Autor Thema: Problemkind, weil die Ärzte es sagen?  (Gelesen 2995 mal)

SemantiX

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Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« am: 27. Mai 2012, 17:13:40 »
Hallo zusammen,

ich bin ziemlich am Verzweifeln und daher auf der Suche nach Rat.

Vorweg: ich bin nicht die Mutter. Es geht hier um die Halbschwester meines Lebensgefährten. Mein Lebensgefährte selbst ist ohne seinen Vater aufgewachsen und vor kurzem haben wir ihn (also, den Vater) dann kennen gelernt. Dabei hat sich herausgestellt, dass mein Lebensgefährte noch eine 4,5 Jahre alte Schwester hat. Wir kennen die drei (den Vater, seine Frau und die Schwester) jetzt seit gut 1,5Jahren und ich weis absolut nicht mehr weiter.

Die Mutter ist hochgradig cholerisch und mittlerweile drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass sie ihr Kind richtigehend hasst, weil sie es nicht unter Kontrolle hat.

Aber von Anfang an...
Zunächst ist die Kleine ein Frühchen (10 Wochen zu früh gekommen). Jetzt ist sie in einigen Bereichen noch zurück. Beispielsweise trägt sie noch immer Windeln und es ist nicht absehbar, dass sich das ändert. Die Mutter rennt reihenweise zu Ärzten, die ihr alle bestätigen, dass das Kind "zurück" ist und sie sich keine Sorgen machen soll. Das nimmt sie zum Anlass das Kind auch kein bisschen zu fördern. Sie spielt nichts mit dem Kind, liest ihr kaum was vor, dass Kind darf sich am liebsten nicht bewegen, weil es hinfallen könnte und wenn das Kind was macht, dann soll es bitte die Mutter nicht stören. Dabei wird das Kind pausenlos angeschrien (beispiel: Ich spiele mit dem Kind, wir machen zusammen ein -sehr gelungenes- Foto, ich sage zu dem Kind: "toll gemacht, zeig das schöne foto mal der Mama", das Kind läuft zur Mutter "Mama, schau mal" und die Mutter fängt an zu rumzuschnauzen "was ist denn jetzt wieder?!", noch bevor das Kind was erklären kann). Es wird auch in der Wortwahl keine Rücksicht genommen, wenn das Kind anwesend ist. Mittlerweile ahmt das Kind die Wörter der Mutter nach, wofür es noch mehr Ärger bekommt.

Sinn meiner (zugegenermaßen recht langatmigen) Erzählungen: das Kind wird zur Ergotherapie, zur Logopädie und zur Frühförderstelle geschleppt, wo alle sagen, wie wenig es doch kann. Zu Hause passiert dann aber auch nichts... das Kind ist ja zu "blöd" um was zu machen. Alles wird nur auf das Kind geschoben, niemand hinterfragt einmal die Mutter.
Ich habe das Gefühl, dass das Kind so viel mehr könnte, wenn man es mal "überfordern" würde. Beispielsweise bin ich letztens mit ihr 10km Rad gefahren, obwohl die Mutter sagte, dass sie das nicht schafft (das Kind hatte auch Spaß dran!)

Da ich selbst erst 23 bin und Kinder zwar mag, mich aber noch nicht ausreichend damit auseinander gesetzt habe.... könnt ihr mir was raten?

Schade ich dem Kind wirklich, wenn ich es wie eine ganz normale 4,5-Jährige behandle? Oder besteht wirklich noch Hoffnung, dass es nur daran liegt, dass man sie nie etwas ausprobieren lässt?

Vielen Dank schomal!

pelα ღ

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #1 am: 27. Mai 2012, 17:40:38 »
Hallo,

ich habe zwei Frühchen und melde mich jetzt mal zu Wort!  :)
Meine grosse Tochter kam 13 Wochen zu früh, also noch früher als "das Kind" - nenne es jetzt mal so.  ;)

Ich kann Dir nur von uns berichten. Meine Tochter war auch länger "zurück". Sie hatte die ersten 1.5 Jahre KG und so einen richtigen Schub inkl. trocken werden tagsüber kam dann im KiGa mit 3.5 Jahren. Seit sie 5 ist, hat sie Ergotherapie - das macht ihr viel Spaß.

Ich würde das Kind ganz normal behandeln, die Mutter hat für mich allerdings mächtig einen an der Klatsche!  :P Wie nah steht ihr euch, dass Du mal das Gespräch mit ihr suchst? Man kann sein Kind auch absichtlich klein und unfähig halten ...  :-\
Viele Grüße Pela



SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #2 am: 27. Mai 2012, 18:26:13 »
Hallo :)

"Das Kind" heißt Maria... hätte ich möglicherweise erwähnen können.

Danke für deine Antwort. Ich dachte mir schon, dass ein wenig aufholbedarf besteht bei Frühchen...  Was wird denn bei der Ergotherapie so gemacht? Ich kenne mich nicht wirklich aus und bei der Mutter konnte ich keine sinnvollen Antworten kriegen.

Hast du denn vor, deine Tochter regulär einzuschulen? Das ist nämlich auch so ein Punkt bei uns. Ich "bestehe" bei Maria drauf, dass sie in die Schule kommt (wäre nächstes Jahr möglich), denn im Kindergarten passiert mit lernen bei ihr auch nicht so viel  :( Ihre Mutter will lieber noch länger warten.

Ich habe schon viel versucht mit der Mutter zu reden, sie sieht auch, dass einiges schief läuft, aber argumentiert immer, dass es ja Marias Schuld ist.
Ich hasse die Mutter ehrlich gesagt, kann nicht mit ihr reden ohne wütend zu werden und finde es unerträglich, wie sie ihre Unfähigkeit auf ihr Kind schiebt. Aber ich versuche immer auf freundlicher Ebene zu diskutieren, weil ich weder unser Verhältnis zu Maria, noch zu dem Vater gefährden möchte. Mein Lebensgefährte und ich hoffen, dass wir Maria später mal (was die Schule betrifft) positiv beeinflussen können. Ich halte Maria für relativ intelligent und ich sehe nicht ein, dass sie nur weil sie Frühchen ist gleich nur Hauptschulabschluss (wie ihre Mutter...) schaffen kann. Genau das ist aber leider die Sichtweise der Mutter.

Wie aus meinen Posts wahrscheinlich erkennbar ist, bin ich wirklich verzweifelt.

Sie hört mittlerweile auch gar nicht mehr auf ihre Mutter und stumpft zusehens gegen das Anschreien, aber auch gegen jede Form von Zuneigung ab.
Ich komme noch recht gut mit ihr klar, zumindest akzeptiert sie meine Grenzen und tobt gerne mit mir. Ich fürchte, dass sie aber auch mir gegenüber bald dicht macht.

Habt ihr vielleicht eine Spielidee für Kinder mit Berührungsängsten? Irgendetwas, womit ich sie aus der Reserve locken kann?

pelα ღ

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #3 am: 27. Mai 2012, 19:02:10 »
Hallo noch mal,  :)

Ergotherapie: http://de.wikipedia.org/wiki/Ergotherapie  ;)

Besteh bloss nicht auf eine zu frühe Einschulung. Da bin ich ganz bei der Mutter und Du würdest Dich nur auf ihre Stufe stellen und Marie komplett überfordern. Du sagst ja, sie ist zurück. Mit der Schule tust Du ihr also keinen Gefallen. Sie würde nur noch mehr Frust schieben, wenn sie nicht mitkommt.

Meine Tochter wird mit knapp 7 in die Schule gehen, im nächsten Jahr. Für dieses ist sie Kann-Kind und wäre sie Muss-Kind in diesem Jahr, wäre ich wie eine Löwin gegen angegangen.  :)
Viele Grüße Pela


pelα ღ

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #4 am: 27. Mai 2012, 19:03:49 »
denn im Kindergarten passiert mit lernen bei ihr auch nicht so viel  :(

Kinder lernen durch spielen!
Viele Grüße Pela


SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #5 am: 27. Mai 2012, 19:59:24 »
Hallo noch mal,  :)


Besteh bloss nicht auf eine zu frühe Einschulung. Da bin ich ganz bei der Mutter und Du würdest Dich nur auf ihre Stufe stellen und Marie komplett überfordern. Du sagst ja, sie ist zurück. Mit der Schule tust Du ihr also keinen Gefallen. Sie würde nur noch mehr Frust schieben, wenn sie nicht mitkommt.


Ich hätte vielleicht dazu sagen sollen: Es gibt in der Schule die Möglichkeit in eine "Vorklasse" zu gehen. Das ist eine Klasse, die der 1. Klasse vorgeschaltet ist und speziell für Kinder, die noch nicht so weit sind. Dort ist alles ganz Druckfrei und sie hat es dann vielleicht mit 7 in der 1. Klasse leichter.

denn im Kindergarten passiert mit lernen bei ihr auch nicht so viel  :(

Kinder lernen durch spielen!

Da bin ich vielleicht falsch rüber gekommen. Du hast natürlich vollkommen recht. Ich erwarte auch nicht, dass sie ihr da schulmäßig was beibringen. Ich wollte ausdrücken: sie kommt auch durch den Kindergarten entwicklungsmäßig nicht weiter. Sie beherrscht jetzt 6 Farben, weil ich sie ihr mit einem Spiel (Tempo, kleine Schnecke) beigebracht habe. Ich bin also ganz bei dir, wenn du sagst, dass Kinder durch spielen lernen. Ich wollte die Hoffnung ausdrücken, dass sie vielleicht mit einer neuen Herausforderung (Vorklasse) besser zeigen kann, was in ihr steckt.

Pedi

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #6 am: 27. Mai 2012, 21:21:26 »
Gerade wenn sie weiter zurück ist, würde man ihr mit einer zu frühen Einschulung -auch in die Vorschule- keinen Gefallen tun. Notwendig wäre es zu erst einmal diesen Rückstand aufzuholen. Was glaubst Du wie sie sich fühlen würde wenn sie immer den Vergleich mit anderen Kindern hat. Vor allem darf man nicht vergessen wie "gemein" Kinder dabei sein können.

Ergo wird ihr sicherlich helfen, nur muss man bedenken, dass es länger dauert bis es richtig Erfolge zeigt. Man braucht also Geduld.

 
 




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Fliegenpilz

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #7 am: 27. Mai 2012, 21:30:07 »
Zum Thema Farben:
Laut Kinderarzt & Erzieherinnen müssen Kinder mit 4 Jahren gerade mal die Grundfarben können. Können sie diese mit 4 Jahren, dann ist "alles in Ordnung".

Ich war auch stark verunsichert als ich das hörte, ich konnte es kaum glauben, habe mir dieses dann aber durch Recherchen meinerseits bestätigen lassen. Unfassbar oder? Hätte ich auch nicht mit gerechnet und dachte, dass die Messlatte viel höher liegt ...

Honigbluete

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #8 am: 28. Mai 2012, 08:55:12 »
Ich weiss ja nicht, wie oft ihr euch seht, aber ich finde es toll, dass du dich so für Maria einsetzt! Ich musste sehr schlucken bei deiner Beschreibung ihres Alltags... nicht Vorlesen, nicht bewegen, das sind die besten Methoden, ein Kind zurückzusetzen! Es ist so unglaublich wichtig, dass Kinder sich viel bewegen, gerade wenn sie motorisch nicht so gut drauf sind! Vile Wahrnehmungen lassen sich nur durch ausreichende und richtige bewegung lernen, z.B. ist auch Hinfallen dabei sehr wichtig!!! Kinder, die nicht fallen durften (weil z.B. Mama sie immer aufgefangen hat) können keine gute räumliche Orientierung erlangen und werden damit immer hinterher sein, vor allem in MAthematik.

Wenn du also regelmäßig bei Maria bist, mach weiter so wie bisher, spiel mit ihr, lies ihr vor, unternimm etwas mit ihr, tobe mit ihr... auch wenn es nur ein Trofen auf dem heissen Stein ist! Vielleicht kannst du es ja schaffen, die Mutter mit einzubeziehen, ich vermute mal, sie hat es selbst nicht anders gelernt...



SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #9 am: 28. Mai 2012, 13:54:35 »
Pedi: ich kann mir ungefähr vorstellen wie gemein (offen) Kinder sein können. Nur war mein Gedanke, dass in der Vorklasse ja alle Kinder in wenig zurück sind. Wenn ihr euch aber einig seid, dass Schule sie eher schädigt, dann streich ich das wieder :)
Wie gesagt, ich bin selbst noch in einem Alter, in dem man sich nur wenig mit Erziehung auskennt (oder in meinem Fall: noch nicht an eigene Kinder denkt)

Christiane: 3 Grundfarben? Oh, da hast du recht, dass ist weit weniger als erwartet. Unser Neffe konnte schon mit 2,5 Mischfarben und konnte sogar Farben benennen, wenn er sie nicht gesehen hat (Ein Eisbär ist weiß...). Er ist schon sehr weit für sein Alter und ich mache immer wieder den Fehler ihn mit Maria zu vergleichen...
Gibt es vielleicht so eine Art "Katalog", indem man Mindestanforderungen nachschlagen kann? Vielleicht ist Maria gar nicht so weit hinterher wie ich denke...

Honigbluete: Danke für den Flausch :) Mir tut das Kind so leid, weil ich sicher bin, dass sie so viel mehr könnte, wenn man sie nur mal lassen würde. Ich bin mir sehr sicher, dass die Mutter das nur als Ausrede nimmt, weil sie zu faul ist mit dem Kind was zu machen. Beispiel: sie haben dem Kind einen Sandkasten gekauft. Der stand ein Jahr in der Garage, bis ich ihn dann aufgebaut habe. Dann stand er 5 Wochen ohne Sand da, bis mein Freund gesagt hat, dass es ihm zu bunt wird und wir den Sand gekauft haben. Die kleine hat ein Fahrrad, mit dem sie nur im Hof ständig im Kreis gefahren ist, bis wir gesagt haben, dass wir jetzt mal eine Radtour mit ihr machen (dort gibt es herrlich kindgerechte Radwege). Die kleine hat die ganze Zeit vor Freude auf ihrem Fahrrad gejubelt. Sorry, das musste ich mir jetzt mal von der Seele schreiben ;)

Wir sind so alle zwei Wochen Sonntags mal dort, dann aber meist den ganzen Tag. Die Mutter mit einbeziehen geht nur sehr selten, sie ist froh "mal ihre ruhe" zu haben. Aber du hast recht, sie hat es selber so gelernt. Auch das ständige schreien. Die Oma wohnt im selben Haus, grad in der Etage oben drüber und verhält sich ganz genau so. Die Mutter weis auch, dass sie selbst ihre Mutter aufgrund der Erziehung schlecht fand, aber... das zwischen wissen und ändern liegen manchmal welten :(

Fliegenpilz

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #10 am: 28. Mai 2012, 17:17:20 »
@SemantiX
Es gibt solche "Tabellen" wie du sie nennst, ich weiß nur nicht wo du sie herbekommst.
Bei uns ist es so, dass im Kindergarten immer ein Entwicklungsgespräch stattfindet und dort haben sie eine große Tabelle was Kinder wann (Altersstufe) können müssen.

Meine Kleine (gerade 2 Jahre alt geworden) kann zielsicher 12 Farben benennen & zuordnen. Sprich sie nimmt einen gelben Stift und sagt dann, dass sie eine gelbe Sonne malt. Es ist keine Sonne (eher Krikelkrakel ;D), aber sie weiß halt, dass die Sonne gelb ist und nimmt auch den richtigen Stift. Laut Kinderarzt & Erzieherin ist das aber nicht "altersentsprechend" s-:)

lisa81

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #11 am: 28. Mai 2012, 20:52:52 »
Hallo :)

Beschreib doch einfach mal ein paar Dinge, die sie kann oder nicht kann bzw. wo sie deiner Meinung nach zurück ist. Die meisten hier erleben ja die eigenen Kinder und Freunde, so dass sie es halbwegs einschätzen können. (auch wenn nicht alles passt, mehr Farben hätte ich auch vorausgesetzt)
Und vergleiche wirklich nicht mit dem anderen Kind.

Fahrrad fahren mit 4,5 ist schonmal ganz gut ;)


Was du von der Mutter schreibst, klingt nicht so schön, allerdings glaube ich schon, dass sich das ein oder andere relativiert, wenn man selbst in der Situation ist. Wenn ich alle 4 Wochen mal die Oma hier habe, bin ich auch froh, mal meine Ruhe zu haben ;) Und ein Schrei rutscht mir auch mal raus.
Es ist natürlich schwer einzuschätzen, wie extrem es ist - klingt ja schon recht heftig  :-\ -, aber das ein oder andere kann durchaus normal sein, wenn auch nicht sonderlich toll.

Die SAche mit dem Einschulen sehe ich wie die anderen auch.

SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #12 am: 28. Mai 2012, 22:10:32 »
@SemantiX
Es gibt solche "Tabellen" wie du sie nennst, ich weiß nur nicht wo du sie herbekommst.
Bei uns ist es so, dass im Kindergarten immer ein Entwicklungsgespräch stattfindet und dort haben sie eine große Tabelle was Kinder wann (Altersstufe) können müssen.


Ich habe dank deiner Anregung eine Seite über die U-Untersuchungen (Anforderungen) gefunden, dass ist schon ganz hilfreich :)



Was du von der Mutter schreibst, klingt nicht so schön, allerdings glaube ich schon, dass sich das ein oder andere relativiert, wenn man selbst in der Situation ist. Wenn ich alle 4 Wochen mal die Oma hier habe, bin ich auch froh, mal meine Ruhe zu haben ;) Und ein Schrei rutscht mir auch mal raus.
Es ist natürlich schwer einzuschätzen, wie extrem es ist - klingt ja schon recht heftig  :-\ -, aber das ein oder andere kann durchaus normal sein, wenn auch nicht sonderlich toll.


Sicher, es läuft nie alles perfekt und Kinder sind unglaublich anstrengend. Ich würde niemals einer Mutter einen Vorwurf machen, nur weil sie mal lauter wird. Ich war auch nicht von Anfang an so negativ, ich habe es mir lange angeschaut, bevor ich mir eine Meinung gebildet habe. Aber vielleicht um es ein wenig zu illustrieren: mein Freund (der Halbbruder von Maria - aber väterlicherseits) hält es kaum 10 Minuten in der Wohnung aus, bevor er in den Garten flüchtet, weil er -obwohl nicht direkt beteiligt - die permanent angespannte Atmosphäre und das Schreien nicht aushält. Und das ist bei jedem Besuch so. Wäre es nicht wirklich auffällig, hätte ich mich wohl auch nicht an euch gewandt ;)

Hallo :)

Beschreib doch einfach mal ein paar Dinge, die sie kann oder nicht kann bzw. wo sie deiner Meinung nach zurück ist. Die meisten hier erleben ja die eigenen Kinder und Freunde, so dass sie es halbwegs einschätzen können. (auch wenn nicht alles passt, mehr Farben hätte ich auch vorausgesetzt)
Und vergleiche wirklich nicht mit dem anderen Kind.

Fahrrad fahren mit 4,5 ist schonmal ganz gut ;)


Das ist eine gute Idee :)

Also, vorweg: das sie zurück ist, sagt vor allem die Mutter, ich gehe da nur bedingt mit

Ganz klares Problem:
Konzentrationsfähigkeit: fast gar nicht vorhanden, man muss sie wirklich für etwas begeistern. Also, ich meine ausdauernde Konzentration. Beschäftigung mit einem Spielzeug ist nicht sehr lange drin. Je nach Animation (kein äußerer Einfluss) oftmals kaum paar Minuten bis zu (viel gutes Zureden) 20Minuten vielleicht. Große Ausnahme: Fahrrad fahren ging gut 1,5 Stunden

Motorik: fährt Fahrrad mit Stützrädern (allerdings auch noch nie ohne versucht), Roller, kann klettern... kommt nicht alleine auf eine Schaukel (das ist mir letztens aufgefallen, als ich mit ihr und einer Freundin auf dem Spielplatz war....  die Freundin konnte das... sehe ich jetzt aber nicht als so tragisch an). Was ich hier ganz toll finde: ich kann sie vollkommen sorglos an Autos vorbei fahren lassen (mit dem Fahrrad), auch wenn kaum Platz ist. Sie ist da total vorsichtig und hat ein super Feingefühl). Auf einem Bein stehen kann sie mit festhalten, im Schlusssprung kommt sie ein paar cm. Rennen ist nicht so ihrs, sie kann nicht so schnell wie andere Kinder, versucht es aber und purzelt dann schneller mal.

Malen: seit kurzem hält sie den Stift "richtig", allerdings geht weder aus- noch nachmalen. Schere hatte sie noch nie in der Hand, ich weis auch nicht, ob das in dem Alter schon vorgesehen ist.
Bei der Gelegenheit: ab wann wird denn langsam erkennbar, ob ein Kind rechts- oder linkshänder ist?

Sprache: sie hat hierbei (laut Arzt - ich kenne mich da wirklich nicht aus) Probleme. Sätze kann sie bilden, kurze jedenfalls. Sie kann meistens ausdrücken, was sie möchte und grammatisch ist es jetzt nicht total daneben. Wörter, die sie hört merkt sie sich und kann sie auch oft direkt nachsprechen. Letztens hat sie was englisches gehört und kurz gestuzt, dann kam von ihr "das ist englisch, oder?"

Zählen: geht seit kurzem total überraschenderweise bis 5 (sie kann sich darunter auch was vorstellen), danach kommt willkürlicher kauderwelsch, aber was solls :D

Windeln... habe ich schon erwähnt - trägt sie und ohne geht auch wirklich nicht (obwohl sie klar sagen kann, wenn was passiert ist. Letztens ganz süß: "Mama, ich will nicht duschen und außerdem: ich habe eingekackt")

Was ist denn noch wichtig bei einem Kind?


Achja, was ich bei ihr ganz niedlich finde: ich habe ihr mal mein iPhone gegeben (natürlich mit Apps, die für ein Kind geeignet sind). Ich habe ihr erklärt, was sie machen kann und sie hat es auf anhieb super verstanden. Sie liebt es, ein Foto zu machen und das dann zu puzzeln oder memory zu spielen (ich glaube 8 Paare sind da so das maximum) wenn sie mal irgendwo drauf kommt, und sich ein Pop-up öffnet, dann schließe ich es ihr und beim nächsten mal hat sie sich schon gemerkt, wo sie drücken muss.

Was sagt ihr als ehrfahrene Mamas?
« Letzte Änderung: 28. Mai 2012, 22:13:03 von SemantiX »

zuz

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  • '07 und '10
Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #13 am: 29. Mai 2012, 12:21:52 »
Huhu,

ich finde es schwer zu beurteilen, was noch normal ist und was nicht. Es klingt jetzt weitgehend noch im Rahmen, allerdings ist es sicher so, dass das Kind weit hinter seinen Möglichkeiten bleibt, so wie du es beschreibst, und das finde ich wirklich sehr schade. Dass ein Kind in einem oder mehreren Bereichen sehr weit ist ("weiß" mit 2,5 ist schon eher überdurchschnittlich), ist das eine. Wenn aber ein Kind die Farben nur nicht kennt, weil sich keiner die Mühe macht, sie ihm mal zu benennen, dann ist das einfach traurig.

Zu den einzelnen Sachen: Ja, manches klingt zurück in meinen Augen. Vor allem, weil es so viel auf einmal ist. Jeweils einzeln betrachtet, könnte man das noch abtun, aber in der Gesamtschau wirkt das Kind auf mich jetzt schon hinterher. Insbesondere: noch nicht tagsüber trocken mit 4,5 - ungewöhnlich. Kenne kein Kind, das noch nicht trocken ist in dem Alter (tagsüber, nachts schon).
Motorik: Rad mit Stützrädern ist völlig angemessen, auch wenn viele schon frei fahren können in dem Alter, aber das muss nicht unbedingt sein. Stolpern beim Rennen finde ich dagegen auffällig. Langsam, ok, aber häufig stolpern ist seltsam.
Feinmotorik: Schere wird normalerweise so ab Kiga eingeführt - mit 3. Viele können es auch schon mit 2. Finde ich auch auffällig. Malen: Was heißt "kann nicht aus-/nachmalen"? Also übermalen ist in Ordnung, beim Nachmalen kommt es natürlich afu die Motivation an. Einen Kreis oder ein Dreieck sollte sie aber schon nachmalen können.
Sprache: Einfache Nebensätze sollte sie können. Also z.B.: Wenn Du ein Eis isst, will ich auch eins. Oder: Ich will ein Eis, weil Du auch eins isst. Grammatik: Sollte eigetnlich keine groben Fehler mehr aufweisen. Also mal ein Präteritum falsch gebildet ist ok (er gang statt er ging). Auch Konjunktiv muss noch nicht sein. Aber z.B. sollte das Präteritum bei regelmäßigen Verben richtig verwendet werden (ich malte/habe gemalt). Auch die Satzstellung sollte richtig sein. (Ich habe ein Bild gemalt, nicht: Ich habe gemalt ein Bild). Zählen bis 5 ist ok.
Nicht konzentrieren können: Da sollte man dranbleiben, ist aber noch normal.
Was ich noch wichtig finde: Sozialverhalten. Wie kommt sie mit anderen Kindern in Kontakt, wie löst sie Konflikte?
Was ich auch wichtig finde, sind Interessen. Also jetzt noch nicht so im erwachsenen Sinn, mit "pädagogisch wertvollen" Interessen. Es darf ruhig Lillifee sein, aber für irgendwas sollte ein Kind in dem Alter sich interessieren. Das mit dem Rad wäre ja da mal ein guter Ansatz.

Ich denke, Du kannst schon viel für die Kleine tun, wenn Du Dich einfach regelmäßig mit ihr beschäftigst. Fast egal was, Du hast ja eine Menge gute Ideen. Und Kinder lernen beim Spielen nicht nur so offensichtliche Dinge wie die Farben beim Tempo kleine Schnecke. Sie lernen dabei auch: abwarten können, Frust aushalten, sich an Regeln halten, sich konzentrieren, sich freuen, dass es schön ist, mit anderen gemeinsam was zu machen, reden (denn man redet ja da automatisch miteinander und wiederholt oft die gleichen Sätze), sie lernen Ordnung halten - weil man das Spiel ja dann wieder wegräumen muss usw. usw. Von daher ist es wirklich egal, ob nun Brettspiel, Barbiepuppe, Radtour oder basteln oder einfach auch nur rumalbern. Kannst also nichts falsch machen :)

lisa81

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #14 am: 29. Mai 2012, 14:30:42 »
@semantix: Ich wollte dir auch nicht unterstellen, dass du übertreibst, glaube einfach nur, dass manches nach außen schlimmer aussieht als es ist. Nein, schlimm ist es oft trotzdem aber deswegen nicht unnormal.
Deine Aussage überschreitet das normale aber doch teilweise deutlich  :-\

Wie weit sie bei deinen Beispielen ist, sehe ich ähnlich wie zuz. Also alles im Rahmen, aber eher unterer Durchschnitt. In der Summe ist das natürlich ungünstig, könnte normal sein, aber es scheint ja durch die Eltern zu kommen  :-\
Motorisch finde ich manches schon recht "schwach". Auf einem Bein stehen nur mit festhalten, Schlusssprung nur ein paar cm, nicht allein auf die SChaukel kommen. Ich fürchte allerdings, dass sie damit durchaus noch im Durchschnitt liegt, wenn auch weiter unten. Vielleicht fallen dir dazu auch noch ein paar Spielchen ein.

Warum denkst du, dass Maria dich irgendwann auch "abstoßen" wird? Zu dir scheint sie ja eine schöne Bindung zu haben.

SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #15 am: 30. Mai 2012, 09:57:03 »
Jeweils einzeln betrachtet, könnte man das noch abtun, aber in der Gesamtschau wirkt das Kind auf mich jetzt schon hinterher. Insbesondere: noch nicht tagsüber trocken mit 4,5 - ungewöhnlich. Kenne kein Kind, das noch nicht trocken ist in dem Alter (tagsüber, nachts schon).

Ja, das mit den Windeln finde ich persönlich auch schwierig. Die Ärzte haben gesagt, dass es dauern kann, bis sie 5 ist. Letztens haben die Eltern es mal "versucht" (wobei es in meinen Augen eher halbherzig war). Das ist dann aber auch ein Drama gewesen. Das Problem war, dass Maria sich aus irgendeinem Grund komplett geweigert hat jemanden mit ins Bad zu lassen. Wenn jemand mit rein wollte, dann hat sie angefangen zu heulen und hat gar nichts mehr gemacht. Keine Ahnung, woher das kam, jedenfalls hat sie dann mit Sicherheit auch nichts gemacht im Bad und irgendwann ging es dann in die Hose. Das ging zwei Wochen lang so, seitdem ist das Thema abgehakt. Ich habe Anreizsysteme vorgeschlagen, aber man merkt richtig, dass es für die Eltern einfach feststeht, dass das nichts wird. Dann habe ich es anders herum versucht und gesagt, dass es für sie sicher auch anstrengend ist, weil sie sich ständig rechtfertigen müssen. Dann kam nur, dass das Gegenteil der Fall ist und alle sagen, dass sie sich Zeit lassen sollen. Offensichtlich stört nur mich das.
Mir ist klar, dass man das Kind nicht zu sehr unter Druck setzen soll, wenn es nicht klappt. Aber irgendwie... ich weis nicht. Es heißt dann auch "sie hat dann keine Geduld und wenn nicht sofort was kommt, dann steht sie wieder auf". Da denke ich mir: wenn das Kind bekanntermaßen ungeduldig ist, dann wäre es doch in Ordnung, wenn sie jemanden mit sich gehen lassen würde, der sich mit ihr unterhält oder so, bis was passiert.... ?! Ich würde ihr gerne helfen, aber für sowas bin ich wirklich zu selten da.


Feinmotorik: Schere wird normalerweise so ab Kiga eingeführt - mit 3. Viele können es auch schon mit 2. Finde ich auch auffällig. Malen: Was heißt "kann nicht aus-/nachmalen"? Also übermalen ist in Ordnung, beim Nachmalen kommt es natürlich afu die Motivation an. Einen Kreis oder ein Dreieck sollte sie aber schon nachmalen können.


Ich bastle auch selten mit ihr (ich bin da absolut hochgradig untalentiert... ich kann bis heute nicht gerade schneiden :D), von daher weis ich nicht, ob ich sie einfach nur noch nie mit einer Schere gesehen habe, sie es aber kann,

Malen ist bei ihr nur Stift übers Papier ziehen, ausmalen (auch mit übermalen) sieht bei ihr total vermurkst aus. Ich habe ihr mal eine Linie (S-Förmig, ca. 10cm) gezeichnet, die sie nachmalen sollte. Das konnte oder wollte sie nicht. Eigentlich wollte ich mit ihr systematisch/spielerisch beibringen ihren Namen nachzuschreiben.


Konzentration ist meiner Meinung nach auch nicht so schlimm. Man kann sie auch ewig auf einen Spielplatz stellen. Aber sie kann sich nicht wirklich alleine beschäftigen. Allerdings geht das mit anderen Kindern. Von daher sehr ich auch das nur bedingt als tragisch an.



Was ich noch wichtig finde: Sozialverhalten. Wie kommt sie mit anderen Kindern in Kontakt, wie löst sie Konflikte?
Was ich auch wichtig finde, sind Interessen. Also jetzt noch nicht so im erwachsenen Sinn, mit "pädagogisch wertvollen" Interessen. Es darf ruhig Lillifee sein, aber für irgendwas sollte ein Kind in dem Alter sich interessieren. Das mit dem Rad wäre ja da mal ein guter Ansatz.


Jetzt wird es richtig spannend. Sozialverhalten: ich lasse sie gerne mal mit dem Nachbarskind spielen (5 Jahre). Das funktioniert gut. Sie lässt sich zwar austrixen (Nachbarin hat einen 14-jährigen Bruder und kann sich entsprechend durchsetzen), aber wenn es ihr zu bunt wird, dann macht sie ihren Standpunkt klar. Das auch meist ohne weinend zu Mama zu laufen (kommt ab und an vor, aber das machen auch andere Kinder...). Sie ist im Vergleich immer eher Mitläufer, aber gut, daran soll es nicht hängen.
Zu erwachsenen ist ihr Verhältnis eher seltsam. Sie hat ein ganz klares Vertrauensproblem, lässt sich wenig hochheben und wenn sie das Gefühl hat die Kontrolle zu verlieren, dann wird sie richtig gehend panisch (Huckepack tragen geht nicht). Vor kurzem hat sie es geliebt mit mir Flugzeug zu spielen (ich habe sie horizontal hochgehoben, sie hat mit den Armen gewedelt und ist durch die Wohnung "geflogen". Als ich das letztens gemacht habe, hat sie genau die gleiche Panik gezeigt wie beim Huckepack). Höhenangst scheint sie aber nicht zu haben, weil Spielplätze problemlos gehen.
Wenn jemand schreit, schaltet sie komplett ab, hält sich die Ohren zu und macht einen verschreckten EIndruck.
Gegen ihre Mutter ist sie mittlerweile fähig mit kausal zusammenhängenden Argumenten zu diskutieren.

Intressen: ganz klares und großes Nein. Ich glaube, dass ihr möglicherweise nicht genug gezeigt wird.... Ich suche oft, aber weder Lilifee, noch Ritter, Pferde.... nichts, was sie verstärkt interessiert. Für Technik scheint sie sich zu begeistern und will viel selbst herausbekommen - mein Freund und ich sind Informatiker, uns freut das natürlich, aber gerade da kann man Kindern in dem Alter nicht viel bieten und wir wollen auch, dass sie raus kommt.

Ihr Bruder (selbst recht introvertiert) ist leidenschaftlicher Musiker, der beim Musik machen total aus sich heraus kommt. Deshalb haben wir überlegt, ihr vielleicht dahingehend mal was anzubieten... wissen aber nicht, was wir da machen können. Habt ihr vielleicht eine Idee?

Ich wollte mal mit ihr zusammen kochen (sie ist sehr gerne und viel!). Kann ich ihr schon ein Messer anvertrauen (wenn ich hinter ihr stehe)? Ich habe hier ein ganz tolles Kinderkochbuch, an Rezepten mangelt es also nicht.

Nein, schlimm ist es oft trotzdem aber deswegen nicht unnormal.

Ein erschreckend wahrer Satz :(


 Ich fürchte allerdings, dass sie damit durchaus noch im Durchschnitt liegt, wenn auch weiter unten. Vielleicht fallen dir dazu auch noch ein paar Spielchen ein.


Naja, ich bin ehrlich gesagt froh zu hören, dass sie es sogar noch in den Normalbereich schaffen könnte - auch wenn es eine negativaussage zum Normalbereich ist ;)


Warum denkst du, dass Maria dich irgendwann auch "abstoßen" wird? Zu dir scheint sie ja eine schöne Bindung zu haben.

Ich weis nicht, ich habe das Gefühl, dass sie sich gegen alle Erwachsenen abschottet. Sie sucht absolut keine Nähe, kuscheln ist fast nicht drin, manchmal wirkt sie fast wie eine mini-erwachsene. Und wenn ich mal Zugang zu ihr finde (solange ich ihr Freiheiten lasse funktioniert das bei uns beiden recht gut), dann kommt die Mutter mit Sätzen wie "Maria, wenn du jetzt nicht auf mich hörst, dann baut die Anne den Sandkasten wieder ab".... ähm, nein, ganz sicher werde ich das nicht machen, weil hat mich nur Stunden gekostet ihn zusammen zu bauen?! Ich habe nichts gegen produktive kleine Erpressungen, aber wenn schon dann sinnvoll und wieso genau muss ich die böse Exekutive sein? 

lisa81

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #16 am: 30. Mai 2012, 20:33:16 »
Dieses "wenn du (nicht).... dann macht XY" hab ich leider auch shcon oft gehört, kann es aber nicht nachvollziehen. Wie du sagst, es betrifft dich ja nicht, wenn sie nicht auf ihre Mutter hört, warum sollst du die Strafe ausführen?
Aber sie wird schon merken, dass das nicht DEINE Meinung ist, vertrau ihr :)

/soziales: Also das finde ich recht normal, hab aber keine Ahnung von sowas ;)
Nicht hochheben lassen finde ich nicht schlimm, nicht jeder lässt sich gern anfassen. Und auf dem Spielplatz scheint sie das ja shcon richtig toll zu machen.

/Messer: Hm, ich habe heute erfahren, dass viele Kinder mit 4 noch KEIN scharfes Messer in der Hand haben. Meine Tochter (3,5) kriegt eins, wenn sie mir helfen möchte. ICH kann auch keine Tomaten mit nem Butterbrotmesser schneiden.

/malen: Auch hier, ja das klingt zurück. Aber du bist ja das beste Beispiel dafür, dass es auch eine Talentsache ist  :)

/Konzentration/Interessen: Meine Tochter hat außer Klettern auch kaum Interessen. Experimentieren klingt doch toll  :D Es gibt viele schöne Bücher dazu, Kosmos bietet zum Beispiel kleinere Experimentierspiele an, so ab 5 glaube ich, aber das müsste machbar sein, wenn sie Interesse zeigt. Ich hab nen ganzen Berg SAchen hier liegen und warte drauf, dass eins meiner Kinder was davon wissen will  ;D
Da gibt es auch für draußen genug.
/Musik: Eine Musikschule, in die ihr regelmäßig geht? Tanzen?

/Windel: Warum muss denn jemand mit ins Bad? Es gibt viele Kinder, die ihr Geschäft gern allein verrichten. Meine Kinder laden sich zwar gern die halbe Nachbarschaft dazu ein  ;D , aber ich hab es schon oft anders erlebt. Vielleicht wäre es eine Möglichkeit, sie allein gehen zu lassen.


Avantasia

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #17 am: 30. Mai 2012, 20:47:37 »
Hey,

hab jetzt nicht alle Antworten gelesen.

2 Punkte würd ich doch gern dazu beitragen.

1)Du bestehst daruaf, dass sie eingeschult wird? Dein Bericht liest sich wirklich gut und besorgt, doch ich bezweifle dass du ein Recht dazu hast, dich "in dieser Form" einzubringen und auf so etwas zu bestehen. Versteh mich bitte nicht falsch, aber ihr kennt euch 1,5 Jahre. Und ich als Mutter würd sauer werden, wenn du dich so einbringst:/

2)Ist es mir echt ein Rätsel wie die verschiedenen Professionalität und en Hilfesystemen arbeiten die mit Maria zutun habe. Es ist absolut nicht üblich, dass lediglich das Kind "behandelt" und angesehen wird. Man weiß heutzutage sicher, dass ein Kind immer auch Symptomträger in der Familie ist. Das heißt, sie hat ein wenig an der Frühgeburtlichkeit zu knabbern, aber das alleine ist ja kein Stempel für den Rest des Lebens. Heutzutage arbeitet man üblicherweise mit den Eltern oder der ganzen Familie, ist doch klar dass sich kein 4-5 Jähriges Kind alleine Zuhause hinsetzt und Übungen wiederholt.

Außer Frage steht hier auch, dass die Mutter offensichtlich irgendein Problem mit der Tochter hat. Das ist natürlich als Ferndiagnose schwer zu sagen. Aber vielleicht informierst du dich/ihr euch mal über Hilfen zur Erziehung nach §27 im Kinde rund Jugendhilfegesetz. Das Jugendamt kann Hilfen vermitteln (zb eine Sozialpädagogin die einmal wöchentlich in die Familie geht) und das kann sehr hilfreich sein, vor allem wenn es um das tägliche Leben geht, so wie den Umgangston oder allgemeinen Stress. Das Jugendamt nimmt nicht Imme rnur Kinder weg, sondern hilft in schwierigen Situationen, aber das kannst du alles im Gesetz nachlesen.

LG:)

Avantasia

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #18 am: 30. Mai 2012, 20:50:36 »
Ach ja, als Spielidee für Kinder mit Berührungsängsten eignet sich alles, was über ein Medium passiert. Wenn ihr euch beispielsweise massiert, dann nimm einen Ball dazu und nicht die Hand. Schalte etwas dazwischen, denn oft liegt es an der Wahrnehmung des Kindes, die dafür sorgt, dass bestimmte Eindrücke einfach nicht gemocht werden.

zuz

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #19 am: 31. Mai 2012, 12:10:51 »
Ich unterschreibe mal bei Lisa81 ;)

Wegen Basteln: Da gibt es tolle Bücher. Gerade für Anfänger und eher Bastelphobe: Kritzeln, Schnipseln, Klecksen. Der Titel zeigt schon, dass es nicht auf Perfektion ankommt, nicht mal auf das Ergebnis, nur auf das Tun an sich. Da sind ganz einfache Basteltipps drin, auch nicht nur mit Papier, sondern z.B. Saltzteig o.ä.
Oder sammelt Schuhkartons, schneidet in den Deckel ein Loch  und füllt dann Dinge rein, die ertastet werden müssen.

Kochen: Wie wäre denn zusammen Muffins backen? Da kann sie gut mithelfen und braucht kein Messer.

Informatik/Naturwissenschaften: Nun ja, für Programmierung mag sie zu klein sein. Aber wie wären denn Rätselhefte? Gibt ja auch sowas wie Kindersudoku o.ä. Das müsste Dir doch dann auch liegen? Und "Experimente" können auch ganz einfach gestaltet werden: mit einem Kochlöffel auf verschieedene Oberflächen klopfen und hören, wie unterschiedlich sich das anhört. In eine leere Pringelsrolle hineinreden. Dann alles was die Sinne anregt: ein Dufträtsel, ein Schmeckrätsel, solche Dinge.

Ansonsten braucht es oft eben keine gezielte Förderung. Einfach zusammen rausgehen, zusammen die Natur entdecken, sich wundern, sich selbst für Dinge interessieren und davon erzählen.

Interessen: Hm, ich hab mich glaub ich auch etwas falsch ausgedrückt. Ich meinte eher eine gewissen Begeisterungsfähigkeit, nicht Interesse im Sinne von Hobby. Mit Burgen, Piraten o.ä. muss ich meiner Tochter auch nicht kommen.

Berühren: Ich finde es eigentlich sogar sehr gut, wenn Kinder ihre eigenen Grenzen wahrnehmen und auch verteidigen können. Das sollte man auch unbedingt respektieren und unterstützen. Also auch nicht persönlich nehmen, wenn sie nicht gedrückt werden will, sondern ihr vermitteln, dass das völlig in Ordnung ist. Finde ich ganz, ganz wichtig, zumal leider nicht jeder Erwachsene, der gern kuschelt, gute Absichten hat. Deshalb würde ich sie in ihrem Nein bestärken. Und dann eben offene Angebote machen - wenn Du vorliest, kannst Du sie fragen, ob sie auf Deinem Schoß sitzen möchte. Wenn nicht, sollte das aber eben auch völlig ok sein.

Ansonsten: Vertrau Dir selbst einfach ein wenig! Und auch dem Mädel - sie wird merken, wenn Du Dich für sie interessierst und sie wird das auch zu schätzen wissen. Was Du genau machst, ist nicht so wichtig.

SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #20 am: 29. August 2012, 14:15:09 »
Sooo, nachdem ich lange nichts geschrieben habe, möchte ich doch allen, die mir mit so viele Tipps geholfen haben mit einem Update danken.

Zunächst noch in eigener Sache:


1)Du bestehst daruaf, dass sie eingeschult wird? Dein Bericht liest sich wirklich gut und besorgt, doch ich bezweifle dass du ein Recht dazu hast, dich "in dieser Form" einzubringen und auf so etwas zu bestehen. Versteh mich bitte nicht falsch, aber ihr kennt euch 1,5 Jahre. Und ich als Mutter würd sauer werden, wenn du dich so einbringst:/

LG:)

Daher hatte ich das "bestehen" auch in Anführungsstrichen geschrieben. Es hast vollkommen recht. Ich meinte auch damit eher, dass ich meine Meinung nachdrücklich vertete, nicht, dass ich der Mutter das versuche vorzuschreiben.

So, mittlerweile ist Maria fast 5. Und sowohl Mutter als auch Kind haben vom Jugendamt einen psychologen und einen Betreuer, zu dem sie gehen können. Es trat eine kurzfristige Besserung ein (man hat der Mutter beispielsweise beigebracht, dass sie das Kind nicht anschreien soll, sondern hingehen soll - wovon die Mutter ungelogen überrascht war). Leider war wie so vieles auch das nur von kurzer Dauer.
Das Kind ist immer noch hinterher und wird "klein gehalten". Statt mich über die Mutter aufzuregen habe ich jetzt beschlossen dem Kind zu helfen indem ich es versuche weiter zu bringen. Beispielsweise habe ich es zu einem Sportfest eingeladen, wo es auch sofort nicht nur Begeisterung, sondern auch unerwartete Begabung gezeigt hat. Beispiel: da war ein Mitmachzirkus und sie wollte auf einem Ball balancieren (ein großer Zirkusball, der von unten durch einen Ring gestützt war). Am Anfang hielt sie sich noch an einer Hand fest, doch schn beim zweiten Versuch schob sie die helfende Hand weg und stand ganz alleine. Damit will ich jetzt weiter machen (also, ihr zu helfen)
Mein Plan beinhaltet momentan, und aufgrund der gezeigten Interessen:

- Fahrrad fahren ohne Stützräder (Fahrrad fährt sie sehr gerne)
- Lük-Bücherin in ihrer Altersklasse (also ab vier/fünf) - anfangen will ich mit einfachen Dingen, um sie heran zu führen (also, Bilder und Formen vergleichen) und vielleicht sogar darauf aufbauend mit Zahlenverständnis weiter machen (selbstverständlich nur, wenn sie spaß hat)
- musikinstrumente näher bringen (ihr Bruder ist leidenschaftlicher musiker und sie schaut ihn immer ganz gebannt an, wenn er spielt)

Was denkt ihr? Überfordere ich das Kind oder liege ich richtig und man sollte altersgerecht mit ihr spielen? Wie gesagt, sie ist 5 und ich habe das gefühl, dass sie mehr könnte, wenn man sie lassen würde. Nur wird eben konsequent zu hause nichts mit ihr gespielt, sondern sie wird vor dem fernseher ruhig gestellt.

~Netti~

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #21 am: 29. August 2012, 14:30:37 »
Ich finde es ehrlich bewundernswert und ganz große Klasse, dass du dich so kümmerst!  :D Eine Bereicherung für das Kind, ganz sicher.  :D

Und nein, ich glaube nicht, dass das eine 5-jährige überfordert. Man muss halt schon drauf achten keinen Druck auszuüben, aber so hört sich das bei dir nicht an. LÜK ist eine super Idee und Musik sowieso.  :)

SemantiX

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #22 am: 29. August 2012, 18:43:42 »
Wow, danke für den Seelenflausch :)

Ich werde Maria sicher nicht überfordern, sondern werde versuchen sie dafür zu begeistern. Bisher hat sie auch alles mitgemacht, was ich so vorgeschlagen habe. Oft sagt sie zu mir, dass sie ein paar sachen auch mal machen will "wenn ich groß bin" (ich höre da die mutter raus, die das Kind nichts machen lässt, weil sie sich verletzen könnte). Ich will versuchen ihr zu erklären, dass sie mit fünf schon groß ist (sie hat bald geburtstag, deshalb bietet sich das an).

Da fällt mir ein, dass ich ihr auch beibringen will, wie man ihren Namen schreibt. Ich wollte sie da langsam ranführen (sie hat so eine magnettafel mit buchstaben zum anfassen... ich dachte mir, dass ich sie damit für buchstaben interessieren kann).
Ich habe aber gelesen, dass man damit vielleicht nicht vor der schule anfangen sollte (weil die ja dazu gedacht ist, dass man schreiben lernt). Was meint ihr?

Im übrigen trägt sie immer noch windeln. das hätte ich auch schon versucht zu ändern, aber dafür sehe ich sie deutlich zu selten (wir besuchen den Vater ungefähr alle zwei wochen immer für den ganzen sonntag). Das musste ich mir nur von der seele schreiben :)

~Netti~

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #23 am: 29. August 2012, 19:43:57 »
windeln - den ganzen tag? oder nur nachts?
also nachts ist es nicht so ganz ungewöhnlich, dass kinder in dem alter noch windeln tragen, das kommt wirklich häufig vor. da würd ich auch nix dran machen. wenn es aber tagsüber der fall ist, dann ist das in der tat nicht ganz normal.

buchstaben und namen würde ich persönlich erstmal lassen. das kommt nämlich ganz von alleine, wenn ihr öfter miteinander malt und du ihren namen unter ein bild schreibst usw. wenn sie dann interesse signalisiert, dann kann sie ja ihren namen probieren zu schreiben. meist können das die kinder im vorschulalter, mit 5 wird sie sich bestimmt dafür interessieren.  :)

hab ich jetzt irgendwie verpasst, geht sie denn in den kindergarten?

zuz

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Antw:Problemkind, weil die Ärzte es sagen?
« Antwort #24 am: 30. August 2012, 01:47:54 »
Ich schließe mich vollumfänglich Nettigkeit an  :)
Zu klein gibt es nicht. Man kann alles probieren, notfalls mit Sicherheit, schafft man es nicht, muss man eben noch üben oder später noch mal versuchen.
Ich finde ja in dem Alter rausgehen zum Lernen am besten. Das mit dem Kinderzirkus, Super! Durch Bewegung lernen sie ganz viel, was sie auch in der Schule brauchen. Konzentration, Ausdauer, Frustration usw. Und erst ein Gefühl für Körper und Raum lässt einen dann auch Mathe verstehen. Von daher ist radeln auch spitze, Musik auch. Vorlesen natürlich.
Auch ganz freies Spielen ist gut, Verkleiden, Rollenspiele...
Also eigentlich alles, was nicht TV ist  ;)

 

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