Autor Thema: Beitrag bei Punkt12  (Gelesen 7658 mal)

sternchen2301

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Beitrag bei Punkt12
« am: 15. Dezember 2011, 12:37:32 »
Hallo ihr Lieben, habt ihr das eben auch gesehen?

Inaktiver Link:http://www.rtl.de/cms/news/rtl-aktuell/aerzte-liessen-fruehchen-charlotte-sterben-1d152-51ca-71-964493.html [nonactive]

Ich find das so verantwortungslos und bin wirklich geschockt. Selbst wenn die Überlebungschancen gering waren, hätte man es doch versuchen MÜSSEN!

LG, Sabrina

Bettina

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« Antwort #1 am: 15. Dezember 2011, 12:49:31 »
Ich finde das eine sehr sehr schwierige Lage, in der sich die Ärzte und Hebammen da befinden. Diese Grenze, wann Frühchen behandelt werden, bzw. auch reanimiert werden oder nicht kannte ich schon. Zu einem Großteil ist es wohl die Erfahrung, wann es Sinn macht und wann die Chancen so schlecht und gering sind, dass sie dieses kleine Wesen nicht unnötig quälen wollen. Diese Grenze ist wohl lt. gängiger Praxis die 23.SSW.

Nichts desto trotz kann ich auch die Mutter verstehen, die kämpft und sich an den Glauben klammert, dass ihr Kind leben könnte.

Wenn es um eine Schwangerschaft geht, dann sagt jeder (auch hier) jeder Tag mehr ist viel wert. Und da wird so getan als ob 3-4 Tage doch keinen Unterschied gemacht hätten. Aber diese 3-4 Tage gibt es immer. Das ist tragisch und sehr traurig.

Ich wünsche und bete, dass die Mutter lernt ihren Frieden damit zu finden, dass ihr Kind nicht leiden musste und friedlich und ungequält bei ihrer Mama sterben durfte. Und ich hoffe und bete, dass Ärzte und Hebammen weiterhin die Kraft haben ihr Bestes zu geben.

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lotte81

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« Antwort #2 am: 15. Dezember 2011, 13:21:07 »


Ich wünsche und bete, dass die Mutter lernt ihren Frieden damit zu finden, dass ihr Kind nicht leiden musste und friedlich und ungequält bei ihrer Mama sterben durfte. Und ich hoffe und bete, dass Ärzte und Hebammen weiterhin die Kraft haben ihr Bestes zu geben.
Das dachte ich auch...sie ist friedlich und ruhig auf dem Bauch ihrer Mama eingeschlafen, statt umringt von Ärzten und Schwester an Kabeln und Infusionen ....
Nichts desto trotz würde ich genauso handeln wie die Mutter, wäre traurig und sauer und kann ihre Wut verstehen.... Einfach, weil man es vermutlich nie begreift wenn das eigene Kind stirbt und immer versucht zu kämpfen  :-\
Andererseits glaube ich handeln Ärzte so ja nicht aus Willkür oder Boshaftigkeit,sondern aus ERfahrungswerten und "Risiko-/Chancenbewertung"....ich glaube, hätten sie nur eine minimale Chance gesehen, hätten sie gehandelt ...zumindest hoffe ich das ganz stark....
Für die Mama ist es sicher ganz schlimm, wenn sie sieht: Mein Kind hat doch gelebt und ist dann gestorben....die Ärzte haben da evtl ganz andere Dinge gesehen  :-\
Schwierig ist es in jedem Fall und traurig für alle Beteiligten ....
Mich überrascht es allerdings grad, dass die Grenze mittlerweile auf 23 Wochen runter ist :o Bei meinem Grossen hiess es noch 25 Wochen -vorher wird nichts gemacht  :o und das ist nur knapp 6 Jahre her....


Sönnchen

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« Antwort #3 am: 15. Dezember 2011, 13:24:42 »
Ein wirklich schwieriges Thema und mir auch nicht ganz neu.

Ab wann alles versucht werden soll und muss, oh nein, dass kann, möchte und muss ich auch GsD nicht entscheiden.

Ich wünsche und bete, dass die Mutter lernt ihren Frieden damit zu finden, dass ihr Kind nicht leiden musste und friedlich und ungequält bei ihrer Mama sterben durfte. Und ich hoffe und bete, dass Ärzte und Hebammen weiterhin die Kraft haben ihr Bestes zu geben.

Bettina: Das hast du sehr schön geschrieben.

dinblum

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« Antwort #4 am: 15. Dezember 2011, 15:41:18 »
Ich finde das ist echt ein heikles Thema. Ich kann irgendwie beide Seiten verstehen. Leider geht es auch in einem Krankenhaus um Geld. Leider.
Ich kann die Mutter aber auch verstehen das sie kämpft. Richter möchte ich da nicht sein.

Bettina, du hast es echt schön geschrieben und ich würde das genau so unterschreiben.

regenbogen78

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« Antwort #5 am: 15. Dezember 2011, 19:13:06 »
ich habe heute den bericht gesehen und es hat mich wieder sehr mitgenommen.
auch mir wurde stationär in ssw 22 gesagt erst ab ssw 24+5 wird für das baby alles getan,und das war in einem level 1kkh

ich denke jede mutter würde in solch einer situation um das leben des babys kämpfen egal ob der verstand was anderes sagt.

habe danach meinen erik in den arm genommen und wieder gewusst wie dankbar ich sein kann.

lg regenbogen78
"Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie die Unerreichbare, für die Furchtsamen ist sie die Unbekannte, für die Tapferen ist sie die Chance."



jen58

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« Antwort #6 am: 15. Dezember 2011, 19:51:37 »
Ich finde es richtig so zu handeln. Klar versteh ich die Mama auch... Aber wieso so einen kleinen Mensch ewig quälen, wenn die Chance nur sehr sehr gering ist das es überlebt.

Von den Folgeschäden mal abgesehen, die in vielen Fällen ja auch erst Jahre später zum Vorschein kommen...

Also 22. SSW ist extrem früh  :-\

Mein Beileid an die Mama

Ansonsten: Toll geschrieben Bettina
Ich liebe unser Leben und bin so glücklich :-)




Honey

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« Antwort #7 am: 15. Dezember 2011, 19:59:53 »
Aus eigener Erfahrung weiss ich: Jeder Tag im Bauch der Mama erzaehlt und kann eine riesengrosse Differenz fuer das Baby machen. Jeder einzelne.
Ich finde Bettinas Beitrag sehr schoen geschrieben und stehe da auch irgendwie dahinter. Aber ich kann mich auch sehr gut in Mamas reinversetzen, die sagen, warum wurde nicht alles dafuer getan, dass mein Minibaby leben kann. Ich wuerde ganz bestimmt auch so fuehlen. :-[
Armes, kleines Seelchen. Schoen, dass es so einschlafen durfte. Wenn es denn schon fuer immer einschlafen musste. :'(
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« Antwort #8 am: 15. Dezember 2011, 20:02:49 »
Und noch etwas: Es gibt keine 100% "ab jetzt gilt es" Momente... Die geschehen so individuell. Da werden sich auch niemals alle Aerzte der Welt einig sein.
Wenn ich nur an Noahs Schwangerschaft denke... Meine Fachaerztin, ein absolut faehiger Spezialist und ein Krankenhaus schreien "schnell raus mit dem Kind", ein anderes Krankenhaus mit Kinderintensiv sagt: "drin lassen"....
Und als ich mit Hannah im Bauch hinfiel, fragte man im Krankenhaus den Herren an der Notaufnahme-Rezeption, wie weit ich sei und gab ihm die Auskunft vom Kreisssaal: "Sie wissen doch, ab Woche 20 schicken sie die Frauen hoch, davor muesst ihr sie unten aufnehmen, da koennen wir nichts machen." Wenn man so etwas hoert... dreht sich einem einfach der Magen um. :'( So wahr es auch sein mag.
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« Antwort #9 am: 15. Dezember 2011, 20:08:23 »
Jen, das ist wirklich schlimm. Dass intern so damit umgegangen wird kann ich nachvollziehen und ich kann auch verstehen, dass die Menschen, die dort arbeiten eine gewisse Distanz brauchen, um dort überhaupt gute Arbeit machen zu können. Aber dass diese Interna oft so unsensibel an die Betroffenen durchdringen, dafür fehlt oft die Sensibilität.

Erinnert mich an meine erste FG, wo die Frau an der Aufnahme mich über den Tisch hinweg anschaut und sagt "Na ... sie wollten das Kind wohl!" Ja, ich wollte das Kind. Da kommt dann zu dem Schock über das was passiert/passieren wird/passiert ist auch noch der Schock über den Umgang anderer damit.

Das ist ganz traurig!
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« Antwort #10 am: 15. Dezember 2011, 20:16:41 »
Oh je. :-[
Ja, du hast Recht. Man muss sich davon distanzieren, wenn man in diesen Beruf arbeitet. Aber es ist hart, wenn es an den Patienten herankommt.
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Brülläffchen

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  • glücklich komplett??? Komplett glücklich!!!
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« Antwort #11 am: 15. Dezember 2011, 20:34:59 »
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« Letzte Änderung: 26. Dezember 2011, 12:36:53 von Brülläffchen »

LILA

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« Antwort #12 am: 15. Dezember 2011, 22:18:20 »
Ich habe den Beitrag nicht gesehen, aber ich finde es echt wahnsinnig schlimm. Zumal ja manchmal die genaue SS-Dauer gar nicht bekannt ist. Stellt euch vor es wird ein ET zu spät berechnet und dann wird einem Kind nicht geholfen, weil es eben erst 21+5 ist und nicht 22+1? Das finde ich wahnsinnig schlimm und furchtbar.  :'(




Belinda

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« Antwort #13 am: 16. Dezember 2011, 09:20:16 »
Also ich weiß nicht ich denke rein aus Medizinisch/ethischer Sicht haben die Ärzte richtig gehandelt...
Was hätte das Würmchen denn davon gehabt wenn sie es Verkabelt und künstlich am Leben gehalten hätten.  :-\ Von den Folgeschäden ganz abgesehen WENN es denn überlebt hätte.

Natürlich fühlt sich das aus elterlicher Sicht ganz anders an ich kann die Mutter schon gut verstehen.

Funkenflug

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« Antwort #14 am: 16. Dezember 2011, 10:00:52 »
es ist immer schrecklich, wenn ein Kind stirbt.
Und wäre ich an der Stelle der Mutter, würde ich nicht genauso handeln?

Von der Seite des Krankenhauses kann ich das Verhalten nachvollziehen.
Meine Mutter ist Frühgeborenenintensivkrankenschwester. Ich habe als Kind mitbekommen, wie nah ihr die Geschichten dieser Kinder gehen, wie sehr sie das mit nimmt. Wir durften als Kinder immer mal wieder auf diesen Glasgang von dem aus man in die Zimmer schauen konnte und uns diese winzigen Kinder ansehen.

Ich weiß, dass es immer wieder Fälle gab, wo sich alle beteiligten Pflegepersonen gewünscht haben, dass dieses Kind einfach erlöst werden könnte. Gar nicht immer die ganz argen Frühchen, auch ältere Kinder (oft so um die 30. Woche) bei denen sie alles tun mussten, weil es ja "von der Woche her möglich ist" aber von der Konstitution des Kindes aussichtslos war.
Und ich weiß auch wie sehr sie solche Fälle immer mitgenommen haben. Diese kleinen Würmchen an Maschinen, ohne reele Chance, monatelang, eine OP nach der anderen, damit sie dann am Schluss an irgendeiner Infektion elendig zu Grunde gehen.
Manchmal ist es auch einfach schön, wenn ein Kind friedlich diese Welt betreten und auch wieder verlassen kann.
Auch wenn das den Schmerz der Eltern erstmal nicht lindert.
Prinz 3/10
Prinzessin 11/13

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« Antwort #15 am: 16. Dezember 2011, 10:15:09 »
ich schliesse mich auch Allen hier an:

aus Ärztesicht nachvollziehbar...aber auch die Mutter verstehe ich!

Mir hat man auch gesagt 22+ ... nein, da könnte man noch nichts machen, unter 25 würde garnichts unternommen, unter 27 wenn man Glück hat...Und dann liegst du da mit deinen Wehen und kannst nur beten, dass es bitte bitte noch was drin bleibt :'( :'( :'(

Ich weiss nicht wie ich reagiert hätte im Falle eines Falles :'( aber ich kann die Reaktion der Mama verstehen, das war IHR Kind was da gestorben ist :'(
36+3 -> 2940g / 37+4 -> 3320g / 38+5 -> 3660g

Honey

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« Antwort #16 am: 16. Dezember 2011, 10:16:28 »
Danke fuer deinen Beitrag, Funkenflug. Das tat irgendwie gut, von einer solch persoenlichen, fuersorglichen und kuemmernden Seite der Krankenhaeuser zu lesen. :)

Ich hatte mal eine Zusage fuer ein Praktikumsjahr im Krankenhaus, danach im Altenheim und bin keine der Stellen angetreten, weil ich seelisch alle Patientenschicksale nach der Schicht mit nach Hause nehmen wuerde...
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Once

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« Antwort #17 am: 16. Dezember 2011, 17:02:47 »
auf die Berichterstattung von RTL geb ich einfach nichts - das hat einfach zu sehr BILD-Niveau und zu einseitig beleuchtet.

pelα ღ

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« Antwort #18 am: 16. Dezember 2011, 20:15:23 »
Schwierig ist das, meine Tochter ist ja bei 26+5 SSW geboren...
Meine Freundin arbeitet auf der Neonatologie, wo sie auch so unreife Frühchen behandeln mussten, wo sich mit den Elektroden gleich die Haut mit ablöste. Furchtbar...
Aber dennoch, als Mutter verstehe ich die Mutter natürlich.
Viele Grüße Pela


 

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