Autor Thema: Mit 26 noch finanziell unterstützen ?  (Gelesen 1190 mal)

Ricardo333

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Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« am: 21. September 2016, 22:23:13 »
Mein Sohn (26) hat nach einer kurvenreichen Berufsfindungsphase die Ausbildungsphase zum Erzieher bis zum 4. Ausbildungsjahr durchlaufen, wohnt bei der Mutter und bezog bislang Bafög. Mit nun 26 Jahren bekommt er nun nur noch 80,- € mtl. Auf den Gedanken sich durch irgendwelche Jobs etwas hinzu zu verdienen möchte er sich nicht einlassen, argumentiert das die Ausbildung selbst (schulische) ihm soviel abverlange das es ihn überfordern würde zu jobben. Statt dessen nötigt er nach dem Motto "Papa gib Kohle sonst brauchste auch nich mehr anrufen". Selbst ein Vorschlag "verdiene 100 dann schenke ich dir 100" wird als Erpressung ausgelegt. Erwähnen muss man eine schmutzige Scheidungsphase ab seinem 12. Lebensjahr. Bin selbst 54, er hat noch zwei jüngere Schwestern und lebt mit der jüngeren bei der Mutter. Ich bin hin und hergerissen. Natürlich will ich ihm helfen aber soviel unverhohlene Faulheit ( gemessen an dem was ich in meinem Leben noch nebenbei gearbeitet habe.) würde ich keinem anderen hier zuraten. Wie seht Ihr das ?

lotte81

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #1 am: 22. September 2016, 13:07:19 »
Zum einen gibt es ja eine rechtliche Seite. Wie die aussieht, weiß ich gar nicht. Da er aber ja Bafög hatte, ist davon auszugehen, dass du entweder nicht (mehr) unterhaltspflichtig bist wegen des Alter oder aber wegen der finanziellen Situation.

Nun kommt natürlich eine familiäre Seite dazu und ich denke, nach der fragst du. Ich sehe es wie du und finde Faulheit muss nicht unterstützt werden. Immerhin gibt es noch zwei Schwestern, die unterstützt werden müssten und du selber bekommst das Geld auch nicht geschenkt. Einen richtigen Grund, dass er gar nicht arbeiten kann, gibt es nicht! Er könnte, meiner Meinung nach und will nur nicht.
DEine Idee, dass du ihm sein selbst verdientes Geld verdoppelst, finde ich sehr gut und hätte genau so was auch vorgeschlagen. Er soll selber einen  TEil verdienen  und du gibst etwas dazu .....ein Tag am Wochenende arbeiten, in einer Kneipe oder so, geht meiner Meinung nach auch in der Ausbildung! Das machen eigentlich alle, die ich in Erzieherausbildung kenne.... die eine arbeitet beim Metzger, die andere als Babysitter, der dritte geht kellnern usw.. Man ist natürlich auf abends und Wochenende beschränkt, aber es geht. Und wenn man sonntags um 7 Uhr beim Bäcker verkaufen geht.

Alternativ müsste er eben schauen, dass er einen Studienkredit bekommt.

Die Art ERpressung, die er versucht anzuwenden, finde ich für einen 26 jährigen unmöglich. Einem 15jährigen könnte man das ja noch durchgehen lassen, aber dir mit 26 mit Kontaktabbruch drohen? Immerhin will der junge Mann ja bald in einer sehr verantwortungsvollen Position mit Kindern, Elterngesprächen, als Teil eines Teams arbeite. Da sollte er über solche Verhaltensweise eigentlich hinweg sein und vernünftig mit dir nach Lösungen suchen. Immerhin ist es ja reine Kulanz , wenn du ihn überhaupt unterstützt.
Und da er ja bei der Mutter lebt, zahlt er ja zumindest keine Miete, Strom, Wasser, Essen und trinken....Also verhungern müsste er nicht

Alternativ würden mir noch folgendes einfallen: Du bietest an alle schulischen Belange zu zahlen (Fahrkarte, Bücher etc.) und gibst der Mutter ein wenig Kostgeld dazu. Ich denke für Kleidung und Spass reichen 80 Euro und sonst muss er eben doch arbeiten.
Außerdem würde ich ihm klarmachen, dass alles Geld, das er bekommt nur geliehen ist. Ob du es ihm dann nach erfolgreicher Ausbildung erlässt oder nicht, kannst du ja dann schauen  ;)

Klar, ich würde meine Kinder IMMER und in jedem Alter nach Kräften unterstützen, auch finanziell, wenn möglich. Aber eben nur, wenn ich den Eindruck habe, es wird auch selber noch was getan.... Und auf Erpressung würde ich eh allergisch reagieren.



Solar. E

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #2 am: 22. September 2016, 16:09:56 »
Also ich glaube ihm schon, dass die Ausbildung ziemlich hart ist und es währenddessen finanziell eng ist. Zumindest was die Erzieherinnen bei uns im Kiga so erzählten, war da nicht wirklich was drin zeitlich mit nebenher was dazuverdienen. Ich würde daher nicht per se Faulheit unterstellen, sondern mal nachfragen, wie voll sein Zeitplan denn nun konkret ist und mir danach erst ein Urteil bilden.

Allerdings finde ich die Erpressernummer auch daneben und würde auf der Schiene mit mir auch nicht reden lassen - und genau das würde ich ihm auch sagen.


Ich persönlich habe studiert, wenn auch ganz andere Richtung - und nein, ich hatte definitiv keine Zeit mehr, nebenher noch jobben zu gehen, abgesehen von gelegentlichen HiWi-Jobs an der Uni. Das hatte diverse Gründe und ich bin meinen Eltern heute noch sehr dankbar für ihre Unterstützung und dass sie dies nie in Frage gestellt haben.  :D

« Letzte Änderung: 22. September 2016, 16:11:40 von Solar. E »

lotte81

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #3 am: 22. September 2016, 21:24:22 »
Echt? Ich kenne eigentlich niemanden, der sich das leisten konnte im Studium nicht zu arbeiten. Wenigstens stundenweise oder halt voll in der studienfreien Zeit..... Und die Erzieherschüler in meinem Umfeld derzeit arbeiten wie gesagt auch alle. Dann halt wirklich nur abends (babysitten) oder am Wochenende.

Wobei ich immer noch auch einen Unterschied darin sehe, ob ich meinem Kind die Erstausbildung mit finanziere und das Kind sich dran hält fertig zu werden oder ob ich mein Kind mit 26 Jahren immer noch durchfüttern muss, weil er nicht in die Puschen kam und er dann noch versucht Druck zu machen.

und in dem konkreten Fall: Der junge Mann ist 26 Jahre alt, lebt bei seiner Mutter (das vermutlich schon kostenfrei) und hat noch 80 Euro Bafög. So viel zusätzlich benötigt man dann ja auch nicht zum überleben.

Evtl. macht es ja auch Sinn mal zu überlege, wie viel Geld er überhaupt wirklich braucht und über dieses Geld dann sprechen, ob man es ihm schenkt oder leiht. Alles weitere , was fürs Ausgehen und Spielereien gedacht ist, muss er sich halt selber verdienen.

 Und auch da evtl. mal gemeinsam schauen, wie er sich anders strukturieren kann, damit vielleicht doch wenigstens noch 3 Stunden am Wochenende frei sind ..... er kann doch als Erzieher z.b. super babysitten ...dabei kann man sogar noch lernen (also, wenn die Kinder schlafen)... Klar, der eine ist schneller im Stress, als andere! Jeder ist anders belastbar!!!Aber er muss ja auch keine 1000 Euro im Monat verdienen.

Aber gut, vielleicht bin ich da auch grad zu hart, weil ich es selber nicht kenne bzw. auch nicht wollte .  Mein Mann dagegen wurde sehr großzügig unterstützt... Mit dem ERgebnis, dass er in der selben Zeit ein Studium beendet hat, die ich für 2 Stundienabschlüsse , inkl 2 Kinder zwischendrin bekommen, gebraucht habe  ;) Ihm hat irgendwie Antrieb gefehlt, weil er eben im Leben gewohnt war, dass Mama u Papa alles finanzieren. Es war irgendwie nie notwendig fertig zu werden.

und was man bei dem Sohn in dem Fall ja nicht übersehen darf ist, dass er schon kostenfrei wohnt und isst (vermute ich jetzt einfach mal! wenn nicht ist es natürlich von den Ausgaben her was anderes). ER verhungert also acuh nicht mit "nur" 80 Euro im Monat.

Damit er die Ausbildung durchzieht, würde ich mich ggf. auf folgenden Kompromiss einlassen: Kostenfrei wohnen u essen bei Mama, Papa zahlt schulische Dinge/ Fahrkarte und Krankenkasse bzw leiht einen Teil davon, je nach Kosten), die 80 Euro sind für den Spass und was er noch zusätzlich braucht, muss er eben verdienen. Klar, mit 80 Euro bekommt man nicht viel Kleidung und ausgehen wird auch eher weniger gehen, aber dann muss er eben arbeiten.


Solar. E

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #4 am: 22. September 2016, 21:50:55 »
Bei mir war es halt so, dass ich im laufenden Semester immer bis in den Abend hinein mit Lernen und Übungen, die abzugeben waren, beschäftigt war, dazu dann noch Klausurvorbereitungen.  In Stoßzeiten hatte ich dieses Programm auch am Wochenende. Und da war ich nicht alleine damit - wir sagten immer, wenn 24 Stunden pro Tag nicht reichen, nehmen wir halt noch die Nacht dazu  :P In den Semesterferien kamen dann ebenfalls Prüfungsvorbereitungen dazu sowie Praktika - diese wurden an der Uni als Lehrveranstaltungen über Wochen abgehalten und war wie ein Vollzeitjob - ohne Bezahlung  :P Kompromiss bei uns war, ich bleibe bei meinen Eltern wohnen und gehe an die einzige Uni, die pendelnderweise erreichbar ist, was für beide Seiten die geringsten Kosten verursacht hat. OK, bei mir war das auch die Erstausbildung, d.h. Arbeitsmaterial, Essen und Kleidung brauchte ich ohnehin und so wurde die Miete für die Studentenbude eingespart. Bafög bekam ich nicht, da Verdienst der Eltern zu hoch. Extra Fahrtkosten hatte ich dank Semesterticket auch nicht, Kindergeld ging komplett an meine Eltern. Dafür hab ich dann halt selbst fast nix verdient und ganz ehrlich, ich hätte auch nicht gewusst wann ich das noch hätte machen sollen, zumal mir meine Eltern dazu noch sagten, das was du zuviel verdienst wird eh beim Kindergeld wieder abgezogen, sieh lieber zu, dass du dein Studium durchziehst.

Das heisst nun nicht, dass ich dafür bin, den Kindern alles hinten reinzuschieben (hab ich nämlich auch nicht bekommen, auch wenn es möglicherweise so aussieht) und dass sie nichts machen müssen, aber wenn ich selbst die Möglichkeit habe, Unterstützung zu bieten und mir das nicht wehtäte finanziell, würde ich diese Unterstützung ganz sicher nicht verweigern, wenn ich sehe, dass die Ausbildung vorwärts geht und es das ist, was mein Kind gerne machen würde. Selbst wenn dieses schon 26 ist.
« Letzte Änderung: 22. September 2016, 21:54:13 von Solar. E »

lotte81

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #5 am: 22. September 2016, 22:23:47 »
Unterstützen würde ich schon immer , wenn ich kann ...auch eine zweite Ausbildung meinetwegen, aber immer im Rahmen und mit der Erwartung dass auch selber was getan wird. und in dem Alter würde ich Unterstützung wirklich auf lebensnotwendig und schulsachen beschränken und eigentlich wirklich eigenleistung erwarten.
Was mich an dem Beispiel noch am meisten ärgern würde ist, dass ein erwachsener Mann, der Jahre Nicht richtig in die Puscheln kam, nicht nur Ansprüche stellt, sonder die auch nich erpressen will.

Wie gesagt, mal schauen was er genau an Geld braucht und einer evtl doch ich zeitlich Möglichkeiten hat, könnte man in jedem Fall gemeinsam machen ...
es ist ja gut, dass er überhaupt fünf Ausbildung macht und nicht nur jobben geht... Das muss man natürlich auch anerkennen!


Solar. E

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #6 am: 22. September 2016, 22:41:49 »


Was mich an dem Beispiel noch am meisten ärgern würde ist, dass ein erwachsener Mann, der Jahre Nicht richtig in die Puscheln kam, nicht nur Ansprüche stellt, sonder die auch nich erpressen will.



Ja klar, das sagte ich ja auch schon (und finde so ein Verhalten btw auch nicht wirklich erwachsen  s-:)).

Ansonsten sind wir doch meinungsmäßig gar nicht weit auseinander  :) Mir wurde auch kein großes Amusement finanziert, sondern im Grunde das Nötigste. Auto oder sonstige kostspieligen Hobbys hatte ich nicht und bekam ich auch nicht finanziert, weder von den Eltern noch hätte ich selbst das hinbekommen, also war das schlicht nicht drin. War aber nicht weiter schlimm.

Ricardo333

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #7 am: 12. Oktober 2016, 20:44:48 »
Ich hatte ihm die 1:1 € Variante (1 € verdienen und einen € gebe ich dazu) angeboten (sms) - was nun kam ist ein Schreiben vom (s)einem Anwalt.
Weiß jemand ob seine Ansprüche "grundsätzlich" (keine Einzelfallberatung) haltbar sind, wenn er selbst überhaupt nichts dazu beiträgt seine finanzielle Belastung / Situation durch hinzuverdienen (Nebenjob) zu verbessern ?

Mondlaus

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #8 am: 12. Oktober 2016, 21:35:40 »
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« Letzte Änderung: 07. November 2016, 12:11:32 von Mondlaus »
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lotte81

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« Antwort #9 am: 14. Oktober 2016, 15:37:03 »
Klingt ja nett  :-X Ich denke, dass es in dem Alter als Ausbildungsförderung immer Einzelfallentscheidungen sind. Warum, wieso, weshalb jemand so lange gebraucht hat. Wie und wo er lebt..... Grundsätzlich muss die Erstausbildung bis zu einem gewissen Alter bezahlt werden. Ich dachte immer,die Grenze sei wie beim Bafög und Kindergeld 25 Jahre, ABER selbst dabei gibt es ja Ausnahmen.....
Vielleicht solltet ihr euch wirklich noch Mal zusammensetzen, am besten mit einem unbeteiligten Vermittler, und dann überlegen: Wie viel Geld braucht er wirklich und was steht im überhaupt an Unterhalt zu (vielleicht könntest du das ja mal prüfen lassen...da er ja schon mietfrei wohnt etc, ist die Frage, ob ihm überhaupt GEld zustehen würde oder der Mutter?!) und vielleicht, was du realistisch überhaupt geben kannst oder musst...... Wenn er vorher Ausbildungsbeihilfe/ Bafög hatte, kann es ja auch sein, dass du gar nichts zahlen musst, weil gar nicht das entsprechende Einkommen vorliegt? Sonst hätte er doch kein Bafög bekommen?
Nichts desto trotz würde ich versuchen mit meinem Kind zu reden und ihn mal klar auflisten lassen, wofür er denn wie viel Geld im Monat braucht und ihm meinerseits zeigen, was ich geben KANN/ KÖNNTE... Das ganze jetzt vor Gericht enden zu lassen, wird mit Sicherheit nicht friedlicher enden  :-\ Aber ich wäre auch ganz schön sauer und enttäuscht von meinem Kind.
Andererseits kann dieser Schritt natürlich auch zeigen, dass er verzweifelt ist und wirklich nicht weiter weiß..... daher vielleicht mal einen unbeteiligten dritten dazu nehmen, der vermitteln kann und in Ruhe sprechen.....


hallihallo

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Antw:Mit 26 noch finanziell unterstützen ?
« Antwort #10 am: 17. November 2016, 20:35:15 »
Die Erstausbildung muss finanziert werden. Sobald die zweite Lehre abgebrochen wird, ist man als Elternteil raus und er hat keinen Anspruch.

Grundsätzlich ist es sogar empfehlenswert in der Erzieherausbildung auch nebenbei pädagogisch zu arbeiten. Und wenn es nur zehn Stunden in der Woche sind. Die Erfahrungen, die man dort sammeln kann, sind sehr hilfreich für die spätere Berufspraxis.

 

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