Autor Thema: Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler  (Gelesen 1317 mal)

Josefine11

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Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« am: 26. November 2016, 10:33:35 »
Liebe Eltern,

ich suche Kontakt zu Eltern, die als Nichtmuttersprachler ihre Kinder bilingual erziehen. Ich selbst habe einen einjährigen Sohn, mit dem ich seit der Geburt nur Englisch rede. Ich freue mich auf den Austausch!

Liebe Grüße
Josefine

Fliegenpilz

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #1 am: 26. November 2016, 11:52:39 »
Keine gute Idee!


Elefantendame

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #2 am: 26. November 2016, 13:01:55 »
Hallo Josefine,

bei uns ist es nicht ganz das Gleiche. Ich bin selber zweisprachig aufgewachsen und spreche mit meinen Kinder in Französisch, obwohl das verglichen mit Deutsch meine schlechtere Sprache ist. Ich habe aber noch engen Kontakt zu meiner französischen Familie und wir sind auch regelmäßig da. Da war es mir wichtig, dass meine Kinder mit z.B. meiner Großmutter kommuniziert können. Meine Kinder verstehen jetzt Französisch. Der Große spricht es aber kaum. Bei uns war es so, dass ich etwa mit 4-5 Jahren beim Großen angefangen habe, immer mehr Deutsch zu sprechen. Einfach weil die Zusammenhänge immer komplexer werden und ich es auch schwierig fand, dass er immer auf Deutsch geantwortet hat. Ich lese beim Großen auch immer weniger auf Französisch. Wir lesen sehr viel und da nutzen wir eben auch die Bücherei- das geht fast nur auf Deutsch.. Nur beim Fernsehen ist die Sprache noch Französisch, Ich habe es einfach so lange gemacht, wie es sich für mich gut angefühlt hat und so werde ich es auch beim Kleinen machen. Probleme mit Sprachverwirrung gab es bei uns nicht. Klar der Kleine mischt aktuell die Sprachen, weil er teilweise eben nur in einer Sprache die Worte kennt. Aber beim Großen hat sich das mit zunehmendem Wortschatz und Kitaeinfluss gegeben. Bis er dann nur noch Deutsch gesprochen hat :P
Ich denke, es bleibt definitiv was hängen.  Aber ganz ohne, dass ihr regelmäßig dort hinfahrt und er erfährt, dass es eben nicht anders als auf Englisch geht, stelle ich mir das schwer vor.
 
« Letzte Änderung: 26. November 2016, 13:05:52 von Elefantendame »


scarlet_rose

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #3 am: 29. November 2016, 11:14:25 »
Eine Fremdsprache zu sprechen, die nicht die Muttersprache ist, wird auf Dauer keine gute Idee sein, sofern ihr nicht im englischsprachigen Raum lebt, dann ist das wieder etwas anderes, aber auch dann ist es sinnvoll primär die Muttersprache zu nutzen und die englische Sprache dazu zu lernen, was ja automatisch passiert, wenn dein Kind dich mit Anderen englisch reden hört und ihr mit Nachbarn/beim Einkaufen oder anderen Familien kommuniziert.

Sprache und Kommunikation ist mehr als Fachwissen, dazu gehört auch Emotion. Und in keiner erlernten Sprache kann der Mensch ausreichend Emotion und umfangreiche Wärme liefern, wie in der Muttersprache, egal wie lang derjenige im entsprechenden Ausland lebt.
Die Herzenssprache ist und bleibt die Muttersprache und die Herzenssprache ist es, die Kinder brauchen.

Ich bin Deutschlehrerin und arbeite als Sprachförderkraft in Kindertagesstätten und habe daher umfangreiche Erfahrung und Fachwissen auf diesem Gebiet. Es gibt keinen stichhaltigen Grund mit seinem Kind eine Fremdsprache zu sprechen und meist baut es eine Mauer zwischen Kind und Elternteil, da bei der Kommunikation immer der lehrende Charakter dabei ist, wenn man eine fremde Sprache spricht, um sie beizubringen. Und die Wärme in der Sprache fehlt.

Ich kenne 4 Kinder, dessen Eltern ohne Muttersprachler zu sein mit den Kindern englisch reden. Kein einziges davon redet selbst Englisch. Die Meisten resignieren in der Kommunikation mit dem entsprechenden Elternteil. Das äußert sich z.B. zuerst darin, dass sie aufhören, die entsprechende Sprache zu sprechen und diese auch langfristig komplett verweigern. Später kann es sogar dazu kommen, dass die Kinder mit dem Elternteil weniger reden.

Der Kern der Kommunikation ist Beziehung. Und je tiefer die Beziehung ist, umso tiefer muss die Sprache sein. Kinder merken, welche Sprache wer wann und wo spricht. Und niemals vergessen: Dein Kind weiß, dass Deutsch seine Muttersprache ist. Babys erkennen die Muttersprache schon direkt nach der Geburt, denn es ist die Sprache, die sie seit Monaten hören. Anhand des Klanges und der Laute erkennt ein Baby den Unterschied verschiedenster Sprachen. Babys können ein Vielfaches an Lauten wahrnehmen, wie wir. Wir können z.B. nie wieder Chinesisch völlig Akzentfrei lernen, weil unser Ohr die Laute nicht mehr wahrnimmt bzw das Gehirn entsprechende Laute ausfiltert, die es als Baby nicht gelernt hat zu brauchen. Es kann also schon sortieren und es weiß, welche Sprache du eigentlich sprichst. Nur so als kleiner Exkurs wie fit Babys sprachlich schon sind.
Sprichst du jetzt eine andere Sprache, merkt das Kind das sofort. Besonders dann, wenn du und dein Mann und alle Anderen deutsch reden.

Gib deinem Kind das, was es braucht: eine Sprache, die aus dem Herzen kommt mit all ihren exakten Feinheiten, ihrer Perfektion und ihren Fehlern. Das braucht ein Kind. Keine erlernte Sprache, die zwar vielleicht sehr gut beherrscht wird, aber nie in all ihren Finessen und ihrer Wärme rüber gebracht werden kann.

Karlanda

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #4 am: 29. November 2016, 11:38:37 »
Toller Beitrag, scarlet_rose. Danke!  :)

Mirjam

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #5 am: 29. November 2016, 12:49:44 »
Das ist echt interessant,  was du schreibst, Scarlet_rose! :)
Ab wann würdest du eine Sprache als Muttersprache bezeichnen? Kann das nur die Sprache sein,  in die man hinein geboren wurde?
Mein Mann ist in Russland geboren und erst mit 11 Jahren nach Deutschland gekommen. Als Salomé geboren wurde, hatte er eigentlich vor gehabt nur russisch mit ihr zu reden. Aber es ging nicht. Er sagte,  es fühlt sich zu seltsam an, mit ihr russisch zu sprechen, nicht so vertraut, nicht so nah... also hat er das bei seiner Muttersprache empfunden, was du eigentlich über die erlernten Sprachen beschreibst...




Solar. E

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #6 am: 29. November 2016, 14:23:25 »
Mein Mann ist hier in D zweisprachig aufgewachsen mit Deutsch als Umgebungssprache und Französisch als Muttersprache seiner Mutter. Ich selbst habe Französisch gelernt und beherrsche es ebenfalls recht gut. Trotzdem haben wir uns bewusst dagegen entschieden, unsere Kinder zweisprachig zu erziehen. Grund: Das wäre nur gut gegangen wenn mein Mann als Muttersprachler ausschließlich Französisch mit den Kindern gesprochen hätte. So und nun ist er den ganzen Tag bei der Arbeit, wo ausschließlich Deutsch gesprochen wird, kommt abends müde heim - dann "umzuschalten", das wäre sehr anstrengend gewesen und fühlte sich auch nicht richtig an - für uns beide nicht.
Sie lernen es jetzt in der Schule und es besteht auch die Möglichkeit, die Ferien in Frankreich zu verbringen, wo man wenn man drauf angewiesen ist, die Sprache auch recht schnell lernt. Für uns passt das so.  :)

scarlet_rose

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #7 am: 29. November 2016, 14:31:26 »
Das ist alles nicht ganz so einfach.

Kinder haben ein sogenanntes Sprachlern-Fenster, dass irgendwann zu geht.Je jünger die Kinder sind, umso leichter lernen sie Sprachen. So kann ein Baby mehrere Sprachen auf einmal lernen. Ein Kindergartenkind kann das auch noch, es dauert aber etwas länger. Ein Grundschulkind, lernt schon nicht mehr so leicht und braucht Zeit für jede einzelne Sprache, kann nicht so leicht parallel lernen. Aber es kann immer noch eine Sprache nur durch das Hören und Sprechen lernen und dabei Muttersprache Niveau erreichen. Ohne bewusst Grammatik usw. wissentlich zu beherrschen. Dieses Fenster geht irgendwann zwischen 10 und 13 Jahren zu. Ab dann hat das Gehör die Laute fast komplett gestrichen, die es für seine Sprache nicht braucht und um eine Sprache zu lernen, reicht das reine sprechen und hören nicht. Es müssen Vokabeln und Grammatik bewusst gelernt werden. Natürlich ist das nicht bei jedem gleich, es gibt Erwachsene, die lernen sehr sehr leicht und schnell Sprachen und andere tun sie schon im Kindesalter sehr schwer. Aber im Großen und Ganzen funktioniert das Sprechen lernen ähnlich bei allen Menschen.
Wenn dein Mann mit 11 nach Deutschland gekommen ist, hatte er noch sehr gute Möglichkeiten, die deutsche Sprache akzentfrei und auf muttersprachenniveau zu lernen.
Er wird auch in seiner Pubertät primär deutsch gesprochen haben, was die deutsche Sprache zu seiner herzenssprache gemacht haben wird.

Wichtig dabei wäre auch noch zu wissen, wie in seiner Familie das russisch Sprechen gehandhabt wurde und wird und ob er einen positiven oder negativen Kontakt zur Sprache und seinem Heimatland hat. Denn auch hier gilt wieder, dass Sprache und Emotionen sehr eng miteinander verbunden sind. Es gibt viele Familien, die nach dem Auswandern die eigene Herkunftssprache komplett verband haben und sie ganz streng verboten wurde. Dies ist besonders in Familien aus dem osteuropäischen Raum nicht selten. Auch wird eine Sprache schneller fremd bis hin zum vergessen, wenn mit dem Herkunftsland negative Gefühle verbunden sind oder traumatische Erlebnisse. Zum Beispiel Kriegsflüchtlinge oder ähnliches. Es kommt in eurem Fall also sehr darauf an, wie in der Familie mit der russischen Sprache umgegangen wird, ebenso mit der deutschen und auch wie die Beziehung zum Herkunftsland ist.

~Netti~

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #8 am: 29. November 2016, 19:23:14 »
Sehr interessant, Scarlett.  :)
Meine Schwägerin (und ihre Familie) spricht mit meiner Nichte russisch und mein Bruder deutsch. Von Anfang an. In dem Fall hörte das Baby von Anfang an beide Sprachen. 
Das klappt sehr gut.

Emelie

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #9 am: 29. November 2016, 19:30:39 »
Toller und interessanter Beitrag  :thumbsup:

Mondlaus

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #10 am: 29. November 2016, 20:06:03 »
Bei uns ist es so, dass E und M auch zweisprachig aufwachsen. Allerdings ist der Vater hier englischer Muttersprachler. Ich selbst habe am Anfang bei E. auch nicht so konsequent deutsch gesprochen - hat sich einfach so ergeben, man spricht Englisch in der Familie, habe in einem englischsprachigen Land gearbeitet und gelebt...  Dort war E. von etwa 5 Monaten an auch in Betreuung bei einer englischsprachigen Nanny.

In der KiTa dann (eine bilinguale) hat man mir dann verdeutlicht, wie wichtig es ist, dass ich als Muttersprachler konsequent Deutsch spreche. Da war sie ca 14 Monate und eventuell war da das Zeitfenster, von dem Scarlet spricht, schon vorbei.

Jetzt ist E. nämlich 5 und spricht fließend Englisch. Deutsch allerdings nicht :-X Sie spricht es schon gut und akzentfrei, hat aber grammatikalisch noch Probleme. Mit bestimmten und unbestimmten Artikeln, dem Kasus, Pluralbildung... Eben typisch dafür, wenn englische Muttersprachler Deutsch als Fremdsprache lernen. Englisch ist leider ihre Muttersprache geworden, Deutsch ist für sie im Moment Fremdsprache, sie spricht es nur, wenn sie muss, die "Herzenssprache" ist Englisch. Sie geht deshalb in den Vorkus Deutsch für Kinder mit Migrationshintergrund, der eigentlich für Kinder gedacht ist, die keinen deutschen Elternteil haben, aber nimmt dort viel mit.

Ich denke zwar, dass die Grammatikfehler sich mit der Zeit bessern werden. Habe aber Sorge, dass Englisch die Muttersprache bleibt und sie dann hier in Deutschland ständig eine "Fremdsprache" sprechen muss.

Das ist passiert, obwohl ich nur hin und wieder mit ihr Englisch gesprochen habe, nicht die ganze Zeit.. Eher aus Unachtsamkeit. Ich könnte es deshalb nicht empfehlen, mit dem Kind etwas anders als die Muttersprache zu sprechen.

Im bilingualen Kindergarten haben wir auch zwei Kinder, deren deutsche Eltern Englisch mit ihnen sprechen. Beim einen Vater stehen einem die Haare zu Berge, denn das Englisch ist wirklich schlecht. Aber beide Familien haben bestätigt, dass die Kinder zwar Englisch verstehen, es aber nicht sprechen können und wollen. Trotz bilingualer KiTa. Das ist ganz anders als bei uns, aber auch dort scheint es nicht zu funktionieren.
Kind 2011
Kind 2014
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Honigbluete

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #11 am: 29. November 2016, 20:33:48 »
Meine Schwester lebt in Frankreich, ihr Mann ist Franzose. Sie hat mit den Kindern in den ersten Jahren ausschließlich Deutsch gesprochen, Familiensprache war aber immer schon Französisch. Als die Kinder in die Schule gekommen sind, hat sich nach und nach das Deutsch ausgeschlichen, was unter anderem auch daran lag, dass mein Vater gestorben ist und somit der Kontakt zu den deutschen Großeltern deutlich weniger wurde. Nun sind beide erwachsen, der Große, der länger in den Genuss der deutschen Sprache gekommen ist und bis zum Alter von 8/9 Jahren oft in Deutschland war, kann deutlich besser Deutsch als seine kleine Schwester. Er spricht fast akzentfrei, sie mit deutlichem Akzent. Meine Schwester spricht mittlerweile so gut Französisch, dass viele ihrer (neueren) Bekannten/Kollegen gar nicht wissen, dass sie Deutsche ist... 

Im Kindergarten ist ein Elternpaar aus Polen, die mit ihren Kindern ausschließlich Deutsch reden, auch wenn sie selbst einen deutlichen und starken Akzent haben. Die Kinder sprechen aber normal, soweit ich das beurteilen kann...



~Netti~

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #12 am: 30. November 2016, 08:28:58 »
Sehr interessant, Mondlaus. Und wie ist es bei eurer Kleinen?

Im Bekanntenkreis habe ich einige Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion. Deren Muttersprache ist Russisch. Je nach Alter spricht die nachfolgende Generation noch Russisch. Aber zb die Enkel in zwei Familien sprechen kein Russisch mehr. Verstehen ja, aber sie sprechen nur Deutsch.
« Letzte Änderung: 30. November 2016, 08:32:23 von ~Netti~ »

Mondlaus

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #13 am: 30. November 2016, 15:26:05 »
M hat eine Sprachentwicklungsstörung, es ist noch gar nicht absehbar... aber ich versuche auch hier, konsequent Deutsch zu sprechen.
Kind 2011
Kind 2014
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lisa81

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #14 am: 30. November 2016, 20:57:07 »
Aber Mondlaus, das klingt, als würdest du dir jetzt Vorwürfe machen? Es war nunmal so und wenn du so viel und aus "Unachtsamkeit" englisch gesprochen hast, ist doch englisch für dich irgendwo auch eine Herzenssprache? Und zwar eine erlernte.
5 Jahre ist noch so jung. Da haben viele deutsche Kinder noch Schwierigkeiten und sicher auch zweisprachig erzogene, bei denen konsequenter auf getrennte Sprachen geachtet wurde. Aber mach dir doch keine Vorwürfe dafür, dass ihr einfach zwanglos drauflos geredet habt  :-*
Sie wird noch so viele Freundschaften knüpfen und Verbindungen zur deutschen Sprache aufbauen. Und sollte sie trotzdem englisch bevorzugen, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass das an ein paar unbedachten englischen Sätzen liegen soll ;)

Scarlet, ich finde das sehr interessant.
Ich sehe Probleme - aber gar nicht auf die Sprache bezogen - darin, dass Eltern wirklich jeden Satz mit Bedacht wählen, um die richtige Sprache zu nutzen. Das gibt mir das Gefühl von einem Leben, das nicht ganz "echt" ist. vermutlich ist es das, was du auch mit Herzenssprache verbindest.
Trotzdem glaube ich, dass es möglich ist, wenn man es eben schafft die Sprache an die Kinder zu knüpfen. Und wenn man dann vielleicht lieber mal einen Satz spontan auf deutsch sagt, als zu kontrolliert in der Fremdsprache.
Es muss ja am Ende nicht alles perfekt sein. Aber die Verbindung zur zweiten Sprache ist so sicher tiefer, als zu einer in der Schule erlernten Sprache.
*2008,  *2010, *2015

Martina

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #15 am: 01. Dezember 2016, 12:02:53 »
Interessanterweise habe ich gelernt, dass die Herzenssprache nicht die Muttersprache sein muss!! Man soll die Sprache mit den Kindern sprechen mit der man sich am wohlsten fühlt. Wenn ich in einem Land schon viele Jahre lebe und nur die Sprache spreche, dann sollte man mit seinen Kindern die Sprache wählen, in der man sich selbst zu Hause fühlt. Die Freundin meiner Mutter ist mit 17 nach England gegangen, dort geheiratet. Sie denkt und träumt auf Englisch! Nur die erste Tochter wurde 2sprachig groß.
Ohne

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #16 am: 01. Dezember 2016, 12:23:56 »
Die Herzenssprache muss nicht die Muttersprache sein, siehe Ausführungen in meiner Antwort an Mirjam. Es gibt mehrere Gründe, warum die Muttersprache nicht die Herzenssprache sein könnte.

Und auch schrieb ich ganz klar, dass es etwas anderes ist, wenn man in dem entsprechenden Sprachraum wohn. Sprich Mondlaus, die viel im englischsprachigen Raum lebte oder auch bei deinem Beispiel, Martina. Menschen, die in fremdsprachigem Raum leben können in Muttersprache oder der entsprechenden Fremdsprache oder auch in beiden Sprachen mit dem Kind kommunizieren, es wird sich in allen Sprachen bewegen lernen. Auch gibt es Familien, in denen der Vater Englisch spricht, die Mutter Deutsch und die Familiensprache ist französisch. Diese Kinder lernen sich in 3 Sprachen zu bewegen.

Mondlaus die deutsche Grammatik ost extrem schwer und viele Kinder, auch deutschsprachig aufgewachsene können sie erst im Grundschulalter absolut richtig.
Man muss auch gar nicht konsequent eine Sprache sprechen. Kinder kommen sehr gut mit dem "Codeswitching" zurecht, da sie ein sehr gutes Gefühl dafür haben, welche Worte zu welcher Sprache gehören. Deine Tochter wird ganz sicher Deutsch auf Muttersprachenniveau lernen, mach dir da keine Sorgen.

Es gibt viele Wege. Aber die frage ist vor Allem das Warum. Wenn man in Deutschland als Deutsche bewusst die Fremdsprache wählt, wird aus der Kommuniktation auf Beziehungsebene eine Lehrende Ebene. Sprache sollte nicht dazu dienen, dem Kind etwas beizubringen, sondern eben als Selbstzweck, zur Kommunikation. Wenn Sprache zu Lehrzwecken genutzt wird, und das ist ja der Fall, wenn man sich bewusst gegen seine eigene Sprache entscheidet um dem Kind eine andere Sprache beizubringen, dann fehlt es in dieser Sprachweise an Beziehungsebene.
Die Worte, die ich für ein Kind wähle werden bestimmt durch die Beziehungsebene und nicht durch Vernunft bzuw sollte es so sein.

Und nein Lisa, es gibt keinen Nachweis, dass die Verwurzelung mit der Zweitsprache enger ist, wenn sie so eingeführt wird, als wenn sie in der Schule gelernt wird, oft im Gegengeil. Man mag es glauben oder nicht, es macht einen Unterschied, ob man in entsprechendem Sprachraum lebt oder nicht.

Das Kind erlebt permanent Kommunikation und es erlebt die Bedeutung der Sprache und die ist eine andere, wenn die Fremdsprache nur zum Beibringen eingesetzt wird oder eben weil es die Standartsprache der Mutter und/oder der Umgebung ist.

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #17 am: 01. Dezember 2016, 12:26:42 »
Mein amerikanischer Kollege (Mitte 50) lebt seit knapp 30 Jahren in Deutschland - und spricht mit seinen Kindern (mittlerweile alle volljährig) ausschließlich deutsch. Ich habe ihn mal gefragt vor Kurzem wieso: Weil er hier in Deutschland keinen Bezug zu seiner Sprache hat und er es mit den Jahren mehr und mehr verloren hat, mittlerweile auch deutsch denkt und träumt.

Seine Frau ist Griechin, sie spricht ebenfalls mit den Kindern deutsch.
Die Familiensprache Zuhause in ihren vier Wänden ist deutsch - obwohl keiner deutscher Muttersprachler ist bzw. die Kinder sind es. Beide Jungs sprechen, sofern ich es durch das kurze Kennenlernen beurteilen kann, akzentfrei. Die Eltern nicht, kein Stück!

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #18 am: 01. Dezember 2016, 12:30:24 »
Scarlet: "lehrend" ist der Begriff, der deutlich macht, was ich dachte  :D
Danke für die Ausführungen :) Du hast recht, so kann ich mir vorstellen, dass es tatsächlich keinen Unterschied macht, wann man anfängt. Ich habe da nie genauer drüber nachgedacht, irgendwie war für mich klar, dass länger und intensiver auch besser bedeutet.
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Nachtvogel

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #19 am: 01. Dezember 2016, 22:53:55 »
ich hab (bzw hatte jahrelang) beruflich auch umfassend mit dem Thema zu tun.

Scarlet hat das sehr gut und sehr umfassend erklärt, dem kann ich zu 100% zustimmen bzw das kann ich komplett so bestätigen.

Eine Fremdsprache mit dem eigenen Kind sprechen ist kurz gesagt ne richtig schlechte Idee aus den von Scarlet genannten Gründen.
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Frau B.

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #20 am: 02. Dezember 2016, 07:01:39 »
Tolle Beiträge. Ich lese mir das später genauer durch.
Mein Mann spricht mit unserer Tochter von Anfang an nur sorbisch. Ich denke nicht das sie es mal sprechen wird. Dafür leben wir einfach nicht in der Gegend. Da er aber mit seinen Eltern auch nur sorbisch spricht und es ihm wichtig ist, versuchen wir es.

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Antw:Zweisprachige Erziehung als Nichtmuttersprachler
« Antwort #21 am: 02. Dezember 2016, 09:36:08 »
Sorbisch  :o
Total cool :D

 

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