Autor Thema: zu strenge Erziehung?  (Gelesen 5596 mal)

Phantagero

  • Gast
zu strenge Erziehung?
« am: 25. Januar 2012, 23:25:49 »
Hallo,
ich bin zwar nicht neu hier aber war schon eine ganze weile nicht mehr hier...
Ich lese zwar immer noch ab und zu mit bin aber schon seit 2 jahren nicht mehr aktiv gewesen.
Nun beschäftigt mich allerdings doch etwas und ich weiss nicht so recht mit wem ich drüber reden soll...

Ich versuche mich kurz zuhalten...

Mein Sohn ist mittlerweile drei und wird im April vier.
Die frage die ich mir aktuell stelle ist, ob ich meinen Sohn zu streng erziehe...
Ich selbst behaupte von mir das ich sehr streng bin. aber bin ich vielleicht wirklich zu streng?
Ich habe gerade ein Gespräch mit meiner Schwester geführt die sich Sorgen um meinen Sohn macht. (hört sich schlimmer an als es ist) das Gespräch hatte einen anderen Hintergrund aber sie sagte in einem Satz etwas was mir wirklich angst gemacht hat. sie sagte leon schaut bei allem was er macht zu mir und wartet auf meine Reaktion. angeblich in "hab acht" Stellung. Das wäre nicht nur ihr aufgefallen sondern auch meinen verwandten. alle samt Pädagogen durch und durch. Es hat mir unheimlich weh getan weil es die Beziehung zwischen mir und meiner Mutter wieder spiegelt. sowohl im beruf als auch privat warte ich nur darauf das wieder etwas von ihr kommt. es sind Kleinigkeiten aus dem Alltag, völlig belanglos wie räum den Teller in die Spülmaschine oder auf der Arbeit, wieso ist das nicht gemacht oder jenes. jedesmal wenn sie den Raum betritt warte ich darauf das ich mir was anhören darf. aber im Gesamtbild mcht es mich momentan fertig. gerade weil wir privat und in der Firma zeit miteinander verbringen. aber um mich geht es hier garnicht. es nervt einfach nur. um auf meine frage zurück zukommen. meine Schwester sagte wörtlich: mein Sohn verhalte sich wie ich mich meiner Mutter gegenüber. eben in hab acht Stellung. weh getan hat es mir weil ich meinem Sohn nicht das Gefühl vermitteln will das er aufpassen muss was er sagt oder wie er sich gibt.
zu meiner Erziehung: ich sehr konsequent, was ich für unheimlich wichtig halte. wenn ich mit ihm rede oder schimpfe knie ich mich zu ihm runter und möchte das er mich anschaut. dann sage ich ihm völlig ruhig und sachlich warum ich das nicht möchte und bitte ihn es sein zu lassen. klar werde ich auch mal laut oder handele impulsiv. aber meistens wenn er es einfach nicht sein lässt oder er ganz genau das es nicht soll. das übliche eben würde ich sagen.
meine Schwester erzieht ihren Sohn völlig anders und oft dürfte ich mir früher anhören ich sei zu streng. In der Regel sage ich ihm 1-2 mal er soll es bitte lassen. beim dritten nenne ich ihm eine klare Konsequenz und hört er wieder nicht setze ich diese rigoros durch. da kann er heulen und schreien soviel er will. Mit dem Ergebnis das ich im in der Regel etwas nur 1-2 mal sagen muss und er auf mich hört. aber ich wollte damit doch nicht erreichen das er angst vor mir hat. Respekt ja, aber keine angst. Ich würde unser Verhältnis als sehr liebevoll beschreiben. ich habe oft leider sehr wenig zeit und auch nicht immer die ruhe und Geduld mich stunden lang mit ihn in sein Zimmer zu setzen. Ich weiss das ist mies, gerade weil wir so wenig zeit haben. aber das halte ich mir auch jedesmal vor Augen und versuche jeden tag etwas daran zu ändern. natürlich schaut er zu mir wenn er Mist gemacht hat um zu schauen wie ich reagiere weil er ganz genau weiss das es falsch war. aber ist das schlimm? hat er deswegen angst vor mir?

ich weiss es ist alles sehr durcheinander geschrieben. Normalerweise gebe ich auch nichts auf das Gerede anderer weil ich überzeugt von meiner Erziehung bin und mein Sohn ein völlig aufgewecktes liebes kind ist. Aber es sind Pädagogen. da denke ich immer die müssen es ja besser wissen.
Und ich weiss auch das ihr mir jetzt nicht wirklich sagen könnt ob es gut oder schlecht ist oder ob sie recht haben oder nicht. aber ich würde gerne hören wie eure Erziehung ist...

Danke erstmal fürs lesen.

zuz

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Antw:zu strenge Erziehung?
« Antwort #1 am: 26. Januar 2012, 12:14:18 »
Huhu,

ui, da kommt ja einiges zusammen. Zunächst mal: Es gibt ja viele Erziehungsstile, und keiner kann wirklich sagen, welcher denn nun "richtig" oder "falsch" ist (mal jetzt von krassen Extremen wie schlagen abgesehen). Du sagst, Du fährst gut mit Deiner Erziehung und es geht Deinem Sohn gut. Das mit dem "erst zu Dir schauen" ist ja - objektiv - jetzt erst mal nicht so schlimm, ich finde das sogar eher positiv: Er versichert sich, ob alles so ok ist, wie er es macht. (Evtl. kannst Du ihm ja öfter mal aufmunternd zunicken oder ihn auch ermutigen, einiges selbst zu entscheiden). Ich denke, Dein Problem ist eher der Hintergrund: Du findest es schlimm aus Deiner Familiengeschichte raus. Überleg mal, wie andere das sehen: Frag z.B. mal eine Freundin, die Euch kennt (und die ehrlich ist). Wie sehen es die Kindergärtnerinnen? Dein Mann? Usw. Dann wird es vielleicht etwas objektiver.

Ob Deine Erziehung gut oder schlecht ist, kann ich nicht beurteilen. ABer ein Punkt ist mri aufgefallen, wo ich definitiv anders handele: Mir ist es nicht egal, wenn meine durchgesetzte Konsequenz weinen und schreien hervorruft. Ich frage mich dann immer (na gut, nicht IMMER ;)), was ICH anders hätte machen können, um das zu verhindern. Und meist fällt mir auch wirklich was auf, was ich vielleicht auch falsch gemacht habe, wie man das Problem anders hätte lösen können oder von vornherein abmildern. Dein Sohn ist ja immerhin schon fast 5, also kein Trotzkind mehr, da sollte es eigentlich nicht mehr oft zu so Schreianfällen kommen und man kann eigentlich vieles schon direkt mit den Kindern klären, sie selbst auf Lösungen kommen lassen usw. Vor allem aber sollte man ihnen beistehen, wenn sie denn doch mal weinen, sie trösten, ihnen sagen, dass man es jetzt schade findet, dass es so gelaufen ist und dann überlegen, was man anders machen könnte. Einfach ein wenig emotionale Wärme reinbringen. Ich will Dir jetzt nicht unterstellen, dass das bei Dir nicht der Fall ist! Aber Du kannst ja mal in Dich reinhorchen, wo Du da evtl. was ändern willst.
Zu Deiner eigenen Mutter-Tochter-Beziehung: Woran genau liegt es denn, dass Du so Angst vor ihrem Urteil hast? Was tut sie genau? Und tust Du das bei Deinem Sohn auch?

LG zuz


Tigger2212

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Antw:zu strenge Erziehung?
« Antwort #2 am: 27. Januar 2012, 16:13:48 »
hi,

in einem kann ich mitreden - ich gelte im gesamten bekanntenkreis auch als extrem konsequent, das wird mir auch oft gesagt. und ja, ich bin es tatsächlich. auch ich setze angekündigte konsequenzen eisern durch (versuche allerdings, tränen zu vermeiden, lasse mich aber durch tränen zb nicht dazu bringen, einen nachschlag an süßigkeiten zu verteilen, wenn ich vorher schon angekündigt habe, dass es nichts mehr gibt). oder meine kleine geht weinend und hungrig ins bett, wenn sie zum xten mal den abendbrot-teller samt inhalt vom tisch geschmissen hat.
allerdings haben meine kinder mit sicherheit keine angst vor mir. sie lassen es auch gern drauf ankommen, dass ich etwas 5x sage..., sie nennen mich doofe mama, wenn ihnen was nicht passt, und diskutieren mit mir auch, wenn sie eine reaktion ungerecht finden. ich bin, denke ich, sehr berechenbar, ich flippe nicht einfach so aus, sondern kündige in aller regel an, dass ich jetzt sauer werde, wenn sie meine ansage weiter ignorieren, und erkläre nochmals, WARUM es wichtig ist, dass sie jetzt zb die jacke anziehen und losgehen (ok, ausnahmen bestätigen die regel, gern in verbindung mit extremem schlafentzug).
dafür bin ich mit 'neins' generell eher sparsam, meine kinder dürfen sehr viel. ich frage mich oft, bevor ich nein sagen will oder anordnungen treffe: warum denn eigentlich? zb dürfen meine kinder am tisch gern viel blödsinn machen und eine stunde fürs essen brauchen, auch auf dem teller mit dem essen spielen, wenn sie es hinterher essen - ist doch schön, wenn sie eine gute zeit haben. gematscht jenseits des tellers oder runtergeschmissen wird das essen jedoch nicht, diese regeln sind klar, und müssen beachtet werden.

ich zwinge meine kinder nur sehr selten, mich anzuschauen, da sie es erstens ohnehin meist tun, wenn ich mit ihnen rede (bzw joris natuerlich oft nicht, aber das liegt an einer entwicklungsstörung), und wenn sie es nicht tun, lasse ich ihnen ihr ausweichmanöver. cih finde es sehr hart, jemanden, der ausweicht, in den blickkontakt zu zwingen (bin aber kein psychologe und das ist reines bauchgefühl). einzige ausnahme ist joris, wenn er 'abgetaucht' ist, dann kann ich über blickkontakt generell den kontakt besser wieder herstellen.

ein rückversichern prinzipiell finde ich eigtl eher positiv. meine kleine schaut mich IMMER an, wenn sie stolz ist, etwas geschafft zu haben, oder auch, wenn sie wissentlich mist baut. sie erwartet meine reaktion (lob wie tadel), das ist doch gut, oder nicht? joris tut das je nach tagesform regelmäßig oder auch garnicht - der blick zu mir wurde beim psychiater aber explizit als sehr positiv(!) im sinne einer bemerkenswert guten beziehung vermerkt.
ich denke, man muss bei solchen dingen mass und auch alter und entwicklungsstand berücksichtigen, manche dinge sind als kind adäquat und als erwachsene unter umständen nicht mehr.

ich denke, es ist schwer, zu untescheiden, was du auf dein kind 'nur' projizierst aus deiner eigenen angst heraus und was du leider wirklcih an verhalten überträgst. wenn 'alle' deiner padagogisch vorgebildeten verwandten das bemängeln, würde mir das aber zu denken geben - und wär wohl grund, eine unabhängige instanz zur verhaltensbeobachtung aufzusuchen, dann bist du nicht unnötig verunsichert und verpasst andersrum auch nichts.

bezüglcih der strenge habe ich in deinem post das gefühl, dass du dich vor dir selbst zu rechtfertigen versuchst, also eigtl selbst das gefühl hast, u.u. etwas zu hart zu sein. nimm das doch ggf zum anlasse, dein verhalten zu überdenken und in einigen punkten evtl etwas weicher zu werden?

lg,
tigger

lisa81

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Antw:zu strenge Erziehung?
« Antwort #3 am: 28. Januar 2012, 14:22:19 »
Ich erkenne mich in einigen Aussagen wieder.

Und ich glaube, dass hier im Forum einige denken, ich sei zu streng oder würde zu viel von meinen Kindern erwarten. Allerdings sieht das in meinem realen Umfeld anders aus.
Bei dir ist es zwar umgekehrt, trotzdem würde ich sagen, dass es zeigt, dass sämtliche Eindrücke, die andere haben, nur Ausschnitte zeigen.

Verhältst du dich immer ähnlich, egal ob allein oder mit Besuch? Ich denke, jeder ändert sein Verhalten, die einen mehr, die anderen weniger.

Grundsätzlich handle ich ähnlich wie du. Wenn angekündigt wurde, dass irgendwas nicht geht, dann wird noch maximal zweimal gewarnt und dann erfolgt die Konsequenz. Und ja, dann ist es mir auch in vielen Fällen "egal", ob das Kind schreit. Natürlich ist es das nicht, aber es ändert in der Regel nichts an meinem Verhalten. Allerdings versuche ich eben auch, mir vorher zu überlegen, ob mir das ganze wirklich wichtig ist und ich es dann auch durchziehen will.

Schwierig finde ich es, wenn Konsequenz in Sturheit umschlägt. Wenn die Kinder also wirklich anfangen zu toben, wenn ich eine Konsequenz durchziehe, dann überlege ich nochmal, ob ich es jetzt durchsetze "damit sie lernen, dass ich es ernst meine" oder ob es mir wirklich ganz wichtig ist, dass sie aufhören/weitermachen.. Je nachdem wird dann nach anderen Lösungen gesucht oder eben nicht.

Meine Große sucht auch immer den Kontakt zu mir, zeitweise hat sie bei jeder Handlung gefragt, ob sie das darf. Zur ZEit ist es aber sehr angenehm, wirkt auch nicht verängstigt. Sie ist einfach in allen Dingen recht vorsichtig und ich hoffe, sie vertraut mir einfach und wenn sie unsicher ist, holt sie sich von mir die Sicherheit. Während andere einfach richtung Hauptstraße losrennen, guckt sie mich an, ich nicke, sie läuft hinterher. Ich schüttle den Kopf, sie wartet auf mich, beides ganz selbstverständlich.
Unsre Kleine behandle ich nicht anders, bei ihr würde ich mir aber wünschen, sie würde ab und zu mal nach mit Ausschau halten und prüfen, ob sie dies oder jenes wirklich tun sollte  S:D
Sie ist aber vom ganzen Wesen viel mutiger


Was macht deine Schwester denn anders?
Und von den Pädagogen würde ich mir an deiner Stelle mal genau erklären lassen, was zu streng ist, wie sie reagieren würden in bestimmten Situationen. Dann kannst du für dich entscheiden, ob das für dich in Frage kommt. Wenn nicht, bin ich der Meinung, dass du deinen Weg gehen solltest. Ich finde es wichtig Tips anzunehmen, sein Tun zu hinterfragen. Aber im Grunde kann man nur dann "echt" sein, wenn man tut, was man selbst für richtig hält.
« Letzte Änderung: 28. Januar 2012, 20:44:39 von lisa81 »

 

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