechte Tante :-(
Irgendwann sind wir soweit, dass er alles so super gut verdreht dass wir am Ende gar nicht mehr wissen worum es überhaupt ging (ich zumindest).
Auf alle Fälle bringt mich dies dann erst recht zum Implodieren. Weil das Problem damit nicht gelöst ist und sich das beim nächsten Mal einfach wiederholt.
Er grinst dann zufrieden, während ich innerlich koche.                                                                                 

Was heißt dass er bekommen hat was er wollte.
Ich bin auch schon Explodiert wenn er Dinge absichtlich kaputt gemacht hat oder sich absichtlich an vereinbarten Zeiten nicht gehalten hat obwohl wir abgemacht haben dass da ein wichtiger Termin sei. Da habe ihn auch (leider) schon angeschrien, aber das hat natürlich auch nichts bezweckt. Er beginnt dann seinerseits mit Ignoranz, was mir wiederrum weh tut, weil ich wirklich alles für diesen Jungen mache. Es ist auch gar nicht meine Art zu schreien und fühle mich mies in dieser Rolle.
Außerdem vergleicht er mich mit der und der anderen Mutter. Wie toll die sind und wie schrecklich ich bin. Ja und so schaukelt sich das immer hoch.
Ich habe es auch mal versucht mit Ignoranz. Er suchte dann plötzlich Aufmerksamkeit.
Gab ich ihm diese, trickset er mich aus und stichelte, versuchte mich wieder auf die Palme zu bringen, mich zu ärgern und solche Spielchen. Also es scheint mir, als ob er es einfach nicht haben kann dass man ihn liebt.
Ja und dann wären wir beim Thema sticheln.
IMMER wenn wir mal ein paar Wochen eine tolle Zeit hatten und ich denke dass wir über den Berg sind und ab jetzt alles besser wird, fängt er an alles zu zerstören.
Er wird bockig, kindisch (spricht wie ein Baby!!!), macht ständig Witze wie du bist fett, hält sich nicht an Abmachungen, lügt noch viel stärker, macht Dinge kaputt oder beleidigt einen.
Und dann beginnt der eben beschriebene Kreislauf von vorne :-(
Ach ja und noch etwas: Er MUSS immer gewinnen!!!
Die anderen Kuder schubst er, damit er den besseren Platzt bekommt, er gibt immer alles wie in einem Wettspiel um IMMER der Gewinner sein zu müssen. Er muss auch alles perfekt machen. In der Schule ist er Klassenbester. Wenn er mal nicht gewinnt oder ähnliches, ist er aggressiv.
Er braucht das und macht sich damit auch keine Freunde. Er hat nur wenige Freunde, die ebenfalls so Leistungsstark sind wie er, die anderen sind alle unter seiner Gürtellinie.
Was soll ich denn nur machen? Die Fehler seiner Eltern möchte ich gerade biegen, weil er mir sehr am Herzen liegt. Nur habe ich einfach keine Kraft mehr, ständig gegen dieses Verhalten ankämpfen zu müssen. Auch wenn ich nichts mache, hört er nicht auf zu provozieren.
Habt ihr mir vielleicht Rat?

P.s: ich bin 26 und habe selbst noch keine Kinder, nur Erafhrungen als Kindersitterin.


« Letzte Änderung: 04. August 2012, 20:25:10 von Mela »

jewa

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Antw:"Leicht überfordert"
« Antwort #1 am: 06. August 2012, 11:45:06 »
Schwierige Situation, aber da schon so viele Klicks ohne Antwort sind, will ich dich nicht einfach wegklicken, auch wenn ich vermutlich nicht helfen kann.
Erstmal drück ich dich virtuell.

Klingt arg nach normaler Pubertät und "Abnabeln" von den Erwachsenen/Infragestellen, wobei es bei euch ja "erschwerend" noch die besondere Familiensituation dazukommt...
Was sagen denn die Eltern zu der Situation?

Ich denke schon, dass eine 26 jährige Person (im "Normalfall" wird man ja in dem Alter etwa erst Elternteil eines Babys und hat nicht gleich einen pubertierenden Teenager  ;)) da ganz verständlich an Grenzen stößt (ich hätte in dem Alter im Übrigen auch die "Kompetenz" meiner 10 Jahre älteren Schwester in Frage gestellt  :-[). Gilts ja selbst noch als "junge Erwachsene".

Wer hat euch denn vor zwei Jahren, als ihr euch für diese Lösung entschieden habt, beraten und betreut? Kannst du da nochmal vorsprechen bzw. ich würde mich an deiner Stelle an eine der sogenannten "Erziehungsberatungsstellen" in deiner Nähe wenden (http://www.bke.de/) und mich dort mal informieren, Rat und Tipps holen (auch, welche Hilfe und Unterstützung dir zustehen, wenn du "AnElternStatt" agierst).

Alles Gute für euch!  :-*




Das Leben wäre viel einfacher, wenn ich dich nicht getroffen hätte.
Es wäre nur nicht mein Leben.


zuz

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Antw:"Leicht überfordert"
« Antwort #2 am: 06. August 2012, 20:59:10 »
Hm, also ich würde Dir auch auf jeden Fall eine Beratung empfehlen! Du kannst nicht alles wieder gutmachen, was schief gelaufen ist, Du kannst ihn nicht retten!

Dennoch ein paar Tipps. Zunächst mal solltest Du ganz klar eigene Grenzen ziehen. Wenn er Dich beleidigt, sag ihm, dass Du so mit ihm nicht reden willst und brich nach der Zweiten Ermahnung das Gespräch ab.
Bleib beim Thema, lass ihn nicht ablenken. Sag, ok, das gehört jetzt aber nicht hierher, das besprechen wir ein andermal.
Ganz wichtig : Nichts persönlich nehmen. Zuck mit den Schultern und sag: Schade, dass Du findest, ich sei eine schlechte Tante. Das ändert aber nichts an meiner Meinung zum Thema.

Und zum Lügen: Ignorier es, bleib konstruktiv, versuche, eine Lösung für das eigentliche Problem zu finden und geh gar nicht erst auf seine Ausflüchte ein. So merkt er, dass er so und so Verantwortung übernehmen muss und Lügen ihm nix bringt, auch keine Aufmerksamkeit.

Spät heimkommen: Macht eine Zeitnaus, zB acht Uhr. Kommt er erst um neun, darf er am nächsten Tag nur bis sieben raus usw.

 

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