Ich zitiere mal schnell dazu eine etwas längere Passage aus "Jedes Kind kann
schlafen lernen" von Annette Kast-Zahn und Hartmut Morgenroth,
"Kopfschlagen und Schaukeln
Gelegentlich berichten Eltern von einer Beobachtung, die ihnen
ungewöhnlich erscheint.
Der 18 Monate alte Thomas z.B. schlug tagsüber, abends und mehrmals in
der Nacht vor dem Einschlafen mit dem Kopf gegen die Gitterstäbe
seines Kinderbettchens. Er verletzte sich damit zwar nicht ernsthaft,
hatte aber ab und zu Druckstellen am Kopf. Die Eltern versuchten, das
Bettchen auszupolstern. Aber er entfernte die Polster und fand immer
wieder eine harte Stelle. Die Rollen unter dem Kinderbett waren
bereits abgebaut, da Thomas durch das rhythmische Kopfschlagen das
Bett manchmal regelrecht quer durchs Kinderzimmer in Bewegung setzte.
Die Eltern machten sich Sorgen um ihren Sohn. Die hatten gehört, daß
hauptsächlich schwer behinderte und vernachlässigte Kinder mit dem
Kopf schlagen. Mußten sie nun davon ausgehen, daß ihr Sohn ernsthaft
gestört war?
Andere Eltern machen sich ähnliche Sorgen, wenn ihre Kinder z.B. vor
dem Einschlafen auf allen Vieren auf dem Bett hocken und sich vor und
zurück bewegen, oder wenn sie im Liegen ihr Köpfchen rhythmisch von
einer Seite auf die andere werfen.
Ob die Kinder mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand schlagen, ihn
hin und her rollen oder mit dem ganzen Körper schaukeln - die Sorgen
der Eltern sind in den meisten Fällen unbegründet. Zumindes bei
Säuglingen und Kleinkindern handelt es sich um normales und durchaus
verbreitetes Verhalten. Bei gesunden, in ihrer sonstigen Entwicklung
unauffälligen Kindern ist es kein Anzeichen einer Störung.
Viele dieser Kinder haben auch tagsüber eine Vorliebe für rhythmische
Bewegungen. Wenn sie Musik hören, beginnen sie im Takt zu schaukeln -
entweder mit dem Kopf oder mit dem ganzen Körper. Einige Kinder haben
sich das Schaukeln auf allen Vieren, das Rollen mit dem Kopf oder das
Kopfschlagen besonders zur Schlafenszeit angewöhnt. Sie tun es vor dem
Einschlafen, manchmal auch morgens oder nachts, um nach dem Aufwachen
wieder in den Schlaf zu finden. Es handelt sich meist um eine
Einschlafgewohnheit, die durchaus z.B. mit dem Daumenlutschen oder dem
"Einschaukeln" im Kinderwagen vergleichbar ist.
Das Kopfschlagen (es kommt in ca. 5 % aller Fälle vor) wird von all
diesen ähnlichen, in der Fachsprache "Jaktationen" genannten
rhythmischen Bewegungen für die betroffenen Eltern am ehesten als
Problem oder als "Störung" empfunden. Auch wenn die Kinder sich nicht
ernsthaft verletzen, machen die Eltern sich Sorgen. Aus ihrer Sicht
müßte das Schlagen mit dem Kopf gegen einen harten Gegenstand doch
eigentlich schmerzhaft sein. Offensichtlich ist das für diese Kinder
aber nicht der Fall. Der beruhigende Effekt dieser regelmäßigen
Bewegung, sozusagen der "Lustgewinn", scheint zu überwiegen, auch wenn
das für Erwachsene nur schwer nachzuvollziehen ist.
Kopfschlagen oder Schaukeln als Einschlaf-Gewohnheit entwickelt sich
meist innerhalb des ersten Lebensjahres. Es kann nach kurzer Zeit
spontan abklingen, aber auch längere Zeit anhalten. Meist verschwindet
es 1 bis 1,5 Jahre nach dem ersten Auftreten, spätestens also im 3.
bis 4. Lebensjahr.
Kopfschlagen kommt bei Jungen wesentlich häufiger vor als bei Mädchen.
Es stimmt zwar, daß Kopfschlagen bei Kindern mit einer ernsthaften
neurologischen Krankheit oder einer psychischen Störung
überdurchschnittlich oft auftritt. Kopfschlagen als einzige
Aufgfälligkeit bei einem sonst gesunden, sich normal entwickelnden
Kind ist trotzdem kein Grund zur Sorge. Die betroffenen Eltern helfen
ihrem Kind am besten, wenn sie es mit seiner Eigenart annehmen und
darauf vertrauen, daß alles in Ordnung ist.
Einige zusätzliche Tips:
- Geben Sie Ihrem Kind tagsüber viel Gelegenheit, sich rhythmisch zu
bewegen.
- Es ist einen Veruch wert, eine laut tickende Uhr oder ein Metronom
neben das Kinderbett zu stellen, um dem Rhythmus-Gefühl Ihres Kindes
entgegen zu kommen.
- Polstern Sie das Kinderbett sorgfältig aus, oder legen Sie als
Schlafplatz eine Matratze mitten ins Zimmer. Je aufwendiger die Suche
nach einem festen Gegenstand zum Kopfschlagen ist, desto eher wird ihr
Kind damit aufhören.
- Achten Sie darauf, daß Sie das Kopfschlagen Ihres Kindes nicht mit
besonderer Aufmerksamkeit und Zuwendung "belohnen". Thomas z.B., von
dem zu Beginn des Abschnitts die Rede war, bekam abends und nachts
regelmäßig ein Fläschchen, wenn er anfing, mit dem Kopf zu schlagen.
Zum Teil war das Kopfschlagen für ihn ein sicheres Mittel, ein
Fläschchen zu bekommen. Als seine Mutter ihm nach der im 4. Kapitel
besprochenen Methode die nächtlichen Fläschchen abgewöhnt hatte, ließ
auch das Kopfschlagen stark nach.
In seltenen Fällen kann Kopfschlagen oder Schaukeln Hinweis auf eine
ernsthafte Störung sein. Sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt oder Ihrer
Kinderärztin, wenn eine der folgenden Bedingungen auf Ihr Kind
zutrifft:
- Das Kopfschlagen oder Schaukeln tritt erstmals auf, wenn Ihr Kind
schon älter als 1,5 Jahre alt ist.
- Das Kopfschlagen oder Schaukeln tritt gleichzeitig mit einem
belastenden oder ängstigenden Ereignis auf.
- Die rhythmischen Bewegungen lassen auch im 3. oder 4. Lebensjahr
noch nicht nach.
- Ihr Kind entwickelt sich nicht altersgerecht."
Also mach dir keinen Kopf
