Als ich wieder im Kreissaal zurück war und ich immer noch das Vorwehenzimmer in Beschlag hatte, wurden die Wehen nochmal um ne Ecke stärker, ich veratmete tapfer weiter und ging Auf und Ab, obwohl es schon recht hart war. Dann war Schichtwechsel, die nette Hebamme hatte ihre letzte Schicht vor ihrem Urlaub (schade, ich hätte ihr so gerne noch meinen Zwerg gezeigt), aber dann hatte die Hebamme Dienst, die auch immer in der Ambulanz Dienst hatte. Umso besser, die war auch sehr nett und sie kannte die Faxen, die mein Zwerg beim CTG gerne machte. Um 19 Uhr gabs wieder ein CTG, wir waren mittlerweile bei 2 Minuten und kurz vor 20 Uhr wurde ich wieder untersucht und siehe da: Muttermund bei 7 cm! Kommentar der Hebamme: „Ob das Baby heute noch kommt, kann ich nicht versprechen, aber wir bekommen es auf alle Fälle noch in dieser Schicht durch.“ Wunderbar, dann muss ich ja maximal noch bis 6 in der Früh aushalten

Mittlerweile waren die Wehen wirklich fies, ich hab mich ne Stunde auf den Gymnastikball gesetzt, aber ich wusste schon gar nicht mehr, ob ich sitzen, stehen, laufen oder aufs Klo will (ich hatte an dem Tag so viel getrunken, dass ich alle paar Minuten Pipi musste). Um 22. 00 ging ich dann nochmal in die Wanne. Da wurden die Wehen so stark, ich hab da die letzte Dame mit dem Gestöhne gleich im fliegenden Wechsel abgelöst. Mein Körper war richtig heiß, als würde ich zerkochen. Alle 20 Minuten wurde mein Muttermund abgetastet und er ging immer weiter auf. Mein Freund hat mir auf die Stirn und ins Dekolleté kalte Lappen gelegt, ich hielt diese Hitze nicht aus. Um 23.30 war ich bei 9 cm, hatte keinen Bock mehr auf die Wanne und die Hebammen (es kam noch eine Zweite dazu, weil um 21 Uhr war nur mehr ich im Kreissaal und der Guten war wohl langweilig s- ) meinten, meine Wehen seien zu stark als das ich in der Wanne bleiben könnte. Also raus – war mir nur allzu Recht – und einen Sprint in den Kreissaal und ab auf die Gebärlandschaft.
Jetzt wurde es bitterernst, der Muttermund war total offen, ich mit meiner Kraft ziemlich am Ende, aber was muss, das muss

Kleinchen musste noch nach unten wandern, aber der war so gar nicht willig, auch nur irgendwas beizutragen. Ich hatte schon ziemlichen Pressdrang, aber ich durfte noch nicht, dafür bekam ich eine Infusion, die hat mir die Wehenpausen ziemlich angenehm gemacht, bin fast jedes Mal weggedöst. Dadurch, dass ich schon so lange so starke Wehen hatte, war ich am Ende und ich hab gezittert wie Espenlaub; ok, lag auch an der Infusion. So richtig durchs Becken wollte mein Kleiner aber nicht, er hat sich zumindest sehr viel Zeit gelassen. Zwischenzeitlich hatte man mich in den Vierfüßler bugsiert, na Danke, das war doch etwas zu extrem. Ich dachte, mein Unterleib wird sich demnächst in zwei Hälften teilen und Blasendruck hatte ich auch und weil die Hebammen so nett waren, bekam ich kurz nen gratis Blasenkatheder

Aber plötzlich war in mir schon das Köpfchen zu sehen und mein Freund sagte mir, er hat die gleiche Haarfarbe wie ich, das motivierte mich nochmal ordentlich!
Irgendwann, endlich, bekam ich dann doch die Erlaubnis zu Pressen. Nur hatte ich absolut keine Kraft mehr und bei den ersten 4 Presswehen bitterlich versagt. Nachdem mir die Hebammen verbal auf die Finger geklopft haben, gab ich nochmal alles und auf einmal, nach 3 weiteren Presswehen, lag er zwischen meinen Beinen.
Marvin war da!
Am 16.07 um 1.30 mit 49 cm, 3580 g und 35,5 KU.
Wir waren überglücklich, meinem Freund standen die Tränchen in den Augen. Man hat ihn mir gleich auf die Brust gelegt und die Nabelschnur war so lang, da haben die Hebammen richtig gestaunt

Mein Freund durfte sie dann durchschneiden und hat beim Vermessen, Wiegen und Anziehen geholfen, während ich genährt wurde. Gerissen bin ich nicht, aber da Marvin die Hand vor dem Gesicht (wie die Mama damals bei der Geburt)hatte, hatte ich ein paar Schürfungen.
Ich richte meinen besonderen Dank an die Hebamme Löffler, die mir mit ihrer natürlichen Sichtweise zur Geburt eine sehr positive Einstellung vermittelte, außerdem an die Hebammen Rucker und Walisch, die mich während den anstrengendsten Stunden super betreut haben.
Aber vorallem will ich meinem Freund danken, der in der ganzen Schwangerschaft sehr viel Geduld hatte und mir immer eine Hilfe war und während der Geburt die allergrößte Stütze und Beruhigung für mich war.