Ja klar gibt es da auch Unterschiede. Genau wie manche schon mit 2 Jahren perfekte Sätze sprechen können und andere noch bei einzelnen Wörtern sind. Ich denke, die zurückhaltenden und die dominanten müssen sich einander annähern. Die einen müssen lernen, ihre Bedürfnisse zu äußern und durchzusetzen, die anderen, auch mal zurückzustecken. Irgendwann haben dann beide den Dreh raus.
Aber es werden immer Unterschiede bleiben. Es gibt nun mal (erwachsene) Menschen, denen es wichtiger ist, ihren eigenen Bedürfnisse nachzugehen als dass sie Wert auf Gemeinsamkeit legen. Bei anderen ist es umgekehrt. Das ist weder gut noch schlecht, ich denke, eine Gesellschaft braucht beides. Ohne die dominanten Leute gäbe es auch keine Unternehmer, Forscher etc., die konsequent ihre Ziele verfolgen. Und ohne die anderen gäbe es kein soziales Netzwerk.
Bei sich selber kennt man das ja auch irgendwie: Angenommen, Du willst shoppen gehen und rufst eine Freundin an, ob sie mitkommt. Die hätte zwar Zeit für Dich, will aber lieber mit Dir einen Ausflug machen. Jetzt kommt es drauf an, was Du für ein Typ bist, aber es ist doch zumindest gut vorstellbar, dass Du dann sagst, nee, dann ein andermal, mir ist shoppen grad wichtig. Bei Kindern ist es halt nur ein bisschen doof, dass die noch keine Strategien haben: Wenn Du Deine Freundin schon lange kennst, wird das kein Problem sein, dass Ihr halt an dem Tag nichts zusammen macht. Wenn Du grad neu in der Stadt bist, würdest Du wohl eher den Ausflug machen, um eben Leute kennen zu lernen. So weit denken Kinder natürlich noch nicht. Aber lernen tun sie trotzdem. In dem Bsp. oben, dass das Kind dann lieber alleine gespielt hat, das fand ich recht deutlich: Sie MERKt ja, dass es Folgen hat, wie sie sich verhält. Wenn sie das dann stört (es reicht, wenn sie das für sich merkt, sie muss es ja nicht zeigen), dann wird sie das nächste Mal vielleicht ein wenig diplomatischer reagieren. Irgendwann wird sie es lernen, wie sich ihr Verhalten auswirkt und sie wird entscheiden können, wie viel Unabhängigkeit und wie viel Freundschaft sie braucht.
Dass man es noch mal erklärt, wie sich was auswirkt und was man anders machen könnte, finde ich auch wichtig. Aber den Rest muss man wohl einfach den Kindern überlassen, auch wenn das manchmal echt schwer ist. Ich hätte bei meiner zurückhaltenden Maus auch manchmal gern einen Knopf, der sie dazu bringt, das "Richtige" zu tun. Da es den aber nicht gibt, muss ich sie wohl machen lassen und ihr vertrauen, dass sie das genau so lernen wird, wie sie ja auch bisher alles andere gelernt hat.