Autor Thema: Kind 6,5 J. - begreift Erpressung  (Gelesen 4566 mal)

Vee

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Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« am: 20. März 2014, 21:08:59 »
SORRY KINDER 5-10 - bitte verschieben

Ja, Mist, er hat es kapiert. Erpressung. Und er dreht es sooo um...

Ich versuchte ihm stets Ursache und Folge zu erklären. "Wenn du kein Gemüse isst, gibt es keinen Nachtisch. Wer gesund isst darf auch was leckeres. Wenn du aufräumst spielen wir was neues..."

Ich habe da auch oft Mühe mit, den Kontext einzuhalten. Also nicht "Wenn du nicht aufräumst, dann überlege ich mir es nochmal mit deiner Überraschung zum Geburtstag".

Mein Freund ist damit leider etwas weniger unterlegt. Wenn ich ehrlich bin denke ich, dass das das Problem ist. Ich versuche ihn für das Problem zu sensibilisieren.

Ich erkläre meinem Sohn, dass es einen Unterschied macht ob WIR eine Konsequenz ansagen oder ob ER das tut. Wir sind seine Eltern und wissen viele Dinge besser!! (Das ist auch schwierig. WANN wissen wir etwas wirklich besser als unsere Kinder??)
Wie auch immer. Ich denke dass ich das ganz gut transportiere.

Nun, unser Sohn hat das oben gesagte begriffen, aber auch dass Erpressung ein Werkzeug ist und wendet es nun lustig auf uns an: "Wenn... dann..." "Wenn ihr mich erpresst, dann erpresse ich euch".

Dazu muss ich sagen, dass das hier recht lovely passiert. Ich muss da eigentlich drüber lachen, aber es kann so nicht weiter gehen.

In der Schule alles unauffällig. Anführertyp. Lässt sich nichts vom Brot nehmen. Freundlich. Der Älteste. Sehr sozial.

Habt ihrt einen Rat?
Wie sollen wir uns positionieren? Wie kann ich meinem Freund die Problemarik erklären? Was machen wenn Sohnemann dauerhaft die Regie übernehmen will?

Wie muss ich ihn nehmen?
« Letzte Änderung: 20. März 2014, 21:17:07 von Vee »


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Nipa

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #1 am: 20. März 2014, 21:18:15 »
Naja, meine Jungs (sogar der Kleine) haben das schon auch verstanden, dass konsequentes Handeln für sie nicht immer schön ist.

Und mein 4jähriger Stand letztens auch da und brüllte mich an, dass er seinen Schlafanzug nur anzieht wenn ich xy mache.
Daraufhin habe ich ihm eben gesagt dass ich das nicht mache und er den Schlafanzug nicht anziehen muss. Ich aber nur den Kindern vorlesen werde die einen Schlafanzug anhaben.

Klar kann ich das jetzt Erpressung nennen, aber letztlich ist das einfach das echte Leben, oder? Mein Chef erpresst mich auch, weil "wenn ich nicht gut arbeite verliere ich meinen Job" oder mein Mann "wenn ich ihn nicht liebe, dann wird er sich von mir trennen".
Oder selbst der Eisverkäufer: Wenn ich ihm nicht den Euro zehn gebe, dann wird er mir kein Eis geben.

Das ist einfach so, dass Dinge andere bedingen.
Und da müssen sich in der Regel Kinder und Erwachsene dran halten.
Genau so würde ich es ihm erklären. Und bei gewissen "Wenn dann Forderungen" haben ja auch Kinder durchaus mal die Möglichkeit "die Macht zu haben".
Zumindest probiert mein Sohn schon sowas wie: "wenn Du jetzt noch ein Buch vorliest, dann geh ich danach auch extraschnell ins Bett"...




Vee

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #2 am: 20. März 2014, 21:19:56 »
Ja schön, kindgerechte Beispiele wo wir Erwachsenen uns dran halten müssen... Aber ich befürchte das Eisverkäuferbeispiel imponiert ihm nicht, es geht echt um Regie und Macht leider.
Aber ich habe dich verstanden.
Diese Beispiele leuchten ihm auch ein, aber unser Konflikt bleibt ein persönlicher Machtkonflikt.
« Letzte Änderung: 20. März 2014, 21:28:46 von Vee »


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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #3 am: 20. März 2014, 21:34:55 »
Dann lass Dich nicht drauf ein.
Machtspiele funktionieren nur, wenn wir uns drauf einlassen.
Dein Sohn muss Deine "wenns" ja auch nicht umsetzen, aber eben die "danns" ertragen.

Wichtig ist da nur, dass Du wirklich nur Dinge aussprichst, die Du ertragen kannst umsetzen zu müssen. Ich hab so ein paar "danns" mal umgesetzt wo die Kinder dachten "das macht sie doch eh nicht".
War für keinen von uns spassig, aber hatte einen heilenden Effekt.

Und: "Wähle Deine Kämpfe weise" - sprich: Dinge die uns wirklich wichtig sind sollten wir dementsprechen vertreten. Aber damit es nicht zum "Überfluss" kommt muss man einfach schauen über was man hinwegsehen kann..
Damit fahr ich ganz gut...



Bahiamia

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #4 am: 20. März 2014, 21:35:42 »
Hallo,

Warum lässt du dich so verunsichern?
Konsequenz und Durchhaltevermögen - damit fahre ich bei meiner Tochter am besten... Sie testet oft ihr grenzen aus und meint, ich würde sie erpressen..
Meine Antwort darauf, das ist nicht Erpressung sondern Erziehung  S:D

Viel erfolg  :)
« Letzte Änderung: 20. März 2014, 21:41:34 von leelou »

jewa

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #5 am: 20. März 2014, 21:38:55 »
Ein Lehrer von uns hat die Frage "ist das nicht eigentlich "Erpressung"?" mit: "Das siehst du falsch, ich zeige dir den Weg in die Glückseligkeit" beantwortet.  ;)
Es ist halt nunmal so, dass wir Eltern in vielen Sachen den besseren Durch-/Überblick haben, wegen Lebenserfahrung, etc., also ist halt manchmal "Ende im Gelände" (in/über viele(n) Dinge(n) kann man ja diskutieren und über manchen nicht, z.B. wir müssen immer schauen bevor man die Straße überquert, egal ob in Kuhkäffern oder der Münchener Innenstadt). Und gerade die Beispiele wie von Nipa erwähnt, haben wir auch als Kinder "normal" erlernt (wir bezahlen das Eis im Normalfall ohne zu (hinter-)fragen).
Und gerade im Moment frage ich mich, ist das Familienkonzept gelebte Demokratie oder doch eher (letztendlich) Diktatur?
Wir würden uns z.B. nicht von 3 Kindern mehrheitlich zu einem 3 Wochen Karibikurlaub "überstimmen" lassen, wenn das finanziell nicht drin ist, aber sicherlich "demokratisch" zwischen möglichen Urlaubsreisen ab-/überstimmen lassen.
Ist aber jetzt wohl eher Thema für einen eigenen Thread...


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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #6 am: 20. März 2014, 21:46:45 »
@jewa:
Erziehung kann nie demokratisch sein würde ich behaupten. ;)



jewa

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #7 am: 20. März 2014, 21:53:48 »
@Nipa
Na, dann sag das bitte mal unserer Schule, die praktizieren (angeblich) gelebte Demokratie und erwarten zeitgleich "blinden Gehorsam und höheren Respekt vor dem Lehrkörper".  ???  :-X :'(


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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #8 am: 20. März 2014, 21:59:40 »
Naja, das ist dann vermutlich Schülermitverwaltung im Sinne von "Ihr dürft mitentscheiden wohin die Abschlussfahrt geht", aber "ob es eine gibt entscheiden dann wir"....

Auch nicht so viel anders als daheim.
Jemand gibt die Regeln und Grenzen vor innerhalb denen die anderen ihre Meinung kundtun dürfen...



jewa

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #9 am: 20. März 2014, 22:06:37 »
Ich sagte doch, ist auch nur da demokratisch, wo es ihnen passt; also letztendlich keine Demokratie.  S:D
Und solange sie die Unschuldsvermutung nicht annehmen und Fakten der Aufklärung nicht in Erwägung ziehen, weil, "wer einmal lügt..." der sollte mit dem Begriff Demokratie sehr vorsichtig umgehen, wenn er die "Gewaltenteilung" in sich vereinigt und so vor-/auslebt.
Aber wie gesagt, anderes Thema.  ;)


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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #10 am: 20. März 2014, 23:15:52 »
das diskutieren wir bei einem MonCherie Marmeladenbrot und einem Hugo aus  ;D



zuz

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #11 am: 20. März 2014, 23:21:45 »
Huhu,

hm, ich versuche diese wenn...dann-Sätze möglichst zu vermeiden und stattdessen lieber zu sagen, was ich persönlich möchte. Also nicht: WEnn Du Dein Zimmer aufräumst, dann lese ich Dir vor. Sondern: ICH möchte, dass Du Dein Zimmer aufräumst. Und wenn er es nicht tut und ein Buch will, dann eher: Ich mag Dir nicht vorlesen, wenn ich weiß, dass in Deinem Zimmer noch so ein Chaos ist.
Wenn es ein grundsätzliches Problem ist, besprechen wir es gern im Familienrat. Der wirkt hier oft Wunder. Das ist quasi unser Demokratiewerkzeug ;) Ist natürlich letztlich nicht komplett demokratisch (das ist übrigens die "echte" Demokratie - ich behaupte zum Glück - auch nicht). Aber jeder hat die Chance, seine Sicht der Dinge darzulegen, seine eigenen Grenzen und Wünsche darzustellen. Bei uns sorgt ein Sprechstein für den nötigen Ernst. Und es hilft wirklich! Die Kinder fühlen sich sehr viel mehr ernst genommen, und ich kann meine Position auch viel besser erklären, wenn das mal in Ruhe passiert als immer mitten in der Action. Und manchmal überraschen mich die Kinder, was für sie das eigentliche Problem darstellt - und wie einfach das manchmal zu lösen ist.
Ich denke, mit 6,5 ist Dein Sohn einfach auch schon ganz schön alt und versteht vieles auch besser - dazu gehört auch Deine Sichtweise, wenn Du ihn daran teilhaben lässt. :)

lotte81

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #12 am: 21. März 2014, 16:33:51 »
Meine Tochter sagte letztens auch zu irgendeinem Satz von mir: DAS IST ERPRESSUNG.....
Und was antworte ich? wie auch schon mein Vater anno dazumals: Das ist keine Erpressung das ist Erziehung  ;D ;D ;D
Allerdings haben wir darüber dann eine weile gemeinsam herzhaft gelacht....Mir kam der Satz echt als Reflex über die lippen  s-:)
Am Ende haben wir drüber gesprochen. Das Erwachsene Dinge oft besser einschätzen können und auf einige Sachen bestehen müssen und dass das dann eben wirklich tEil der Erziehung ist.....Sie kam dann selber drauf, dass es eigentlich OK ist und fand es gut...Aber Nipas Motto passt hier auch ganz gut: Wähle deine Kämpfe weise...denn nur dann bleibt man glaubwüridg und hat bei den entscheidenden Dingen genug Kraft.


Sweety

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #13 am: 21. März 2014, 16:54:11 »
Nachdem ich Konsequenz eh schon immer etwas anders interpretiert hatte als die meisten anderen, hab ich diesen Kram jetzt gänzlich über Bord geworfen. Mein Mann rauft sich zwar die Haare, ist aber grundsätzlich bei mir damit und macht zaghaft mit.

Und was soll ich sagen? Uns geht's gut damit.

Das mit dem Nachtisch ist bei uns nie ein Problem, weil wir eh selten welchen auf dem Tisch zu stehen haben. Allerdings hätten wir welchen, dann wäre das kein Problem. Ich esse auch nicht alles und würde aber einen dicken Hermann machen, wenn man mir den Pudding verweigert, weil ich dies oder jenes nicht vorher essen will ;)
Wenn einen das so anpieselt, dann würde ich generell vielleicht erstmal eine Weile ohne tägliches Dessert leben.
Hier muss auch nichts probiert und nicht sitzengeblieben werden, bis alle fertig sind.

Aufräumen... na, wer will denn das Zimmer aufgeräumt haben? Ich! Dann mach ich es entweder oder ich bitte ihn, es mit mir gemeinsam zu machen. Mein Sohn braucht das nicht aufgeräumt; das ist nicht SEIN Interesse. Interessanterweise MACHT er es aber auch ohne Murren und Knurren, seitdem ich so verfahren.

Ja, Erwachsene sehen oft weiter. Aber das kann man ja auch erklären.

Und wenn unser Großer (der das mit vier auch schon gut kapiert hat) mit "Wenn... dann..." kommt, dann lächel ich nur und sage, dass er mir drohen kann, aber ich mich nicht danach richte und frage ihn, was er denn nun eigentlich möchte.

Ich bin bass erstaunt, wie entspannt das Leben sein kann seither und bevor es kommt: nein, ich hab hier keine Kinder, die mir in guter Alt-68er-Manier "auf der Nase rumtanzen" ;)

Und das mit dem Eis, dem Chef und so weiter... ja sicher sind das Konsequenzen. Aber sie sind keine Willkür, sondern wirtschaftliche Notwendigkeiten, die man auch - kindgerecht - erklären kann.

Das mit dem "Ich tu dies nicht, wenn du nicht jenes tust" ist für mich schon Willkür und da muss ich mich dann auch nicht wundern, wenn es zurück kommt.
Wenn ich persönlich etwas nicht machen mag, weil... dann kann ich das ja wie Zuz es geschrieben hat, erklären und schauen, wie sich das Kind entscheidet.
Dann muss ich aber genauso mit dem "dann" leben, wie das Kind.
Heißt: Wenn ich sage "Ich mag dir nicht vorlesen, wenn es so kruschelig hier aussieht", dann muss ich auch bereit sein, damit zu leben, dass das Kind sich gegen das Lesen und für das Kreativchaos entscheidet ;D

scarlet_rose

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #14 am: 21. März 2014, 17:28:32 »
Wenn...dann....gibt es hier.

Aber ich achte sehr darauf, es nur so einzusetzen, dass die "danns" dann eben auch sinnvoll sind, eben wie beim Eisverkäufer. Also "Wenn du nicht den Tisch abräumst, gehe ich nicht it dir zur Eisdiele" gibt es hier nicht, da zwischen X und Y kein Zusammenhang besteht, den ich argumentativ begründen könnte. Das könnte durchaus als Erpressung und Willkür empfunden werden.

ABER "Wenn du jetzt so lange rumtrödelst, spiele ich vor der Schule nicht mehr mit dir, weil keine Zeit mehr da ist" ist z.B. ein Beispiel für eine sinnvolle (in meinen Augen zumindest) "wenn..dann"-Formulierung.

Auch finde ich es wichtig, dass Kinder sowohl die Erwartungen der Eltern hinterfragen dürfen und auch kritisieren, als auch eigene Forderungen stellen können. Die können dann diskutiert werden und mal sind sie vielleicht akzeptabel (oder sogar sinnvoll), mal nicht.

Eine Konsequenz muss (für mich) immer irgendwie logisch aus der Sache hervor gehen. Dann braucht man Widerspruch auch nicht zu scheuen, denn dass die Konsequenz eintritt ist nicht "schuld" und "Willkür" der Eltern. Daher gibt es hier nur Konsequenzen und Forderungen, die ich auch erklären kann, dann scheue ich keine Widerworte.
Ebenso darf Liam mir seine Forderung und seine Sichtweise erklären und ich kann dann, je nach Situation mit ihm zusammen oder alleine, abwägen, ob ich von meiner Position abweiche oder nicht.

Etwas Süßes als Belohnung für Gemüse z.B. ist weder schlüssig, noch sinnvoll. Damit wird das Süße noch wichtiger und das Gesunde zum Ärgernis. Ich halte es für Kontraproduktiv das, was notwendig ist so negativ zu belasten.


Zum "Regie übernehmen":
Zeig ihm, an welchen Punkten er das machen kann, an welchen nicht.
Erklär ihm, wieso nicht. z.B. kann er auf vieles im Alltag Einfluss nehmen und Ablauf oder ähnliches bestimmen und gestalten. Gib ihm Rechte, dann kannst du ihm auch seine Pflichten abverlangen.

Mein wichtigstes "Zugpferd" ist bei Allem die Argumentation. Wer etwas möchte, muss wissen wieso. Lass ihn begründen und damit kannst du dann arbeiten. oft haben Kinder sehr sehr gute Begründungen oder auch Vorstellungen, die wir so gar nicht gefunden hätten.

Hubs

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #15 am: 21. März 2014, 20:41:53 »
Im Grunde kann ich jede logische wenn ... dann... Verknüpfung anders formulieren, in dem Stil in dem es zuz beschrieben hat. Bin ich dazu nicht in der Lage, und es besteht tatsächlich kein logischer Zusammenhang dann ist es letztlich doch Erpressung begründet auf meiner Willkür.

Ich versuchte ihm stets Ursache und Folge zu erklären. "Wenn du kein Gemüse isst, gibt es keinen Nachtisch. Wer gesund isst darf auch was leckeres. Wenn du aufräumst spielen wir was neues..."
So ausgesprochen klingt das einfach nach Erpressung. Nur wenn Du tust, was ich sage, machen wir,...

Wenn's Dir wirklich so wichtig ist, dass er sein Gemüse aufisst, bevor er den Nachtisch bekommt, dann kannst Du es anders formulieren. Es besteht nämlich kein logischer Kausalzusammenhang, es ist DEIN Wunsch. Wenn Du ihn als Wunsch mit entsprechender Argumentation und nicht als Erpressung formulierst, erntest Du vermutlich auch mehr Verständnis.

Wenn Dein Sohne es als Machtspiel interpretiert, musst Du ja nicht Dein Erziehungskonzept über den Haufen werfen, mehr auf Deine Wortwahl und Erklärung achten. Wenn Dir die Wortwahl und Argumentation wirklich schwer fällt, hinterfrag mal den Grund Deiner Aussagen. Ich kenn das selbst, manchmal fordern wir Dinge, weil's halt so ist. Das ist aber nicht sinnvoll, absolut nicht authentisch, wohl eher willkürlich. Dass solche Situationen von Kindern als Machtausübung einstufen, ist dann auch verständlich.

@ Nipa: Was Du beschreibst mit Chef und Eisverkäufer, das sind Verträge, gesetzlich geregelt. Und jeder hat seine Vertragspflicht zu erfüllen. Der Tatbestand einer Erpressung ist das nicht!
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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #16 am: 21. März 2014, 21:02:59 »
Nipa: Das mit den Verträgen, klar, das stimmt. Aber ich glaube nicht, dass Kinder mit 6 Jahren sich schon an Verträge halten können, dafür sind sie noch zu emotional bestimmt. Mit 12, 14 oder so, da sicher. Aber mit 6, da bin ich skeptisch bzw. halte es nicht für sonderlich sinnvoll. Da wollen Kinder noch Dinge tun, um den Eltern zu gefallen.

Sweety: Klingt interessant, was Du schreibst! Allerdings könnte ich nicht mit allem so leben. Aufräumen, ok, kann man streiten. Ich räum dann oft Sachen grundsätzlich weg, eben weil es mich stört, wenn es kruschig ist, UND ich nicht dauernd aufräumen mag. Davon krieg ich schlechte Laune  :P
Das mit dem sitzen bleiben: Doch, das ist mir persönlich wichtig. Es ist nicht nur, weil man das so macht, ich mag einfach keine Unruhe beim Essen, es stört mich. Ab und an entgleitet mir das mal wieder, dann stehen doch wieder alle x-Mal auf, aber mittelfristig sorge ich dann doch wieder dafür, dass alle sitzen bleiben. Einfach mit der Begründung, dass MICH das sonst stört und ich mir eben wünsche, dass Ruhe beim Essen ist (also nicht Grabesstille, aber eben kein Toben etc.). Und zum anderen ist das meist die einzige Familienzeit, wo alle mal zusammen sind, auch das finde ich wichtig. Kann man aber so auch erklären, finde ich.
Und NAchtisch: Wir haben hier so eine Kandidatin, die am liebsten nur Süßes essen würde. Und gibt es Nachtisch, wird am besten vorher nichts oder fast nichts gegessen. Und doch, da sage ich schon, dass ich ihr dann nichts Süßes geben will, weil ich finde, dass man ausgewogen essen sollte und ich eben im Zweifel dafür sorge, dass das auch passiert. Seitdem klappt es. Vorher hatten wir es auch probiert mit "wenn...dann", aber das war kontraproduktiv, es gab dauernd Machtkämpfe, wie viel denn nun noch gegessen werden muss, ob 2 Löffel reichen oder 3, ob 3 halbe auch gehen usw. Das wollte ich nicht mehr. Mag sein, dass es nun willkürlicher ist, ICH entscheide einfach, ob es was Süßes gibt oder nicht, und zwar nach meinen eigenen Kriterien, die muss ich dann auch nicht jedes Mal diskutieren. Aber obwohl willkürlicher, gibt es seither keine Diskussionen mehr. Und ich fühle mich so einfach wohler, wenn ich weiß, sie isst halbwegs sinnvoll.

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #17 am: 21. März 2014, 21:12:40 »
@ Zuz: Ich empfinde die Begründung "weil ich es will" nicht als Willkül, meine Kinder offensichtlich auch nicht. Ich glaube eine Entscheidung wird als Willkür empfunden, wenn es eben keine sinnvolle Begründung gibt, meine Wünsche sind aber eine sinnvolle Begründung. Ich hab's auch satt, hier ständig aufzuräumen und es ist einfach mein Wunsch. Meine Kinder haben kein Problem mit der Unordnung. Ich schon. Und ich lebe nun mal auch hier und habe ein Recht darauf mich wohl zu fühlen. Solange die Argumentation dahin authentisch ist, finde ich habe ich das Recht Dinge auch auf dieser Weise einzufordern.
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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #18 am: 21. März 2014, 21:19:12 »
Ja, offenbar ist es so :)
Zumal - jedenfalls meine - Kinder "rationale" Begründungen oft sowieso nicht wirklich verstehen.

Dannichen

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #19 am: 21. März 2014, 22:03:23 »
Bei uns werden die wenn-danns auch nur eingesetzt wo es für meinen Sohn Sinn hat und ich das 'dann' auch umsetzen kann und will.
Wenn Du jetzt hier rumtrödelst dann schaffen wir es nicht mehr das Buch vor zu lesen. Oder: wenn Du die Bausteine nicht aufräumst dann können wir die Eisenbahn nicht aufbauen.

Er scheint es immer mehr zu begreifen dass ich es ernst meine und mich an meine 'danns' auch halte. Wir haben im Moment eine ganz tolle Zeit mit viel weniger Stress und Theater als noch vor 2 Monaten. :)
LG, Danni und Kids ♥



Glück ist die Summe richtiger Entscheidungen

BiDi

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #20 am: 22. März 2014, 07:19:30 »
Bei der Erpressung versucht ein Erpresser, sich selbst oder Dritte rechtswidrig durch Gewalt oder durch Androhung eines empfindlichen Übels zu Lasten eines anderen zu bereichern.

Ersetze 'bereichern' durch 'sich einen Vorteil zu verschaffen' und irgendwie hat Dein Sohn recht. Zumindest aus seiner Sicht. Zumindest solange er nicht begreifen kann, das es nicht um Deinen, sondern um seinen Vorteil geht.
Beispiel Gemüse - Nachtisch. Gemüse ist gesund, Nachtisch nicht, so die dahinterstehende Kernthese. Bei uns ist die nicht nachprüfbar. Moritz ißt so gut wie nie Gemüse oder Obst und war in den letzten 3 Jahren insgesamt 2 Tage krank. Mattis isst Gemüse und Obst und brachte es  in den letzten 3 Jahren bestimmt auf 25 Kranktage. Also verzichte ich gänzlich auf die 'kein Gemüse, kein Nachtisch'-Konsequenz, sondern kaufe / mache einfach seltener Nachtisch. Schon weil sich auch mir nicht ganz erschliesst, welchen Sinn es macht, etwas Gesundes durch etwas Nicht-Gesundes zu 'neutralisieren'.
Zimmeraufräumen: Meine Jungs müssen nicht Aufräumen der Ordnung wegen. Wenn sie sich in ihrem Handgranatenwurfstand wohlfühlen: Bitte. Wenn ich allerdings saugen muss, bin ich ziemlich angenervt, wenn ich erst den Teppich freischaufeln muss. Also schaufele ich in einen Müllsack. Was übrigens nicht klappt, ist die Ansage '...oder ihr müsst selber saugen'. Tun sie dann nämlich einfach nicht 'Hier ist es doch gar nicht dreckig!' und wir sind wieder auf Anfang.
Das das Wohnzimmer täglich von ihren 'Überresten' befreit wird, ist selbstverständlich. Das ist schliesslich Gemeinschaftsraum und nicht ihrer.

Und all' das bedeutet nicht, das es bei uns nicht auch Regeln gibt, deren Hintergrund einfach ist, dass Mama und Papa das wichtig finden. Aber die werden nicht spontan, sondern gemeinsam begründet und festgelegt. Und da es bei uns auch Regeln gibt, die sich ausschliesslich darauf begründen, das sie den Jungs wichtig sind, kommen wir da eigentlich ganz gut zusammen. Kompromissbereitschaft auf beiden Seiten vorausgesetzt.

Grüsse
BiDi


 
Mattis: * 3.2004
Moritz: * 4.2005

Sweety

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #21 am: 22. März 2014, 16:10:18 »
s-daumenhoch

Sonne1978

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #22 am: 25. März 2014, 20:11:45 »
Ich häng' mich der Einfachheit halber an Sweety dran :) Einige Dinge handhabe ich anders, aber allgemein versuche ich auch, auf Androhung von Konsequenzen zu verzichten oder sie so zu formulieren, dass sie als Verhandlung durchgehen.

Unser "Mittelkind" isst auch lieber den Nachtisch, als das Hauptgericht. Da ich danach koche, was die Kinder sich am Tag vorher wünschen, kann ich damit argumentieren, dass sie sich doch xy gewünscht hätten und ich mir nun wünsche, dass sie zumindest ein paar Löffel davon essen. Die Argumentation "dann gibt es keinen Nachtisch" vermeide ich komplett, da dadurch suggeriert wird, dass der Nachtisch das Leckere ist, während die Hauptspeise notwendiges Übel ist, sprich "schlecht" gegenüber dem Nachtisch.

Das mit dem Aufräumen... unsere mögen es schon lieber, wenn es aufgeräumt ist, aber die Motivation fehlt beim großen Chaos verständlicherweise. Manchmal räume ich selbst auf und erzähle, dass die Heinzelmännchen da waren ;D Da sind sie dann überglücklich und achten die ersten Tage ganz besonders drauf, keine Unordnung zu machen. Ansonsten räume ich mit ihnen gemeinsam auf oder stelle eine Belohnung in Aussicht (z. b. die Carrera-Bahn aufbauen).

@Ursache und Folge
So, wie Du es beschreibst, ist es Erpressung. Eine einfache Erklärung ohne Hinweis auf persönliche Nachteile wäre sicher hilfreicher. Um bei der Gemüse-Sache zu bleiben, würde ich ihm schlicht erklären, dass jedes Nahrungsmittel seinen Sinn hat. Vitamine, Balaststoffe etc. Der Körper kann nur funktionieren, wenn er von allem was bekommt. Karotten sind gut für die Augen, Milch für die Knochen, das Körnerbrot für einen fluffigen Haufen usw. ;)
Wenn das Zimmer unordentlich ist, kann er über die Sachen stolpern und sich verletzen.

Vee

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Antw:Kind 6,5 J. - begreift Erpressung
« Antwort #23 am: 25. März 2014, 21:39:39 »
Klar kann ich das jetzt Erpressung nennen, aber letztlich ist das einfach das echte Leben, oder? Mein Chef erpresst mich auch, weil "wenn ich nicht gut arbeite verliere ich meinen Job" oder mein Mann "wenn ich ihn nicht liebe, dann wird er sich von mir trennen".
Oder selbst der Eisverkäufer: Wenn ich ihm nicht den Euro zehn gebe, dann wird er mir kein Eis geben.

Und genau dasselbe macht mein Sohn.

Sorry, zu frùh abgeschickt, ich bin gerade alle Beitràge am lesen.
« Letzte Änderung: 25. März 2014, 21:41:54 von Vee »


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« Antwort #24 am: 25. März 2014, 21:43:32 »
Zumindest probiert mein Sohn schon sowas wie: "wenn Du jetzt noch ein Buch vorliest, dann geh ich danach auch extraschnell ins Bett"...

Ja, das beobachte ich auch. Das ganze Thema ist sensibel, asuch seine Auflòsung.


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