Dort hampelte ich am Kreissaalbett herum, während Marco den Fragebogen für die PDA ausfüllte und mich mit lästigen Fragen nervte… Ich glaube, da wurde ich das erste mal unfreundlich vor Ungeduld und Schmerzen.
Ich unterschrieb endlich den ausgefüllten Wisch und die Hebamme kam mit den PDA Utensilien. Die Ärztin wollte in 10 Minuten da sein. Mittlerweile war es kurz nach 6 und sie wollte noch mal nach meinem Muttermund sehen. Ihre Augen wurden kurz etwas größer und dann meinte sie, für eine PDA sei es nun zu spät, der Muttermund ist vollständig offen. Ich würde bald einen Druck nach unten verspüren sagte sie und dann dauert es nicht mehr lange, bis ich den Kleinen in der halten darf.
Okay dachte ich mir.. das haben auch andere ohne PDA geschafft, also auch ich… obwohl ich dachte, es zerreißt mir jeden Moment das Becken… es sollte ja bald vorbei sein, war mein zweiter Gedanke in Vorfreude auf das Krümelchen in meinem Arm.
Pustekuchen sag ich nur… ich dachte ich hätte Schmerzen… HA!
Wie sagt man so schön… „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt!“
Um halb 7 setzten die Presswehen ein. Ich gab mein Bestes, aber der Knirps wollte keinen Zentimeter weiter nach unten rutschen.
Ich presste, als hätte ich mein Leben lang nichts anderes getan bei jeder Wehe mit, atmete, wechselte von der einen zur nächsten Stellung, hab glaub nicht eine ausgelassen, aber es ging und ging nichts weiter….
Hundemüde war ich, kraftlos und ich wollte nicht mehr… die Minuten und Presswehe um Presswehe verstrich. Der Kleine hatte sich irgendwo in meinem rechten Beckenknochen verkeilt und ich bekam ihn dort nicht raus geschoben.
Die Presswehen waren dabei nicht schlimm… Ich war so froh wenn ich pressen konnte, denn dann war der Schmerz erträglich. Die Schmerzen zwischen den Wehen, war 100 Mal schlimmer. Wenn die Wehe vorüber war, fühlte es sich an als würde der Kopf des Kleinen mir die rechte Seite des Beckens sprengen. Zwischendurch war auch mal die Ärztin da, aber was die meinte, habe ich nicht mitbekommen.
Um 8 war Schichtwechsel der Hebammen.
Ich war da am Kreissaalbett am Toben… Der Löwe in mir kam zum Vorschein. Ich muss den ganzen Kreissaal zusammen gebrüllt haben (das bestätigte mir im Nachhinein auch mein Männe *gg*) Wechselte laufend meine Stellung am Bett…. Ich wollte nur noch dass es vorbeiist… Ich war wie in einem Rausch (ohne Rauschmittel abgesehen von einer lächerlichen Buscopan vor der Entspannungswanne).
Um 9 holte die Hebamme mal die Ärztin, die gleich den Oberarzt mitbrachte.
Dieser untersuchte mich und bestätigte mein Gefühl, dass der Kleine Wurm immer noch dort saß, wo er vor 2 Stunden schon mit seinem Köpfchen saß….
Na bravo, dachte ich mir… soweit ich noch denken konnte. Blaß um die Nase wurde ich, als er kurz raus ging und einen Wagen mit der Saugglocke ankarrte. Er hockte sich dann zu meinen Beinen, meine Beine musste ich in die Halterungen legen und er versuchte das Köpfchen mit seinen Fingern bei jeder Presswehe in mir ein Stück in die richtige Richtung zu schieben. Er meinte, der Kopf sei leicht beweglich und da die Herztöe absolut in Ordnung waren, wir es erst noch mit einem Wehentropf versuchen, um mich zu unterstützen, bevor er zur Glocke greift.
Ich war so gut wie am Ende meiner Kräfte, aber allein der Anblick dieses Instrumentes ließ mich über mich hinaus wachsen.
Also ab an den Wehentropf. Kaum war der Arzt bei der Tür raus, grinste die Hebi und schob den Karren mit der Saugglocke erst mal aus meinem Sichtbereich hinter die Gardinen und meinte: „Die brauchen wir nicht… du schaffst das!“
Mit Hilfe des Wehentropfs, der gut gelaunten Hebamme und meinem unendlich geduldigen Göttergatten ging es dann unter Löwengebrüll meinerseits endlich doch Stück für Stück voran. Es war direkt eine Wohltat, als das Köpfchen sich endlich aus seiner misslichen Lage befreite und Millimeter für Millimeter nach unten rutschte.
Ich heulte Tränen der Erleichterung und des Glücks, als die Hebamme mir den Spiegel zwischen die Beine hielt und ich die schwarzen Haare meines Sohnes sehen und befühlen konnte.
Um 10.55 Uhr, nach fast 4einhalb Stunden endloser Schmerzen und vielen, vielen Presswehen, hatte ich endlich unser Schnuffelchen im Arm.
Alles an Schmerzen war beim Anblick dieses Sonnenscheins vergessen, nicht mal das Nähen des Dammrisses 2.Grades hab ich wirklich mitbekommen… soooo verliebt war ich gleich in diesen süßen Spatz.
Ein gaaaanz großes Dankeschön an dieser Stelle an meinen Göttergatten, der mich die ganze Nacht tatkräftig unterstützt und mit mir gelitten hat!
Iven Ephraim22.August 2010 (SSW 39+1)
10.55 Uhr
3690 Gramm
52 cm
38cm KU
Hut ab vor jeder/m, der ihn bis zum Ende gelesen hat

