Autor Thema: Grenzen für fremde Kinder  (Gelesen 1043 mal)

Holger

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Grenzen für fremde Kinder
« am: 11. Mai 2018, 09:41:44 »
Hallo zusammen,

als kinderloser Mittdreißiger ist es in meinem Freundes- und Bekanntenkreis mittlerweile die Regel, mit deren Nachwuchs "konfrontiert" zu werden.
In viele Fällen gestaltet sich das für alle Beteiligten (also auch für mich) angenehm.
In anderen Fällen ist es allerdings so, dass das eine oder andere Kind scheinbar mich als den schwächsten im Rudel ausgemacht hat und mich (aber auch meine Frau oder unseren Hund) durchgängig malträtiert.

Mit ist klar, dass ich bei Grenzübertritten selbst dafür sorgen muss, dass das Kind meine Grenzen kennt, akzeptiert und berücksichtigt.
Dabei unterscheide ich weniger zwischen "das macht man nicht" (z.B. wenn es mir ins Ohr schreit, mich tritt oder anspuckt) und wirklich gefährlichen Situationen (z.B. wenn es mir zwischen den Beinen herumläuft, während ich schwere Stahlflaschen trage oder wenn es mir "aus Spaß" vor das Auto rennt... oder wenn es dem Hund ständig im Ohr bohrt, obwohl dieser sich schon ins hinterste Eck verzogen hat).

Ich habe schon einige Threads und Artikel gelesen und habe verstanden, dass es für ein Kind wichtig ist, auch von anderen Personen als den Eltern (also von "der Gesellschaft") Grenzen gesetzt zu bekommen.
Soweit, sogut... aber was ist mein nächster Schritt, wenn es dem Kind einfach scheißegal ist, was ich sage oder tue?

Wir waren mal mit Freunden im Urlaub, das Kind hat gefühlt immer nur mich geärgert. Ich wollte dann mal schauen, ob er sich das auch bei anderen traut und hab zu ihm gesagt "so, jetzt gehtst du mal zum Rolf und ärgerst den!".
Zögerlich und verunsichert schaute das Kind zu Rolf, sah auf den Boder, schüttelte dann den Kopf und meinte "nein, der mag das nicht".
Ich meinte dann "aber ich mag das doch auch ni..." da schrie er mir schonwieder ins Ohr.

Wieso wird Rolf ernst genommen, ich aber nicht?
...die riechen meine Angst...

Im Ernst: was mache ich falsch?

Ich hab in meiner Überforderung schon einiges versucht: ruhig mit ihm reden, schimpfen, ignorieren, in den Arm kneifen, mit einer Flasche Wasser übergießen... das findet er alles irgendwie witzig... der is unglaublich hart im Nehmen... der Hund hat ihn auch schon in den Arm geknappt und 2 Minuten später hing das Kind wieder auf dem Tier...

Wenn ich dann hilfesuchend und massivst angenervt zu den Eltern schaue, maßregeln die das Kind, was aber auch nur kurzfristig - und nur wenn die Eltern da sind - hilft.

Ich denke, die Eltern erwarten von mir, dass ich mich selbst durchsetze (was ich nachvollziehen kann), aber mich überfordert das total, wenn meine Versuche nicht fruchten. Bei den Eltern nachgefragt heißt es lapidar "du musst sich halt durchsetzen".

Habt ihr ein paar Tipps?

Lieben Dank und beste Grüße,

Holger

Limette

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #1 am: 11. Mai 2018, 09:57:25 »
Hallo Holger,
ja ich habe einen Tipp, spiel ein Spiel mit ihm. Ein Kartenspiel, ein Brettspiel sobwas in der Art.
Lernt euch nochmal ganz neu auf einer anderen Ebene kennen. Ich bin mir sicher das wird klappen. :thumbsup:
----- Schweden wir kommen! -----

Holger

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #2 am: 11. Mai 2018, 11:15:28 »
Hallo Limette,

lieben Dank für deine Antwort!
Das mit dem Spielen lässt sich situativ oft nicht umsetzen, weil wir uns in aller Regel zum Arbeiten treffen, also entweder am Haus bauen oder an Autos schrauben.
Der Kleine will dann immer mit dabei sein und die Mutter (die zu Hause bleibt) ist glaub ich auch ganz froh, wenn er ihr mal nicht auf der Nase rumtanzt.
Den Vater nervt selbst, dass er ihn dann an der Backe hat, aber er kann sich da auch nicht durchsetzen.
Das ganze sieht dann so aus, dass die Erwachsenen alle irgendwas zu tun haben und der kleine vermutlich einfach nicht weiß, was er tun soll... und dann halt auf dumme Gedanken kommt.

Ich möchte mir aber auch nicht den Schuh anziehen, Babysitter zu spielen. Zum einen liegt mir diese Rolle nicht wirklich, zum anderen treffen wir uns zum Arbeiten.

Viele Grüße,

Holger

Limette

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #3 am: 11. Mai 2018, 11:45:10 »
Naja, jetzt versetze dich aber mal in die Lage des kleinen Jungen. Da muß er mit Papa mit, weil seine Mutter genervt von ihm ist und dann trifft er dort auf eine Horde Männer die auch mehr oder weniger keine Lust und Zeit für ihn haben.
Da würde mir als Kind auch eine Menge Schabernack einfallen.

Wenn er dabei ist müßt ihr ihn einbeziehen. Gebt ihm kleine Aufgaben die ihn Beschäftigen und ihm zu verstehen geben dass er nützlich ist und dass er gebraucht wird. Das können kleine Aufräumarbeiten sein, oder etwas Wasser holen um etwas anzumischen etc. Irgendwas wofür er alleine verantwortlich ist. Spielerisch und altersgerecht versteht sich.

Seid respektvoll ihm gegenüber denn auch dann wird er sein Verhalten euch gegenüber auch ändern.
Schau mal genau hin, meist halten uns die Kids nur einen Spiegel vor.

(Sorry bin am Handy, blöd hier soviel zu tippen)
----- Schweden wir kommen! -----

luv-kids

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #4 am: 14. Mai 2018, 18:13:59 »
Hallo Holger,

herzlichen Glückwunsch, das ist eine super Herausforderung für deine Persönlichkeit :D

Kinder fordern unsere Kompetenzen ungemein, ungehemmt, heraus, nehmen kein Blatt vor den Mund und merken sofort, mit wem man das machen kann! Jede Unsicherheit in jedem Satz oder non-verbal wird registriert nach einem kurzen Scan. Auch die Allerkleinsten!

Natürlich sollten Kinder, egal welchen Alters, immer mit Respekt behandelt werden, das denke ich machst du aber schon. Also wenn er dich das nächste Mal wieder ärgert, nervt, nicht in Ruhe lässt könntest du auf seine Körpergröße herunter gehen und ihm dabei fest in die Augen schauen und sagen, dass du verstehst, dass er spielen will oder was er gerade macht, aber  dass du das jetzt nicht willst! Sag das in normalem Ton aber sehr sehr bestimmt und dann läufst du weiter. Das wird er bestimmt ein paar mal versuchen.

(du kannst das vor dem Spiegel zuhause üben!!!!!!!! Bis du selbst voll von dir überzeugt bist!)

Das nächste mal könntest du sagen: Hör mal kleiner Mann, ich glaube du brauchst echt richtig viel Spaß, Aktion, Spiel... irgendwas was er halt immer macht und sag ihm, dass du das echt voll gut verstehen kannst, weil du auch immer so gerne gespielt hast und DANN sagst du ihm aber ganz freundschaftlich, dass du hier her kommst zum Arbeiten und das jetzt nicht mitspielen kannst. Oder das Rumbalgen jetzt nicht mitmachen kannst! Und gehst weiter, ohne Diskussion. Selbstsicher.

Und außerdem, du darfst echt den Eltern was sagen! Trau dich da mal zu sagen, dass dich das echt stört! Ganz offen. Aber so wie sich das liest, was du schreibst, bringt das leider nicht viel.

Das nächste Mal gehst du zu ihm wieder auf Augenhöhe und sagst oder fragst: "Was haben wir vereinbart, Name des Kindes? Wir haben doch vereinbart, dass das und das! Name des Kindes, halt dich bitte an unsere Vereinbarung und lass mir hier in Ruhe arbeiten!"

Usw. Irgendwann erarbeitest du dir den Respekt von ihm.

Eine weitere Möglichkeit ist es, ihn genau dazu aufzufordern, was er bei dir immer macht! Ernst gemeint, von dir aus. Er soll genau das machen, dann machst du ein bisschen mit und hast ihm damit die Aufmerksamkeit gegeben, die er wollte. Außerdem werden Kinder immer ganz umgedreht, wenn sie genau das Nervige machen sollen, was ohne Erfolg eigentlich ober nervigst vorher gemacht wurde. Das klappt aber nicht immer aber dann ganz gut, wenn du das ernst meinst, dass er das machen soll. Plane das von vorn herein einfach  mal ein paar mal ein und und spiel da mit. Normalerweise lässt das extreme Verhalten dann nach..

Noch eine Möglichkeit wäre, immer wieder Interesse zu zeigen, z.B. was für Autos er da hat und das auch ganz toll finden oder was auch immer er macht oder mit was er spielt, im Vorbeilaufen kurz einen Small Talk halten, das baut Beziehung auf, echtes Interesse und er fühlt sich wertgeschätzt und könnte sich ab sofort ganz anders verhalten, weil er deine lang ersehnte Aufmerksamkeit bekommt. Das tut kleinen Kindern immer gut.

Vielleicht kombinierst du die Tipps hier immer wieder... Nicht aufgeben, du kannst daran für´s Leben ungemein wachsen!

Ich wünsch dir viel Erfolg bei der Durchsetzung! :thumbsup:
Sokrates: Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen den Eltern, kleckern mit dem Essen und ärgern ihre Lehrer. (470-399 v. Chr.) :-)

Limette

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #5 am: 17. Mai 2018, 09:50:05 »
@luv-kids; hast du eigentlich Kinder?
----- Schweden wir kommen! -----

guest9733

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #6 am: 27. Juni 2018, 03:42:26 »
Guten Morgen,

ich kann dir nur empfehlen, nimm dir Zeit und spiele mit denen.

LG Dorothee7

hallihallo

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Antw:Grenzen für fremde Kinder
« Antwort #7 am: 29. Juni 2018, 21:51:25 »
Sorry...ich musste echt lachen als du geschrieben hast, dass er immer nur dich "ärgert".
Das ist so wie bei Menschen, die keine Hunde mögen....Wo läuft der Hund zuerst hin?
Und irgendwas hast du anscheinend  an dir was er attraktiv findet.
Wie würdest du denn reagieren, wenn es dein Kind wäre? Oder wenn er zehn Jahre älter wäre? Was wünscht du dir von den Eltern?
Kannst du dir vorstellen einen Deal mit ihm zu machen?  Z.b. Er lässt dich arbeiten  (x std) und dann macht ihr etwas zusammen.

 

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