Es geht los, jemand sagt “Schnitt”. Eine Uhr kann ich nicht sehen. Die Kinderärztin kommt und stellt sich mir vor, sie macht einen sehr netten Eindruck. Aber irgendwie ist da eine innere Unruhe, ich kann das Gefühl nicht beschreiben. Ich merke, wie an meinem Bauch “gearbeitet” wird. Die Absaugung geht an, meine Mama redet noch immer mit mir, was sagt sie eigentlich? Egal, die Absaugung ist an, gleich weint mein Baby. Normal dauert es ca 30 Sekunden, aber man hört nur die Absaugung und Stimmengemurmel. Dann merke ich, wie Panik auf der anderen Seite des Tuches entsteht. Ich höre mich eigentlich ununterbrochen zu meiner Mama sagen: Mama, da stimmt was nicht!!! Mama versucht mich zu beruhigen, geht nicht! Die Anästhesisten guckt übers Tuch, sagt: Alles gut. Nein, nix ist gut, die Absaugung ist an, sie saugen ohne Ende und sind in Panik. Auf einmal hab ich das Gefühl, es zerreißt mich, überall sind Bewegungen auf meinem Bauch, überall Druck, es wird eine 2. Absaugung angefordert und das Baby weint noch immer nicht!!!! Ich hab Angst, so große Angst! Und ich kann nix machen, sag nur immer wieder, Mama, es stimmt was nicht. Die Anästhesistin sagt plötzlich, ich sehe eine Hand und nen Fuß, gleich ist sie da. Sie wollte mich beruhigen, aber gerade das macht es noch schlimmer. Hand & Fuß, Querlage, sie bekommen sie nicht raus!!! Es wird noch immer gesaugt und gezerrt und gedrückt, plötzlich sagt einer, Baby ist da! Und ich höre…..nix. Sie weint nicht!! Ich fange an zu heulen, es vergeht eine gefühlte Ewigkeit, dann endlich ein Aufschrei…..mein Baby lebt!!!!! Es dauert noch ein bisschen, dann kommt die Hebamme und zeigt mir ein winziges Gesicht im Handtuch, sie blinzelt mich an. Ich kann nur noch heulen. Im Hintergund noch immer die Stimmen, die Absaugung, ich frag, was los ist. Es heißt, alles in Ordnung, sie machen zu. Nein, denk ich, nix in Ordnung, das Gefühl ist noch da. Die Hebamme bringt mein Baby wieder zu den Kinderärzten, angeblich kann es mit mir gleich in den Kreissaal, paar Minuten später kommt die Kinderärztin, Babylein soll mit zur ITS zur Überwachung. Ich heule wieder, wieder kein Babykuscheln nach der Geburt. Es heißt nur bis morgen… Ich darf sie noch mal sehen, so eine kleine Stupsnase, sie sieht aus wie Johanna. Dann ist sie weg, die Geräusche bleiben. Die Ärzte verlangen nach Spülflüssigkeit, erst 1 Liter, dann noch einer und noch einer, ich muß mich übergeben, ich hab das Gefühl ich werde überfahren….ich sag zu meiner Mama mal wieder, da stimmt was nicht. Plötzlich wird mir wieder komisch, ich werde total müde, schlaf fast ein. (meine Mama meinte im nachhinein zu mir, erst wurde ich ganz weiß-blau, dann knallrot und dann hab ich die Augen zugemacht, das war der Zeitpunkt, wo sie fast vom Stuhl gekippt ist). Dann wird es wieder besser, meine Mama wird rausbegleitet, ich werde noch mal in eine andere Position gefahren, der MuMu müßte noch geweitet werden. Aha? Macht man das nicht eigentlich bevor der Bauch wieder zu ist?
Dann rüsten sie ab, die Tücher kommen weg, ich werde in mein Bett verfrachtet. Ich fühle mich super! Es ist überstanden. Ich komme in den Kreissaal zur Überwachung, alles ist gut. Meine Mama geht das Baby angucken, ich telefoniere und schocke meinen Bruder und meinen Papa, die ja noch von nix wussten. Die Oberärztin kommt. Sie erklärt mir, dass was ich schon eigentlich wusste. Es gab Komplikationen. Sie haben wie geplant in meine alte KS Narbe geschnitten, sind dann aber auf die Plazenta gestoßen und die war voll mit fingerdicken Krampfadern. Keine Chance dort zu schneiden. Somit haben sie den Schnitt vergrößert, weiter gedehnt und oberhalb der Plazenta geschnitten. Es war nix zu sehen, aber auch dort war alles voll mit Krampfadern, es hat geblutet wie nix gutes. Zeitgleich hat sich die Plazenta gelöst, da hat es nun auch noch geblutet, alles war voll mit Blut, sie konnten nix sehen. Baby war ja klein, lag wohl in Schräglage und wurde durch die Eröffnung der Fruchtblase in eine Querlage unter meine Rippen gedrückt und hat sich dort verharkt. Sie bekamen sie nicht zu packen, mußten erst die Plazenta teilen und entfernen (die wird eigentlich nicht geteilt und erst nach Geburt des Babies entfernt) und haben dann ohne Ende abgesaugt und in alle Richtungen den Schnitt weiten müssen um das Baby raus zu bekommen. Laut Bericht der Kinderärzte lag die Zeit von Eröffnung der Fruchtblase bis Geburt vom Baby bei 5 - 7 Minuten!! Ich hatte in alle Lagen im Bauch eingeblutet, sie haben mit insgesamt 5 Litern Flüssigkeit meinen Bauchraum spülen müssen, der Blutverlust lag bei 1 Liter. Notfallblutkonserve stand schon auf Abruf bereit. Ich habe sie aber nicht gebraucht, mein HB war vorher ziemlich gut, ich seh zwar noch immer einer weißen Wand sehr ähnlich, aber der HB steigt dank Eisentabletten wieder. Meine Mama kam mit süßen Fotos von meinem Baby und für mich war die Welt wieder in Ordnung. Ich kam aufs Zimmer, ich hatte ne Drainage gelegt bekommen wegen der Blutung und den Blasenkatheter. Um ca 20 Uhr kam der Chefarzt und meinte zu mir: Herzlichen Glückwunsch zum Baby. Ich muß zugeben, ich bin sehr froh, dass sie auf den heutigen KS bestanden haben und wir uns doch dazu durchgerungen haben ihn zu machen. Ich möchte nicht drüber nachdenken, was passiert wäre, wenn wir noch ein paar Tage gewartet hätten! Diese Worte werden in meinem Kopf nie verklingen.
Die Nacht war nicht toll, ich hatte Nachwehen und entsprechende Schmerzen. Um 22 Uhr hab ich endlich meinen “Mann” erreicht und Baby bekam offiziell meinen!! Wunschnamen. Ich hab mehrmals mit der ITS telefoniert, Baby hatte Blutdruckprobleme, bekam mehrmals Volumengaben, aber sonst ging es ihr gut. Donnerstag morgen kamen Drainage und Blasenkatheter raus, mein Blutdruck war 100%, nix Schwindel, ich konnte aufstehen, alles super! Meine Plazenta ist eingeschickt, es wird vermutet, dass die Krampfadern alles ausgelöst haben, Ergebnis steht aus. Mittags brachte mir eine “alte” Kollegin mein Baby für 1 Stunde zum Kuscheln, ich sollte an dem Tag noch nicht zur ITS, die hatten noch immer Angst wegen meinem Blutverlust. Es war so schön, sie war so süß. Leider mußte sie abends wieder an die Infusion Blutzuckerprobleme. Am Freitag durfte ich endlich zu ihr. Die Oberärztin kam, auch eine “alte” Kollegin von mir und irgendwie hatte ich wieder dieses Gefühl. Sie erzählte mir, dass es ihr soweit gut gehen würde, die Blutdrücke wären jetzt alle super, der Blutzucker noch nicht, aber okay, zu verkraften. Und dann erzählte sie mir etwas, was ich erst am Samstag richtig begriffen habe und was mich noch immer total fertig macht. Mein Baby hatte nach der Geburt keine Herzfrequenz mehr und wurde reanimiert!!! Mein Baby, welches da auf meinem Arm lag, wäre um ein Haar nicht bei mir gewesen. Es war so was von kurz vor knapp, zum Glück hat sie sich gut erholt, die Blutwerte waren noch einigermaßen okay, ich hoffe, sie ist ohne Folgen davon gekommen, sagen kann es mir keiner. 2 Kinder und beide fast bei der Geburt gestorben. Ich weiß nicht, wie lange ich daran noch zu knabbern haben werde.

Bis Sonntag lag sie noch auf ITS, Blutzuckerprobleme und Phototherapie (positiver Coombstest), trinken mochte sie quasi gar nicht, hat ne Magensonde. Am Sonntag Nachmittag durfte sie endlich zu mir, es folgten im Kinderzimmer noch 2x Phototherapie. Zudem hatte sie über die erlaubten 10% abgenommen, wog zwischenzeitlich nur noch 2220g und stand kurz wieder vor Infusion auf ITS. Gestern Nachmittag durften wir auf meinen Wunsch als Ausnahme mit Magensonde ( dank meines Berufs und meiner “alten” Kollegen) endlich nach Hause. Morgen müssen wir noch mal zur Kontrolle ins KH, im schlimmsten Falle noch mal zur Phototherapie dableiben. Ich hoffe von nicht. Mittlerweile tinkt sie ganz gut die abgepumpte MuMi. Ich denke die Sonde braucht sie bald nicht mehr.