Autor Thema: Ausgrenzung  (Gelesen 1644 mal)

Honigbluete

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Ausgrenzung
« am: 23. Mai 2018, 16:57:53 »
Ich muss ein bisschen ausholen, um meine Frage richtig stellen zu können..
Jakob ist seit Kitastart vor knapp 4 Jahren sehr eng mit zwei Kindern befreundet, S und M. S ist etwas jünger, wird im August 5 und ist ein Mädchen, M ist etwas älter, wird Ende November 6, ist aber ein Frühchen und wäre eigentlich genauso alt wie Jakob, der Anfang Februar 6 wird.
Auch wir Mütter sind gut befreundet und haben sehr viel Zeit miteinander verbracht. Die Kinder sind oft untereinander zu Besuch, mal nur einer, ganz oft zu dritt. Jede Woche haben sie mehrfach Kontakt miteinander nachmittags, wir Mütter unterstützen uns auch gegenseitig wenn mal eine länger arbeiten muss etc. Nun ist es seit einiger Zeit so, dass Jakob S ausgrenzt, wenn sie zu dritt sind, aber auch schon mal, wenn sie zu zweit sind, plötzlich nicht mehr mit ihr spielt. Bisher hatte ich nicht das Gefühl, dass es S etwas ausmacht, aber ihre Mutter erzählte mir, dass sie abends ganz traurig ist und nicht weiß, warum Jakob sie so ausgrenzt.
Er selbst sagt nur, dass Mädchen doof sind und er nicht mit Mädchen spielen will. Dazu muss man sagen, dass S eine coole Socke ist und kein typisches Mädchen. Ihre Mutter erzählte mir eben auch, dass Jakob Ms Mutter wohl schon mehrfach gefragt hat, ob er sich mit M verabreden kann, explizit ohne S. Ich bin ziemlich ratlos, was ich tun kann/soll... Mir tut S unheimlich leid, ich verstehe meinen Sohn nicht und will ihn eigentlich auch nicht „zwingen“, mit Kindern zu spielen, die er nicht mag. Dazu ist vielleicht noch wichtig zu sagen, dass wir und S in der selben Wohnsiedlung wohnen und daher auch spontane Treffen auf dem Spielplatz stattfinden. M wohnt weiter weg in einem anderen Stadtteil, den man nur mit dem Auto erreicht, da sind spontane treffen nicht so einfach möglich.

Ich hoffe, das ganze ist nicht zu verworren...

Limette

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Antw:Ausgrenzung
« Antwort #1 am: 24. Mai 2018, 12:04:13 »
Wir hatten einen ganz ähnlichen Fall. Mein Mädels waren mit einem Mädchen in der direkten Nachbarschaft gut befreundet. Mir war von Anfang an klar dass diese Freundschaft nicht für das Leben bestimmt ist.
Die Interessen wurden immer unterschiedlicher. Tochter A ist 2 Klassen über ihr und Tochter B eine Klasse. Alle drei gehen auf unterschiedliche Schulen. Also gab es da auch keine Berührungspunkte mehr. Das Mädchen spielt noch gerne mit Puppen und klettert Bäume hoch, damit können meine Kids nichts mehr anfangen. Ich habe ihnen erklärt dass es völlig ok ist wenn man zuerst einen gemeinsamen Lebensweg geht und sich dann wieder etwas entfernt.
Ich würde meine Töchter nie dazu zwingen mit ihr zu spielen oder sich zu treffen. Die Kinder haben sich alle in verschiedene Richtungen entwickelt sodass es jetzt eben nicht mehr passt. Aber wer weiß, vielleicht kreuzen sich ihre Wege wieder und es kann was  Neues entstehen.
Ich sehe das relativ entspannt und es wurde auch genauso kommuniziert, ohne Groll.
Im übrigen ist das meinen Kids natürlich auch schon passiert. "Ausgrenzen" finde ich hier ein hartes Wort für einen ganz normalen menschlichen Zug. Ich als Erwachsene brauche auch ab und an Pause von bestimmen Leuten oder breche gar Freundschaften ab weil es nicht mehr passt. Warum sollten das meine Kinder nicht tun.

Ich denke dein Junge kommt nun auch in die Pubertät, da sind Mädchen per se erstmal doof. Gib ihm dem Raum sich zu entfalten ohne mahnend neben ihm zu stehen und ihn zu versuchen in eine Richtung zu schubsen die er nicht möchte.

Wichtig ist das das offene Wort, ehrlich dem Mädchen sagen warum es im Moment nicht funktioniert! Das ist traurig, für beide Seiten, aber daran wachsen die Kids.
Wenn ihr es dann noch beide auf der Elternebene schafft euch nicht in die Haare zu bekommen, dann habt ihr alles richtig gemacht!!!  :)
----- Schweden wir kommen! -----


Solar. E

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Antw:Ausgrenzung
« Antwort #2 am: 24. Mai 2018, 14:17:41 »
Ich würde ihn einfach mal fragen ob er S persönlich auf einmal nicht mehr mag oder ob er Mädchen per se doof findet. Ob er selbst so denkt oder ob das wer sagt, dem er gefallen möchte. Oft ist es doch so dass im Kiga irgendwer damit anfängt und er vielleicht einfach nur auf den Zug mitaufspringt.
Stellt sich raus, dass er S persönlich auf einmal nicht mehr mag, dann ist das so und ich würde ihn auch nicht zwingen. Geht es nur um die Tatsache dass sie ein Mädchen ist und er sie doch eigentlich mag, würde ich mit ihm reden und ihm erklären dass das doch eigentlich nicht schön ist jemanden den man mag so links liegen zu lassen.

Treffen mit M alleine fände ich jetzt nicht dramatisch, das kann man ja auch machen. Die Kinder müssen ja nicht immer zu dritt sein.  :)

Honigbluete

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Antw:Ausgrenzung
« Antwort #3 am: 24. Mai 2018, 14:23:11 »
Danke für deine Antwort, Limette
Mein Sohn ist 5, weit entfernt von Pubertät... und leider ist ja genau das mein Problem, es gibt keine äußeren Anzeichen für diese Veränderung und unsere Freundschaft wird sicher darunter leiden. Wir treffen uns ja meist mit den Kindern...

@Solar mich wundert es, er kann keinen Grund sagen, warum er nicht mehr mit ihr spielen mag. Es war auch eine Vermutung von mir, dass er das im Kindergarten so aufgeschnappt hat, aber er sagt nein.  :-\

lotte81

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Antw:Ausgrenzung
« Antwort #4 am: 24. Mai 2018, 14:39:30 »
Ich kann nur von hier berichten. Aus meiner Erfahrung im gesamten BEkanntenkreis haben sich alle Freundschaften zwischen Mädchen und Jungs im Alter Vorschule/ Grundschule nach und nach aufgelöst. Auch Freundschaften, die seit Geburt bestanden. Klar, sind die Eltern befreundet, sehen sich die Kinder auch und kommen auch irgendwie miteinander/ nebeneinander parat, aber mir fällt ernsthaft kein einziges Freundschaftspärchen ein. Wir haben auch gleichaltrige Jungs im Freundeskreis...das klappt dann schon durchaus, wenn wir uns treffen.... Also kein Streit oder so, aber dass die beiden sich von sich aus verabreden kam eben auch schon jahrelang nicht vor.

Warum, wieso, weshalb das so ist? Keine Ahnung...aber hier ist die Geschlechtertrennung ganz klar in der Grundschule  ;D

Ich würde nichts erzwingen und ihn wirklich auch mit dem anderen Jungen alleine spielen lassen. Was hat S. von erzwungenen Treffen? Trefft ihr euch als Mutter, aber schon sagen, dass niemand angepöbelt oder ausgegrenzt wird.

Bei meinem Großen ist es nun wieder gegenläufig..... da mischen sich die Cliquen und Mädchen und Jungs haben ganz selbstverständlich Umgang miteinander (so ab 11 Jahre) .....

Klar, mal nachhören, ob er persönlich schon noch mit s spielen will, aber sich nicht traut, weil andere Mädchen doof finden, macht durchaus auch Sinn....
Aber nein, erzwingen würde ich nichts. und unabhängig davon, dass es sicher Freundschaften gibt, die ein Leben lang halten, würde ich in dem Alter eher im von einem Wechsel ausgehen ..... und es ist ja auch utopisch zu glauben, dass Kinder mit jedem anderen Kind auskommen, nur weil die Eltern befreundet sind.



Solar. E

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« Antwort #5 am: 24. Mai 2018, 15:31:44 »
Ach so, noch vergessen:
Du bist doch mit der Mutter befreundet, dann würde ich einfach mal das Gespräch suchen und ihr sagen, dass es dir leid tut, du aber derzeit keine Erklärung dafür hast. Wenn ihr miteinander redet sollte eure Freundschaft sowas doch aushalten...?
Ich würde nun keine expliziten Spieldates verabreden, aber meinem Sohn dennoch deutlich klar machen, dass er sich S gegenüber bitte fair verhält und sie nicht ausgrenzt wenn sie sich halt über den Weg laufen - sei es, dass ihr Mütter euch trefft, ihr euch zufällig über den Weg lauft oder eben auch die Betreuungssituation es mal nötig macht.   

Sorrah

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Antw:Ausgrenzung
« Antwort #6 am: 24. Mai 2018, 16:02:21 »
Naja,

ich finde das zwar schade für euch, aber eigentlich haben sich die Kinder diese Freundschaft gar nicht ausgesucht. Die ist ja über euch Mütter entstanden. Stell dir mal vor, du bist zu Besuch bei einer lieben Freundin und immer ist noch jemand anderes da, zu dem du vielleicht gar keinen Draht hast. Ich finde es verständlich, wenn Kinder sich auch ihre eigenen Freunde suchen wollen, unabhängig mal vom Geschlecht. Dreierkonstellationen sind eh oft schwierig, da bleibt oft einer außen vor.

Auch, dass S. ein Mädchen ist, ist vielleicht in dem Alter auch wichtig. Es gab immer wieder mal Phasen, wo bei uns Mädchen auch sowas von nicht aktuell waren. Es ist ja auch wichtig, nur mal unter Jungs zu sein und dann vielleicht zu sehen, dass Mädchen auch ihre Vorteile haben.

Wie sich eure Freundschaft weiter entwickelt, müsst ihr für euch klären und sehen. Aber die kann ja nicht abhängig von den Kindern sein. Aber Jakob würde sich bestimmt freuen, wenn er sich mal nur mit M. treffen könnte. Es ist ja auch wichtig, dass er das mal selbst entscheiden kann. Und wenn man mal Richtung Schule denkt, dann entwickelt sich das sowieso noch weiter. Wer da Freund ist oder nicht – alles ist offen. Und dann werden die Kinder eh bald alt genug, sich auch selbst mit Freunden zu treffen.

Hier ist es übrigens fast ausschließlich so, dass ich mit den Eltern der Kinder, die meine Monsterbacke gut findet, gar nichts zu tun habe, und bei denen ich mit den Eltern guten Kontakt habe, da besteht zwischen den Kindern nicht unbedingt ein Draht.

Ich wünsch euch ne gute Lösung.

Sorrah

Hrefna

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« Antwort #7 am: 24. Mai 2018, 16:13:43 »
 s-daumenhoch

Ich würde auch aktiv gar nichts machen und ich würde mir auch keine Gedanken machen.
Dein Sohn hat kein Problem und das Mädchen lernt gerade, dass Freundschaften nicht statisch sonder sehr dynamisch sind.
Und nächste Woche ist sowieso schon vielleicht alles genau umgekehrt. Also: relax.

Und warum soll die Freundschaft von Euch Erwachsenen darunter leiden?

Wir sind hier in der Nachbarschaft auch alle befreundet und treffen uns regelmäßig. Die Kinder kennen sich auch seit Babyalter. Da gab es auch schon Phasen wo es mal besser und schlechter gepasst hat.

Aber ich möchte mich auch mit meinen Freunden treffen und dann können die Kinder entweder zuhause bleiben (bei uns mittlerweile der Fall) oder wenn sie noch in einem Alter sind, in dem ich das nicht guten Gewissens machen kann, müssen sie eben mal ein Stündchen oder zwei mit. Meist ergeben sich dann doch Spielkombinationen.

Limette

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« Antwort #8 am: 24. Mai 2018, 16:38:21 »
Ach sorry, da habe ich was verwechselt mit dem Alter.

Aber ansonsten kann ich bei den anderen unterschreiben.
----- Schweden wir kommen! -----

Honigbluete

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« Antwort #9 am: 24. Mai 2018, 18:21:34 »
Danke euch für die Antworten. Ich habe heute auch die Erzieherin von Jakob drauf angesprochen, sie sagt das gleiche wie ihr. Es war eher untypisch, dass diese Freundschaft so lange gehalten hat.
Nun muss ich das nur der Mutter von S beibringen, die ist nämlich auch sehr traurig und auch ein bisschen sauer auf Jakob. Und wenn M aus dem Urlaub zurück ist, versuche ich mal zu fragen, ob Jakob sich auch mal alleine mit M treffen kann. Und ich werde mit Jakob nochmal klären, dass er S bei zufälligen Treffen oder bei Terminen, an denen sie gemeinsam sind, nicht ausschließen darf.

hallihallo

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« Antwort #10 am: 30. Mai 2018, 15:42:42 »
Vielleicht bekommt ihr es hin, das S. dann zumindest noch eine Freundin mitnehmen kann und ihr ne Vierer-Konstellation habt.
Ansonsten schliesse ich mich an. Geschlechtertrennung ist in dem Alter völlig normal und alte Freundschaften lösen sich und neue kommen dazu. Musste ich hier auch gerade feststellen. Allerdings gibt es hier immer noch zwei Jungs mit denen unsere Tochter (7 J.) regelmäßig spielt. Das sind aber keine typischen Jungs  :).

Honigbluete

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« Antwort #11 am: 06. Juni 2018, 08:51:14 »
Also, nach einer zwischenzeitlichen Entschuldigung von Jakob an das Mädchen und einer ruhigen Phase ist die Situation diese Woche wieder eskaliert.
Jakob hat sich da echt nicht mit Ruhm bekleckert, aber aus dem Kindergarten kam die Rückmeldung, dass man Verständnis für Jakob habe, da dass Mädchen nicht auf seine freundliche Ablehnung des gemeinsamen Spielel reagiert habe und die Jungs nicht in Ruhe gelassen habe. Es wurde im Kindergarten geklärt, wir Mütter haben eingesehen, dass wir es nicht erzwingen können und nun müssen wir sehen, wie es weiter geht.

 

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