Autor Thema: Mein Kind und seine "Freunde"  (Gelesen 3177 mal)

Samson

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Mein Kind und seine "Freunde"
« am: 01. Mai 2015, 10:47:15 »
Gestern abend hat die Mutter eines Mitschülers unseres Sohnes angerufen.

Ihr Sohn hat seine Mutter gefragt, ob unser Sohn ihn mal besuchen dürfte. Gestern Nachmittag als sie ihren Sohn von der OGS abgeholt hat, hat er ihn also gefragt und unser Sohn hat nein gesagt. Daraufhin hat der andere gefragt, warum denn nicht. Und unser Sohn hat wohl geantwortet, dass er keine Zeit dazu hat.  :o

Nun also hat die Mutter angerufen und gefragt, was da dran ist. Ob unser Sohn tatsächlich nie Zeit hat oder ob es er sich mir ihrem Sohn einfach nicht treffen möchte. Ob ich meinen Sohn mal fragen könnte, denn der andere wäre schon traurig über die "Abfuhr".

Ich habe mit meinem Sohn dann vorhin gesprochen und er sagt, dass er den andern mag, aber er doch wirklich keine Zeit hat.

Montags bis 15.00 Uhr OGS, anschließend will er hier in der Siedlung mit seinen Freunden draussen sein oder hier zuhause Wii zocken.
Dienstags bis 15.00 Uhr OGS, anschließend Fußballtraining.
Mittwochs bis 15.00 Uhr OGS, anschließend möchte er mit seinen Freunden zum Bolzplatz oder bei schlechtem Wetter ins Jugendzentrum.
Donnerstags bis 16.00 Uhr OGS, anschließend Training.
Freitags bis 15.00 Uhr OGS, anschließend einfach draussen spielen, dann von 18.00 Uhr - 19.00 Uhr Schach.
Samstags Fußballspiel
Sonntags möchte er sich nicht verabreden. Da möchte er lieber einfach draussen spielen oder mit uns was unternehmen.

Ich dachte erst es kommt ihm also wirklich so vor, als wenn er nie Zeit hätte.

Ich habe ihm nun gesagt, dass er im Grunde Montags nach der OGS Zeit hat, Mittwochs, Freitags kann er gerne auch Schach ausfallen lassen oder mal nicht zum Fußballtraining gehen, Samstags nach dem Spiel haben wir meistens nichts vor.

Ja, stimmt, aber da würde er ja dann seine Freunde nicht sehen.

Er hat noch ein bisschen überlegt und mir dann gesagt, dass er den anderen doch dauernd in der Schule und in der OGS sieht, seine Fußballfreunde beim Training und beim Spiel, seine Schachfreunde beim Schach und seine "richtigen" Freunde draussen. Nun weiß ich auch, warum er so verhalten reagiert hat, als er von seinen Fußballfreunden Einladungen zum Geburtstag bekommen hat und warum er mir keine Mitschüler oder Fußballkumpels für seinen Geburtstag aufzählt.

Er trennt da absolut die Bereiche in seinem Leben. Es gibt genau ein Kind, dass in allen Bereichen vorkommt und das ist sein bester Freund. Mit dem teilt er quasi Tisch und Bett. Und alle anderen sind ihm nicht so wichtig, dass er sie in einen anderen Bereich seines Lebens rüber holen möchte. Genau so hat er es gesagt. Er möchte seine Fußballkumpels nicht hier bei uns haben und seine Mitschüler auch nicht. Die gehören halt zum Fußball und in die Schule.

Ich muss gestehen, dass mir das nie vorher aufgefallen ist. Er hat mir jetzt erzählt, dass er schon oft Einladungen abgeschlagen hat. Es hätten ihn schon mehrere Mitschüler eingeladen.  :o

Wie gehe ich denn nun damit um? Lasse ich es dabei oder versuche ich ihn zu überzeugen, dass es garnicht so verkehrt ist die Mitschüler evt. auch mal privat zu treffen.

Was sage ich der anderen Mutter, denn die hat mich um Antwort gebeten. :keine_ahnung:
Es ist mir auch ein bisschen peinlich, dass unser Sohn überall erzählt er hätte nie Zeit. Das hört sich doch so an, als wenn ich seine Tage voll durchplane.

Ich kann echt ein paar Denkanstöße gebrauchen.

Solar. E

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #1 am: 01. Mai 2015, 12:41:55 »
Also mal aus der Sicht der anderen Mutter gesprochen: Ich wäre nie in diesem Leben auf die Idee gekommen, deswegen bei dir anzurufen  ??? Ich hätte mit meinem eigenen Kind gesprochen und ihm gesagt, dass das zwar schade ist, dass der Freund nicht kommen möchte, aber dass man niemanden zwingen kann und das akzeptieren sollte. Den Rest hätte ich die Kids untereinander klären lassen.
Hier klingelt es auch öfter mal und einer meiner Söhne hat möglicherweise keine Lust - dann sag ich ihm auch, du musst nicht, wenn du nicht willst, aber kläre das bitte selber. Würde mir da jetzt die Mutter damit kommen, würde ich der das genau so sagen.

Wenn dich andere Mütter für eine "Eislaufmutter" halten: Na und?  :) Ich finde, du kannst ruhig immer wieder mit deinem Sohn darüber sprechen, dass du seine "Lebenseinteilung" für verquer hälst, aber ihn dennoch machen lassen, wenn er sich so wohl fühlt. Er wird es schon von sich aus ändern, wenn es nicht mehr passt.  :)


Honigbluete

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #2 am: 01. Mai 2015, 13:54:13 »
Ich kann das gut verstehen, ich mag meine Kollegen auch sehr gern, möchte die aber in meiner Freizeit nicht bei mir zuhause haben... Solange er damit glücklich ist, ist es für ihn OK. Nur solltest du ihn vielleicht drauf hinweisen, dass seine dauernden Absagen bei anderen Kindern als Ablehnung ankommen können...
Der anderen Mutter würde ich es so weitergeben wie er es gesagt hat.



Schnukki

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #3 am: 01. Mai 2015, 13:55:40 »
Ich kann leider aus dem Posting nicht erkennen, wie alt die Kinder sind.

Das die Mama angerufen hat, finde ich persönlich nicht schlimm. Ich denke sie wollte vielleicht fragen ob es nicht vielleicht einen anderen Grund gibt. Oder um es ihrem Kind dann vielleicht erklären zu können.

Wenn ich mir die Tage Deines Sohnes anschaue und auch die Erklärung, dann muss ich persönlich auch sagen, dass ich seine Argumentation nicht verstehe.
Er sieht seine Fussballjungs beim Fussball - die Schachjungs beim Schach. Und hat somit noch 3 weitere Nachmittage wo er *seine* anderen Freunde sieht. Und da kann er sich nicht einen Nachmittag für einen Schulfreund nehmen? Muss ja auch nicht jede Woche sein.
Er könnte den Freund ja auch mit ins Jugendzentrum nehmen.

Während der Schulzeit haben die Kinder doch nicht wirklich Zeit zum Spielen.
Von daher denke ich, Dein Sohn möchte einfach nicht und sollte dies dann auch ehrlich sagen.

Solar. E

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #4 am: 01. Mai 2015, 15:59:58 »
Ich hab ja nicht gesagt, dass das mit dem Anrufen schlimm ist, sondern dass ich es nicht nachvollziehen kann, weil ich persönlich da überhaupt keinen Bedarf sehen würde, mich da einzumischen  :)

Nipa

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #5 am: 01. Mai 2015, 16:25:10 »
Ich kann ihn schon verstehen. Seine "freien Freunde" sind halt für ihn Prioritaet, die anderen haben sich eben durch das gemeinsame "erzwungene" Beisammensein ergeben.
Die Haben halt ein gemeinsames Interesse/eine gemeinsame Pflicht, die sie verbindet, aber sind eben mehr bekannte als Freunde....

Mein Sohn ist auch ein bisschen in die Richtung. Vielleicht versteh ich es deshalb ganz gut...



Cosima

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #6 am: 01. Mai 2015, 17:26:38 »
@ Samson: Ich finde die Einteilung Deines Sohnes sehr erwachsen. Er hat sein Leben für sich gut sortiert und kommt bestens zurecht. Ich tät ihm nicht reinreden. Wenn der andere mit der Abfuhr ein Problem hat, ist das nicht das Poblem deines Sohnes!
Wie oft lädst Du Dir selbst Chef oder Kollegen nach Hause ein...?! ;)

Samson

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #7 am: 02. Mai 2015, 19:43:29 »
Ich habe natürlich nochmal mit unserem Sohn gesprochen.
Dabei ist rausgekommen, dass er nicht zu den anderen Kindern möchte. Er kann sich hier im Umfeld frei bewegen, darf auch ein Stück weiter mit dem Fahrrad zum Bolzplatz fahren und wird nicht permanent von uns beaufsichtigt.

Nun war er vor ein paar Wochen mal bei einem Kitafreund, der ihn zu sich eingeladen hatte um ihn mal wieder zu sehen und er fand es fürchterlich, dass er dort "nicht richtig" raus konnte. Der andere wollt drin mit Lego bauen und auch sonst nur Dinge machen, die unser Kind nicht gerne macht. Irgendwann haben sie sich geeinigt in den Garten zu gehen, aber da durften sie nicht pölen und die Mutter war die ganze Zeit anwesend.
Er war total froh, als ich ihn abgeholt habe. Das hatte er mir im Auto auch gesagt, dass er den Besuch dort nicht schön fand.

Dann war unser Neffe hier zu Besuch. Meine Schwägerin hatte mich gebeten die Jungs nicht alleine raus zu lassen. Sie möchte noch nicht, dass unser Neffe alleine draussen ist. Also waren sie hier in der Siedlung unterwegs und ich mit dabei. Wir haben einen kleinen Bolzplatz, das war ok. Aber richtig glücklich war unser Sohn nicht. Ihm hat es gefehlt mit den anderen Jungs mit dem Rad unterwegs zu sein. Das ist ihm in Erinnerung, deswegen möchte er auch ungern Besuch nach Hause haben.

Nun ja, dass ist wohl der Grund warum er für sich beschlossen hat die Bereiche nicht zu vermischen. Mit den Fußball-Jungs teilt er Fußball, mit den Schach-Jungs das Schach, in der Schule und der OGS hat er seine Schulfreunde und mit den anderen ist er halt draussen unterwegs. Die wissen auch, dass es hier z. B. kein Lego gibt und wie unser Sohn tickt. Und unser Sohn weiß, was ihn bei den anderen zuhause erwartet. Das klappt total gut.

Ich habe unserem Sohn gesagt, dass ich finde, dass er zu den anderen Jungs ehrlich sein sollte. Ich finde er soll das so sagen und nicht behaupten er hätte keine Zeit.

Christopher hat deswegen heute morgen bevor wir zum Schachturnier sind mit seinem Klassenkameraden telefoniert (er wollte ihn anrufen) und hat ihm gesagt, dass er ihn besuchen kommen möchte, aber dass er kein Lego und kein Playmobil mag und nicht weiß, was sie bei ihm zuhause zusammen spielen sollen. Der andere hat vorgeschlagen, dass sie bei doofem Wetter Wii und Gesellschaftsspiele spielen können und bei guten Wetter hat die Mutter versprochen mit den Jungs in den Park auf den Spielplatz zu fahren. Nun wurde beschlossen, dass die Mutter unseren Sohn am Mittwoch von der OGS mit abholt.

Ich bin froh, dass die andere Mutter mich angerufen hat. Wer weiß ob und wann ich mitbekommen hätte, dass unser Sohn jedem erzählt er hätte nie Zeit.  ;)





Nipa

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #8 am: 03. Mai 2015, 17:13:24 »
so, nachdem ich pölen gegoogelt habe, verstehe ich den Sinn ;)

Also das ist doch super! Find ich toll, dass Ihr das so aufklären konntet!



Papa

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #9 am: 03. Mai 2015, 21:48:14 »
Nun, so ist es doch im "richtigen Leben" auch. Ich habe wirklich prima Kollegen, treffe mich mit einigen davon auch gern mal abends auf ein Bier, aber mehr auch nicht. Meine Freunde suche ich mir aus, die Kollegen hat man...
Viele Kinder fallen als Jugendliche nach der Schule in ein "Freundschaftsloch", weil mit dem Ende der Schulzeit plötzlich alle (Schul-) Freunde in alle Winde auseinandertreiben. Das wird Deinem Sohn wohl nicht passieren.
Gruß vom Papa!

Tochter geboren 2008
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Eumel

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #10 am: 04. Mai 2015, 15:53:23 »
so, nachdem ich pölen gegoogelt habe, verstehe ich den Sinn ;)

Und jetzt weißt du auch, warum auf Jürgen Klopp's Käppi "Pöhler" draufsteht.  ;D

Samson, da kann ich deinen Sohn völlig verstehen. Schön, dass ihr eine Lösung gefunden habt!

Samson

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #11 am: 05. Mai 2015, 12:56:03 »
so, nachdem ich pölen gegoogelt habe, verstehe ich den Sinn ;)

Und jetzt weißt du auch, warum auf Jürgen Klopp's Käppi "Pöhler" draufsteht.  ;D



Und auf dem von meiner kleinen Cousine "Pöhlerchen"  :D

HappyMom

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Antw:Mein Kind und seine "Freunde"
« Antwort #12 am: 26. Mai 2015, 12:09:23 »
Super, dass ihr das so klären konntet :) Dein Sohn ist halt ein ganz cleveres Kerlchen mit sehr viel Persönlichkeit und Selbstbewusstsein 8)

Also hier das auch so ähnlich. Er hat 2 beste Freunde mit denen er schon von Anfang an im Kiga gespielt hat und nun sind die auch in seiner Klasse. Auch bei den Kindergeburtstagen sind die immer dabei und Maurice bei denen eingeladen und die beiden sind auch bei ihm im Fußballtraining.
Die anderen in der Klasse sind Klassenkameraden und gehören dazu aber einladen will er sie auch nicht zum spielen.
Hier ist es auch so dass Maurice sich in Gewissem Maße alleine und Selbstständig bewegen darf. Er muss uns nur sagen wohin er fährt und wo  er ist. Aber ich bin auch nicht immer dabei und bei den besten Freunden sind die auch alleine draussen oder auf dem Bolzplatz.




 

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