Autor Thema: Erziehen - ständig und überall?  (Gelesen 4858 mal)

ju.ra.

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Erziehen - ständig und überall?
« am: 30. März 2016, 10:28:14 »
Gestern Nachmittag war ich im Zwiespalt. Wir waren bei meiner Cousine eingeladen, Geburtstagskaffee. Meine Mama und meine Oma sowie die kleine Tochter meiner Cousine, 2 Jahre alt waren auch da.

Meine Oma hat für Luis ein Geschenk mitgebracht (das hatte sie 2 Wochen vorher daheim verwechselt und ihm ausversehen das falsche zum Geburtstag mitgebracht)
Es war ein Tip Toi Buch. Damit fing es an. Die kleine Tochter meiner Cousine, M., hat es entdeckt und wollte es anschauen. Luis fand das nicht gut, hat es ihr weggenommen mit den Worten " das ist mein Buch, das darfst du nicht haben" Ich hab darauf reagiert und ihm erklärt das er hier zu Besuch ist und ja auch mit ihren Sachen spielen möchte, also soll er doch bitte sie auch das Buch anschauen lassen. Er hat sich dafür entschieden das Buch nicht hergeben zu wollen worauf die Konsequenz war das er von M. kein Spielzeug mehr haben durfte.

Das ging dann tatsächlich 1 1/2 Stunden so. Das Buch war längst versteckt von ihm, es hat sich langeweile breit gemacht und er ging immer wieder zu den Spielsachen. Ich hab ihn aber immer wieder dran erinnert "Kein Buch für M., kein Spielzeug für Luis"

Irgendwann fing meine Mama an mit M. Ball zu spielen, Luis war natürlich sofort zur Stelle und wollte mitmachen. Meine Mama hat dann mit beiden Kindern Ball gespielt. Nach ein paar Minuten sind beide Kinder samt Ball im Kinderzimmer verschwunden und hatten Spaß zusammen. Nach insg. dann 2 Stunden kam Luis aus dem Kinderzimmer zu mir und meinte er möchte jetzt das Buch holen, M. darf es dann auch haben und ob er dann mit ihren Spielsachen spielen dürfte.

Es waren harte 2 Stunden. Ich hab ihm wirklich jedes kleine Auto abgenommen, hab ihn immer von der Spielecke zurück gepfiffen usw.

Er hat mir natürlich leid getan und ich denke mir jetzt einfach ob ich zu streng war? Ich hätte das sicher auch diplomatischer lösen können und um sein neues Buch keinen Wirbel machen müssen. Ich versteh es ja auch das es grad mit ganz neuen Geschenken so eine Sache ist dann mit dem teilen.

ABER Luis hat generell ein Problem damit seine Sachen zu teilen geht aber ganz selbstverstänlich zu fremden Sachen und nimmt alles. Daher bin ich in der Beziehung grad echt dahinter das es besser wird.
Bei gleichaltrigen oder älteren Kindern ist es gut. Da spielt er schön, gibt eigentlich alles ab bzw. lässt die Kinder mit seinen Sachen spielen, bei jüngeren Kindern geht es gar nicht.

Und es ist bei mir immer so das ich eigentlich generell immer gleich bin in der Erziehung. Egal ob wir alleine sind oder ob andere dabei sind. Aber immer ist meiner derjenige der "bestraft" wird. Andere Kinder dürfen meistens viel mehr oder es folgen keine Konsequenzen wenn sie nicht hören (z.B. wenn wir mit mehreren Familien spazieren gehen laufen die Kinder wild umher. Wenn mein Kind dann meint nicht hören zu müssen, auf Stop oder Komm bitte zu mir nicht hört dann wird er an die Hand genommen und geht eben neben mir her. So Situationen gibt es immer wieder und ich Frage mich warum das so ist.)

Gestern ist ihm dann auch noch ein "du bist blöd" mir gegenüber rausgerutscht, darauf hin hab ich ihm gesagt das er sowas nicht zu mir zu sagen hat und hab ihn in den Flur geschickt.

Lief also gestern nicht gut für uns  s-:) Aber mir ist es einfach wichtig das er sich benimmt, gerade wenn wir zu Besuch sind und ich denke mir er muss es ja irgendwie lernen. Oder seh ich das komplett falsch, überfordere ich ihn vielleicht sogar?


Emelie

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #1 am: 30. März 2016, 10:43:27 »
Es ist sehr schwer zu sagen "Richtig oder falsch" reagiert. Wie man reagiert hängt ja auch von der eigenen Befindlichkeit ab, den eigenen Einstellungen und Erfahrungen. Mir war es deshalb wichtig zu antworten, da ich das Alter deines Sohnes gesehen habe. Er ist vier? Zwischen 3-6 Jahren fangen Kinder erst damit an ihr soziales Verhalten hinsichtlich Regeln, Empathie  und Verständnis anderen gegenüber zu entwickeln. Sein Verhalten ist also völlig normal und nicht besorgniserregend.
Ich finde es in dem Alter sehr wichtig, wenn du eine Konsequenz ausgesprochen hast, danach nochmal mit ihm zu reden. Den meisten Kinder ist nämlich gar nicht bewusst, was sie eigentlich getan haben. Wenn dir eine Sache besonders wichtig ist, wie das teilen, dann immer dran bleiben und nicht aufgeben. Immer wieder darüber reden und erklären. Er befindet sich noch mitten drin in einem wichtigen Lernprozess.


Meph

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #2 am: 30. März 2016, 10:46:01 »
warum tust du das?
darf ich auch in deiner handtasche wühlen wenn du bei mir zu besuch ist?
wenn nicht bekommst du keine kaffeetasse.

ich kann dein verhalten überhaupt nicht nachvollziehen. es war sein buch- klar darf er drüber bestimmen. einzig und allein müsste er da bei mir mit leben, dass es andere ansehen dürfen, wenn er es niht wegräumt und es für alle präsent ist. Dazu war es neu und daher eh noch ganz besonders. Ihn dann damit abzustrafen, dass DU bestimmst, was er machen darf und was nicht ist nicht Erziehung, sondern einfach übergriffig und fies. Nichtnur deinem Sohn gegenüber, sondern auch dem Mädchen gegenüber, der die sachen gehören und die vielleicht gerne mit ihm gespielt hätte- auch ihr hast du ihre entscheidungsfreiheit abgesprochen.

Ne, das Fehlverhalten sehe ich da tatsächlich nur bei Dir und würde mir dann als Kind auch denken "doofe mama"- was meine Kinder durchaus auch zu mir sagen dürfen ohne dass ich sie mit Beziehungsentzug bestrafe. Für mich ist das nämlich eine Chance nachzuprüfen, was da gerade zwischen uns schief läuft und zu schauen, wie wir es gemeinsam wieder hinbringen.

ju.ra.

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #3 am: 30. März 2016, 10:50:31 »
Ich fand die Situation einfach blöd. Er sagt zu M. sie soll sein Buch in Ruhe lassen, er nimmt es ihr weg und in der nächsten Sekunde geht er an ihre Autos und bedient sich und spielt damit.


Meph

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« Antwort #4 am: 30. März 2016, 10:57:00 »
dann soll er sein buch wegräumen und gut! dass sie ihn mit ihren autos spielen lässt ist eine andere sache und genauso ok wie er nicht seinen neuen besitz sofort teilen will.
Sie hat ja nicht nein gesagt.
Ich verstehe überhaupt nicht warum du dich da reingehängt hast. das sind doch tatsächlich situationen, die kids unter sich ausmachen können.
Um es spitz zu formulieren: du hast beiden eine mögichkeit des sozialen lernens genommen und besonders deinem sohn gezeigt, dass er machtlos ist und sich erpressung ergeben muss. grats!
sorry, aber da bin ich echt fassungslos... 2 stunden gezacker wegen sowas.

Emelie

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« Antwort #5 am: 30. März 2016, 11:00:39 »

Um es spitz zu formulieren: du hast beiden eine mögichkeit des sozialen lernens genommen und besonders deinem sohn gezeigt, dass er machtlos ist und sich erpressung ergeben muss. grats!


Hast du gut geschrieben. Ich denke auch die Kinder hätten das sicher ohne großes trara selbst gelöst. Kinder sind da meist fähiger als Erwachsene

ju.ra.

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« Antwort #6 am: 30. März 2016, 11:02:34 »
Ich seh das einfach anders. Ich kann doch nicht 5 oder 6 Jahre sagen " ja ist gut, dann gib dein Buch nicht ab und spiel ruhig mit den anderen Sachen" Und mit 6 sag ich dann "willst du ihre Sachen musst du deine auch abgeben" nur weil er es dann vielleicht schneller versteht.


ju.ra.

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #7 am: 30. März 2016, 11:05:04 »
Die kleine hatte übrigens ihren Willen. Hat er was genommen ist sie sofort losgerannt und hat es ihm weggenommen und lauthals verkündet "Nein! Das ist meins."


Emelie

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« Antwort #8 am: 30. März 2016, 11:09:40 »
Die Kinder machen zu lassen und die Situation zu beobachten heißt ja nicht gleich= Thema tot schweigen. Ich würde es mit ihm trotzdem thematisieren und bei Kindern muss man vieles eben täglich wiederholen. Und er trifft ja nicht nur auf dich und seine Cousine. Im Kindergarten wird er auch wohl oder übel teilen müssen und später mit seinem Geschwisterchen auch.
Mal andersrum gefragt: Du hast jetzt gestern auf die Weise reagiert und ich persönlich finde es nicht schlimm, da Erziehung nun mal keine gerade Linie darstellt  - aber denkst du, er hat daraus etwas gelernt? Hat er wirklich verstanden warum du so reagiert hast?

Honey

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« Antwort #9 am: 30. März 2016, 11:14:35 »
Ich hätte lediglich vermittelt. Er hätte sein neues Buch wegpacken dürfen und wenn er mich gefragt hätte, ob er mit den Sachen der Kleinen spielen dürfte, hätte ich ihn gebeten, sie selbst zu fragen.
Wäre es dann zum Streit zwischen den Beiden gekommen ("Ich durfte nicht dein Buch ansehen, also darfst du nicht mit meinen Autos spielen."), hätte ich, falls nötig, dann nochmal in Ruhe erklärt, warum sie das so handhabt.
Hätten die Kinder es nicht alleine lösen können, hätte ich angeboten das Buch mit ihnen gemeinsam anzuschauen.

Ich empfinde deine Vorgehensweise als zu heftig.
Und schau mal, aus den Augen deines Sohnes betrachtet, war der Nachmittag sehr traurig für ihn.
Man wollte ihn zwingen, sein Geburtstagsbuch zu teilen (an dieser Stelle: Meine Großen unterscheiden auch, ob ein "Baby" etwas zerstören, ankauen könnte oder ein älteres Kind von der sorgsamen Sorte ist), er durfte mit keinem anderen Spielzeug dort spielen und nachdem er seine Gefühle seiner Mama gegenüber verbalisiert hatte, wurde er auch noch in den Flur geschickt. Hm  :-\....
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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #10 am: 30. März 2016, 11:16:39 »
Auch für das kleine Mädchen wäre der Nachmittag bestimmt schöner gewesen, ohne Machtspiele und wenn dein Sohn fröhlich mit ihr gemeinsam Autos gespielt hätte.
Und für dich, wäre es auch angenehmer gewesen.
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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #11 am: 30. März 2016, 11:22:04 »
Ich hätte mir das Theater auch nicht angetan, will ja in Ruhe meinen Kaffee trinken und einen Besuch auch genießen. ;) Es war sein Geschenk und nicht deins. Meine Konsequenz wäre einzig gewesen das Buch wegzuräumen. Das mache ich auch mit Sachen, die meine Kinder nicht mit Besuchskindern teilen wollen, meist sogar bevor der Besuch kommt. Dann dürfen die Mädels alles was sie keinesfalls teilen wollen in mein Schlafzimmer bringen.

Unter'm Besuch lasse ich sie das alleine regeln - gibt es Stress wegen eines bestimmten Spielzeugs, biete ich ihnen Möglichkeiten an es zu regeln - klappt es gar nicht, wird auch dieses Spielzeug "aus dem Verkehr gezogen".

Ansonsten gilt die Regel - alles was draußen liegt darf von ALLEN bespielt werden. Aus der Hand reißen mag ich grundsätzlich nie.

Insbesondere wenn das andere Kind in eurem Fall sowieso deutlich machen konnte was es will und was nicht - dann waren die beiden doch auf Augenhöhe. Erziehung bedeutet auch mal ins Kind zu vertrauen. Du erklärst ihm die Regeln ja seit Jahren - dann gib ihm auch die Chance sie anzuwenden. Vielleicht hätte er sich erstmal selbst mit seinem Buch beschäftigt und dann doch mal abgegeben. Oder eben gleich wegräumen für Zuhause.

Ich "erziehe" im Alltag und vertraue darauf, dass es dann auch klappt. Konsequenzen gibt es insbesondere unterwegs nicht sofort beim ersten Fehltritt, sondern erst bei mehrfach Wiederholungen. Ich möchte doch auch eine schöne Zeit haben. Ich sehe dich meist schon als sehr streng an ehrlich gesagt und werte das noch nicht mal unter "Erziehung", sondern ich habe auch oft das Gefühl, dass du Chef sein willst über den starken Willen von Luis. Am Ende kämpft ihr immer gegeneinander, wer die Macht gewinnt. Das ist schade finde ich.

...Honeys Beitrag dazu unterschreibe ich.





ju.ra.

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #12 am: 30. März 2016, 11:23:55 »
Klar gab es schon wesentlich schönere Nachmittage. Ich hab ihn aber gestern immer wieder auf den Schoß genommen, hab ihm gesagt das ich ihn verstehe das es jetzt doof ist. Er hat viel gekuschelt und ich hab immer wieder gesagt das er sein Buch holen könnte und es M. kurz anschauen lassen könnte. Auch das sie es einfach zusammen anschauen und wir es dann wieder in meine Tasche packen. Er hat sich dagegen entschieden.

Emelie - da er dann doch noch von sich aus das Buch geholt hat und es M. gegeben hat und nochmal gefragt hat ob er jetzt zur Spielküche gehen kann, denke ich schon das etwas hängen geblieben ist.

Aber es stimmt natürlich schon das es die Kinder auch untereinander ausmachen können.
Wie das mit einer grad 2 Jährigen und einem 4 Jährigen dann endet sei mal dahingestellt.


ju.ra.

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« Antwort #13 am: 30. März 2016, 11:27:46 »
Er hatte das Buch nicht. Er hat es nur ausgepackt, kurz mit seiner Oma durchgeblättert dann lag es auf dem Wohnzimmertisch. Er war bei der Küche und M. hat es sich vom Tisch genommen.

Hätte er es noch gehabt und hätte es allein in Ruhe anschauen wollen hätte ich gar nichts gesagt bzw. hätte vielleicht zu M. gesagt das sie es sicherlich auch mal haben darf, sobald es sich Luis ganz in Ruhe selber angeschaut hat.

Dance - das kann gut sein was du schreibst. Ich weiß einfach wie es ist wenn es eskaliert und bin deshalb vermutlich mittlerweile sofort sehr streng zu ihm. Das ist sicher nicht immer fair.


Honey

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« Antwort #14 am: 30. März 2016, 11:38:54 »
Nicht fair zum einen und zum anderen verhinderst du zwar, dass es (kurz) zwischen den Kindern eskaliert, nimmst dafür aber eine Rieseneskalation für deinen Sohn bzw. zwischen dir & deinem Sohn in Kauf.
« Letzte Änderung: 30. März 2016, 11:41:41 von Honey »
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Annakin

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« Antwort #15 am: 30. März 2016, 11:41:06 »
Dein Sohn hatte ja gar keine Chance, die Situation anders zu lösen. Er hat sich nicht entschieden das Buch mitzunehmen. Es wurde ihm da gegeben und war dann eben da. Die einzige Möglichkeit war ja es weg zu tun, wenn er nicht möchte, dass jemand anderes damit spielt.
Meine Kinder müssen nicht teilen. Wenn wir irgendwo hin gehen und es sind andere Kinder da, frage ich sie, ob wir noch was extra einpacken wollen, mit dem man zusammen spielen kann. Aber was sie sich aussuchen, müssen sie nicht abgeben. Sie sind allerdings selbst dafür zuständig, Sachen, die sie schützen wollen weg zu räumen. Das gilt sowohl für Sachen die wir woanders hin mitnehmen, als auch für Sachen hier zuhause, wenn Besuch kommt. Klar ist, dass der Besuch mit den Spielsachen spielen darf. Sie können aber Sachen im Schlafzimmer in Sicherheit bringen oder weg räumen.
Solche Dinge muss man seinem Kind nicht explizit beibringen. Das lernen die schon ganz von alleine. Die regeln viel unter sich. Auch wenn die beiden hier unter sich spielen und die Kleine wieder einen Riesen Spaß hat, ihrem Bruder alles weg zu nehmen, sage ich ihm, dass er es sich wieder holen soll. Ich greife nur ein wenn es körperlich wird, weil der Große der Kleinen dann unterlegen ist. Die nimmt nämlich keine Rücksicht.
Viele gehen davon aus, dass Kinder alles abgeben müssen, damit sie Teilen lernen. Das ist aber eine ganz unrealistische Vorstellung. So wird das ja wohl kaum einer von uns handhaben. Ich teile sehr gerne. Ich verleihe, ich stelle zur Verfügung, ich verschenke... Aber was, wann und an wen, das entscheide ich selbst. Und so soll es auch für meine Kinder sein. Manche Dinge haben eben einen besonderen Wert, auch wenn das für mich nicht immer nachvollziehbar ist.
Meine Kinder dürfen, wie Mephs auch, solche Sachen wie "Du bist blöd!" zu mir sagen. Das stört mich gar nicht, ehrlich gesagt. Ich denke mir das auch von vielen Menschen. Ich nehme das zum Anlass mit ihnen zu reden, was genau sie an mir grad blöd finden. Bei meinem Sohn hilft es ganz oft, ihn in den Arm zu nehmen und ihm zu sagen, dass ich ihn verstehe und ihn liebe. Ist das, was er zu mir sagt ein bisschen schärfer, sage ich ihm, dass er mich damit verletzt. So lernen wir an diesen Situationen beide immer wieder.

Ich kann auch Honey und Dance zustimmen.
Hast du ihn gefragt warum die Kleine das Buch nicht ansehen darf? Unsere Kleine macht mit ihren zwei Jahren auch gerne noch mal was kaputt. Vielleicht hat ihm das Sorge bereitet? Oder wollte er es zuerst selbst in Ruhe betrachten?



ju.ra.

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« Antwort #16 am: 30. März 2016, 11:42:44 »
Eskaliert ist es nicht. Er hat sich mit seiner Oma und Uroma beschäftigt, kam immer mal wieder zu mir und nur wenn er zu den Spielsachen gehen wollte hab ich kurz seinen Namen gesagt. Ja, es war blöd für ihn, deshalb grüble ich ja heute noch aber er hat es ganz ruhig so hingenommen.


lotte81

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #17 am: 30. März 2016, 11:44:25 »
ich hätte es auch anders geregelt. So hast du ihm, dir und allen anderen den Nachmittag vermutlich erst Mal  sehr anstrengend gestaltet und warum? Damit er lernt, dass er nicht über seine Sachen bestimmen darf  :-\ Ich sehe es wie Meph. Man hätte am Anfang evtl. mal sagen können, dass er nur bedenken muss, dass wenn er das Buch nicht hergibt, es auch sein kann, dass die Cousine evtl. dann auch nciht teilen will (wobei das 2jährige in der Regel ja entspannt sehen) und dann wäre für mich gut gewesen. Evtl. Buch erst mal wegpacken lassen, damit es kein Geschrei drum gibt (vermutlich würde ich das sogar machen, weil ich Geschrei und Streit hasse)  und dann die Kinder halt was anderes spielen lassen. Ich finde deinen Ansatz schwer nachzuvollziehen und auch anstrengend. Du machst da Baustellen auf, die gar nicht hätten sein müssen. Im Endeffekt maßt du dir ja sogar an über seine und die Sachen der Cousine zu bestimmen...

Ich habe zum Erziehen allerdings eh eine eher andere Meinung. Mag daran liegen, dass nicht alles bei jedem Kind funktioniert und ich kann ja nur über meine Kinder sprechen und was bei denen geht. Ich bin weder über die Maßen konsequent, korrigiere mich auch gerne mal, wenn mir eine Sache im Nachhinein doch unlogisch erscheint oder ich merke, dass sie mehr Kraft kostet als ein vernünftiges Zusammenleben zu ermöglichen..... Wenn hier ein Kind seine Sachen mal nicht teilen will, was selten vorkommt, dann bitte ich drum, dieses Teil dann aber ins eigene Zimmer zu bringen und schlage da aber keine Brücke zu anderen Dingen.....
Und ja, ich passe auch Dinge altersgemäß an. Und ein vierjähriger ist, was sein gerade eben geschenktes Spielzeug betrifft bestimmt eigener ,als mein 10jähriger.....Man darf ja nicht vergessen, dass dein Sohn dasBuch gerade erst bekommen hat.

Und wie du siehst, hätten die Kinder (und haben es letztendlich) ja doch selber geregelt. Du hast am Ende deine Konsequenz doch aufgegeben und sie 2 Stunden zusammen spielen lassen OHNE, dass er vorab sein Buch geteilt hat und er hat es dann aus freien Stücken geholt. NICHT weil du vorher so konsequent warst,sondern weil er es teilen wollte. Insofern hättest du das ganze vermutlich früher locker lassen können  ;)

Und zu deinem letzten Absatz: Andere erziehen halt anders. Dann hast du vielleicht einfach strengere Ansichten? Meine Kinder dürfen (oder durften, jetzt sind sie ja eh größer) in ungefährlichen Situationen beim Spazieren immer wild rum und hin und her rennen...auch in der Stadt in Fußgängerzonen oder so..... Ich käme nicht mal auf die Idee sie dafür an die Hand zu ordern, so lange sie an den notwendigen stellen (Ampel) Vorsicht walten lassen..... Ansonsten hole ich sie vor den gefährlichen Stellen zu mir und lasse sie dann wieder nach dieser Stelle laufen. Allerdings gehen wir selten langfristig an gefährlichen Strassen spazieren. Sie zur Strafe dann länger an die Hand holen, als notwendig , macht es ja in der Regel nur schlimmer.

"Du bist doof" kann ich in dem Fall sogar nachvollziehen  S:D ;) Er war halt sauer und du hast dich in seinen Augen doof verhalten. Flur schicken, stille Treppe etc sind eh nicht meine Methoden. Andere handhaben es halt anders als ich, kann ich mit leben, deshalb käme ich aber nie auf die Idee es bei meinen Kindern anzuwenden. Meine Tochter sagt derzeit gerne mal voller Inbrunst: Ihr seid die gemeinsten Eltern der Welt! (was einem: du bist doof, ja gleich kommt).... Ich reagiere da unterschiedlich, aber im Grunde nie strafend, weil es mich nicht "trifft"....sie ist dann sauer wegen irgendwas (weil wir noch einkaufen gehen, obwohl sie spielen will z.b.  ;D) und muss sich halt Luft machen.... Ich sage dann durchaus mal:"Das kann sein" oder "Warum?" oder "Dafür sind wir da" oder einfach nur "Wenn du das so siehst" ...... Oder ich sag halt gar nichts.....

Wenn es dein Weg ist und dir gewisse Verhaltensweisen und das demonstrieren von Erziehung in jeder Situation, wichtig sind, ist das OK, wenn auch sicher manchmal unnötig anstrengend. Du kannst allerdings ja nicht erwarten, dass andere Eltern sich genauso verhalten, wenn sie es eben anders sehen. Ich finde wie gesagt nicht gut, wenn Kinder aus dem Zimmer geschickt werden als Strafe...Meine eine Freundin macht das mit ihren aber ständig.... Sie ist dann hilflos und überfordert und weiss nicht, wie sie in dem Moment an ihr Kind dran kommt, von daher maße ich mir nicht an, sie dann auch noch blöd anzuschauen. ICH würde es anders machen und wenn sie mich fragt (Was vorkommt) sage ich, wie ich es mache und halte sonst meinen Mund. So lange es nicht kindswohlgefährdent ist, was jemand macht! Wenn jemand natürlich schlägt oder sehr laut wird oder so, dann würde ich was sagen. (Wenn ich es mal erleben würde.)

Ich finde es z.B. im Gegenzug wie du das Verhalten deiner Bekannten kritisierst so ein permanent erziehendes Verhalten sehr anstrengend, wenn ich mit jemandem unterwegs bin. Da liegt mir auch oft auf der Zunge zu sagen, dass ich ein tobendes Kind weniger anstrengend finde als ein "schreiendes und trotzendes", weil die Eltern permanent ihren Willen durchziehen (was dann ja auch in der Regel eher laut ist)...ein normales Unterhalten ist dann ja in der Regel unmöglich.

« Letzte Änderung: 30. März 2016, 11:48:11 von lotte81 »


Honey

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #18 am: 30. März 2016, 11:44:33 »
Das Wort habe ich von dir aufgegriffen.

Ich finde es gut, dass du dir so viele Gedanken darüber machst.  :)
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« Antwort #19 am: 30. März 2016, 11:58:46 »
Honey - eskaliert ist es früher tatsächlich oft. Daher hab ich mir angewohnt sofort und immer konsequent zu sein.

lotte - ich hab meine Konsequenz nicht aufgegeben. Sie haben nicht 2 Stunden gespielt. Die kleine hat gespielt. Luis hat zugeschaut bzw. sich eben mit den Omas beschäftigt. Erst als sie im Zimmer verschwunden sind, indem es keine Spielsachen gibt, kam er auf die Idee sein Buch zu holen.

Zum Thema spazieren gehen - es war die Situation das die Kinder zu einer Straße liefen und nicht gehört haben. DAS geht einfach nicht und meine Konsequenz war das er sofort an die Hand kam. Natürlich darf er rennen und toben aber wenn ich Stopp schreie und er meint er muss nicht hören dann greife ich ein.

Und nein, ein 4 jähriger hat zu mir nicht zu sagen " du bist blöd" Er kann sagen das er etwas blöd findet oder das er die Sitation blöd findet oder das er eine Bestrafung blöd findet. Aber das Thema hatten wir hier schon mal  :)
Er hat es auch ziemlich am Schluß gesagt. Als alles schon lang wieder ok war, das Buch war da, er hat gespielt. Beide Kinder standen bei uns am Tisch und ich hab es nicht mitbekommen warum er drauf kam und man merkte auch das es ihm rausgerutscht ist und dennoch erlaub ich das nicht.


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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #20 am: 30. März 2016, 12:44:05 »
Da erwartest du tatsächlich mehr Differenzierung von einem 4jährigen, als manch ERwachsener leisten kann.... Er findet ja nicht dich doof, sondern die Situation oder vielleicht sogar sich selber. Aber das würde selbst mir als Erwachsener schwer fallen, es auch so zu formulieren.... Man streitet mit jemandem und ist komplett anderer Meinung und statt dann zu sagen: Man, was bist du doch für ein verbohrter Idiot! zu sagen: Die Situation ist gerade sehr eingefahren und ich bin unzufrieden mit dem Ergebnis..... ehm....dafür haben wir auf der Arbeit Kommunikationsseminare für ERWACHSENE. Ich glaube von einem 4jährigen zu erwarten, dass er nicht sagt:Mama ist doof, sondern "Ich finde die Situation gerade doof" oder "ich ärgere mich, dass du mir das Buch abgenommen hast" kann man einfach nicht erwarten....da musst du dann für ihn formulieren. Also: Ich verstehe, dass du dich über die Situation ärgerst! oder "Ärgert es dich jetzt dass du kein Auto haben darfst? genauso fühlt sich deine Cousine auch gerade wegen des Buches" (wenn es denn so ist) oder halt auch: " ich möchte nicht, dass du mich als doof bezeichnest, nur weil du doch ärgerst"  .... rein entwicklungstechnisch ist in einer Wutsituation alles andere schwierig.

Wie gesagt: Gefährliche Strasse und tobendes Kind sind eine andere Sache, als das was ich eben verstanden habe..... Wobei es da dann ja nicht um Strafe und Konsequenz,sondern um Schutz geht und so ist, wie ich es meinte: In der GEfahrensituation an die Hand und dann ist auch wieder gut . Und die anderen ELtern lassen ihre Kinder dann also an einer stark befahrenen Strasse in einer gefährlichen Situation toben?

Wenn es für dich alles OK war, dann versteh ich den thread und die Frage nicht  :) Wenn du es genauso wieder handhaben würdest, ist es doch OK. Einige würden es anders handhaben., genauso wird es aber sicher noch Meldungen hier geben, von Müttern, die es genauso handhaben und sehen wie du und es gut fanden. Dass du heute noch dran knabberst, schien mir aber eher so, dass es gar nicht so sehr DEIN Weg ist, den du da verfolgst, sondern du irgendwem, irgendwas demonstrieren wolltest? Also evtl. anderen Eltern, deiner Mutter, deinem Kind.....Hab ich dann falsch verstanden.

Deine Frage im ersten thread war, ob du falsch liegst und ihn überforderst und ich antworte darauf: Meiner Meinung nach ja ...... Und nicht nur dass, du machst dabei auch noch dir das Leben schwer und den anderen Gästen, die sich den Nachmittag vielleicht auch anders vorgestellt haben und dem kleinen Mädchen, dass vielleicht ja gern mit dem Cousin gespielt hätte. Aber das ist nur meine Meinung auf deine Frage.
« Letzte Änderung: 30. März 2016, 12:57:54 von lotte81 »


Annakin

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #21 am: 30. März 2016, 12:55:11 »
Lotte, ich bin vollkommen deiner Meinung!



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« Antwort #22 am: 30. März 2016, 13:00:40 »
Nach ein paar Minuten sind beide Kinder samt Ball im Kinderzimmer verschwunden und hatten Spaß zusammen. Nach insg. dann 2 Stunden kam Luis aus dem Kinderzimmer zu mir und meinte er möchte jetzt das Buch holen, M. darf es dann auch haben und ob er dann mit ihren Spielsachen spielen dürfte.



Wobei ich den Absatz nun doch so verstehe, als seinen die Kinder allein im Kinderzimmer gewesen mit samt Ball (ohne Oma?) und DANN kam er irgendwann raus und hat sein Buch geholt? Oder war die Oma dabei, er hat am Rand gesessen und zugeschaut? Aber du schreibst ja, sie hatten Spass gemeinsam.....


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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #23 am: 30. März 2016, 14:38:33 »
Zur Überschrift und grundlegenden Frage:
Ja, Erziehen immer und überall. Denn ales, was ich für oder mit meinem Kind mache beeinflusst es und "erzieht" es.

Zum Geschehnis:
Nicht schön, ich kann leider auch nur den Anderen zustimmen und finde die Situation in vielerlei Hinsicht seltsam.

Was genau wolltest du ihm denn beibringen? Ehrlich, ich verstehe es nicht ganz  :-\

Wenn Dein Sohn sein Buch gibt, darfst DU bestimmen, dass er IHR Spielzeug gibt. Wenn dein Sohn sein Buch nicht gibt, darfst DU bestimmen, dass er IHR Spielzeug nicht bekommt?
Sprich kein Kind hat das Recht selbst über sein Spielzeug zu entscheiden, sondern du bist diejenige, die entscheidet wer mit wessen Spielzeug umgeht?  ???

Auch diesen Gedanken verstehe ich nicht:
Ich seh das einfach anders. Ich kann doch nicht 5 oder 6 Jahre sagen " ja ist gut, dann gib dein Buch nicht ab und spiel ruhig mit den anderen Sachen" Und mit 6 sag ich dann "willst du ihre Sachen musst du deine auch abgeben" nur weil er es dann vielleicht schneller versteht.
Wieso sollte ich 5 Jahre XY beibringen und mit 6 dann etwas anderes? Ich finde die Grundlegende Lehre schon komisch. Dieses aufrechenen ist doch nicht schön, nein, anders gesagt lächerlich.
Beispiel: Ich gebe meine Geige niemandem, wirklich niemandem in die Hand, wenn mir aber jemand seine gibt, erwarte ich doch, dass mein Mann nicht eingreift und brüllt "wenn du deine nicht hergibst, brauchst du auch nicht mit der von XY spielen"  ;)
Nein, da entscheidet jeder selbst über sein Eigentum.
Ich würde ihm eher beibringen: Wenn du nicht teilen willst, KANN es sein, dass Andere auch nicht teilen, damit musst du dann wohl oder übel leben.

~Netti~

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Antw:Erziehen - ständig und überall?
« Antwort #24 am: 30. März 2016, 15:45:31 »
Wenn das Erziehung ist, dann sind meine Kinder vollkommen unerzogen.
Ich empfinde deine Erziehung in diesem Fall als absolut übertrieben und würde weder mir noch meinem Kind sowas antun. Ehrlich gesagt hab ich so  :o geguckt beim lesen.
Ich schließe mich dem allgemeinen Tenor an. Ich hätte vermittelt, das Buch mit beiden Kindern angeguckt (Ich verstehe nämlich, dass eine Zweijährige das neue Tip Toi Buch nicht alleine angucken soll.) danach hätte ich das Buch weggepackt und beide zusammen spielen lassen und gut wär es gewesen.

 

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