Dann gibt es Tage, wo sie klagt "niemand hat mich lieb" heißt nicht, das sie sich permanent ungeliebt fühlt.
Immerhin. Aber schlimm genug, findest du nicht?
Ich nehme ihr die Grundfesten ihres Lebens? Wann, wie und womit habe ich das gemacht? Was sind die Grundfesten des Lebens, erzähl mal?
Ich überhöre jetzt mal den aggressiven Unterton. Mit einer Trennung nimmt man dem Kind die Grundfesten. Auch wenn das für Dich hart klingt. Für sie seid Ihr nicht irgendeine Beziehung, sondern sie ist Teil von Euch beiden und absolut abhängig von Euch. Evolutorisch würden Kinder ohne Eltern nicht überleben. Kinder stellen diese Einheit nicht in Frage. Durch die Trennung zwingst Du sie nun aber dazu und das wird sie in ihren Grundfesten erschüttern. Ich sage das nicht, um Dir ein schlechtes Gewissen zu machen und ich will auch nicht sagen, Du hättest Dich besser nicht getrennt. Ich will Dir nur klarmachen, dass die Trennung für Deine Tochter wesentlich existenzieller ist als für Dich.
So helfe ich meiner Tochter gewiss nicht? Worauf bezieht sich das?
Das bezieht sich darauf, dass Du ihr die Schuld gibst. Ich sehe das auch durch Dein zweites Posting nicht wirklich entkräftet, aber schön, wenn es so ist. Hast Du ihr das schon mal gesagt? Kinder neigen eh dazu, sich für die Trennung der Eltern die Schuld zu geben. Denn es ist für sie etwas, was es eigentlich nicht geben darf (s.o.). Um die Sache erträglicher zu machen, tun sie wenigstens so, als hätten sie es in der Hand gehabt. Andererseits macht es das aber noch schlimmer, eben weil sie dann Schuld haben an ihrer Misere. Und nun kommst Du auch noch mit Andeutungen, die ihre Sichtweise verstärken. Du sagst, Du meinst es nicht so, aber das war für mich zumindest nicht so eindeutig. Wenn wir hier als Erwachsene und emotional Unbeteiligte Dich schon nicht richtig verstehen, solltest Du es daher Deiner Tochter noch einmal ganz deutlich sagen. Am besten nicht nur einmal.
Ist das bei Euch auch so? Ist das "normal" in dem Alter? Wie geht ihr damit um? Fehlen hier Grenzen?
Um Deine Frage zu beantworten: Ja, das ist normal in dem Alter. Es machen nicht ALLE so, manche haben auch schon sehr enge Freundschaften und sind da recht reif, aber manche sind eben da auch noch sehr sprunghaft.
Okay, Du meinst also Kinder sollten ruhig alles ausprobieren. Habe ich Dich richtig verstanden? Ich komme jetzt mal nicht mit der alten Leier, denn alles muss man nicht ausprobieren (z.B. Kokain). Zumal der Zustand des Ausprobierens hier deutlich überschritten ist. Da spreche ich schon eher von einem, für sie normalen, Verhalten.
Nein, natürlich sollten Kinder nicht alles ausprobieren. Natürlich müsst Ihr als Eltern Grenzen setzen. Da habe ich mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt. Ich meinte damit nur den Umgang mit Freunden. Sie müssen ausprobieren, welches Verhalten wie ankommt. Und da kann man keine Grenzen setzen, finde ich. Man kann nur mit ihnen reden, ihnen klarmachen, wie sich der andere fühlt, wenn sie sich so und so verhält. Letzten Endes muss SIE aber dann entscheiden, wie sie damit umgeht. Sie muss - in der Beziehung - da einfach ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie wird vielleicht von Dir da auch keinen Rat annehmen, weil ja gerade Deine Beziehung gescheitert ist. Vielleicht probiert sie also auch gerade erstmal das Gegenteil aus von dem, was Du machst. Sie wird aber ihre Erfahrungen sammeln und solange Du als echter Gesprächspartner zur Verfügung stehst und mit ihr gemeinsam die Erfahrungen reflektierst, ohne ihr Verhalten zu verurteilen, wird sie auch daraus lernen.
Das wäre mein Rat. Das gilt natürlich nur für Verhalten, das zwar vielleicht unschön ist, aber noch sozial angebracht. Beispiel: Wenn sie keine Lust hat, jemanden zu treffen, ist das nicht schön, aber okay und letztlich ihre Sache. Wenn sie jemanden beleidigt oder beschimpft, ist das nicht mehr akzeptabel und da sollten auch Grenzen gesetzt werdne und Konsequenzen folgen. Jedenfalls in Bezug auf Erwachsene. Bei ihren Freunden würde ich ihr auch da mehr Spielraum lassen.
Und noch was: Wenn ich Dir noch einen Tipp geben darf, dann lies mal ein Buch über Gesprächsführung und lerne, wie man Kritik in Ich-Botschaften verpackt. Das Verhältnis zu Deiner Tochter könnte sich vielleicht doch merklich bessern, wenn Du lernst, konstruktiver zu reagieren. Gerade bei so emotionalen Dingen ist das schwer, aber man kann es lernen.
Liebe Grüße, zuz