Hm, wenn Ihr ausschließen könnt (das würde ich aber auf alle Fälle tun!!), dass etwas passiert ist, dann würde ich auch auf Pubertätsvorboten tippen. Es klingt, als wäre sie grad gar nicht mit sich im Reinen, könnte sich selbst nicht leiden und würde sich nur wenig zutrauen. Was sie dann braucht, sind Eltern, die trotz Pubertätssturm das Schiff sicher steuern können und ihr den Weg weisen.
Einige Dinge muss man sicher hinnehmen, kann sie aber kommentieren: Wenn sie nicht redet, kann man ein Gesprächsangebot machen, nachfragen, was sie interessiert oder auch einfach von sich erzählen. Steigt sie auf gar nichts ein, kann man das bedauern, ohne es zu dramatisieren. Und wichtig: Aufpassen, dass sie das Gesicht wahren kann! Mach es ihr leicht, einen Ausweg zu finden, z.B.: Schade, dass Du jetzt nicht reden willst. Naja, vielleicht bist Du einfach noch müde und hast später mehr Lust." Und fertig.
Manche Sachen gehen natürlich nicht. Wenn sie schreit, würde ich ganz ruhig sagen: Ich möchte nicht angeschrien werden. Schreit sie weiter, wiederholen und sagen, dass Du leider gehen musst, wenn sie weiter schreit. Gleichzeitig fragen, ob Du ihr irgendwie helfen kannst. Klappt das nicht: das Zimmer verlassen, nicht mehr groß kommentieren, höchstens: Schade, dass Du noch schreien musst, dann muss ich jetzt leider gehen. Wichtig ist, dass es ehrlich bedauernd klingt, nicht zynisch.
Das mit dem Schuld auf andere schieben ist oft ein Selbstschutz. Wenn das Rad schuld ist, dann kann es nicht an ihr liegen. Dahinter steckt die Angst, nicht gut genug zu sein. Da hilft vielleicht ein Angebot: Sollen wir mal zusammen schauen, woran es liegen könnte/wie es besser gehen könnte? Und auch eine Selbstoffenbarung: Dass man vielleicht auch Schwierigkeiten mit dem Rad fahren hatte, in der Schule nicht gleich alles verstanden hat. Dass die meisten Dinge im Leben mit sehr, sehr viel langweiligem Üben verbunden sind. Dass man ihr aber zutraut, es dann zu schaffen.
Stellt Euch hinter sie, sie mag sich grad selbst nicht, da ist es doppelt schlimm, wenn Ihr sie auch noch ablehnt. Wie gesagt, Verhalten kann man natürlich kommentieren und sich verbieten, aber nur, wenn dahinter eine echte Wertschätzung Eures Kindes steht. Fragt Euch mal, wie ihr ihr in solchen Situationen eigentlich grad klarmacht, dass Ihr sie lieb habt. Für sie ist das ganz, ganz wichtig - und für Euch auch, denn nur so kann sich Eure Beziehung und auch ihr Verhalten wieder normalisieren. Macht ihr klar, dass ihr ihr gerne helft, zeigt Verständnis, wenn sie grad mutlos ist, und zeigt ihr erst dann, wo Eure eigenen Grenzen sind.
LG, zuz