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Allgemeines => Allgemein => Thema gestartet von: HappyMom am 07. November 2013, 19:23:31

Titel: Meine Hausaufgabe
Beitrag von: HappyMom am 07. November 2013, 19:23:31
Hallo Mädels,

ich habe dieses Jahr eine Ausbildung zur Familienpädagogin angefangen und hatte gestern meinen ersten Unterricht mit Hausaufgabe S:D

Über diese Aufgabe habe ich mir schon Gedanken gemacht und auch Notizen, ich will jetzt nur ein paar andere Meinungen hören und diese dann "verarbeiten". Ist auch ein Teil meiner Aufgabe.

Also folgendes: Ihr kennt doch alle die Geschichte vom heiligen St. Martin (was ja jetzt gerade aktuell ist). Nun, ALLE schauen auf diesen ritterlichen Helfer, alle verehren ihn, was für ein Held etc.
Aber niemand schaut auf den armen Bettler. Unsere Aufgabe besteht nun darin, uns Gedanken zu machen WAS wohl der Bettler mit dem halben Mantel macht?

Also liebe Eo-lerinnen: Was macht wohl der arme Bettler mit diesem halben Mantel? 8) Was meint ihr?
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Kathrin am 07. November 2013, 19:26:47
Da St. Martins Mantel ja recht groß war, deckt er sich damit zu.
So ist es zumindest bei uns wenn das Martins-Stück aufgeführt wird... ;D
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Dannichen am 07. November 2013, 19:28:22
Der Bettler wickelt sich drin ein, so hat er es wärmer als vorher der arme Kerl.
So kennen wir das auch aus Erzählungen und Vorführungen aus der Schule.  :)
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: scarlet_rose am 07. November 2013, 19:28:56
Geht es da zum Kreativität oder soll man sich Gedanken um sein reales Leben oder seine Gefühlswelt machen?

Kreativ könnte man ja viel schreiben. Soll es um das Einschätzen der realen Situation gehen, dann wurde ich wohl sagen, dass der Bettler mangels Alternativen den Mantel zum Wãrmen genommen hat und wenig anderes möglich war.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Nipa am 07. November 2013, 19:29:52
Laut Geschichte ist es ja

¨der Bettler rasch ihm danken tut, sein Mantel deckt ihn warm und gut¨

Er hat sich also in den Mantel eingemümmelt und sitzt weiter bettelnd, aber nicht mehr so arg frierend da.
Vermutlich freut er sich auch über diese nette Geste und hofft dass der nächste ihm Geld oder was zu Essen gibt. Eventuell hat er auch Angst, dass ihm bald jemand den Mantel streitig macht, oder er geklaut wird.
Vielleicht grübelt er auch wer der Mensch war, der ihm den Mantel gab, wo er erst dachte - nachdem der das Schwert zog - dass sein letztes Stündlein geschlagen hat...

Also ich denke reininterpretieren kann man da viel...
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Flips am 07. November 2013, 19:31:02
Bei uns im Martinsstück legt er sich vor den Altar und deckt sich damit zu. :)

Würde es in der heutigen Zeit "spielen" und Martin wär ein Star, würde der Bettler das gute Stück wohl bei ebay verticken. Vielleicht, eventuell... ;D

Edit
Klingt irgendwie so negativ/ abwertend- aber irgendwie kam es mir in den Sinn. Dachte dabei an einen Teil der heutigen Jugend... Komischer Gedanke, eigentlich... :-\
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Bettina am 07. November 2013, 19:31:29
Er erfährt Nächstenliebe?
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: HappyMom am 07. November 2013, 19:37:08
Ich gehe davon aus, dass der (halbe) Mantel eben nicht ausreicht um ihn zu wärmen. Also dass er sich nicht damit zudecken kann.

@Scarlet: Es geht um Kreativität und um seine Gefühle. Der Sinn der Sache ist eben die, dass man die Situation aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und analysiert.
Ich schreibe diesen "Aufsatz" übrigends aus der Sicht des Bettlers

Meine Gedanken waren: Es reicht zwar nicht zum zudecken und um die Kälte zu lindern, aber der Bettler ist ja nicht dumm ;) , er geht in die Stadt und verkauft den Mantel für teures Geld, weil der Mantel ja von dem reichen Soldaten der königlichen Brigade war. Mit diesem Geld fasst er Fuß und baut sich nach und nach ein schönes Leben auf und hilft dann auch den Armen weil er ja auch Barmherzigkeit erfahren hat.

Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: HappyMom am 07. November 2013, 19:40:52
@Bettina: Ja genau das ist auch der Kern meines Gedankes. Er erfährt Nächstenliebe, macht was draus und tut ebenso an anderen armen Menschen :)
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: guest4324 am 07. November 2013, 19:41:52
Sich zudecken oder als mitmenschliche Musterlösung ihn jemandem schenken, dem es noch schlechter geht.

Ist er etwas progressiver kann er damit:

-den Nächstbesten, der ihm zwischen die Finger kommt ermorden und sich dessen Sachen unter den Nagel reißen
- sich daraus einen Strick friemeln, um sich aufzuhängen
- ein Banner basteln auf dem steht: Kapitalismus ist kacke.
oder
- seine Salatköpfe hinter seiner Hütte abdecken, um sie vor dem anhaltenden Frost zu schützen

Du liebe Güte, wer denkt sich solche Fragen aus?  ???

Gerade gelesen, HappyMom Deine Lösung ist sicherlich lehrer- und ausbildungskonform und wird gefallen.   s-daumenhoch
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Flips am 07. November 2013, 19:42:34
@ Happy
Dein Gedanke beruhigt mich, da er ja ein wenig in meine Richtung geht...puh! Zumindest der erste Teil ;D

Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: scarlet_rose am 07. November 2013, 20:05:55
Der Mantel ist ja ein Umfang und die sind geteilt durchaus groß genug um sich damit zu zu decken...

Also geht es nur um Kreativität und was man denkt in einer idealisierten Welt möglich wäre?

Naja wenn es um Kreativität geht, würde ich wohl schreiben, dass er sich damit gewärmt hat und ihn mit anderen armen Menschen geteilt hat, jeder durfte sich damit wärmen und so überstanden sie Bettler gemeinsam durch Teilen den Winter.

Ist auch nicht zu irreal. So etwas wie du, wurde ich aus der Geschichte nicht machen.Ich mag es aber auch nicht, wenn man aus fertigen Geschichten utopische Konstrukte zusammen basteln, die mit der "realen" Geschichte und Situation rein gar nichts zu tun hat. Dann soll man ganz weg von der Geschichte und das auch deutlich darstellen.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: piglet am 07. November 2013, 21:22:11
Zitat von: Hrefna am 07. November 2013, 19:41:52
-den Nächstbesten, der ihm zwischen die Finger kommt ermorden und sich dessen Sachen unter den Nagel reißen
- sich daraus einen Strick friemeln, um sich aufzuhängen
- ein Banner basteln auf dem steht: Kapitalismus ist kacke.
oder
- seine Salatköpfe hinter seiner Hütte abdecken, um sie vor dem anhaltenden Frost zu schützen

Die finde ich gut, ist mal was anderes ;D
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: dragoness am 07. November 2013, 22:04:45
Vielleicht einen Teil davon abtrennen und um die Füße wickeln und sich mit dem Rest eben so gut es eben geht zudecken ...
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Bettina am 08. November 2013, 07:18:46
Man könnte natürlich auch mal theoretisieren, ob er nicht der bequeme Sozialschmarotzer ist, der halt einfach zu faul ist und sich auf Kosten anderer durchs Leben schlägt.

Schließlich ist das ja allzu oft der Wind, der ALGII-Beziehern entgegen bläst zusammen mit pauschalisierten Aussagen wie "Arbeit gibt es immer, wenn man nur will." usw.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Alchemilla am 08. November 2013, 08:56:18
Was soll er schon machen? Da der bittere Frost sein Tod gewesen wäre, wird er sich so gut es geht in den halben Umhang gehüllt haben. In einen wallenden halben Rittermntel wird wohl ein dünner Bettler passen. Dass er das Ding vertickt und den amerikanischen Traum verwirklicht, finde ich nicht logisch und von der Aussage her auch zu einfach. Realistischer wäre, dass er Erfrierungen an den Füßen kriegt, weil die nicht mit reingepasst haben und am Wundbrand stirbt. Um den  mittlerweile stinkenden Umhang gibt es einen  blutigen Kampf, in dessen Folge eine Bettlerin auch noch stirbt und der Mantel zerrissen wird. Aus den Fetzen machen sich die anderen Bettler Fußlumpen. Sankt Martin lässt derweil seinen neuen Mantel mit Brokat einfassen.  ;)
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Petsi am 08. November 2013, 09:01:11
Die mittelalterlichen Reitermäntel waren gross genug, da kann man sich schon mit zudecken.
Realistisch betrachtet würde wohl irgendein Gardist oder Büttel bei Tageslicht den halben Mantel beim Bettler sehen, sich fragen, wie der denn da dran gekommen ist, und ihn ins Gefängnis werfen. Anschließend schlagen sie ihm die Hand wegen Diebstahls ab oder hängen ihn auf.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Nipa am 08. November 2013, 09:07:50
Mensch, hätte dieser arme Martin damals auch nur geahnt was seine spontane Tat der Nächstenliebe für Folgen trägt, dann hätte er sich das wohl überlegt  :o

;D ;D
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: ~ Oma Netti ~ am 08. November 2013, 09:28:57
Ich bin einfach nur geflasht von euren Überlegungen, und stelle fest, dass ich absolut keine Phantasie habe...  :o ;D ;D

Am besten gefällt mir ja Hrefna.  ;D
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: lotte81 am 08. November 2013, 09:44:07
Und da wundert man sich um die Diskussion das Fest um St. Martin umzubenennen   S:D S:D
Das ist ja fast so ein schädlicher Effekt,w ie Kleidung in ärmere Länder zu spenden.....
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Sweety am 08. November 2013, 09:49:44
Zitat von: Alchemilla am 08. November 2013, 08:56:18
Was soll er schon machen? Da der bittere Frost sein Tod gewesen wäre, wird er sich so gut es geht in den halben Umhang gehüllt haben. In einen wallenden halben Rittermntel wird wohl ein dünner Bettler passen. Dass er das Ding vertickt und den amerikanischen Traum verwirklicht, finde ich nicht logisch und von der Aussage her auch zu einfach. Realistischer wäre, dass er Erfrierungen an den Füßen kriegt, weil die nicht mit reingepasst haben und am Wundbrand stirbt. Um den  mittlerweile stinkenden Umhang gibt es einen  blutigen Kampf, in dessen Folge eine Bettlerin auch noch stirbt und der Mantel zerrissen wird. Aus den Fetzen machen sich die anderen Bettler Fußlumpen. Sankt Martin lässt derweil seinen neuen Mantel mit Brokat einfassen.  ;)

Also darauf steh ich ja ;D

Petsi - also mittelalterlich ist da jetzt aber sehr großzügig interpretiert. Streng genommen schon (zumindest einige Historiker rechnen da das vierte Jahrhundert schon mit rein), aber ich würde die spätrömische Zeit jetzt nicht als Mittelalter bezeichnen.

Also, was könnte passieren?

- Er findet eine Münze im Mantelsaum eingenäht und freut sich einen Ast. Leider sind die anderen Bettler nicht der Meinung, dass das rechtens ist und schwärzen ihn beim Chef der Bettlergilde (sowas gab's wirklich!) an. Der nimmt ihm Mantel und Münze weg, lobt ihn aber für seine vorbildliche Betteltaktik und spricht ihm Extrarationen zu.

- Er entsinnt sich seiner Schneiderlehre (seine Werkstatt ist abgebrannt, daher sitzt er auf der Straße), klaut irgendwo Nähzeug und fertigt herzallerliebste Wintermäntelchen für Kinder. Die Mütter von Tours reißen sich darum und er wird wieder Herr seines Geschicks.

Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Petsi am 08. November 2013, 10:38:46
@Sweety : da hast du recht  :). Das war noch kein Mittelalter.
Nach kurzem Nachlesen komme ich aber dennoch zu dem Schluss, dass man sich auch mit einem halben Mantel noch gut wärmen konnte (Maße eines römischen Mantels, der sogenannte "Sagum" waren 2,66m mal 1,77m.  ;)
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Sweety am 08. November 2013, 10:39:55
Hat der den eigentlich längs oder quer geteilt? Steht das irgendwo?
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Elphaba am 08. November 2013, 11:08:59
Ich fand schon immer das der heilige Martin dem Bettler auch den ganzen Mantel hätte geben können.. Er war doch reich und hat sich nach dem teilen des Mantels so oder so einen neuen gekauft.  ???
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Bettina am 08. November 2013, 11:32:50
@Elphaba: Aber er hatte vielleicht noch einen weiten Weg vor sich und wollte eben auch nicht erfrieren und da hätte er wohl nicht einfach einen neuen kaufen könne. Diese Selbstaufopferung ist nämlich keineswegs so gewollt, dass man sich selbst die Erfrierungen holt, nur weil man jemandem helfen wollte.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: HappyMom am 08. November 2013, 14:08:41
Boah, ich bin echt erstaunt über soooo viel Ideen. Einfach toll!

@Petsi: Klasse, die Maße eines "Sagums" zu ermitteln s-daumenhoch. Okay, da hätte er dann wohl doch reingepasst in den Mantel ;D

@Sweety: Die Idee mit der Schneiderlehre hat was und bestätigt auch meine Gedanken, dass man sich tatsächlich mit "Nichts" etwas aufbauen kann, wenn mann nur will. Genaus DAS will ich ja mit einfließen lassen in meine Geschichte.

@Alchemilla: Die Geschichte muss ja nicht realistisch sein, KANN, MUSS aber nicht ;) Es geht eben um die Kreativität, um das erfinderische..... :)



Ausserdem ist dieser Soldat ja auch bestraft worden für seine Tat. Wusste ich auch nicht bis vorgestern, ist aber tatsächlich so. Er wurde drei Tage lang in den Kerker geworfen weil er königliches Eigentum (den Mantel) zerstört hat. Und in diesem Kerker hat er sich entschlossen nicht mehr Soldat beim König zu sein, weil seine Nächstenliebe bestraft worden ist.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Bettina am 08. November 2013, 14:13:05
Zitat von: HappyMom am 08. November 2013, 14:08:41
Ausserdem ist dieser Soldat ja auch bestraft worden für seine Tat. Wusste ich auch nicht bis vorgestern, ist aber tatsächlich so. Er wurde drei Tage lang in den Kerker geworfen weil er königliches Eigentum (den Mantel) zerstört hat. Und in diesem Kerker hat er sich entschlossen nicht mehr Soldat beim König zu sein, weil seine Nächstenliebe bestraft worden ist.

Was eine wichtige Botschaft enthält. Dass Gottes Gesetze über den weltlichen stehen und dass es manchmal schwer sein kann, das "Richtige" zu tun.
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: HappyMom am 08. November 2013, 14:14:59
@Bettina: Du sprichst mir aus der Seele :-*
Titel: Antw:Meine Hausaufgabe
Beitrag von: Sabrina84 am 09. November 2013, 14:39:47
Zitat von: HappyMom am 08. November 2013, 14:08:41
Ausserdem ist dieser Soldat ja auch bestraft worden für seine Tat. Wusste ich auch nicht bis vorgestern, ist aber tatsächlich so. Er wurde drei Tage lang in den Kerker geworfen weil er königliches Eigentum (den Mantel) zerstört hat. Und in diesem Kerker hat er sich entschlossen nicht mehr Soldat beim König zu sein, weil seine Nächstenliebe bestraft worden ist.

Darüber haben wir mal im Privatrecht gesprochen. Thema: War St. Martin ein Sachbeschädiger? Und wenn man so Fragt ist die Antwort tatsächlich Ja