Autor Thema: Rechtschreibtraining?  (Gelesen 2024 mal)

KardaMom

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Rechtschreibtraining?
« am: 30. Januar 2016, 12:26:58 »
Hallo zusammen,

mein Viertklässler hat eine absolut grottige Rechtschreibung. Er lernte nach der Reichen-Methode, und obwohl ich von Anfang an korrigiert habe, ist seine Schreibung zur Zeit wieder völlig beliebig (zwischendurch war sie schon mal ziemlich gut). Er scheint es einfach nicht automatisiert zu haben und müsste theoretisch immer noch bei jedem Wort nachdenken, welche Regel zugrunde liegt. Je länger die zu schreibenden Texte werden, desto unmöglicher wird das natürlich und er scheint immer verwirrter zu werden. Einzelne Themen konnte ich mit ihm sehr gut üben, so dass sie nun kein Problem mehr sind (z.B. Wörter mit den Vorsilben "ver-" und "vor-")
Dafür produziert er plötzlich Fehler in absolut geläufigen Wörtern, die bislang immer richtig waren; mir stehen da echt die Haare zu Berge (z.B. statt "wir" und "dir" schreibt er seit neuestem manchmal "wier" und "dier"). Auch so Dinge, dass man Satzanfänge und Nomen groß schreibt – das hat er seit Ende der 1. Klasse immer richtig gemacht, aber offensichtlich muss er sich nach wie vor bewusst darauf konzentrieren, denn in letzter Zeit häufen sich auch dabei die Fehler. Er erkennt die zwar, wenn ich ihn bitte, danach zu suchen – aber wie gesagt, es klappt einfach noch nicht automatisch.
Weiß jemand, wie man das sinnvoll trainieren kann, einfach das Automatisieren, dass er nicht mehr bei jedem Wort nachdenken muss (und wieder aufhört, bei Wörtern Fehler oder Fallen zu vermuten, wo gar keine sind)? Bessere Ideen, als ihm nur seitenweise Texte zu diktieren? Lesen tut er flüssig und sinnentnehmend ...

Danke für Tipps!

Liebe Grüße, Karda

Linchen81

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #1 am: 30. Januar 2016, 13:22:35 »
In ein paar schulen die ich kenne werden gerne die rechtschreiben selbstlernhefte vom jandorf verlag verwendet. Find ich auch ganz gut. Der Zauberlehrling wurde auch schon genommen,  wutde aber von oberem ziemlich abgelöst. Ist etwas unübersichtlicher.
Andere tipps hab ich grad spontan eher nicht.  Lg




KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #2 am: 30. Januar 2016, 13:45:11 »
Danke Linchen! Hm ... den Zauberlehrling benutzt er in der Schule.
Das klingt jetzt vielleicht absurd, aber ich hab den Eindruck, diese ganzen Rechtschreibübungen machen's bei ihm nur noch schlimmer ... Da lernt er z.B. im Zauberlehrling "Nachdenkwörter mit ä". Sprich: Gewächs kommt von wachsen, kräftig von Kraft, Jäger von jagen etc. Und am nächsten Tag schreibt er dann auf einmal in einem Satz "er rännt". Hat er abgeleitet von "er rannte"  :o :P Er baut also plötzlich Fehler in Wörtern ein, die er zuvor jahrelang richtig geschrieben hat, nur, weil er nun auf einmal darüber nachdenkt ...

Cosima

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #3 am: 30. Januar 2016, 14:30:10 »
Es lebe die Reichen-Methode!!! *kotz*

Tipps hab ich keine... Leider!
Aber ich bin Gegner dieser Methode.
Meine müssen auch damit lernen. Die Große hatte Glück, dass sie schon lesen konnte.
Der Kleine hat eine Lehrerin, die "heimlich" die Fibelmaterialien wieder rausholt! ;)

KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #4 am: 30. Januar 2016, 15:53:49 »
Na, danke Cosima, du bist mir eine echte Hilfe!  :P ;D

Ich bin ja auch Gegner der Reichen-Methode. Beim Großen konnte ich es noch ausbügeln, da ich zu Hause auch heimlich mit einer Fibel mit ihm geübt hatte, und er sehr bald so viel las, dass er ab der 3. Klasse allmählich selbst erkannte, wenn ein Wort falsch aussah. Nun in der 5. ist seine Rechtschreibung praktisch fehlerfrei (dafür kann er keine einzige Rechtschreibregel benennen, die hat er nie kapiert  s-:)). Der Mittlere konnte schon lesen (also hab ich die Fibel weggelassen), und wie gesagt, ich korrigierte ihn ja von Anfang an, zumindest bei den Hausaufgaben. Tja, das hat in seinem Fall wohl nicht gereicht. Ob das nun an der Methode liegt oder am Kind – keine Ahnung!

Nipa

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #5 am: 30. Januar 2016, 16:22:02 »
Liest er denn? Das wäre vielleicht ein Punkt, damit ihm die Wörter visuell richtig "gezeigt werden".

Ansonsten gibt es von den "Stars"-Heften aus dem oldenbourg Verlag auch welche fuer Rechtschreibung.

Angeblich öffnet sich das Rechtschreibfenster im Kopf ja zwischen Klasse 3 und 6 irgendwann automatisch. Aber ich bin selbst auch ein Fan davon arbeiten zu korrigieren. Ich finde es soll sich nichts falsch einprägen...



lotte81

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #6 am: 30. Januar 2016, 17:26:12 »
Hier ist es ja genauso.... Lesen bringt leider nichts bei uns  :-\ Er liest viel und gerne, aber schreibt dennoch gewöhnungsbedürftig  s-:) Ich glaube auch, dass es im Grunde egal ist, welches Material man anwendet, da es auch hier nur über das ausdrückliche Einpauken von Regeln mit 100 Beispielen funktioniert.... Und das können die Materialen ja alle leisten...Vorraussetzung ist halt, dass es auch erläutert und nicht nur angewandt wird...wir hattenm mal von der Lehrerin ein Übungsheft empfohlen bekommen, das war Mist, weil es nur Übungen gab, die nicht mal einen für uns logischen Aufbau hatten (am Unterricht orientiert mag das anders sein, aber zum einfach so üben war es nicht sinnvoll) ..... Es gibt doch jede Menge Bücher zum Thema "Was ich für das Gymnasium können muss" und da gibt es dann halt auch entsprechende Deutschanteile....evtl. ist da ja was dabei? Evtl. schaust du mal in der Bücherei.....
Witzig ist, dass es hier wirklich ganz genauso ist.... Zwischendrin kommen immer mal "ganz normale Worte", die dann plötzlich nicht mehr klappen.... Da schreibt er mitten im Fließtext plötzlich wir mit "H" oder Aber (noch gruseliger) Stern mit "Scht" am Anfang  ??? ??? ???
Wenn es um Regelanwendungen geht hat er gute Noten in den Deutscharbeiten (also 2) ..... Schreiben sie Diktate sind die Fehler immens (und zum Glück gibt es hier keine Diktatnoten) ..... In Aufsätzen ist es mal so mal so  ??? ??? ??? Manchmal ganz gut, manchmal sind Satzbau und Rechtschreibung unterirdisch


KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #7 am: 30. Januar 2016, 18:14:44 »
@Nipa: es gibt ein Rechtschreibfenster?!  :o Wie geil ist das denn – das heißt, ich muss nur abwarten, bis sich das Fenster öffnet und dann schreibt er plötzlich quasi von alleine alles richtig?  :D ;)
Lesen ... ja nun ... er steckt seine Nase schon immerzu in Hefte/Bücher. Aber eher Sachbücher, Comics und Zeitschriften. "Richtige" Bücher, für die ist er oft nur schwer zu motivieren. Wenn man mal eines findet, das ihm genehm ist, dann verschlingt er es in einem Rutsch, aber das ist selten. In der 2. Klasse sah das noch anders aus, da wollte er gaaaaanz viele Antolin-Punkte sammeln und hat daher immerzu nach neuen Büchern verlangt (bis er bemerkte, dass man auf Antolin auch mit Asterix-Comics Punkte sammeln kann  :P) Er liest schnell und versteht auch alles, was er liest. Beim Vorlesen verhaspelt er sich aber gerne mal, er scheint mit den Augen dann oft schon einen Satz weiter zu sein. Vielleicht liest er zu schnell, sprich zu oberflächlich, um sich die genaue Schreibweise einzuprägen?
Die Stars-Hefte sollen ja gut sein, für Mathe hatten wie da mal was ... wäre vielleicht eine Idee ...

@Lotte: und was machst du mit seiner Rechtschreibung? Gar nichts, einfach laufen lassen? Bei M ist es ja tatsächlich ganz genauso. LRS schließt die Lehrerin aus (und ich glaube eigentlich auch nicht dran, dafür sind seine Fehlleistungen nicht stringent genug). Hier gibt es Diktate, und der Notenschlüssel dafür ist gnadenlos (eine halbe Note Abzug pro Fehler). Manchmal ganz akzeptabel – und dann wieder eine Katastrophe.  s-:)  Übermorgen bekomme ich von seiner Lehrerin die Grundschulempfehlung – und ich frag mich halt echt, ob man mit so einer grottigen Rechtschreibung aufs Gymnasium kann/sollte/darf?!

Seine Rechtschreibung in Englisch ist übrigens tadellos. Das verstehe jetzt, wer will ...

edit: achso, die Vorbereitungshefte fürs Gym ... nun ... die hab ich schon gesehen, aber da weigere ich mich. Erstens, hat er ja noch gar keine Empfehlung für selbiges. Zweitens finde ich, wer zur Vorbereitung schon solche Hefte benötigt, hat auf dem Gym schlicht nichts zu suchen ...
« Letzte Änderung: 30. Januar 2016, 18:25:38 von KardaMom »

lisa81

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #8 am: 30. Januar 2016, 18:51:14 »
Ich habe leider keinen Tip, aber meine Tochter lernt genauso ;)

Das war schon beim Sprechen lernen so. Sie konnte es richtig gut, dann hat sie erkannt, dass es Regeln gibt, hat versucht die umzusetzen und alles mögliche falsch gesagt.

Beim Schreiben jetzt ist es ähnlich. Sie schreibt schon noch einiges falsch, was noch nie richtig war, ist ja erst im 2. Schuljahr. Aber auch hier ist zu beobachten, dass neue Regeln dazu führen, dass altbekannte Wörter auf einmal falsch geschrieben werden.
Lotte hier war es genau andersrum ;) Nach lernen des "st" (gesprochen eben "scht") wurde z. B. Fichte plötzlich Fiste geschrieben  ;)
Ähnlich ist es mit ie, stummem h,...

Und im Ernst, es IST total schwer!  :-\ Im Grunde machen sie ja was sie lernen. Und wenn ich mich drauf konzentriere, ob das "i" in "wir" lang oder kurz gesprochen wird, fühlt es sich für mich auch lang an, also ie oder ih.
Die Methode spielt da vermutlich keine Rolle, im Grunde muss sich für jedes einzelne Wort einprägen, welcher Regel es denn nun unterliegt  :-\ Oder eben wieder aufs Gefühl verlassen, was ja anscheinend ganz gut ist. Vielleicht kannst du da ansetzen und ihm vermitteln, dass er weniger nachdenken soll. Ist bestimmt ganz einfach  ;D   :-\

Und englisch, das kannst du dir damit auch gut erklären, da gibt es sowas eben nicht bzw. viel weniger  s-:)
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KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #9 am: 30. Januar 2016, 19:16:44 »
Das ist allerdings wahr, Lisa. "Wir" hört sich genauso an wie "ihr" oder "hier". Und das eine schreibt man mit i, das andere mit ih und das dritte mit ie ... Vielleicht ist DAS ja der untlimative Tipp, einfach nicht mehr nachdenken, man kann eh nicht rausfinden, welche Regel für welches Wort gilt!  ;D

der "ultimative" natürlich. Ich brauch wohl auch noch ein Rechtschreibtraining ...  :P
« Letzte Änderung: 30. Januar 2016, 19:19:19 von KardaMom »

lotte81

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #10 am: 30. Januar 2016, 19:26:45 »
Was wir machen? Abschreiben üben ....und das phasenweise konsequent über Wochen und Monate ...bringt allerdings ...ehm....nix...ich hoffe auf einen schleichenden Lerneffekt  S:D
Und Regeln besprechen....
Hier geht es mit grottiger Rechtschreibung in Maßen auch am Gymnasium. Jedenfalls testen einige im 5. Schuljahr bereits bei ALLEN SChülern die Rechtschreibung und fördern dann individuell oder sogar die ganze Klasse  :o Scheint also mittlerweile ein häufiges Problem zu sein  s-:) Nicht, dass man das Rechtschreibkonzept der Grundschulen deshalb ändert...nein.....

Hier gab es ja auch eine Gymnasialempfehlung und schockierender Weise ist er laut TEstung in der REchtschreibung ja "altersgemäß absolut Norm" ..... ??? Wieso er dann hin und wieder Diktate -halbe DIN A 4 Seite- mit 22 FEhlern bringt? Keine Ahnung...Norm halt  ;D ;D


Ich habe letztens mit drei meiner Kolleginnen drüber gesprochen, da haben die Söhne das ALLE.... 2 sind jetzt im sechsten SChuljahr und einer macht grad Abi......Der , der Abi macht durfte sich immer durch Buchbesprechungen verbessern und die anderen beiden sind in deutscher Rechtschreibung richtig, richtig mies (der eine hatte letztens im Aufsatz mit 2 DIN A 4 Seiten über 60 FEhler) und in englischer REchtschreibung richtig gut (selbe Seitenzahl 0-1 Fehler)...die Mütter vermuten, weil englisch ja von Beginn an richtig gelernt wird.....
Ob es bei dem der gerade Abi macht mal besser wurde , weiss ich gar nicht... Irgendwann wird Rechtschreibung aber ja gar nicht mehr bewertet.....bzw erst im Abi dann wieder durch Punktabzug, wenn es ganz schlimm ist (so kenne ich es zumindest von mir noch)



KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #11 am: 30. Januar 2016, 20:07:49 »
Das sind ja tolle Aussichten, Lotte.  :o Ist ja schön, dass man es trotzdem bis zum Abi schaffen kann, aber muss das sein?! Vielleicht bin ich da hoffnungslos altmodisch, aber MIR ist Orthographie wichtig. Und wenn die Kinder es im Englischen lernen, aber im Deutschen nicht, dann sieht man doch, dass es an der Lehrmethode liegen muss, also warum lässt man dann diese abenteuerlichen Experimente in der Grundschule nicht endlich bleiben und kehrt zurück zur Fibel?!

Also nee, mir ist das wurscht, ob alle inzwischen das Problem haben und es absolut salonfähig ist ... meine Kinder sollen gefälligst richtig schreiben lernen. *trotzigmitdemfußaufstampf*

Schnukki

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #12 am: 30. Januar 2016, 20:33:07 »
Ich musste gerade schmunzeln .. mein Kind schreibt den Test in Englisch mit nur einem Fehler … aber Deutsch locker 6 Fehler. Ist mir auch ein Rätsel.

A. schreibt auch Wörter wochenlang richtig und dann plötzlich falsch  :-[
Wenn sie im Eifer einen Text schreibt, dann vergisst sie eben auch alle Regeln.

Wir haben hier einige Hefte .. aber ich habe zum Teil das Gefühl, dass es mehr verwirrt - als hilft.
Ich dachte LESEN wäre das Geheimnis. Wenn man ein Wort oft genug liest, prägt es sich ein.
Wir werden sehen  :P

lisa81

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #13 am: 31. Januar 2016, 06:45:29 »
KardaMom, aber wie gesagt, englisch ist da auch deutlich einfacher.
Ich bin kein riesiger Fan der neuen Methode, sehe aber bei meiner Tochter klar die Vorteile. Sie schreibt soo gerne und das würde sie nicht, wenn ständig alles falsch wäre.
Aber ja, ich stolpere über die ganzen falschen Wörter und frage mich, wie wäre es mit der Fibel. Bei uns (also zu meiner Schulzeit) gab es auch genug Kinder, die ne schlechte Rechtschreibung hatten und ja, auch Kinder, denen es im englischen dann leichter fiel.

Wie wäre es denn? Da lernt man aber ja auch nicht jedes Wort einzeln? Anfangs ja und dann elendig viele Sätze mit ner Handvoll Wörtern. Fand ich total doof! Und dann? Dann lernt man Regeln. Wo ist jetzt der Unterschied? Klar, die paar gelernten Wörter, die sitzen jetzt vermutlich. Aber dein Sohn hat die ja nunmal auch richtig geschrieben. Und du HAST ja korrigiert von Anfang an. Also falsch einprägen war's ja dann eigentlich nicht?

Wie ist es denn, wenn die neuen Regeln sitzen? Wird es dann nach einer Weile wieder besser? Was ist mit Wörtern, die falsch geschrieben wurden? Müssen die wiederholt werden? Also jedes falsche Wort 1-2 Zeilen lang richtig schreiben. Langweilig, aber vielleicht ganz hilfreich.
*2008,  *2010, *2015

Eumel

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #14 am: 31. Januar 2016, 12:39:34 »
Huhu!
Rechtschreibung im englischen klappt bei meinem Sohn auch besser als im deutschen. Ich hab dazu so meine persönliche Theorie. Im Englischen lernt man einfach nur die Wörter mit Aussprache und Schreibweise. Ohne Regeln, ohne weiteres Hinterfragen, warum man ein Wort nun so und nicht anders schreibt. Und im Englischen schreibt man normalerweise keine Wörter, die man noch nicht im Unterricht durchgenommen hat.
Im Deutschen gibt es tausende von Rechtschreibregeln, die aber leider weder immer und überall gelten noch besonders logisch sind. Schreib was du  hörst ist auch eine dieser Regeln. Ich denke, auch die meisten Erwachsenen erschließen sich noch die Schreibweise von unbekannten Wörtern auf diese Weise.
Aber keine Regel der deutschen Rechtschreibung gilt ausnahmslos. Es heißt packen, aber Paket. Warum gibt es das V? Es klingt entweder wie F oder wie W, aber das V an sich ist im Prinzip überflüssig. Es gibt die Regel, auf einen kurzen Vokal folgen mindestens zwei Konsonanten. Aber wenn ich mir das Wort oft genug vorsage, weiß ich irgendwann selbst nicht mehr, ob der Vokal lang oder kurz ist.
Es gibt also ganz viel zu überlegen, ganz viele Regeln, die sich z. T auch noch widersprechen. Kinder, die logisch denken, wollen die Regel finden, die gilt. Also überlegen sie lange und suchen eine Regel aus. Leider oft die falsche.
 
Ich glaube, bei massiven Rechtschreibproblemen kommt man irgendwann an den Punkt, wo man mit Üben auf eigene Faust einfach nichts mehr erreicht. Auch die Lehrer sind mit ihren Möglichkeiten irgendwann am Ende. Wir machen im Moment ja Förderung über eine spezielle Legasthenie-Therapeutin. Auch wenn es bei meinem Sohn keine Legasthenie ist, helfen diese Übungen so gut. Die Hilfe setzt ganz genau an den individuellen Problemstellen an. Es wird auf Arten geübt, auf die man sonst einfach nicht kommt, die aber viel effektiver sind als ständiges stumpfes Üben und Schreiben.

Ich würde das durchaus mal in Betracht ziehen. So teuer, wie ich erwartet hätte, sind die Stunden nicht und man bekommt ganz viel Hilfe, wie man am besten übt und wie es für das Kind effektiv und motivierend ist. Bei meinem Sohn hat es sich seitdem massiv gebessert.
« Letzte Änderung: 31. Januar 2016, 14:17:22 von Eumel »

lotte81

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #15 am: 31. Januar 2016, 13:37:24 »
Wo macht ihr denn das Training?
Ich habe jetzt gerade mal per Mail an einer Stelle nachgefragt,die solche Förderungen anbietet,  weil es schon stimmt...jetzt wäre noch Zeit auch professionell "nachzuhelfen" ....geht er erst mal an die weiterführende SChule, wird die Zeit ja eher knapper. Einen Versuch ist es also wert....

Wenn du magst, erzähl doch mal, wo genau ihr hingeht (also ERgotherapeut o.ä.?) und was es ungefähr kostet pro Stunde.


Eumel

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #16 am: 31. Januar 2016, 15:26:20 »
@ lotte: Ich hab dir eine PN geschickt.

@ Karda:

Wegen Gymnasium - genau die Gedanken hatte ich ja auch. Ich habe auf unseren Schulen, die zur Auswahl standen, das Problem angesprochen. Bei uns kam raus, dass die Schwierigkeiten überall die gleichen sind. Hier bietet das Gymnasium sogar noch mehr Fördermöglichkeiten für rechtschreibschwache Schüler als die Gesamtschule. Hätte ich jetzt auch nicht vermutet.
Und die Gym-Lehrerin sprach auch von diesem Rechtschreibfenster, das sich irgendwann zwischen Klasse 3 und 6 auftut. Dass es aber am Ende noch alle eine akzeptable Rechtschreibung entwickelt hätten. Sie hätten noch nie ein Kind gehabt, das die Schule wegen der schlechten Rechtschreibleistungen verlassen musste.

So blöd sich das jetzt anhört, aber die Fehler, die dein Sohn macht, sind  logisch schon durchdacht. Er kennt also Regeln, er wendet sie auch an. Dass frisch gelernte Rechtschreibregeln erstmal übergeneralisiert werden, ist auch gar nicht so ungewöhnlich.

@ Rechtschreibmethode:
Dazu muss ich jetzt auch noch was loswerden. Ich sehe das ähnlich wie lisa. So viel anders ist Fibelunterricht nicht. Die Kinder lernen irgendwann Rechtschreibregeln an Beispielen. Genau wie jetzt. Der Unterschied ist, dass früher viel weniger eigene Texte geschrieben wurden. Die geschriebenen Texte bestanden aus einem Wortschatz, der vorher geübt wurde. Hätten die Kinder damals wirklich frei geschrieben, wären bei den unbekannten Wörtern nicht viel weniger Fehler rausgekommen. Sie haben halt einfach kaum Unbekanntes geschrieben und konnten viele Fehler deshalb gar nicht machen.
Und wenn du deinen Sohn von vorn herein korrigiert hast, dann hat er auch nicht nach Reichen gelernt.  ;)
Sorry, ich will hier keine Diskussion über den besten Rechtschreibunterricht anstoßen - da kenne ich auch nicht die optimale Lösung und dir hilft so eine Diskussion in der jetzigen Situation eh nicht weiter. Aber genau wie die Reichen-Methode ihre Schwächen hat, hat die Fibelmethode ihre eigenen und ist auch kein Allheilmittel.
« Letzte Änderung: 31. Januar 2016, 15:45:59 von Eumel »

KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #17 am: 31. Januar 2016, 16:14:33 »
@Lisa, das stimmt, Englisch ist natürlich zunächst einmal einfacher; jetzt in der Grundschule sowieso noch. Sie schreiben kaum ganze Sätze, und wenn dann nur mit den Vokabeln, die zuvor gelernt wurden. Der Wortschatz ist noch recht überschaubar. Insofern ist es logisch, dass man da weniger Fehler macht als im Deutschen.

Ob alleine die Methode schuld ist an der miesen Rechtschreibung, weiß ich ja auch gar nicht. Korrigiert habe ich zwar von Anfang an, aber das ging nur bei den Hausaufgaben. Wenn ich ihn zu Hause einmal "wie viele" verbessern ließ, es in der Schule aber viermal unverbessert stehenblieb ... tja ... Bei meinem Großen hat es ja wie gesagt mit der Methode auch geklappt. Das Lesenlernen nicht, aber das Schreiben schon. Zwei Jahre war seine Schreiberei unterirdisch und dann wurde sie kontinuierlich besser. Liegt also vielleicht doch am Kind.

@Eumel: Bekomme ich auch eine PN? Wo solche Therapiestunden gar nicht so teuer sind, würde mich auch interessieren. Mein Großer hat das für Mathe, das kostet im Monat gut 200 €.  :P Seine Therapeutin fördert aber auch LRS-Kinder, die könnte ich ja mal generell dazu befragen. Ob sie mir gutes Material empfehlen kann oder ob eine Testung bei ihm sinnvoll wäre, um gezielt seine Schwachpunkte aufzudecken.

Das klingt sehr einleuchtend, was du über die Regeln erzählst! Genau diesen Eindruck habe ich bei M! Ich überlege schon die ganze Zeit, wie das in meiner Schulzeit war. Wir haben im ersten Jahr seitenweise die gleichen Wörter und gleichen Sätze geschrieben, sehr langweilig, die alten Hefte habe ich noch. Und ich erinnere mich an Merksprüche wie "ver- und vor- schreibt man stets mit v" oder "wer nämlich mit h schreibt ist dämlich".  ;D Also vermutlich ging es dann auch mit Regeln weiter, um auf dem Grundwortschatz aufzubauen. Der saß aber immerhin – während M ja selbst bei den absoluten Basic-Wörtern unsicher ist und nach Regeln sucht ...

Vermutlich lernte ich es aber wohl auch vor allem über's Lesen, sonst würde ich heute ja auch immer noch in der alten Rechtschreibung schreiben. Die Reform war 1996, da war ich längst mit der Schule fertig und war damals fest entschlossen, den Mist nicht mitzumachen.  ;D Trotzdem habe ich mir irgendwann abgewöhnt, "daß" zu schreiben, inzwischen schreibe ich sogar "Tipp" oder "Rad fahren", und hab gar nicht mitbekommen, wann "aufwändig" wieder abgeschafft wurde ... Bewusst gelernt oder geübt hatte ich nichts von alledem.

Das mit dem Rechtschreibfenster macht mir Hoffnung! Nur nach Lottes Schilderungen wurde ich nun schon leicht panisch ...

BiDi

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #18 am: 31. Januar 2016, 17:29:04 »
Das mit dem Rechtschreibfenster macht mir Hoffnung! Nur nach Lottes Schilderungen wurde ich nun schon leicht panisch ...

Dann mache ich die Hoffnung gleichmal zunichte - nein, Witz, läuft nur bei uns gerade umgekehrt.
Mattis ist in der 6. Klasse und macht jetzt eine Lerntherapie. Bei dem wurde das immer nur schlimmer und schlimmer mit der Rechtschreibung. Je höher die Ansprüche in Deutsch wurden, das Tempo in Diktaten, desto dicker wurde das Rechtschreib-Brett vor dem Kopf. Und je mehr wir übten, desto schlimmer wurde es.

Ab diesem Halbjahr hat er nun einen Nachteilsausgleich in Rechtschreibung um den Druck erstmal 'rauszunehmen und in der Lerntherapie wird versucht die Synapsenklemmer wieder auseinander zu knoten.

Muss bei Euch nicht sein, aber es schadet nicht, aufmerksam zu bleiben und eine wirkliche Rechtschreibschwäche als mögliche Ursache im Hinterkopf zu behalten.

Grüsse
BiDi


 
Mattis: * 3.2004
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KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #19 am: 31. Januar 2016, 17:44:37 »
@BiDi: oh Mann ...  :-X Ja, ich behalte es im Auge. Tja ... warte und hoffe ich nun noch auf das Rechtschreibfenster oder verfalle ich lieber gleich in Aktionismus ...?  :-\
Habt Ihr für die Lerntherapie nun eigentlich eine Förderung bekommen?

BiDi

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #20 am: 31. Januar 2016, 19:13:45 »
Ach, die Förderung. Erstmal müssen alle Unterlagen an Land sein und dann kriegen wir einen Termin für den Psychologen, diverse Gespräche, etc. So 5 - 6 Monate wird es wohl noch dauern...

Aber zu der Frage, ob Rechtschreibschwäche oder Töffeligkeit: Es macht z.B. einen Unterschied, was für Fehler ein Kind macht. Ob's konsequent die Konsonatenverdoppelung nicht gebacken bekommt oder sich die Fehler durch jedes Thema ziehen (und immer anders sind) und man nicht mal herleiten kann, wie es denn bitte auf die Schreibweise kommt (Buchstaben- / Silbenauslassung, q und p verwechseln, etc.).

Ich würde mal mit seiner Lehrerin über das Thema sprechen (nach meiner Erfahrung haben mittlerweile viele Deutschlehrer einen ganz guten Blick dafür) oder Testen lassen.

Grüsse
BiDi
Mattis: * 3.2004
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KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #21 am: 31. Januar 2016, 20:03:33 »
Ich hatte es schon mal bei der Lehrerin angesprochen, sie fand es nicht so dramatisch. Morgen habe ich eh das Empfehlungsgespräch bei ihr, da werde ich sie nochmal fragen.

Seine Texte sind absolut lesbar, also weder lässt er Buchstaben aus, noch verwechselt er irgendwas. Sie sind im weitesten Sinne laugetreu ... Er wendet die gelernten Regeln an, aber halt auch auf Wörter, die eigentlich schon lange bekannt sein sollten (wer sprach hier nochmal von Übergeneralisierung? Das trifft es wohl). Ihm fehlt einfach der sichere stabile Grundwortschatz, sowas wurde bei uns halt nie gelernt.
Ja, und je länger und komplexer die Texte werden, desto mehr verstrickt er sich. Vor lauter Konzentration auf irgendwelche Regeln "übersieht" er inzwischen sogar die Klein- und Großschreibung, die zuvor NIE ein Problem für ihn war. Völlig unsicher ist er im Gebrauch vom "v". Neulich hat er "Vrau" geschrieben.  :o Zu Hülfe!
Das ist halt der Punkt, bei dem ich denke, das wäre mit ödem Fibelunterricht vielleicht nicht passiert. Der absolute Grundwortschatz mit "Frau" "wir", "ihr" etc. wäre halt so lange kompromisslos wiederholt worden, dass er da nun vermutlich nicht auf solche kreativen Ideen käme. Hätte, wäre, wenn ... nützt ja nun eh nichts mehr ...

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #22 am: 31. Januar 2016, 21:10:00 »
@ KardaMom: So geht es mir auch: meine Rechtschreibung hatte ich intuitiv über gaaanz viel Lesen erworben. Kommasetzung ging auch nach Gefühl und war zu 99% richtig. Grammatikregeln musste ich immer extra auswendig lernen! :P

KardaMom

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Antw:Rechtschreibtraining?
« Antwort #23 am: 31. Januar 2016, 21:27:53 »
Ich habe Grammatik geliebt!  ;D Auch nicht normal, ich weiß. Ich fand aber auch Mathe immer toll – und Grammatik war für mich einfach die Mathematik in der Sprache.

So, ich habe nun ein paar Seiten zum Thema Grundwortschatz gefunden. Selbigen werde ich jetzt mal wie Vokabeln mit ihm einpauken. Wenn der sitzt, vielleicht haben wir dann ja schon einen Großteil des Problems bewältigt. Zumindest ist der Aufwand dafür überschaubar ... (und vielleicht kann ich den Kleinen ja motivieren, gleich mitzumachen ...)

KardaMom

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« Antwort #24 am: 04. Februar 2016, 16:21:50 »
Kurzes Update: ich hab inzwischen die Lehrerin befragt. Sie würde bei M noch zu keiner Nachhilfe raten, er kann die Rechtschreibregeln ja eigentlich, er wendet sie nur nicht immer an.

Sie hat mir nun ein Lernprogramm genannt, das unsere Schule oft den Dritt- und Viertklässlern empfiehlt, mit dem man den Grundwortschatz trainiert. Erst die häufigsten Wörter, dann die typischen Fehlerwörter, Ableitungen der häufigsten Wörter etc. Also das gleiche, was ich auch schon im Sinn hatte. Das gibt's zwar als Computerprogramm und würde ihm sicher Spaß machen, ich denke aber, handschriftlich verfestigt sich das besser. Daher habe ich die ersten 100 Wörter jetzt einfach mal auf Karteikarten geschrieben und lasse ihn jeden Abend 7 Minuten Wörter schreiben. (7 Minuten war das Ergebnis der Feilschkünste meines Verhandlungsmonsters. Ich wollte eigentlich 10 Minuten, er aber nur 5  s-:)).

Bisschen sauer bin ich schon auf die Schule. Warum empfehlen die den Dritt- und Viertklässlern ein Grundwortschatztraining für's private Üben, statt den Kindern selbigen einfach ab der 1. Klasse selbst beizubringen?!

 

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