Um 21 Uhr wurden die Wehen stärker und kamen im Abstand von drei Minuten. Nun musste ich langsam anfangen zu veratmen und ich fühlte mich gut, besser als die ganzen letzten Tage - ich wusste: DAS ist es jetzt, jetzt geht es los … auch wenn die Hebamme sagte, dass wir erstmal bis 23 Uhr abwarten müssen ob die Wehen auch bleiben. Gegen 23 Uhr wurde dann mein Muttermund kontrolliert - unverändert. Da war er: Der Schlag ins Gesicht!
Meine Motivation ließ nach und ich dachte nur “Unproduktive Wehen? Dann verschwindet und lasst mich schlafen, Dreckspack”,
Doch die Wehen blieben und ich konnte nicht mehr im Bett bleiben. Im Liegen war es unangenehm und ich holte mir das Ok der Ärztin rumzulaufen, denn noch hatte ich ja die strikte Bettruhe - aber da ich eh nonstop auf Toilette musste war es mit der Bettruhe ja eh etwas schwierig

Ich schrieb meinem Mann noch eine SMS, dass ich ihn auf jeden Fall heute Nacht noch brauchen werde … wenn nicht zur Geburt, dann einfach um mit mir die Wehen durchzustehen, denn sie wurden immer unangenehmer … richtig unangenehm.
Um 2 Uhr bat ich die Hebamme noch mal meinen Muttermund zu kontrollieren - und endlich… endlich tat sich etwas. Er hatte sich weiter geöffnet auf 3cm und sie freute sich richtig mit mir - schickte mich einen Kreißsaal weiter und rief die Anästhesie an. Der Plan der Ärzte war nämlich mir frühzeitig eine PDA zu legen, damit mein Blutdruck stabil gehalten werden kann und ich die Spontanentbindung schaffe und keine Risiken für die Bauchmaus entstehen.
Direkt nach der PDA-Legung wollte die Hebamme dann meinen Mann anrufen, da eine Geburt von da an ja absehbar sei.
Ich taperte also alleine in meinen neuen Kreißsaal, setzte mich aufs Bett und wartete auf die Anästhesie als es auf einmal in mir riss und alles nass wurde - die Fruchtblase war geplatzt. Hui, damit hatte ich ja schon mal gar nicht gerechnet, nachdem sie bei Ljiljana damals aufgesprengt werden musste. Ich rief laut “Meine Fruchtblase ist geplatzt”, aber irgendwie hörte mich niemand. Na klasse, da passiert endlich mal was und keiner hat Zeit

Also auf die Uhr schauen - Uhrzeit merken … 2.07 Uhr. Falls jemand nachfragt.
Die Anästhesie kam mit ihrer Pflegekraft und ließ mich den PDA-Bogen unterschreiben. Ich sagte ihr, dass mir gerade die Fruchtblase geplatzt sei und bekam ein patziges “Das ist aber nicht mein Fachgebiet, wieso erzählen sie mir das” - Ooookay, dann halt nicht

und meckerte dann mit mir rum, weil ich ja so aufgeschwemmt sei und es kaum möglich ist so eine PDA vernünftig zu legen. Gut, dass sie noch mal erwähnte, dass ich aufgeschwemmt bin wie ein Tampon im Wasserglas, ich hatte es fast vergessen!
Irgendwie war alles komisch. Die Wehen waren weg. Oder ich spürte sie nicht mehr?
Da saß ich nun mit meinem runden Rücken und wartete darauf, dass die PDA gelegt wird … die Betäubungsspritze saß, nun hieß es Katheder legen … und ich konnte nicht mehr, es zerriss mich auf einmal förmlich innerlich und ich schrie, dass das Köpfchen kommt, ich mich hinlegen muss, sie von meinem Rücken weg soll … und bekam erstmal nur ein “Bleiben sie jetzt mal bitte ruhig sitzen” .. und ich schrie wieder bis die Pflegekraft die Situation erkannte und laut nach der Ärztin und der Hebamme rief.
Die Ärztin kam sofort und schubste mich einfach nur zur Seite (

), so dass ich endlich lag und das reißende Gefühl aufhörte und ich sagte ihr, dass das Köpfchen kommt und ich pressen muss - sie wollte aber noch den Muttermund kontrollieren und nach den Herztönen suchen als sie auch schon das Köpfchen in den Händen hielt und passend zum Rest des Babies kam dann auch die Hebamme in den Kreißsaal gestürmt.
Das war es also - Delia war geboren. Mit einer Presswehe!
So schnell, so plötzlich und alles war so unwirklich.
Die Hebamme schaffte es passend mit dem Baby und der Papa? Ja, der lag daheim im Bett und schlief sich fit, falls seine Frau ihn in dieser Nacht noch anruft.
2.32 Uhr war die kleine Maus da, ich habe selbst die Nabelschnur durchgeschnitten und einfach nur gekuschelt. Hatte ich gejammert nie wieder 41 Stunden in den Wehen liegen zu wollen? Na, ich hätte dabei sagen sollen, dass eine Sturzgeburt aber auch nicht erwünscht ist - ich wünsche mir also für das nächste Mal ein Mittelding

Ab 2.45 Uhr versuchte ich endlich meinen Mann anzurufen - und er ging weder ans Handy noch ans Festnetz. Arghs! Nach 10 Minuten gab ich auf, rief meine Mutter an und bat sie es weiter zu versuchen bei mir daheim … und sie schaffte es, denn um 3 Uhr rief mein Mann im Kreißsaal an und fragte die Hebamme ob ich nun wirklich entbunden habe oder ob seine Schwiegermutter sich einen Spaß mit ihm erlaubt hat

Während wir nun auf den Papa warteten von diesem Wunder wurde gemessen, gewogen, Namenskettchen angelegt, … und das war sie also: Unsere Delia.
Geboren am Mittwoch, den 12.05.2010 (SSW 39+1) um 2:32 Uhr mit 3190g verteilt auf 52cm.
Und da kam er - der stolze zweifach Papa … Mit Tränen in den Augen kam er in den Kreißsaal und als er uns dann dort liegen sah war es vorbei, noch nie habe ich ihn so weinen sehen. Er fühlte sich schuldig mich alleine gelassen zu haben, war traurig die Geburt seiner zweiten Tochter nicht miterlebt zu haben und dennoch stolz und überaus glücklich über unser zweites gesundes Wunder!
Nach zwei Stunden im Kreißsaal musste Delia dann leider noch für eine Stunde ins Wärmebettchen, da die Temperatur nicht konstant blieb - und nach der Stunde Wärmebett gab es dann als weitere Therapie: Viel kuscheln mit Mama im Bett. Toll

So gerne wäre ich mit ihr nach Hause, aber leider mussten wir auf Grund meiner Erkrankung noch zur Beobachtung dort bleiben

Ich möchte Danke sagen …
Danke an meinen Mann für all die Unterstützung in der Schwangerschaft, im Krankenhaus und daheim.
Danke an meine Mutter, die in 48 Stunden mal eben 2000km auf der Autobahn für mich gefahren ist, meine große Tochter wundervoll betreut hat und mir dabei half “loszulassen”.
Danke an meine große Tochter, die eine so tolle verständnisvolle große Schwester ist.
Und danke an einige EO- und SO-Mädels, die mich so toll per SMS unterstützt haben, mir Mut zu sprachen und an uns dachten
