Autor Thema: unkontrollierbare Wutausbrüche  (Gelesen 5447 mal)

PinaColada

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unkontrollierbare Wutausbrüche
« am: 22. November 2012, 16:57:36 »
Guten Tag alle zusammen,

habe mich eben hier bei euch angemeldet weil ich am Ende und ziemlich am  verzweifeln bin. Vorab stelle ich euch mal mein kleinen Racker vor.

Fabian Alexander wird am 24.11.2012 elf Monate alt. Er war schon immer ein kleiner Schreihals was aber auch nicht weiterhin schlimm ist. Bei Ihm wurde mit 4 Monaten ein angeborener Nystagmus festgestellt ( ein unkontrolliertes Augenzittern) waren darauf hin einige Male im Krankenhaus um diverse Ursachen auszuschliessen ( Hirntumor und andere Behinderungen ) War alles negativ laut Artz ist es " nur " der Nystagmus ohne erklärbaren Grund. Wir sind auch schon fleissig alle zwei Wochen in einer großen Sehschule und lernen das fokussieren und Kopf und Augen still zu halten.

Anfang Oktober waren wir auch einmal in der Klinik weil er eine zweifachen Darminvagination hatte. Anfang diesen Monat waren wir auch  bei einem Früherkennungszentrum wo wir damals bei Feststellung der Behinderung überwiesen worden sind. Laut dem Arzt soll er schon Zeichen von Hyperaktivität zeigen ( Das lasse ich mal so dahin gestellt glaub nicht das man das jetzt schon feststellen kann und es wird diese Diagnose ja sehr schnell gerne gegeben.)

Nun zum Problem

Wenn Fabian was nicht passt ( muss nicht unbedingt immer das selbe sein ) dann fängt er an sich ruckartig und ziemlich heftig nach hinten zu schmeissen ( das hat schon als klitzekleines Baby gemacht) aber jetzt in den letzten Wochen geht das soweit das er seinen Kopf überall gegen schlägt sich kratzt  und haut ( mich einbezogen ich kriege des öfteren auch einen Schlag ab ) Meistens geht dieser Wutanfall ca eine Stunde lang bis er vor Erschöpfung einfach nicht mehr kann.  Wir beide haben oft deswegen Schrammen und Beulen  sowie blaue Flecke.

Meine Fragen

- Wie reagiere ich am besten bei solchen Wutausbrüchen
- Ist das noch "normal" oder sollte ich dem Kinderarzt was davon erzählen

Ich bedanke mich jetzt schonmal für eure Hilfe   :)

LG Kerstin

Hubs

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #1 am: 22. November 2012, 19:33:40 »
Hi PinaColada,

da hat Dein kleiner Mann ja schon ganz schön was mitgemacht. Ich finde es wichtig, zunächst mal zu begründen, warum er sich so verhält. Ich bin überzeugt davon, dass Kinder, die zu übermäßigen Wutanfällen niegen irgendwo einen Stresspunkt haben.
Ich kenn mich nicht mit den Erkranungen aus, kann mir aber vorstellen, dass sie eine Rolle spielen, dass er dadurch sehr leicht überreizt.

Jetzt kannst Du ihm sein Nystagmus leider nicht einfach wegzaubern. Vielleicht kann Euch ein Homöopath oder ein anderer Heilpraktiker helfen, evtl. mit einer Konstitutionsbehandlung? Und ja, ich würde es tatsächlich dem Kinderarzt erzählen, die nächste U ist ja eh bald.
Hubs mit den beiden Buben *04/2009 *01/2012



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PinaColada

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #2 am: 23. November 2012, 13:28:48 »
Hu@ Hubs

Danke für deine Antwort :)

Wir hatten gerade wieder einen Wutanfall. Er ging über eine Std und der Auslöser war einfach nur das ich Ihm nach dem Jacke ausziehen zum spielen absetzen wollte.

Habe alles durchprobiert es hat dann ein paar Sekunden Ruhe gegeben und dann ging es wieder los. Durch das vor Wut mich und sich hauen hat er sich wieder selber verletzt. Ganze Zahnfleisch hat er sich aufgekratzt und den Kopf wieder gegen Gegenstände gehauen. Ich hab Ihn dann Bett fertig gemacht mit seinem Ritual Singen Milch geben etc

Er hat mir dann die Milch aus der Hand geschlagen habe Ihn dann vor Verzweiflung in sein Bett gelegt und bin raus gegangen licht war aus und er war sofort weg gepennt

Hubs

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #3 am: 23. November 2012, 15:18:37 »
Was genau machst Du denn, wenn er so nen Wutanfall hat?
Schaffst Du es Ruhe zu bewahren?
Hubs mit den beiden Buben *04/2009 *01/2012



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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #4 am: 23. November 2012, 21:51:59 »
Oh weh, das klingt wirklich schlimm.

Wie ist es mit Festhalten? Ich habe ein Buch von einer Kinderpsychologin gelesen, die dazu bei herschsüchtigen und bei autistischen Kindern rät und gute Erfolge erzielt hat. Diese Wutausbrüche sind natürlich etwas anderes, aber Du würdest damit ja auch verhindert, dass er sich und Dich verletzt. Allerdings ist das natürlich auch eine gewisse Form von körperlicher Gewalt, da Du sicher fest zufassen und ihn eben zwingen müsstest, nicht um sich zu hauen. Aber Pucken oder fest ins Tragetuch binden ist ja auch eine Bewegungsverhinderung, teilweise zeitweilig gegen den momentanen Willen des Kindes. Also konsequentes Festhalten aber zugleich liebesvolles Zureden und trösten? Ich weiß nicht, ob das gut wäre, aber es ist das einzige, was mir einfällt zu dem Problem. So schlimm, wie die Sache klingt, würde ich auf jeden Fall den Kinderarzt drauf ansprechen und ggf. eben um einen Termin bei einem Kinderpsychologen bitten, damit Ihr eine Strategie finden könnt.

PinaColada

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #5 am: 24. November 2012, 20:47:10 »
Huhu Ihr lieben :)

Mit der Kinderärztin hab ich am Freitag gesprochen. Und zwar hat er ja diese Woche eine Erkältung gehabt mit einer Mittelohrentzündung ( am Anfang der Woche)  und zwar hat ein Medikament als Nebenwirkung Hyperaktivität was bei Jungen der dazu neigt ja nicht so gut kommt. Also haben wir gestern das Medikament abgesetzt. Und es war heute besser nicht ganz weg aber er war besser runter zu bekommen auch wenn es immer noch so 10'Min dauert. Mal gucken wie es morgen ist.

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #6 am: 24. November 2012, 21:58:01 »
Hmm, mir fallen dazu verschiedene Sachen ein.

Ich glaube, die Heftigkeit der Ausbrüche kannst du nicht steuern, das liegt am Temperament des Kindes. Und, soweit ich weiß, auch wenn diese Beulen und blauen Flecke schlimm sind, ernsthafte Verletzungen an Schädel oder Gehirn ziehen sich die Kleinen bei diesen Anfällen in der Regel nicht zu.

Wie reagieren? Meiner Erfahrung nach ist es am besten, dem Anfall Raum zugeben, also dass er sich abreagieren kann, egal, wie lange das dauert. Also irgendwo hinverfrachten, wo er sich möglichst nicht (wenig) verletzen kann, dann in Ruhe lassen aber in der Nähe bleiben. Denn jeder Tröstversuch verschlimmert das ganze und verlängert den Anfall. Und irgendwann streckt der Zwerg die Hände nach dir aus, und dann ist es schön, wenn man da ist. Im (zumindest für Mama) unschönen Fall geht der Wutanfall dann direkt in Schlaf über.


PinaColada

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #7 am: 24. November 2012, 23:01:18 »
Ich packe ihn dann immer auf seine Gummi Spielmatte im Kinderzimmer

Hubs

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #8 am: 25. November 2012, 08:16:48 »
Ich packe ihn dann immer auf seine Gummi Spielmatte im Kinderzimmer
Dort hälst Du ihn fest? Ich weiß von Therapeuten, dass in manchen Fällen Festhalten die einzige Methode ist wirklich große Schäden an Personen und Gegenständen zu vermeiden. Es ist aber körperliche Gewalt und hilft den Kindern nicht unbedingt einen Weg aus ihrer Verzweiflung zu finden.

Was bei uns beim Großen bei Wutanfällen meistens am besten geholfen hat, war Ablenkung. Ich habe ihn nicht direkt angesprochen, habe dafür Selbstgespräche geführt und mich mit Dingen beschäftigt, die sein Interesse wecken. So hat er am leichtesten raus gefunden. Wichtig dabei ist in meinen Augen, selbst Ruhe zu bewahren. Ganz ruhig zu reagieren, nicht hektisch werden und sich nicht stressen lassen.
Hubs mit den beiden Buben *04/2009 *01/2012



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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #9 am: 25. November 2012, 09:04:53 »
mein sohn hat auch mein (jetziges) temprament :p
als kind war ich pflegeleichter, sagt meine mama xD

er schmiesst sich auch gerne - theadralisch - auf den boden
ok, er verletzt sich nicht selbst... dafür seine schwester, wenn sie in reichweite ist, egal ob sie für seinen wutanfall provoziert hat (das macht sie als wirklich, grrrr) oder nicht
er haut sie, schlägt, knieft ihr ins gesicht und.... zieht an ihren haaren... er hat ihr schon bpschelweise haare rausgezogen, weil ich nicht so schnell dahin kam  :'(

nach zwei lieben mädchen ist das für mich... ich weiß nicht, ich bin schokiert und weiß nicht, was ich machen kann

beruhigen ist auch unterschiedlich, ebenso die dauer seines anfalls

dabei kann er auch so lieb sein


mal hilft essen (mach ich selbst ungerne, dem papa fällt es da leichter  s-:) )
mal kurz festhalten und knuddeln (meine methode :P)
mal auch nur auf armlänge festhalten und ihm in die augen schauen und mit ihm reden
mal muss man ihn einfach in ruhe lassen
und mal doch davor bewahren, sich unbeabsichtig selbst weh zu tun....

AnnHoly

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #10 am: 26. November 2012, 15:59:42 »
Guten Tag! :)

Wutanfälle sind m.E. grundsätzlich nichts Ungewöhnliches, gerade auch in dem Alter. Mein Schnecki hat sich auch gern mal (auch mal in der Öffentlichkeit) vor Wut auf den Boden geworfen etc. Sie war dann völlig außer sich und nicht ansprechbar. Die Erfahrung hat dann gezeigt, dass ansprechen oder in Ruhe lassen durch Weggehen nicht hilft. Sie wollte dann nicht, dass ich sie anspreche, wollte einen gewissen Abstand, aber auch, dass ich bei ihr bleibe. Ich habe dann nur zugesehen, dass sie so liegt, dass sie sich nicht verletzen kann und habe ihr den nötigen Abstand gegeben, bis sie schließlich die Arme ausstreckte und zu mir wollte. Dann habe ich sie in den Arm genommen und beruhigend auf sie eingeredet. Was ihr sehr geholfen hat (und auch heute noch bei zum Glück seltenen Wutanfällen noch hilft): Verständnis für ihre Wut zeigen. Im Sinne von: ich verstehe, dass Du gern noch spielen möchtest/noch nicht ins Bett möchtest etc. und eine anschließende Erklärung, warum dieses oder jenes nun gerade sein muss. Geholfen hat dann immer, wenn ich etwas Positives in Aussicht gestellt habe. Etwa: Jetzt geht es ins Bett; damit Du morgen fit für xy bist. Wir lesen dann gleich noch eine Geschichte und dann wird gekuschelt. So etwa.

Ich glaube, in dem Alter - und mitunter bis heute (sie ist ja nun vier) - sind die Kleinen manchmal einfach "neben der Spur". In dem Moment ist es egal, was passiert. ALLES kann zum Auslöser werden, weil sie einfach durcheinander sind, im Kopf gerade alles Mögliche vorgeht o.ä. Sie brauchen dann einfach ein Ventil bzw. müssen dieses Durcheinander, ihren Frust über etwas, das sie noch nicht können o.ä. irgendwie loswerden. Ich meine, diese Möglichkeit muss man ihnen dann einfach geben. Also genug Raum, den Frust abzubauen und gleichzeitig zeigen, dass man für sie da ist und sie bestärken. Bei uns hat es auf diese Weise - und natürlich mit einiger Übung - ganz gut geklappt. :)


:) AnnHoly





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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #11 am: 26. November 2012, 16:18:20 »
Oh, die Wutanfälle hören sich ja wirklich schlimm an!
Ich hoffe, dass es ohne die Medikamente jetzt schon etwas besser geworden ist. Da er sich selbst verletzt, wird es das beste sein, ihn festzuhalten, ansonsten kann es ja wirklich schlimme Folgen haben!

PinaColada

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #12 am: 26. November 2012, 17:25:23 »
Guten Abend,

Ohne Medikamente ist es deutlich weniger geworden. Was mich auch stutzig macht das er wegen jeder Kleinigkeit sofort hoch geht. Bsp. Er ist satt anstatt einfach den Kopf weg zu drehen. Wird er wütend überstreckt sich im Stuh und haut den Kopf gegen die Hochstuhl kannte.

@ festhalten

Nein wenn ich Ihn auf die Gummi Matte packe dann setze ich mich dabei und warte erstmal an soweit es noch im Rahmen bleibt. Natürlich schreite ich ein wenn er dann wieder "brutal" wird und versuche ihn nochmal zu beruhigen.

zuz

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Antw:unkontrollierbare Wutausbrüche
« Antwort #13 am: 27. November 2012, 06:09:05 »
Da hat er aber ein ordentliches Temperament!
Anstrengend, aber wie ich finde, noch nicht unbedingt völlig ungewöhnlich. Ich würde dennoch mal den KiA ansprechen, das kann ja nie schaden, ob nicht doch noch ein Zusammenhang besteht.
Ich könnte mir auch vorstellen, dass ihn das Zucken an sich nervt und ihn dadurch weniger stressresistent macht, sprich, weitere Reize sind dann einfahc schnell zu viel für ihn.

Ansonsten unterschreibe ich bei Hubs, ablenken hat hier auch oft geholfen. Also nicht direkt (Schau mal!), sondern wie sie schrieb, indirekt.
Und wenn so was ist wie mit dem Essen: immer und immer wieder in Worte fassen, was grad los ist: Du bist satt, oder? Möchtest Du aufstehen? Es dauert, aber mit der Zeit lernt er, das dann selbst zu formulieren bzw. erstmal überhaupt selbst zu verstehen. In dem Moment weiß er nämlich nur: Hm, mir passt das hier jetzt nicht mehr so, wie es ist. Er weiß weder, was genau ihn stört, noch wie er das ändern kann. Noch kann er eben nicht sagen: Danke Mama, es hat gut geschmeckt, aber nun möchte ich bitte wieder spielen. Darf ich aufstehen? ;) (Also überspitzt jetzt). Du kannst ihm aber helfen, genau das zu begreifen.

 

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