Ich ergreife mal die Gelegenheit, Costas Geburt chronologisch aufzuschreiben.
Dann mal los!!
Am Sonntag, den 14.03. bin ich den ganzen Tag unruhig. Die kommende Woche, in der ich alleine bin mit einem reifen Befund und einer festgestellten leichten Wehenschwäche liegt mir schwer im Magen. Männe auch, das merke ich. Er hat ein total schlechtes Gewissen mir gegenüber, obwohl er das nicht muß. Wir sind beide nicht so recht glücklich in der Situation. Abends koche ich nochmal für uns und mache mich ein bißchen hübsch, weil ich will, daß er diesen Anblick von mir mitnimmt, falls er mich das nächste Mal verschwitzt und schreiend sieht…
Am Montag, den 15.03. überrascht er mich mit der Ankündigung, daß er erst am folgenden Tag an die Uni fährt und stattdessen heut mit mir zum Arzt kommt. Sinnlos eigentlich, aber wir beide haben das Gefühl, daß damit eine Weiche gestellt ist und die Entscheidung goldrichtig ist. Montagnachmittag fahren wir also zur Kontrolle. CTG ist grad besetzt, also erst Untersuchung. Der Doc kommt rein und fragt, ob er einen zweiten Arzt mit reinbringen darf. Sein Nachfolger, der die Praxis übernehmen wird. Klaro. Da waren wir dann also zu viert im Raum. Naja egal. Doc erfreut mich mit der Nachricht, daß der Gebärmutterhals mittlerweile gänzlich verstrichen sei, der MuMu aber immernoch zu. Dann noch Amnioskopie (alles i.O.) und CTG. Letzteres zeigt keine schlechten Wehen, die ich nicht merke. Großartig.
Das sollte mir noch mehr Angst vor der Alleine-Woche machen… tut es aber nicht so richtig. Es prallt iwie außen ab. Ich bin innerlich ruhig.
Ich hab das starke Gefühl, daß die Amnioskopie was losgetreten hat. Warum, weiß ich auch nicht. Deshalb behalte ich das weitestgehend für mich, mache nur meinem Mann gegenüber einmal eine derartige Anmerkung ganz beiläufig. Ebenso beiläufig gibt er zurück, daß das genau sein Eindruck ist.
An diesem Abend und in dieser Nacht muß ich häufiger auf Toilette als sonst und es kommt mehr und ich muß häufiger nicht nur Pipi. Ich denke an meine GVK-Leiterin, die da sagte, daß der Körper sich selbst reinigt, wenn es losgeht.
Um 04:20 wache ich wieder auf, weil ich auf Toilette muß. Auf dem Rückweg spüre ich plötzlich etwas, das nur eine Wehe sein kann. Krass!! Endlich merke ich mal was. Aber ich habe bestimmt noch viel Zeit. Ich mein – es ist ja nur eine vereinzelte Wehe und nichtmal sehr stark. Sicherheitshalber kontrolliere ich nochmal meine Nottasche, als mir der Gedanke kommt, mir die Uhrzeit zu notieren von der Wehe. Nicht, weil ich denke, daß es arg losgeht, sondern weil meine erste spürbare Wehe festgehalten werden muß
Ich bücke mich also um mein Notizbuch zu greifen und etwas läuft aus mir raus
Ich stehe auf… und wieder rinnt was. Nur ein bißchen und ich denke so bei mir „Na toll – Blasenriß?“
Auf zur Toilette. Kaum dort angekommen, kommt es schwallartig und läuft und läuft und läuft. Okay, kein Riß, sondern Blasensprung. Es geht tatsächlich los. Es ist 4:50. Ich warte, bis der erste Schwung vorbei ist, klemme mir ein Handtuch zwischen die Beine und wecke Männe.
Dann geht alles ganz schnell. So kommt es mir zumindest vor. In Wirklichkeit vergehen anderthalb Stunden, weil ich noch meine Mutter anrufe, das KKH anrufe, die Katzen füttere, nach meiner Leggings schreie, die ich nicht finden kann obwohl sie direkt vor meiner Nase liegt und so weiter. Die ganze Zeit habe ich Wehen in seltsamen Abständen zwischen 4 und 20 min. Sie tun ziemlich weh, aber ich hab’s mir schlimmer vorgestellt.
Im KKH wird’s dann schlimmer, aber immer noch nicht so schlimm, wie ich mir das ausgemalt und worauf ich mich eingestellt habe. Ich komme in ein Zimmer, fülle die Speisepläne aus und beantworte Fragen nach Allergien und fülle den Bogen für die PDA aus.
Meine Hebamme wird angerufen und kommt recht schnell. Zu dem Zeitpunkt ist sie für mich noch Frau W. und ich für sie noch Frau E. Wir beide wissen, daß sich das ändern wird, aber momentan ist es uns noch lieber so. Wir verstehen uns auch beim „Sie“ blendend.
Sie nimmt mich mit in ihren Untersuchungsraum zum CTG und will auch gleich nach dem MuMu schauen. Kommentar: „Na hallo!!! Der ist auf 5-6 cm. Sind sie sicher, daß die Wehen aushaltbar sind?“ Ich: „Klar. Wie Regelschmerzen. Starke Regelschmerzen. Also so richtig extrem üble Regelschmerzen… aber unter Wehen hab ich mir mehr vorgestellt.“ Ihre Augenbrauen schießen in die Höhe. Männe kommt reingeplatzt mit Kaffee für sich und Kakao für mich. Die Wehen kommen jetzt regelmäßig alle 5 Minuten.
Die Hebamme fragt, ob wir was dagegen hätten, wenn sie einen Arzttermin in einer halben Stunde wahrnimmt. In einer dreiviertel Stunde wäre sie schon wieder zurück. Bevor Männe was sagen kann, erteile ich ihr die Absolution, weil in der kurzen Zeit kann ja nicht viel passieren. Sie schickt uns laufen und ermahnt mich, nicht noch Shoppen zu gehen, weil sie mir mittlerweile alles zutraut. Aber in 20 Minuten, bevor sie geht, will sie nochmal nach mir schauen.
Es ist halb neun. Wenn mein Mann in der Uni wäre, hätte ich ihn JETZT angerufen und es später bitter bereut.
Wir latschen also den KKH-Flur auf und ab. Die Wehen kommen jetzt schneller und stärker. Ich muß jedesmal stehenbleiben und veratmen. Entweder hänge ich dann über irgendeinem Handlauf oder über Männes Schultern. Zwischenzeitlich muß ich dauernd pinkeln. Wir gehen in den Treppenflur, um auch meine Schwiegis zu benachrichtigen. Die sind ganz aufgeregt, daß ihr Enkelchen sich auf den Weg macht.
Die Hebamme kommt nochmal zu uns, wirft einen Blick auf mich, wie ich schnaufend und stöhnend halb über dem Treppengeländer, halb über meinem Mann hänge und beschließt, ihren Termin abzusagen. Sie nimmt uns wieder mit rein und kommt mit, die KS-Tasche zu holen. Unterwegs treffen wir den Anästhesisten, der fragt, ob sie ihm Kundschaft bringt. Ihre wenig tröstlichen Worte sind „Leider nicht… das schaffen wir bei ihr einfach nicht mehr.“ Na Bravo!!
Irgendwann sind wir im KS angelangt. Sie will die Heizung aufdrehen und fragt, ob mir kalt ist. Ich sage: „Ja… nein… ich weiß es nicht genau… oben warm, unten kalt.“ Sie nickt wissend und macht’s warm. Ich zieh meine geliebte Leggins aus (durch meinen Kopf schießt noch der irrige Gedanke, daß ich mir erst wieder eine Hose anziehe, wenn ich nicht mehr schwanger bin) und kletter auf das Bett. CTG angepappt und MuMu wird wieder abgetastet. Sie macht riesige Augen und sagt „Ui!!“ Ich: „Was ui??“ Sie: „8-9cm.“ Ich:
