Autor Thema: Angst vor dem zweiten Kind  (Gelesen 17288 mal)

Maluga

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Angst vor dem zweiten Kind
« am: 23. November 2012, 13:05:42 »
Hallo Ihr Lieben,

nach langem Hin und Her, Vor-und Nachteile abwägen, die finanzielle Lage abchecken etc. haben wir uns nun doch FÜR ein zweites Kind entschieden...

...wenn da nicht immer MEINE Angst und Zweifel wäre  :(

Luca ist jetzt 2 Jahre und 3 Monate, geht bereits in die Kita. Ich wollte bei einem 2. Kind eigtl. immer einen Abstand von etwa 3 Jahren. Den wir dann ja jetzt auch hätten wenn wir ein Zweites bekommen würden. Allerdings bin ich so unsicher, trotz des Wunsches nach einem zweiten Kind.

Erstmal habe ich natürlich panische Angst vor dem Stress mit 2 Kindern (obwohl Luca ja von 8-14h eh in der Kita ist).
Dann mache ich mir Sorgen, dass man das Zweite nicht so lieben könnte wie das Erste. Ist sicher Quatsch, aber davor habe ich Angst. Vielleicht auch, weil Luca eben ein Frühchen war und seine Behinderung durch den Kleinwuchs hat. Er war eben immer etwas "Besonderes".

Und ich habe das Gefühl Luca gegenüber ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. So, als wenn er allein mir nicht "reichen" würde. Keine Ahnung, woher diese Gedanken kommen.

Mein Mann ist auch einige Jahre älter als ich und wir wollen nicht noch ewig warten. Meine Gedanken ändern sich dadurch ja auch nicht.

Vllt habt ihr ein paar Tips für mich?


Auch aus den Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen!

dragoness

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #1 am: 23. November 2012, 13:57:34 »

Glaub mir, das zweite Kind liebst Du auch, nicht wie das erste, denn man liebt jedes Kind anders. Außerdem ist klar, dass die Liebe wachsen muss, auch wenn man meist gleich sehr verliebt in das Baby ist ;-).

Du musst dem großen Kind gegenüber kein schlechtes Gewissen haben. Nutze eben die Zeit wenn das Baby schläft um exklusiv etwas mit dem Großen zu unternehmen oder vielleicht kann auch der Papa am Wochenende etwas mit dem Großen machen was nur die beiden zusammen machen und das Baby (auch wenn es mal älter ist) ein wenig außen vor gelassen wird.


Ihr schafft das schon, da bin ich mir sicher. Warten würde ich nicht  :)
« Letzte Änderung: 30. Oktober 2014, 17:29:45 von dragoness »


LILA

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #2 am: 23. November 2012, 23:22:17 »
Diese Gedanken sind ganz vielen nicht fremd.   ;)

Aber du nimmst Luca nichts und schenkst ihm die wundervolle Möglichkeit mit einem Geschwisterchen aufwachsen zu dürfen.  :-*



zuz

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #3 am: 24. November 2012, 05:58:04 »
Ich musste gerade schmunzeln, denn ich hatte ganz ähnliche Ängste.
Auch während der Schwangerschaft noch. Immer abwechselnd: O nein, was tue ich hier, ich zerstöre unsere Familie! Und dann: Ich werde dem Kleinen nicht gerecht, niemals kann ich ein Kind so lieben wie das Erste!  :o
Also übertrieben jetzt, aber es ging wirklich so in die Richtung. Auch das mit dem Stress hat mich geplagt, zumal die "Großen" beim 3-Jahres-Abstand während der Schwangerschaft ja noch mitten in der Trotzphase sind (das merkt man bei 2 Jahren oder weniger Abstand ja erst gegen Ende der Schwangerschaft  ;)). Aber: Mit 3 wird es wirklich besser, sie werden selbständiger und brauchen die Mama nicht mehr ganz so intensiv wie vorher.

Nun ja, was soll ich sagen: Nie hätte ich gedacht, dass der Kleine der Großen sooo gut tun würde. Sie hat sich unglaublich toll entwickelt. Klar wird sie auch von selbst älter. Aber ich wage zu behaupten, dass der Kleine ihr einiges beigebracht hat. Zum einen indirekt, weil sie einfach lernen musste, dass sie nicht immer alles haben kann (also jetzt weniger materiell eher so in Richtung Aufmerksamkeit, dass ihre Wünsche berücksichtigt werden usw.). Nicht, dass sie zurückstehen würde. Aber manchmal muss sie eben etwas warten, manche Wünsche müssen erstmal angepasst werden, es muss ein Kompromiss gefunden werden, so dass man allen gerecht wird. Und das hat ihr unglaublich gut getan, denn sie kann das dadurch jetzt auch bei anderen Kindern: Auf sie eingehen, ihre Wünsche berücksichtigen, Kompromisse finden.
Zum anderen auch einfach durch seine ARt: Er ist eben anders als sie, geht anders an Probleme heran und sie lernt davon. Meist sind Kinder ja unterschiedlich und lernen somit gegenseitig, wie man Dinge tun kann. Das ist wirklich wunderbar, hätte ich ihr so niemals beibringen können.
Schließlich ist sie eine wunderbare große Schwester, fühlt sich ganz toll darin, sich um den Kleinen zu kümmern und das stärkt sie auch.

Weniger Zeit für sie: Einerseits ja, klar. Aber vieles ist mit ein wenig Organisation hinzubekommen. Sie macht ihre Aktivitäten weiter wie vorher, wir haben Exklusivzeiten eingeführt, so dass sie Mama und Papa auch mal nur für sich hat. Am Anfang war das sehr einfach, jeztt ist es ... anders. Der Kleine ist einerseits natürlich jetzt viel mehr am Leben beteiligt, andererseits ja auch selbständiger. Also das geht alles. Und emotional musste sie nie zurückstecken. Das ist ja letztlich das Entscheidende, finde ich. Vielleicht hätten wir ohne 2. Kind noch ein paar mehr Bastelsachen hier hängen (noch mehr  s-:)  ;)), ein paar ihrer Spiele 10- statt 5 Mal gespielt. Aber ist das letztlich wichtig?

Und der Kleine: Der wird in eine Familie reingeboren, in der er noch geborgener ist als die Große es war, weil ja noch einer mehr für ihn da ist. Ja, es war weniger Zeit für ihn als Baby als für die Große. Aber: Er war IMMER überall mit dabei, er war nie alleine. Wenn ich mich nicht direkt mit ihm befasst hat, konnte er eben zuschauen, von meinem Schoß aus, und hat dabei auch viel mitbekommen.
Er lernt unglaublich viel von seiner Schwester und ist in manchen Dingen weiter als sie es in dem Alter war, und so manches davon einfach, weil er sich von ihr was abschaut und sich durch sie Dinge zutraut, weil er sie eben sieht.
Und auch für ihn gibt es eigene Aktivitäten und Zeit nur für ihn.
Und natürlich liebe ich ihn über alles. Auf eine andere Art als die Große, er ist ja nun mal auch ein anderer Mensch. Aber keinen mehr als den anderen. Und ich MAG auch beide gleich gern, ich schätze sie gleich sehr, auch wenn sie in vielen Bereichen ganz unterschiedlich sind.

Zum Thema zu wenig Zeit für den einzelnen haben: Sie verbringen ja auch Zeit miteinander. Sprich, wenn ich z.B. Essen mache, wäre die Große früher allein gewesen. Heute spielt sie derweil mit ihrem Bruder, beide sind beschäftigt und nicht allein. Und es ist soo toll, beide zusammen zu erleben.

Heute kann ich mir meine Ängste gar nicht mehr erklären und sie haben sich als so was von unbegründet rausgestellt. Heute hätte ich eher das Gefühl, ich hätte meiner Großen etwas wirklich Essenzielles genommen, wenn ich sie allein gelassen hätte.

Kann Dir natürlich nur von meinen Erfahrungen berichten. Entscheiden musst Du für Dich :)

Honigbluete

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #4 am: 24. November 2012, 08:53:01 »
schön geschrieben, das macht mir Mut!
Ich bin ja auch in einer ähnlichen Position und mache mirt auch Gedanken darüber, dass ich den Großen in vielen Bereichen einschränken werde... aber er gewinnt auch etwas dazu.
Ob und wie ich beide Kinder lieben werde, weiss ich nicht, aber ich denke schon, dass zuz das ganz treffend beschrieben hat, dass es ja auch zwei verschiedene Menschen sind.
WAs mir total auffällt: die zweite SS passiert eher nebenbei, in der ersten habe ich ein Riesenbohei drum gemacht und alles befolgt, was es zu befolgen gab, jetzt ist es halt so  ;D DAs muss aber definitiv kein nachteil sein, denke ich mal, auch die größeren Kinder sind sicher froh, nicht immer nur im alleinigen Fokus der Eltern zu stehen  ;) 8)

Viel Glück euch!



Hubs

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #5 am: 24. November 2012, 19:23:37 »
Den Gedanken, das zweite Kind nicht so lieben zu können wir das erste, kennen bestimmt fast alle. Der Moritz ist mein ganzer Stolz, mein ein und alles, er ist in seiner ganzen Art einfach besonders. Ich hatte Angst, mein zweites Kind wird ihm nie das Wasser reichen können. Und siehe da, jetzt hab ich noch so ne Granate daheim  ;)

Natürlich kann ich mich an die Wochen erinnern, die unglaublich anstrengend waren, die Wochen, in denen sich die Familie neu formieren musste, jeder ein Stückchen rutschen musste um seinen neuen Platz einzunehmen.

Wenn ich meine beiden Buben anschaue, wenn ich sehe, wie sehr der Kleine unser Leben bereichert, wenn ich die Liebe zwischen den beiden spüren kann, dann geht mein Herz auf und ich könnte heulen vor Glück! Dieses unglaubliche Glück, hab ich täglich in meinem Bewusstsein.
Hubs mit den beiden Buben *04/2009 *01/2012



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How could anyone ever tell you, you were less than whole?
How could anyone fail to notice, that your loving is a miracle?

Didi81

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #6 am: 24. November 2012, 19:50:07 »
Ich möchte jetzt nicht allzu viel schreiben, weil ich dir den Mut nicht nehmen will und die Entscheidung erst recht nicht. Nur kurz zu meiner Situation: ich habe auch gedacht, man könne zwei Kinder nicht gleich viel lieben, aber ich wurde eines besseren belehrt. Man kann tatsächlich beide Kinder lieben. ABER: was den Stress angeht, habe ich mir wohl nicht allzu viele Gedanken ursprünglich gemacht und hatte gehofft, dass nur die ersten Wochen chaotisch sind bis man sich neu organisiert hat. Tja was soll ich sagen, der Kleine ist jetzt 5 'Monate und wir haben noch immer keine optimale Lösung hier gefunden; ganz im Gegenteil: momentan ist der Stress echt nicht gut für uns alle.  :-[ DAS hätte ich so nicht erwartet.

Maluga

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #7 am: 24. November 2012, 20:02:12 »
Eure Meinungen waren wirklich toll zu lesen. Klar, wenn es sooo stressig mit dem 2. Baby wird, wie Luca es als Baby war, ui, dann hab ich echt Stress.  s-:) Der hatte ja das erste Mal durchgeschlafen als er 9 Monate alt war und hatte 5 Monate die 3-Monatskoliken. (soviel zu 3 Monatskolik, ha ha).
Aber die Angst mit dem schlechten Gewissen und dem nicht so lieben können wie das Erste, konntet ihr mir zumindest mit euren Erfahrungen etwas mindern.  :D
WIE stressig das ein oder andere Kind im Nachhinein wirklich ist, sieht man ja eh erst, wenns dann da ist. Aber etwas Mut habt ihr mir auf jeden Fall gemacht.

Hut ab, an die Familien, die 3 oder noch mehr Kinder haben. Also das könnt ich nu echt nicht. Wahnsinn  :o


Auch aus den Steinen, die in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen!

Bettina

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Antw:Angst vor dem zweiten Kind
« Antwort #8 am: 24. November 2012, 20:07:12 »
Auch das würdest du können. Stell dir vor es werden Zwillinge  ;D.

Aber wie die anderen schon geschrieben haben ..... du liebst ja jeden Menschen anders. Du liebst nicht deine Eltern so wie deinen Mann und deinen Mann nicht so wie deinen Sohn. Ich liebe meine Kinder nicht gleich, weil sie unterschiedliche Menschen sind. Und jeder hat "seine" Liebe ganz und zu 100% für sich. In ein mehr oder weniger lässt sich das irgendwie nicht fassen.

Und was für deinen Sohn noch dazu kommt .... du kannst ihm damit auch ein Stück Normalität bieten und es ist für die meisten Kinder eher gut, wenn sie nicht zu 100% im Mittelpunkt stehen  ;).

Und was ich noch vergessen habe .... beide haben ja dann auch noch die gegenseitige Aufmerksamkeit vom Geschwisterkind.
« Letzte Änderung: 24. November 2012, 20:19:58 von Bettina »
4+1 x Glück: 02/1998; 09/1998; 07/2006; 09/2008; 08/2011

Ann Kathrin Klaasen:"Ich hatte schon Freunde, da gab´s noch gar kein Facebook." Wolf:Ostfriesen-Feuer

 

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