Teil 2 - Der lange Weg vom vorzeitigen Blasensprung zu den ersten WehenDonnerstag, 28.04. – 34+5Am Donnerstag, den 28.04. bei 34+5 habe ich es mir wie immer mittags auf dem Sofa bequem gemacht. Georg war noch da, musste aber gegen halb drei zur Arbeit fahren. Als er fahren wollte, hatte ich auf einmal ein ganz komisches Gefühl im UL und sagte ihm, er möge noch kurz warten. Auf der Toilette angekommen wusste ich eigentlich schon was los war. Ich verlor schwallartig Fruchtwasser, was der Testhandschuh auf bewies. Ich bin dann auf dem schnellsten Weg zurück zum Sofa: „Ich glaub Du fährst jetzt nicht zur Arbeit, meine FB ist gerade geplatzt.“ Eine Stunde vorher hatte ich noch zu ihm gesagt, ich müsste mal so langsam die Kliniktasche fertig packen… Georg flitzte also nach oben, um Sachen einzupacken und ich rief als erstes den Notruf wegen dem Liegendransport an. Im KH hatte sie mir extra gesagt, dass – wenn es denn doch frühzeitig losgeht – ich zwar liegend, aber ohne Notarzt und Sirene transportiert werden müsste. Das muss ich dem guten Mann beim Notruf wohl mehrmals gesagt haben. Zumindest fragte er iwann: „Okay, ohne Notarzt und Sirene, das hab ich jetzt verstanden – aber wo sollen wir denn nun hinkommen?“

Danach rief ich meine Hebi an, die eigentlich eine Stunde später vorbei kommen wollte. Und weil die Zeit wie im Schneckentempo verging, rief ich auch noch sanni an. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam dann der Sani-Wagen und ich wurde ins KH gefahren. Die Hebi hatte mich schon angekündigt und uns erwartete eine großes „Hallo“ im Kreißsaal – das war fast so wie nach Hause kommen. :

Nach dem Blasensprung war ich mir nun sicher, dass es jetzt auch bald losgehen würde. Angst hatte ich überhaupt keine. Aber das liegt wohl auch daran, dass vorher keiner geglaubt hatte wir würden es überhaupt bis 34+5 schaffen. Ich wusste, der Start würde für Hannes vielleicht etwas schwerer wir für andere, aber wir würden das zu dritt gut hinbekommen. Allerdings zeigte das CTG keinerlei Wehentätigkeiten. In den letzten Wochen waren wir immer so froh, wenn auf dem CTG nur eine Gerade zu erkenn war aber nun hätte ich mich über ein paar „Hügel“ gefreut. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Also wurde ich erstmal auf die Station gebracht. Da Hannes noch nicht tief genug im Becken saß durfte ich bis auf die Toilettengänge wieder nur liegen. Alle zwei Stunden wurde CTG gemacht und ich bekam vorsorglich wieder eine Antibiose – durch den Blasensprung war das Infektionsrisiko wieder hoch. So verging der Tag und auch die Nacht.
Freitag, 29.04. – 34+6Morgens kamen die Schwestern sehr früh und hatten ziemlichen Zeitdruck, weil mich der Chefarzt um acht zur Untersuchung im Kreißsaal sehen wollte. Noch vor dem Frühstück ging es also in den Kreißsaal. Der Chefarzt untersuchte mich: GMH war vollständig verstrichen und MuMu zweifingerdurchlässig, CTG zeigte keine Wehen. Herzfrequenz und US zeigten aber, dass es Hannes gut ging. „In vielen KH gibt es die Regel, dass 24 Stunden nach Blasensprung ein KS vorgenommen wird.“ so fing der Chefarzt nach der Untersuchung an und ich befürchtete, dass er mich schonend auf den bevorstehenden Kaiserschnitt vorbereiten wollte. „Aber wir kennen Sie ja nun und wissen dass wir Ihnen etwas zumuten können. Wenn Hannes nun doch früher kommt, möchten wir, dass er den natürlichen Geburtsweg nimmt. Wir würden ab morgen mit einer Einleitung starten und begleitend durch Homöopathie die Wehen anregen. Sie müssen aber entscheiden, ob sie das noch durchstehen wollen.“ Natürlich wollte ich. Da die Schwangerschaft nun alles andere als normal verlaufen war, wollte ich wenigstens eine natürliche Geburt. In der Konsequenz hieß das, alle zwei Stunden Blutentnahme um den CRP-Wert zu kontrollieren, stündlich CTG und US nach Bedarf. Nachmittags kam meine Beleghebamme und meinte, das wäre die richtige Entscheidung gewesen und wir würden das schon schaffen. Sie gab mir Globulis (keine Ahnung mehr welche) und zeigte mit gleichzeitig eine Bauchmassage, durch die ich mit einem speziellen Massageöl die Wehen anregen sollte. Der Tag verging und auch die Nacht – leider völlig ohne Wehen.
Samstag, 30.04. – 35+0Morgens ging es nach dem Frühstück wieder in den Kreißsaal zur Untersuchung und ich bekam die erste Tablette vor den MuMu gelegt. „Nun geht`s bestimmt endlich los.“ dachte ich mir, aber es passierte immer noch nichts. Sanni kam zu Besuch und so verging die Zeit wenigstens einigermaßen schnell. Und wir bekamen unser Familienzimmer. Georg fuhr also nach Hause, um noch für sich Sachen einzupacken. Nachmittags gab es die zweite Tablette und um es kurz zu machen: auch die bewirkte nichts und so verbrachten wir unsere erste gemeinsame Nacht im KH – Hannes im Bauch und ohne auch nur den Ansatz einer Wehe.
Sonntag 01.05. – 35+1Und wieder das gleiche Prozedere: morgens in den Kreißsaal zum CTG und wieder keine Wehen. Meine Laune wurde immer schlechter und ich war ziemlich angespannt. Diesmal bekam ich zum ersten Mal ein Gel zur Einleitung, aber ich machte mir überhaupt keine Hoffnungen mehr und fing an mich mit einem KS abzufinden. Gegen 13:00 Uhr kam meine Hebi. Als sie das Zimmer betrat fing ich direkt an zu weinen. „Ich bin einfach nicht gemacht für`s Kinder kriegen!“ „Ihr zwei habt Euch so lange darauf konzentriert, dass er in Deinem Bauch bleibt – ihr müsst beide erstmal umschalten und Hannes muss wissen, dass er jetzt kommen darf.“ Nach kurzer Zeit ging sie um mit der Ärztin zu sprechen und ich ging in einen Dialog mit Hannes. Gegen 14:00 Uhr kam Manuela wieder und sagte, sie hätte mit der Ärztin besprochen, dass sie mir das Gel einmassiert. „Es wird unangenehm, aber ich bin mir sicher das wird was bringen.“ Und sie hatte recht: es war unangenehm und es brachte etwas: die ersten Wehen und das in einem recht regelmäßigem Abstand (CTG von ca. 16:00 Uhr).

Ich durfte jetzt laufen und bin mit Georg im KH-Park immer im Kreis gelaufen und gelaufen und gelaufen. Gegen 18:30 Uhr waren dann auf dem CTG schon eindeutigere Wehen zu erkennen und ich war froher Dinge.

Dann kam aber der Befund von meiner Hebamme: GMH verstrichen aber MuMu nur 1 cm geöffnet. Es würde wahrscheinlich nocht dauern. Abends lief ein Münster-Tatort im Fernsehen und sie meinte bislang habe sie noch nie einen gesehen, weil immer eine Geburt dazwischen gekommen wäre. „Mach es Dir vor dem Fernseher schön gemütlich, Hannes lässt Dich diesmal in aller Ruhe schauen.“ Um 21:00 Uhr zeigte das nächste CTG wieder tolle Wehen, aber die Hebamme vom Krankenhaus meinte, ich wäre noch viel zu entspannt zwischen den Wehen und dass das vermutlich nur die künstlich angeregten Wehen seien, mein Körper selber aber noch nicht arbeiten würde. „Ich geb` Dir jetzt eine Schmerzspritze und dann kannst Du die Nacht noch schlafen und morgen früh geht es dann weiter.“ Also gingen wir auf unser Zimmer und machten uns für die Nacht fertig.