Autor Thema: Fußball-EM und Ethik  (Gelesen 10772 mal)

zuz

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Fußball-EM und Ethik
« am: 06. Juni 2012, 10:35:48 »
Aus aktuellem Anlass: Die EM ist ja nun mal ein Großereignis, auf das viele sich freuen. Diesmal scheint es überschattet von Kritik am Austragungsland - Folter, Tierquälerei, Korruption...
Wie geht Ihr damit um? Seid Ihr völlig unbeeindruckt und sagt, EM ist EM und Missstände gibt es fast überall? Boykottiert Ihr? Werdet Ihr richtig politisch aktiv?

Mal zum Einstieg in die Diskussionsrunde ein Artikel:

http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-ost/schwerpunktartikel/amnesty-boykott-der-fußball-em-ukraine-nicht-sinnvo 

So, bin gespannt auf Eure Meinungen! :)
« Letzte Änderung: 06. Juni 2012, 12:28:52 von zuz »

dasmuddi

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #1 am: 06. Juni 2012, 10:42:20 »
ja ich bin völlig unbeeindruckt

wir freuen uns auf die EM, gemeinsam mit Freunden die Spiele zu gucken,danach in lustiger Runde die Spiele analysieren usw.



scarlet_rose

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #2 am: 06. Juni 2012, 10:42:30 »
Ich finde es heuchlerisch sich über ein Land aufzuregen, in dem es Missstände gibt, nur weil dort die EM ist.

Überhaupt finde ich die "Politisierung" diverser Sportveranstaltungen fragwürdig und halte nicht viel davon dem in Politik und ähnlichem zu viel Bedeutung zu zu messen.

Selbige Missstände, wie nun kritisiert werden, herrschen dort seit etlichen Jahren und werden auch nach dem EM dort herrschen. Sie nun zu kritisieren und nach dem WM aber direkt wieder zu vergessen hat für mich wenig mit tatsächlicher Moral oder Werteverteidigung zu tun.
Ebenso halte ich es für heuchlerisch die Freigabe EINER kranken Gefangenen zu fordern, wenngleich in ukrainischen Gefängnissen viele Gefangene selbiges Los tragen. Hier ist ein ganz extremer Werteverlust auf Seiten der "Moralprediger".

Ich bin von den Missständen nicht unbeeindruckt, finde aber den EM-Rücken zum Protest nicht unbedingt den richtigen.
Sowohl Politik als auch Moralapostel sollten ihre Kritik auf echten Werten und stabiler Grundlage aufbauen und nicht auf einer Sportveranstaltung.

Man sollte solchen Veranstaltungen weniger politische Bedeutung beimessen und sie als das sehen, was sie sind: Privatvergnügen.

Ich freue mich trotzdem nicht auf die EM, liegt aber nicht an fragwürdiger Ethik, sondern an der Sache ansich.

Kurz: ethisch korrekt handelt weder die Ukraine, noch die Kritikerseite.
« Letzte Änderung: 06. Juni 2012, 10:47:59 von scarlet_rose »

mausebause

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #3 am: 06. Juni 2012, 10:45:56 »
Scarlet hat es klasse ausgedrückt, das spiegelt auch meine Gedanken ganz gut!
Ich freu mich zudem auf die EM, bin natürlich nicht unbeeindruckt, aber möchte mich trotzdem in dem Fall auf Fußball konzentrieren, der nunmal nichts mit Politik zu tun hat!

redheart

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #4 am: 06. Juni 2012, 10:50:03 »
EM ist EM. Ich liebe Fussball und nur weil ich mir das nicht angucke, wird Herr Janukowitsch nicht plötzlich zum Demokraten.

Die Situation in der Ukraine muss politisch angegangen werden und zwar nicht nur durch "ich geh nicht zum Spiel"-Proteste unserer Politiker. Das ist ja auch kein Problem, dass jeglicher Aktionismus von Ausländern lösen könnte (im Gegensatz zu der Hundesache). Ausserdem ist ja so ein Grossanlass meist mehr Werbeveranstaltung für die Sponsoren als für das Gastgeberland.

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Once

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #5 am: 06. Juni 2012, 10:51:08 »
Ich finde es heuchlerisch sich über ein Land aufzuregen, in dem es Missstände gibt, nur weil dort die EM ist.

naaaaja, also wenn für die EM massenhaft Hunde getötet werden um das Stadtbild aufzuwerten, dann empfinde ich das als hochgradig grenzwertig und alles andere als heuchlerisch sich davon zu distanzieren. Was den Rest angeht...muss man auch differenziert sehen worum es geht.

Fussball ist Politik. Fussball erreicht Menschen und natürlich ist es da auch von Relevanz was dafür in Kauf genommen wird.

Once

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #6 am: 06. Juni 2012, 10:56:39 »
zuz, leider geht der Link nicht...kannst Du ihn noch mal fix komplettieren? =)

scarlet_rose

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #7 am: 06. Juni 2012, 10:57:44 »
Fussball ist nicht Politik,Fussball wird zu Politik gemacht. Vor Allem hier in Deutschland und das war nicht immer in dem extremen Maße so. Angefangen hat die extreme Politisierung mit der WM in Deutschland.

Die Hunde, welche getötet werden sind sicher eine Sache, die direkt mit der EM zusammen hängt und etwas, was kritisch beachten ist.
Nicht vergessen darf man dabei aber, dass auch in PETA Tierheimen Hunde getötet werden, ebenso wie in Griechenland, in Tunesien, Spanien und überall, wo Streunende Hunde zum Problem werden.
Nicht vermittelbare, streunende Tiere sind überall ein kritisch behandeltes Problem.
Streuner werden schon lange getötet und werden weiterhin getötet.


Fussball erreicht Menschen auf einer meist irrationalen Ebene. Somit hat die Kritik keine Ebene produktiv zu wachsen und richtig angegangen zu werden.
Dies müsste auf rationaler und vernünftiger Ebene angegangen werden, vor Allem aber langfristig.


A.n.j.a

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #8 am: 06. Juni 2012, 11:07:42 »
Fussball ist nicht Politik,Fussball wird zu Politik gemacht.

Das ist letztlich das Gleiche!!

Fussball erreicht Menschen auf einer meist irrationalen Ebene. Somit hat die Kritik keine Ebene produktiv zu wachsen und richtig angegangen zu werden.
Dies müsste auf rationaler und vernünftiger Ebene angegangen werden, vor Allem aber langfristig.

Politik ist in den allerseltensten Fällen rational/vernünftig - es geht immer um Nebenschauplätze, andere Interessen (meistens wirtschaftliche, wie eben auch in UKR, dann auch entwicklungspolitische, ökologische etc.).

Politik ist große Show - und nicht etwa der tatsächliche Transport oder die Umsetzung von ideologischen Idealen.  Um so weniger kann man da auch nur ansatzweise vernünftig argumentieren, teilweise nicht mal vorlkswirtschaftlich einleuchtend, wie jetzt gerade mit der GRC-Krise!

Mehr nachher. gerad busy. Ansonsten Once rechtgeb

A.n.j.a

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #9 am: 06. Juni 2012, 11:17:35 »


Die Situation in der Ukraine muss politisch angegangen werden und zwar nicht nur durch "ich geh nicht zum Spiel"-Proteste unserer Politiker. Das ist ja auch kein Problem, dass jeglicher Aktionismus von Ausländern lösen könnte (im Gegensatz zu der Hundesache). ja so ein Grossanlass meist mehr Werbeveranstaltung für die Sponsoren als für das Gastgeberland.

Das ist zu kurz gedacht. Selbstverständlich löst das 'ich geh nicht zum Spiel' diverser Spitzenpolitiker (und ausgerechet BM Niebel mit dem dicken Portemonnaie für dieses Land) und auch Herrn Gaucks 'ich geh nicht nach Kiew", vor der WM  etwas aus - nämlich große politische Irritation.

Daraus resultierend Ratlosigkeit, ggfs. Konsensbereitschaft. Und sei das nur, um die reichen Westpartner nicht zu verärgern! Ein tatsächliches Umdenken in diesen Ländern in naher Zukunft ist utopisch, die Denkkultur ist eine völlig andere.

Russland , China sind i.Ü  viel schlimmer, aber leider zu wichtig wirtschaftspolitisch, da sind Menschenrechte dann doch nebensächlich.  Und das noch krassere Weissrussland ist globalpolitisch zu unbedeutend für grosse Embargos und Aktionen. Wie letztlich auch die Ukraine - daher ist es ganz gut, dass der Mist, der da läuft, mal in die Augen der Öffentlichkeit gerückt wird!

Was kann man denn konkret für die Hunde tun, das versteh ich gerade nicht?


Once

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #10 am: 06. Juni 2012, 11:22:28 »
Fussball wird zu Politik gemacht. Meinetwegen! Nenn es wie Du willst. Aber Fussball bedeutet Aufmerksamkeit, Macht, Ansehen - im politischen wie gesellschaftlichen Sinne. Ganze Länder haben die Chance sich zu präsentieren und ihre Tore für die Welt oder die EU zu öffnen. Da gehen Milliardenbeträge über den Tisch. Politik und Wirtschaft nutzen dies. Und das hat nicht erst mit der WM in Deutschland angefangen.

Das Peta-Argument erschließt sich mir jetzt irgendwie überhaupt nicht. Das hat doch überhaupt nichts mit der Thematik zu tun. Nur weil in anderen Ländern tierrechtlich gesehen Schlimmes passiert muss das nicht legtimieren, dass für die EM massenhaft Tiere verbrannt oder vergiftet werden um das Stadtbild zu reinigen, das Image aufzupolieren und die Saubermann-Fahne zu hissen.

redheart

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #11 am: 06. Juni 2012, 11:23:35 »
Wenn sie dann zwei Wochen nach der EM wieder Geschäfte machen, dann dienen solche "Ich komme nicht"-Aktionen tatsächlich nur der Besänftigung der Öffentlichkeit. Ausserdem wird das Thema mit ziemlich grosser Wahrscheinlichkeit mit dem Ende der EM rasant an medialer Bedeutung verlieren und man wendet sich leider wieder anderen Dingen zu.

Und zur Hundesache? Naja, Tierschutz ist ja generell ein Thema das eher auf privater Ebene angegangen wird, Initiativen wie Vier Pfoten etc. (Kastrationen und andere Massnahmen).

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Arthur

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #12 am: 06. Juni 2012, 11:28:03 »
Russland , China sind i.Ü  viel schlimmer, aber leider zu wichtig wirtschaftspolitisch, da sind Menschenrechte dann doch nebensächlich.  Und das noch krassere Weissrussland ist globalpolitisch zu unbedeutend für grosse Embargos und Aktionen. Wie letztlich auch die Ukraine - daher ist es ganz gut, dass der Mist, der da läuft, mal in die Augen der Öffentlichkeit gerückt wird!

Und was nützt das auch nur einem politischen Häftling in einem dieser Länder ?

♥ іηѕαηіtу ♥

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #13 am: 06. Juni 2012, 11:39:25 »
WM in Deutschland = immernoch Missstände die auch niemanden interessieren sprich Obdachlosigkeit usw.

WM in Südafrika = dazu muss ich jetzt garnichts sagen oder?

EM 2012 = Tierquälerei!

...es ist alles mehr als schlimm,aber was hat der Fußball damit zu tun?!

Ich sehe es wie Scarlett schon schrieb und schließ mich da voll und ganz an.
Es ist einfach unrealistisch sowas zu boykottieren deswegen...sogern man es vllt. auch ändern wollen würde.
Diese Missstände herrschen ja nicht erst jetzt,das gibt es schon Jahre genauso wie die Straßenhunde in Spanien usw.
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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #14 am: 06. Juni 2012, 11:50:28 »
Also zum einen finde ich es wichtig, Dinge die so viel Aufmerksamkeit erhalten, für positive Dinge zu nutzen. Und wenn durch die Fussball EM auf Missstände im Austragungsort aufmerksam gemacht wird, finde ich das sinnvoll. Warum denn nicht? Aufrklären über Missstände ist doch nichts verkehrtes. Auf der anderen Seite finde ich nicht, dass man dadurch die Konsequenz ziehen muss, die EM zu boykottieren, denn schließlich geht es bei der EM letztlich doch um Fussball.
Die Medienberichte sollte man allerdings auch etwas kritisch betrachten. Das Problem der Straßenhunde besteht ja nicht erst seit der EM, Hunde wurden auch vorher getötet, nur hat's da keinen interessiert. Und letztlich gebe ich Scarlet & Co recht, ein Boykott macht doch hier einfach keinen Sinn. Wen trifft denn der Boykott vom Fernseher aus? Letztlich doch nur die FIFA.
Hubs mit den beiden Buben *04/2009 *01/2012



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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #15 am: 06. Juni 2012, 12:16:18 »
Ich finde die Verharmlosung so extrem unschön. Natürlich hat es die Problematik schon im Vorfeld gegeben, aber nicht in diesen Maßen. Und nicht aus diesen Gründen. Die Frage die dahinter steht ist: ist der Fußball es wert, dass Hunde aus Imagegründen massenhaft getötet werden? Oder wenn man es etwas philosophischer verpacken will: wie weit will der Mensch noch gehen wenn Lebewesen für medial relevante Freizeit- und Sportevents getötet (ist noch nett ausgedrückt) werden müssen? Wo bleibt da die Fairness? Die Ethik? Der Menschenverstand?

Das so viele "ja" sagen, find ich zwar krass, aber es wundert mich nicht. Aus den Augen aus dem Sinn....der typische Leitsatz der Ignoranz der Massen. Nichts für mich...

Also zu mir: die EM vor dem Fernseher zu boykottieren halte ich auch für schwachsinnig. Zu König Fußball jedoch habe ich generell ein schwieriges Verhältnis und mir missfällt die Aufmerksamkeit und die Macht die ihm zugetragen wird und die Konsequenzen die er mit sich bringt. Inklusive aller damit verbundenen Staatskosten! Ich würde also beispielsweise nie in die Ukraine fahren um vor Ort teilzunehmen und ich würde auch keine Produkte kaufen.

Was die EM vor dem Fernsehen angeht kommt man ja nicht dran vorbei. Insbesondere nicht wenn man einen fussballverliebten Freund an seiner Seite hat. Heiß bin ich allerdings nicht darauf und ich werde die Spiele auch nur verfolgen wenn es sich nicht vermeiden lässt. Hab eh viel um die Ohren derzeit.
« Letzte Änderung: 06. Juni 2012, 12:54:08 von Once »

A.n.j.a

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #16 am: 06. Juni 2012, 12:30:31 »
Öffentlichkeit besänftigen, das trifft es nicht ganz meiner Meinung nach, das ist eben Politik. Zeichen setzen. Das Land meiden. Offizielle Besuche absagen. Damit Finanzhilfe/Kredit/Infrastrukturhilfe-Zusagen platzen lassen bzw. im Moment gar nicht erst in Verhandlung treten. DAS ist Politik - und zwar durchaus nachhaltige!

Das Zeichen gilt eben auch und vor allem für die UKR Regierung, das ist der Punkt. Sicher nicht nur für den leider recht überschaubaren Teil der tier- und menschenrechtlich bewusst denkenden aufgebrachten Menschen in Westeuropa.

@Arthur: so einen Kommentar hätte ich nicht erwartet von Dir, ehrlich. Das ist doch ein wenig Stammtischpolemik.   :-\



zuz

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #17 am: 06. Juni 2012, 12:31:00 »
So, hab den Link noch mal überarbeitet. Hoffe er geht jetzt  :)

redheart

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #18 am: 06. Juni 2012, 12:38:37 »
Aber geschieht es denn auch? Oder ist zwei Wochen danach, wenn die Öffentlichkeit sich anderen Dingen zugewendet hat, alles wieder vergessen?

Mir ist schon klar, dass das Politik ist. Aber eben nicht NUR das. Das meinte ich :)

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Once

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #19 am: 06. Juni 2012, 12:49:52 »
danke zuz  :-*

anja: abnick!

A.n.j.a

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #20 am: 06. Juni 2012, 12:52:10 »
In der Öffentlichkeit wird es sicher nicht mehr sehr präsent sein. Aber Regierungsstellen, Ministerien, die sind sich natürlich nicht seit gestern über die Zustände dort bewusst. Da es eben verstärkt im Fokus der Öffentlichkeit steht seit Wochen (auch weil Timotchenkos Tochter so einen Wirbel macht, ich stimme scarlet_rose da zu, etwas fragwürdig alles) , ist auch die deutsche Politik "gezwungen", öffentlichkeitswirksam Stellung zu beziehen.

Viele andere Sachen laufen eh auf Ebenen, die der Öffentlichkeit in den seltensten Fällen bekannt sind. Nicht weil schwer zugänglich, sondern weil schlicht das Interesse des Normalbürgers nicht da ist, wieviele Milliarden die GIZ oder KfW etc. in welches Land buttert.

Andererseits darf man menschenrechtliche Bedenken nicht einfach so komplett über dringende infrastrukturelle Hilfsbedürfnisse stellen (damit meine ich nicht überflüssige Brücken oder Strassen, sondern MR-Grundrechte wie Wasser, Nahrung, Bildung, Gesundheit. Das, was für den Erstweltler in der Regel total normal ist  und daher meist keinen zweiten Gedanken wert).

Es ist schwierig und ein ewiger Balance-Akt. Dass man als mündiger und politisch interessierter Bürger sich da teilweise auf den Arm genommen oder nicht richtig vertreten fühlt , kann ich durchaus nachvollziehen.

Aber z.B. politische Gefangene kommen nicht auf Knopfdruck frei, weil eine Kanzlerin 'dududu' macht. Und 'deals' werden tatsächlich nicht nur zwischen ISR und PAL gemacht (wie war das noch, 500 gegen einen oder so? Unglaublich).  Daher mein Spruch mit den nicht knallhart durchsetzbaren Idealen, bei allem Respekt und aller Hoffnung, dass es doch so ist. Money rules, Once hat es schön gesagt.

Da ich diesen Eiertanz hauptberuflich in einem menschen-/tierrechtlich/moralisch-ethisch mit ganz anderen Begriffen messbaren Land mit-aufführe, hab ich eben die geschilderte Vorstellung von Teilen der deutschen Politik - und ihrer faktischen Durchsetzbarkeit.

Arthur

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #21 am: 06. Juni 2012, 13:06:56 »
@ anja - Dann erkläre mir bitte, welchen konkreten Nutzen der politische Häftling daraus ziehen kann. Mein Eindruck ist eher, die "Öffentlichkeit" nimmt so eine Sache schon wahr, regt sich furchtbar drüber auf und ist am Ende des Tages doch froh, einen vollen Bauch, Bier und schöne Fussballspiele zu haben. Es ist einfach zu weit weg und tut zu wenig weh.

Die Macht, etwas zu verändern, liegt in den Händen derjenigen, die auch die Macht und die nötigen Druckmittel dazu haben. Und wenn Money rules, dann dürfen die Damen und Herren ruhig welches zur Hand nehmen, sogar mit meiner Genehmigung, wo sie mich sonst doch auch nicht fragen.  :)

Ich habe übrigens noch nie in meinem Leben an einem Stammtisch gesessen.  ;) :-*

KoenigRaffzahn

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #22 am: 06. Juni 2012, 13:50:16 »
hmhmhm, also die ermordung der hunde gibt es ja nur deswegen weil die em dort stattfindet... , und die millionen(milliarden?) sind ja auch schon geflossen, also war auch klar das es dort keine absage geben wird...
zu weit weg würde ich nicht sagen, die occupy leute gehen ja auch wegen den obskuren geldmachthabern( oder sowas) auf die strasse?!...
auf andere zu zeigen und sagen, die machen das ja auch, dadurch wird es ja nicht richtiger, was dort geschieht,
die politischen verhältnisse, tja ich bin mir da uneins, hilft es, die verhältnisse in einem solchen land zu verbessern wenn dort ein solches sportliches großereignis stattfindet?... ich denke eher nein. ... man schaue sich ... war es china? an, mit der olypiade neulich? ich denke die haben die gedanken an 1989 schon ganz gut getilgt und sind immer noch an der macht, trotz das es dort neulich eine olympiade gab... zu wenig wirtschaftliche interessen sprechen gegen eine aurichtung in der ukraine, ... war es damals in kuwait? wo der böse nachbar die überfallen hat?
ich denke so ähnlich ist es in der ukraine, zu viele mafiöse strukturen, zu wenig wirtschaftliches interesse der anderen staaten dort etwas zu verändern,
also :
em guggn :)
und mal ganz ehrlich, welches problem könnte uns so nahe kommen, das wir auf unseren vollen bauch, das bier, und, am wichtigsten, die em verzichten würden?

arthur, du mußt mir noch sagen welches seltene gen ich habe.
« Letzte Änderung: 06. Juni 2012, 14:20:55 von KoenigRaffzahn »
mfg die welt liegt uns zu füßen denn wir stehen drauf wir gehen drauf für ein leben voller schall und rauch bevor wir falln falln wir lieber auf

Hrefna

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #23 am: 06. Juni 2012, 14:33:19 »
Ich sehe es so:

Ich finde es schlecht, dass nichtdemokratische/menschenrechtsverachtende Staaten die Zusage zur Austragung sportlicher Großereignisse bekommen. Zum einen, weil dies so einen "Mir doch egal"- Anschein der Sportorganisationen erweckt, zum anderen, weil die Regierungen durch solche Ereignisse Geld einfahren.

Sprich, ich würde bei der Vergabe des Austragungsortes engere Reglementarien gut finden, also quasi beim Protest einen Schritt früher ansetzen.

Aber: Wo hört Sport auf und wo fängt Politik an?
Werden geächtete Staaten dann ihre Sportler aus Protest zuhauselassen? Oder besser: Sollte man Sportler aus solchen Staaten z.B. bei Olympia gar nicht erst zulassen? Ist Olympia dann noch Olympia? Darf die USA, die die Todesstrafe verhängen, mitmachen? Wo hört "gut" auf und wo fängt "schlecht" an? Und wer entscheidet das?

Ich werde die EM anschauen im Bewusstsein dessen, dass sie in einem Land stattfindet, in dem mehr als nur Hunden Unrecht widerfährt und gleichzeitig den Ukrainern wünschen, dass sie die mediale Aufmerksamkeit zu etwas positivem nutzen können.


A.n.j.a

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Antw:Fußball-EM und Ethik
« Antwort #24 am: 06. Juni 2012, 15:34:22 »
Arthur:  :-*

Die Stammtischmetapher war lediglich so gemeint, dass dies nach meinem Empfinden typisch populistische Fragen sind - politische Häftlinge (also keine fiesen Vergewaltiger oder Mörder...), Dissidentenhausarrest, Mädchenbeschneidung - sorry OT aber als Verdeutlichung, das sind alles so Aufschrei-Aufreger über totalitäre oder archaische Regimes, die der politisch interessierte Erstweltler gerne anheizend in die Diskussion schmeisst.
 
Aber um bei dem Beispiel zu bleiben: was sich konkret für politische Häftlinge ändern könnte?  Das kann von pragmatischer Verbesserung der Haftbedingungen - Essen, Hofgang, Besuchszeiten, Bewährungsmöglichkeiten  etc.- bis hin zur Neuprüfung der Rechtsgrundlage für die Inhaftierung gehen, Stichwort Rechtsstaatlichkeit, rule of law, good governance.

Es gibt speziell für die Personengruppe der Inhaftierten aufmerksame und effiziente Institutionen - z.B.  das „Europäische Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe“ des Europarats
(CPT)  -  die dann auch die Umsetzung getätigter Kritik beobachten (z.B. Schaffung/Verabschiedung neuer Gesetze), Thema Nachhaltigkeit. Auch nichtstaatliche Akteure, wie ai etc., sind hier sehr wichtig.

Die Erkenntnisse von all diesen Organisationen und Aktionen fließen dann beispielsweise in die menschenrechtliche Berichterstattung der EU oder der jeweils nationalen Vertretung in dem Land ein.

Diese dient wiederum als  Orientierung von Regierungen, multinationalen Organisationen - die Europäische Kommission, für diesen (UKR) Teil der Welt zum Beispiel die OSZE und ihre Unterbauten wie ODIHR etc. - und auch den 'Gebern' (in Deutschland z.B. die erwähnte Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW oder die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit GIZ, international dann IWF, Weltbank etc.), auch privat-wirtschafliche Institutionen (IHK) und potentielle Investoren.

Daran hängen dann eben so Sachen wie: Vergabe von Entwicklungshilfegeldern, NATO oder  EU-Beitritt  -  mithin militärisch-strategisch, wirtschaftlich und aufenthalts-/arbeitsrechtlich hoch erstrebenswerte Vorteile für diese Länder, also Anreiz, sich da zu verbessern.

Und dies  durch z.B. Verbesserung der Häftlingssituation, oder eben mehr Rechtsstaatlichkeit, Unabhängig- und Unbestechlichkeit der Gerichte, Implementierung vorhandener Regelwerke (!), eben sogenannte demokratische Denke.  Dies ist in teilweise hunderten von Seiten starken und halbjährlich aktualisierten Berichten für das Beispiel -EU-Kandidatenstatus ganz klar definiert, von Umweltaspekten über Anti-Diskriminierungs-Strategien bis hin zu dem meist wesentlichsten Punkt - Rechtsstaatlichkeit, und was alles dran hängt.

Bei allen post-sozialistischen/-kommunistischen Regimes ist genau die fehlende demokratische Denke der Knackpunkt. Der politische Wille zur Änderung, ja auch nur die Fähigkeit zur Abstraktion, was genau warum geändert werden muss, fehlt.  Nepotismus und Protektionismus regieren, Folge sind u.a. eine unfähige öffentliche Verwaltung etc.
 Wenn man diverse Regimes einfach woanders hin übersiedeln könnte, 10 Jahre vorspult, neue Köpfe an die Schaltstellen setzt, dann könnte das weitaus schneller gehen als es das leider tut.

@ Hrefna: ich stimme Dir absolut zu. Wer soll das bestimmen, auf welcher Grundlage, mit welchen Folgen? Was für ein Dilemma.

Sport sollte unpolitisch und frei von vorurteilsbehafteter Denke - Rasse, Religion, gender - sein. Ist er aber leider nicht wirklich, da mittlerweile stark politisiert.

LG
Anja




« Letzte Änderung: 06. Juni 2012, 15:46:57 von A.n.j.a »

 

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