Autor Thema: HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."  (Gelesen 10167 mal)

Once

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HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« am: 14. Dezember 2014, 12:14:34 »
"...das wird man doch noch sagen dürfen"

Was ist das? Wo führt das hin? Könnt ihr die Slogans und (um es mal diplomatisch auszudrücken:) "Ängste und Sorgen" jener, die derzeit unter diesem Motto auf die Straße gehen, verstehen bzw. nachvollziehen?

Findet ihr als gebürtiger Deutscher hat man mehr Anrecht auf die Vorzüge des Sozialstaats als zugereiste Wirtschafts- und/oder Kriegsflüchtlinge? Habt ihr Angst vor einer Islamisierung Deutschlands? Gehört Deutschland den Deutschen? Darf ich als Deutscher sagen, dass ich andere hier nicht haben will (ich persönlich käme nie auf die Idee).

Ich frage, weil ich mich heute durch die FB-Kommentare einer NGO las, die zu einer Gegendemonstration in Dresden aufrief und sich infolgedessen nun einem enormen Shitstorm ausgesetzt sieht.
Leider lässt sich den Kommentaren entnehmen, dass diese Einstellungen und Ansichten weit vorgerückt sind und längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind - wie es scheint.

Ich will nicht den Eindruck erwecken, nur jene Antworten hören zu wollen die meine offensichtliche Haltung zum Thema widerspiegeln. Im Gegenteil, ich würde wirklich gerne verstehen woher diese Ängste kommen. 

Edit: bzw. warum so viele Menschen dieselben Ängste teilen. Oder ist es Wut die die Bürger auf die Straße treibt? Und träfe die Wut dann nicht die Falschen?

Was denkt ihr zum Thema? 
« Letzte Änderung: 14. Dezember 2014, 12:28:17 von Once »

Bambam72

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Antw:HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« Antwort #1 am: 14. Dezember 2014, 12:37:25 »
Darf ich auch als "Aussenstehende" (Schweizerin) antworten?

Ganz klar: Ja, man darf seine Meinung sagen. Auch öffentlich. Ich finde, Deutschland muss endlich begreifen, dass die Zeiten von damals vorbei sind, es sind viele neue Generationen herangewachsen und Deutschland muss endlich begreifen, dass es wieder stolz und offen sein darf. Das ist es, was mir als (überzeugte) Nicht-EU-lerin im Herzen weh tut. Deutschland lässt sich rumkommandieren, ausnützen, überbevölkern, rumschupsen etc. etc. Das Volk hat schlichtweg nix mehr zu sagen... Wo soll das bitte hinführen?
Wundert ihr euch nicht, dass immer mehr Menschen wütend werden und sich immer mehr gegen alles wenden, was von der Regierung kommt? (z.B. die übertriebene soziale Offenheit gegenüber allem und jedem?), dass immer mehr gebürtige Deutsche im Elend leben müssen und vom Staat schlichtweg übersehen werden? Dass es eben diesen Menschen so erscheinen muss, dass Zugewanderte/Flüchtlinge etc. besser behandelt werden (finanziell etc.) als sie selber? Dass immer erst über der Grenze für Ordnung und finanzielle Sicherheit gesorgt wird als in eurem eigenen Land?
Ich könnte da noch stundenlang aufzählen, so sehen wir euer Land halt von aussen und fragen uns immer wieder, warum um Himmels willen machen die das so?
Sicher denkt Europa auch von uns Schweizern, wir wären echt bekloppt, rechts orientiert und stur etc. Aber wir nennen unsere Ängste beim Namen, dürfen abstimmen und müssten nicht immer mehr Druck machen, wenn die Regierung endlich machen würde, was wir als Volk entschieden haben.

Deutschland ist für mich ein ganz tolles, schönes und wertvolles Land und ich wünsche mir einfach, dass die "gute Frau Merkel" endlich kapiert, was um sie rum abgeht....


Meph

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Antw:HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« Antwort #2 am: 14. Dezember 2014, 12:42:49 »
Mir macht die Entstehung und der Zustrom zu solchen Gruppen Angst.
Was ich bis jetzt gesehen habe ist polemischer Radikalismus versteckt unter dem Mäntelchen der .. ich weiss garnicht, Harmlosigkeit?

Ich befürchte, hier werden gerade Strohfeuer angezündet, die einen sehr rechtspopulistischen Flächenbrand auslesen können.


Woher diese Ängste kommen?
Ich glaube, so langsam fangen viele Menschen an zu spüren, dass irgendwas gewaltig falsch läuft. Was, wird natürlich weitestgehend verschleiert.
Die Medien sind zu einer Propagandamaschinerie der Obrigkeiten verkommen, uns wird Tag für Tag ins Hirn gehämmert, dass wir konsumieren müssen, dass wir erwirtschaften müssen, dass wir... gute ressourcen sein müssen. Wir sollen die Kinder möglichst 10 Stunden an Tag in institutionelle Strukturen geben, die wieder vom Staat vorgegeben sind.
Wir sollen unsere Gelder einer Bank anvertrauen, die es eben nicht verwahrt, sondern... (sooo weit ist der bankencrash nichtmehr... hoffen wir, dass sie es doch irgendwie gerettet bekommen, aber selbst dran glauben tun sie ja selbst nichtmehr...)
ich kann so weiterführen... kurz: uns wird versucht JEDE verantwortung abzunehmen und die große Menge ist dem nicht abgeneigt.
Kein Aufschrei gegen das Tracken durch die Maut, kein Aufschrei, weil die Regierung das Fraken genehmigt hat, kein Auf die Strasse gehen, weil der Durchschnittsbürger immer mehr sorgen hat was morgen zum Essen auf den Tisch kommt (ja auch in Deutschland!)
oha, ich schweife ab, aber.... ich bin von vorne bis hinten bedient, mag da vielleicht auch den Aluhut aufhaben, aber ich beobachte auch gerade mit erschrecken, wie aufgerüstet wird (vor ca. 3 Wochen landete ein CH-47 ca. 200 meter neben uns "Im wald" in einer stillgelegt geglaubten kaserne, ich hab mich fast vor den Baum gesetzt und die Kinder waren sprachlos, was DAS denn ist)...

Auch wenn es nicht bewusst ist- es verbreitet eine komische Grundstimmung... in etwa so wie Kinder spüren, dass es Mama und Papa nicht gut geht...
Und bei all dem kommen Gruppen aus dem Boden wie Pilze geschossen und machen den Islam zum Sündenbock? Versuchen zu verhindern, dass andere Menschen, die nichts mehr haben als ihre Sachen am Leib haben, hier Schutz finden?
Gruppen, die versprechen: wir kümmern uns drum, gemeinsam sind wir stark, gemeinsam schaffen wir eine gute Welt (und die anderen interessieren uns nicht)


Ja wirr, mich wühlt das ganze Thema auch auf... da passiert global und auch lokal einfach gerade viel zu viel.... was mich persönlich dazu bringt mich vorzubereiten, dass sich etwas hier ganz massiv ändern könnte....



Ansonsten vertrete ich ganz klar die Meinung, dass auch wir Deutschen unsere Meinung sagen dürfen, ja, der 2. Weltkrieg ist vorbei und ich war in keinster Weise dran beteiligt, also lasst mich damit in Ruhe mich schuldig zu machen.
ABER das heisst nicht, dass ich die Augen davor verschliessen will, dass genau jetzt genau die gleiche Scheisse in noch grösserem Rahmen mit einem anderen Schlachtfeld am anrollen ist. Und ich hoffe wirklich inständig, dass ich da in 40 jahren über mich selbst lachen kann und alles fehlinterpretiert habe.


Edit:
Bambam und ich wünsche mir, dass das Volk sieht, was die gute Merkel und ihre Spiesgesellen da eigentlich gerade anrichten ;-)

Mir kommen wir gerade vor wie ein Haufen Lemminge, die gerade richtig schön Anlauf nehmen.... huiiiii was ein Spass....

~Netti~

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Antw:HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« Antwort #3 am: 14. Dezember 2014, 12:57:26 »
Ich habe selber unter meinen Fb Freunden und Bekannten genug Leute, die solche dämlichen Parolen brüllen. (Und nein, ich schmeiße nicht jeden aus meiner Freundesliste deswegen, dann müsste ich 90% meiner Ost-Kontakte rausschmeißen)

Nein, ich persönlich finde nicht, dass nur wir ein Anrecht haben auf soziale Absicherung und ich würde auch niemals jemandem verwehren hier zu leben. Einzige Einschränkung: Menschen anderer Herkunft, die hier dann straffällig werden und sich wirklich nicht benehmen, die würde ich wohl rausschmeißen, weil wir davon, wie jedes Land, selber genug haben.

Ansonsten kann ich die Ängste nicht wirklich nachvollziehen. Denke aber, dass es daher kommt, weil sich in den letzten Jahren so viel verändert hat, die Menschen unzufrieden sind, teilweise einfach weniger Wohlstand haben als zB in den 80gern. Dass wir dennoch immer noch im absoluten Luxus Leben, vergessen wohl viele. Und ganz schlimm sind doch sehr oft die, die wirklich ein gutes Auskommen haben und sich nicht beklagen können. ( zumindest unter meinen Bekannten )

Edit: Falsch ausgedrückt. Ich kann die Ängste schon nachvollziehen. Aber das, was da eben gerade draus resultiert nicht. So ist es besser gesagt.



« Letzte Änderung: 14. Dezember 2014, 13:03:55 von ~Netti~ »

~Netti~

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« Antwort #4 am: 14. Dezember 2014, 13:01:02 »
Ich habe gerade erst Mephs Beitrag gelesen und würde das so unterschreiben.

Meph

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Antw:HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« Antwort #5 am: 14. Dezember 2014, 13:14:46 »
Achso, mich würden auch die Beweggründer derer interessieren, die diese Gruppen unterstützen, aus Neugier...

redheart

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Antw:HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« Antwort #6 am: 14. Dezember 2014, 13:37:18 »
Nein ich kann diese Ängste und Sorgen nicht verstehen. Wäre wahrscheinlich eine Grundvoraussetzung für eine konstruktive Diskussion, aber ich kann es einfach nicht. Ich hab für Extremismus in jeder Form keinerlei Verständnis und eigentlich könnte ich hier ja jetzt einfach meinen Text aus dem Minarett-Thread kopieren, aber ich schreib jetzt doch was Neues dazu.

"... das wird man doch noch sagen dürfen" ist für mich ja der grösste Unsatz der letzten Jahre. Klar darf man, man darf sich dann aber auch anhören, warum das, was man da vom Stapel lässt, grosser Mist ist.

Ich hab als Aussenstehende (auch Schweizerin und mehr oder weniger überzeugte Nicht-EU-lerin) eine andere Ansicht als Bambam. Von wem lässt sich denn Deutschland bitteschön rumschubsen und rumkommandieren? Von gar niemandem. Wenn, dann kommandiert Deutschland herum in seiner Rolle als stärkste Nation in der EU. Fragt mal die Griechen. Aber damit haben syrische Flüchtlinge ja eher wenig zu tun.

Wir wissen einfach nicht mehr, wie privilegiert wir eigentlich sind. Und ja klar, es hats nicht jeder gleich einfach hier etc. aber mehrheitlich geht’s uns hier von Tag 1 an sehr sehr sehr viel besser als einem Grossteil der Menschheit, die in bittere Armut und Krieg hineingeboren werden.

Zuwanderer klauen ja auch keine Jobs und wir werden auch nicht plötzlich in einem von IS inspirierten Kalifat aufwachen. Aber Leute, die sich nicht wehren können und die keine Stimme in diesem Prozess haben, eignen sich eben gut als Sündenbock, weil es wie immer einfacher ist, die eigene Misere auf Schwächere abzuschieben, als sich selber zu hinterfragen.

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« Antwort #7 am: 14. Dezember 2014, 14:06:39 »
Das denke ich halt auch immer. Und das als jemand, der in D momentan an ganz unterer Stelle steht. Ok, H4 Empfänger stehen noch drunter, aber rein realistisch betrachtet, sind wir momentan in diesem Land arm. Aber eben nur in diesem Land, für den Rest der Welt, bzw für einen Großteil davon sind wir privilegiert und reich. Und DAS darf man einfach nicht vergessen.
Ich krieg wirklich Pickel, wenn ich dann - vorzugsweise bei FB - so Dinge lese, dass wir hier keine Flüchtlinge wollen. Das sind Menschen, wie oft Frauen und KINDER, die nix mehr haben als das was sie am Leib tragen. Von dem was sie erlebt und gesehen haben, mag ich nicht mal reden. Wer bin ich, dass ich sage ich möchte diese Menschen nicht hier haben?!

Once

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« Antwort #8 am: 14. Dezember 2014, 14:28:38 »
Aber das ist doch keine Offenheit mehr, sondern eher das Gegenteil..? Und ob man das noch als Stolz bezeichnen kann, weiß ich auch nicht. Wenn ich die Proteste vor Berliner Flüchtlingsheimen sehe oder gar abgebrannte Asylantenheime, dann geht es mit dem vermeintlichen Stolz irgendwie zu weit.

Ich würde die Problematik gar nicht unbedingt da verorten wo Du ansetzt, bambam. Meinem Eindruck nach geht es nicht so sehr darum wieder stolz und patriotisch sein zu dürfen (in meinen Augen auch etwas was man grundsätzlich hinterfragen kann). Das setzt ja irgendwie voraus, dass diese Ansichten selbstverständlich sind und nur aufgrund geschichtlicher Vorkommnisse gezielt verschwiegen wurden. Den Eindruck habe ich eigentlich nicht. Fremdenfeindlichkeit kann ich auch nur schwer unter der Kategorie freie Meinungsäußerung durchgehen lassen, da die Meinungen ja häufig auf ideologisch konstruierten "Wahrheiten" fußen.

Und das mit dem Stolz habe ich wirklich noch nie verstanden (egal bei welcher Nationalität). Ich kann doch nicht stolz auf etwas sein, dass ohne mein Zutun entstanden ist. Wieso sollte ich stolz sein, dass ich hier und nicht in Syrien geboren wurde.

Den Ansatz, dass derzeit eine Politik betrieben wird die die soziale Disparität forciert und in dessen Folge existenzielle Nöte, Wut & Angst geschürt werden, hingegen, kann ich natürlich nachvollziehen. Und ich glaube es steht außer Frage, dass diese Angst erfolgreich genutzt wird um fragwürdigen Vereinigungen und Parteien Zulauf zu verschaffen.

Leider konzentriert sich die Wut dann doch häufig auf jene die nicht wirklich etwas dafür können. Und ich weiß nicht wie häufig ich Sätze las wie: "WIR sind doch nicht das Sozialamt der Welt" oder "WIR sind das Volk", "Das wollen WIR hier nicht" oder "Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber bitte nicht vor meiner Haustür. Ich meine die Kinder, die Kinder...wer denkt denn an die Kinder?"

Sätze die mich immer wieder zu dem Eindruck verleiten, dass wirklich viele Menschen in  Deutschland die Ansicht vertreten, dass man als Deutscher bzw. Mitteleuropäer mehr wert, besser, privilegierter, zivilisierter sei als der Rest der Welt.

@Redheart - ich finde es nachvollziehbar und auch verlockend die Ansichten als Extremismus zu bezeichnen - allerdings muss man sich halt fragen ob das noch geht, wenn diese Haltungen dermaßen gesellschaftskonform sind, dass selbst die CSU ganz unverblümt mit entsprechenden Inhalten gängelt (in Deutschland wird deutsch gesprochen).

redheart

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« Antwort #9 am: 14. Dezember 2014, 14:47:08 »
Stolz ist ja auch nicht gleichbedeutend mit "andere niedermachen und kleinreden". Wenn ich damit meinen Stolz untermauern muss, hab ich vielleicht nicht wirklich etwas, worauf ich stolz sein kann.

Und Extremismus kann ja durchaus gesellschaftskonform sein. Es ist ja nicht abhängig davon, wieviele dem ganzen zustimmen, nur damit es objektiv betrachtet extrem ist.

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MammaMuh

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« Antwort #10 am: 14. Dezember 2014, 15:30:53 »
Wir wohnen in Dresden. Wir sind besorgt und beschämt, dass sowas in unserer Stadt passiert. Und wieviele Menschen für Pegida auf die Straßen gehen. Ich versuche momentan viel darüber zu lesen, aber das ist alles so widersprüchlich und ich habe das Gefühl, dass kaum ein Pegida-Anhänger tatsächlich weiß, worum es wirklich geht.

Morgen werden wir uns der Gegendemo anschließen. Hier machen viele mobil und rufen zur Gegendemo auf. Letzte Woche gab es noch Handgreiflichkeiten. Ich hab das mehrmals gelesen und es wurden Pegida und auch Gegendemonstranten beschuldigt, Böller und Raketen in die jeweils andere Gruppe geworfen zu haben.
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« Antwort #11 am: 14. Dezember 2014, 15:32:55 »
Ich finde es schrecklich und erschreckend.
Diese Leute scheinen zu glauben, sie haben die Probleme und ihre Verursacher erkannt und den Fisch damit entgrätet. Dass sie aber am Ende einen stinkenden Kadaver in der Hand halten und als Trophäe schwenken, erkennen sie nicht. Pfui Teufel.  :-X
Mehr kann ich da erstmal gar nicht zu sagen.

Mich sorgen allerdings dieses Jahr auch weiterhin mehr die großen globalen Probleme und Krisenherde, so dass ich irgendwie gar nicht den Kopf gedanklich frei hab für unsere innerdeutschen Rumpelstilzchentänze und einfach nur denke, "Was sind wir nur für ein dummes Volk."
Sicherlich auch nicht gut, aber für mehr reichts grad nicht .  :-\


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« Antwort #12 am: 14. Dezember 2014, 16:09:40 »
Das mit Pegida, "Ich bin ja kein Nazi, aber...", "Man wird doch wohl noch was sagen duerfen..",  "Schon wieder so ein Gutmesch", "Jetzt kommt sicher gleich die Nazikeule" - es ist alles doch der Versuch, das braune Gedankengut gesellschaftsfaehig zu machen und in die Mitte der Gesellschaft zu draengen, wo es jetzt so langsam angekommt. Schrecklich sowas, und dazu noch resistent gegenueber Fakten. Das mit dem "wir" sehe ich genauso - Stolz hin oder her, es ist eben letztlich doch nur reiner Rassismus bzw Xenophobie. Und wenn ich zu diesem "Wir" nun dazugehoere dank meiner privilegierten Staatsbuergerschaft, dann kann ich nur sagen, ich schaeme mich fuer dieses Land und fuer diese Bewegung.

Und es ist nicht harmlos, gerade vor zwei Tagen brannte eine Fluechtlingsunterkunft.

Und es ist so alt wie die Menschheit, sich einen Suendenbock zu suchen, wenn man es selbst nicht auf die Reihe bekommt oder an die Grenzen seines Verstaendnisses stoesst.  Gab es bereits ganz oft, das letzte Mal ist noch keine 70 Jahre her, warum da gaenzlich die Selbstreflektion abhanden geht, das wird mir einfach nicht klar.
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Sweety

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« Antwort #13 am: 14. Dezember 2014, 17:19:48 »
"...das wird man doch noch sagen dürfen"

Was ist das? Wo führt das hin? Könnt ihr die Slogans und (um es mal diplomatisch auszudrücken:) "Ängste und Sorgen" jener, die derzeit unter diesem Motto auf die Straße gehen, verstehen bzw. nachvollziehen?

Sagen wir mal so: wer "sowas sagen dürfen"  will, muss halt damit leben, dass ihm mit jedem Satz zusätzlich 10 IQ-Punkte abgezogen werden. Ich will da gar nicht groß diskutieren. Natürlich muss man es "sagen dürfen". Wenn man blöde genug ist, so zu denken, hab ich nichts dagegen, dass man sich zum Horst macht, indem man es auch ausspricht. Wieso man - in Kenntnis der Historie der letzten... Jahrtausende :-p - darauf besteht, sich so einen gequirlten Rotz anzueignen, ist mir allerdings unklar und das bleibt hoffentlich auch so.

Ach ja... Sorry, dass ich nicht sachlich bin. Bei dem Thema menschliche Dummheit geht mir gerne mal die Contenance flöten.

Affendame

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Antw:HOGESA, PEGIDA und "ich bin ja echt kein Nazi, aber..."
« Antwort #14 am: 14. Dezember 2014, 17:28:04 »
Hahah Sweety, nur 10 Punkte ;)

Das ist doch mit allem gleich " ich hab nicht gegen Schwule/ Lesben/Transexuelle bla bla bla... Hirnlose Stammtischparolen von Menschen die einen Buhmann für ihre Ängste oder ihr eigenes Versagen suchen...

Genauso ist es absolut hirnrissig zu erzählen, dass sich Deutschland ausbeuten lässt. Über 1 Millionen Kriegsflüchtlinge sind von der Türkei aufgenommen worden. Die nordischen Länder haben gemessen an ihrer Einwohnerzahl 10 x soviele Flüchtlinge aufgenommen, wie Deutschland. Der Islam ist eine Bereicherung für Deutschland. Multi-Kulti ist eine Bereicherung!

Ich schmeisse jeden aus der FB-Freundesliste der solch geisten Schrott von sich gibt. Es ist abartig, Mesnchen die aus Kriegsgebieten kommen mit Hass zu entgegenen und dann noch so arrogant zu sein und denken, dass Deutschland ja ein so tolles Land ist, dass die Menschen freiwillig herkommen und in irgendwelchen Baracken in einem Land voller Nazis leben...

ICH SCHÄME MICH DEUTSCHE ZU SEIN

Sweety

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« Antwort #15 am: 14. Dezember 2014, 17:31:15 »
10 Punkte PRO SATZ ;)

Honigbluete

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« Antwort #16 am: 14. Dezember 2014, 18:24:27 »
Ich frage mich auch, welche Ängste dahinter stehen, wenn Mittelschichtler solche rechten Parolen von sich geben. Mein Schwiegervater ist eigentlich ein vernünftiger Mann, aber beim Thema Ausländer  bzw. Flüchtlinge kriege ich bei ihm kein Bein in die Tür. Er hat nichts gegen ausländische Menschen hier, wenn sie schon hier leben und sich integrieren, aber Flüchtlinge will er hier nicht haben... Er betrachtet sie als Schmarotzer, die sich auf seine Kosten einen lauen Lenz machen, sich hinterrücks ins Fäustchen lachen und neben den Sozialleistungen schwarz arbeiten und mit dem Geld in der Heimat fürs Alter vor sorgen. Ich verstehe ihn nicht, ich bekomme auch keine für mich nachvollziehbare Erklärung für diese menschenverachtende Idee. Es basiert auf irgendwelchen Halbwahrheiten aus Zeitung, Stammtischparolen und Hörensagen... Eine explosive Mischung! Das macht mir Angst, viel mehr als ein paar offensichtlich Bekloppte auf den Demos. Wir (Arbeit) haben direkt mit den Flüchtlingen zu tun, es sind deutlich mehr als in den letzten 10 Jahren, aber immer noch deutlich weniger, als angekündigt und erwartet ( erwartbar aufgrund der Weltlage)... 



Sweety

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« Antwort #17 am: 14. Dezember 2014, 18:48:11 »
Honigblüte, das ist einfach eine Hetze, die mit Ängsten spielt. Bei manchen verfängt das sehr gut.


Conni Faire

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« Antwort #18 am: 14. Dezember 2014, 19:05:34 »
Dein Witz ist aber auch Hetze, denn er suggeriert, dass auf den Demonstrationen nur Kapitalisten und Bild-Leser mitlaufen.

Asylanten werden es ja wohl kaum sein.

Ich bin sehr dafür, die Ängste und Sorgen aller Beteiligten (mit Außnahme der braunen Brut) ernst zu nehmen und nicht ins lächerliche zu ziehen.

Wer von Euch wohnt eigentlich in direkter Nähe zu einem z.B. Erstaufnahmelager für Flüchtlinge und kann aus einem reichhaltigen eigenen Erfahrungsschatz berichten, wie sich das tägliche Leben in den letzten Jahren so verändert hat ?


Sweety

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« Antwort #19 am: 14. Dezember 2014, 19:13:21 »
Früher mal. Geändert hat sich dadurch eigentlich nur, dass die lieben Nachbarn endlich ein gemeinsames Feindbild hatten. Das hat die Stimmung nachhaltig verbessert; doch, das kann man so sagen.

Mein Witz ist keine Hetze, sondern zeigt schlicht die Mechanismen auf, mit denen gearbeitet wird. Selbstverständlich kann das noch sehr viel weiter gefasst werden.

Ängste ernst nehmen? Welche? Dass jemand, der evtl.  nichtmal lesen und nicht die hiesige Landessprache kann, meinem Nachbarn Job und Frau wegnimmt? Was soll ich sagen, außer... Nö, nehm ich nicht ernst. Nichtmal ein bisschen.

Schnukki

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« Antwort #20 am: 14. Dezember 2014, 19:18:08 »
@ Mitläufer: nein es sind eben nicht nur die typischen Bild Leser … und ich denke, dass ist das, was vielen *anders denkenden* Angst macht.

Viele denken doch, dass nur das *arme* Deutschland Flüchtlinge aufnimmt. Viele wissen gar nicht oder wollen es auch gar nicht wissen, dass sehr viele andere Länder auch Asyl bieten bzw. eine Ausländerproblematik haben.

Ich weiß was Netti anspricht und weiß auch, dass manche schon gewisse Leute von der FB-Liste gelöscht haben.

@ Conni: In Berlin gibt es ja einige Heime. Aber diese werden immer gern in Randgebieten angesiedelt, wo so oder so schon Probleme vorherrschen. In Wannsee, Grunewald und Co. findet man keine Möglichkeiten um jemanden unter zu bringen  s-:)
Und genau das ist das Problem … aber statt denen auf die Füsse zu treten, die dafür verantwortlich sind, ist es einfacher, den Flüchtlingen die Schuld zu geben.

redheart

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« Antwort #21 am: 14. Dezember 2014, 19:22:54 »
Ängste ernst nehmen? Welche? Dass jemand, der evtl.  nichtmal lesen und nicht die hiesige Landessprache kann, meinem Nachbarn Job und Frau wegnimmt? Was soll ich sagen, außer... Nö, nehm ich nicht ernst. Nichtmal ein bisschen.
Gibt da ja diesen Spruch (der meist Louis CK zugeordnet wird, aber nicht von ihm ist):
"Of course foreigners steal your job. But maybe, if someone without contacts, money, or speaking the language steals your job, you're sh*t."

Das zeigt ja, wie absurd diese Ängste sind...

Es ist nun mal viiiel einfacher, sich gegen eine Bevölkerungsgruppe zu 'wehren', die eh schon viel schwächer ist... Man könnte ja auch an sich selbst was ändern, aber das ist halt aufwändiger (gilt auch wenn man Probleme mit dem "System" hat, dann müsste man ja am politischen Prozess teilnehmen, wenn man etwas ändern will).

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« Antwort #22 am: 14. Dezember 2014, 19:27:31 »
@ Red: Aber haben die Leute wirklich Angst darum, dass man ihnen den Job nimmt?
Die meisten haben doch nicht mal einen  s-:)

Wenn ich meinen Job nicht gut genug mache, dann kann da jeder kommen!

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« Antwort #23 am: 14. Dezember 2014, 19:35:12 »
Das ist doch alles Bullshit. Den Spruch kannte ich nicht, Red, aber er sagt ja alles aus.

Einerseits will man keine Flüchtlinge in seiner Nähe haben. Andererseits sind die,gleichen Menschen, die laut brüllen keine Flüchtlinge neben mir, dann diejenigen, die rumbrüllen von wegen unsere Sprache sprechen und Integration und bla. Wie genau sollen sich Menschen aber nun mal integrieren, wenn sie abgeschoben irgendwo außerhalb leben müssen und gar keine Chance auf Integration haben!
Hier bei uns leben mehrere Männer aus Eritrea. Junge Männer, die auch völlig ab vom Schuss untergebracht wurden.

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« Antwort #24 am: 14. Dezember 2014, 19:35:52 »
Wir wohnen sehr dicht dran. Was hat sich geändert? Hier sieht man immer mehr Menschen, die aus anderen Ländern, hauptsächlich afrikanischen Ländern, stammen. Der nächst gelegene Kindergarten sucht händeringend deutsche Kinder, damit sie die Gruppen etwas durchmischen können. Sonst habe ich keine Veränderung wahrgenommen.
Was sich für mich persönlich verändert hat ist, dass sich viele interessante Gespräche ergeben haben. Eine Syrierin hat mir auf dem Weg zum Supermarkt meinen leeren Getränkekasten abgenommen und für mich getragen, weil ich zu schwer zu tragen hatte mit dem anderen Kasten und meinem Sohn im TT. Sie hat erzählt, dass sie erst seit 2 Wochen hier ist und ihren Mann und ihre Eltern zurück lassen musste. Ein Iraner grüßt immer ganz freundlich und streichelt meinem Sohn über die Haare. Er hat 5 Kinder und 21 Enkel im Iran zurück gelassen. Seine Frau kam ums Leben. Genau habe ich es nicht verstanden, aber sein Antrag auf Asyl wurde wohl abgelehnt. Ich habe ihn schon 2 Wochen nicht mehr gesehen. Wenn ich diese Geschichten erzähle höre ich oft: "Die wirken nett, aber bei denen musst du aufpassen!" Worauf denn bitte? Dass die Frau mit meinem Kasten abhaut? Dass sie versuchen sich in deutsche Familien einzuschleichen und sie zu islamisieren? Ich kann da nur den Kopf schütteln.
Ich habe den Eindruck, dass viele Kontakt suchen. Sie haben alles zurück gelassen und kommen aus Lebensumständen, die man oft nicht einmal so bezeichnen kann und erhoffen sich ein Leben in Sicherheit. Und nicht einmal das können wir bieten? Ich könnte heulen bei dem Gedanken.
Was mir noch einfällt ist, dass sich viele Eltern Sorgen um die Schulbildung ihrer Kinder machen. Der Anteil an Kindern die bei Schuleintritt nicht oder nur sehr wenig Deutsch sprechen ist natürlich gestiegen. Privatschulen sind immer stärker gefragt.



 

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